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Das politische Wirken der Äbtissin Hildegard von Bingen dargestellt am Briefwechsel mit ihren Zeitgenossen

Titel: Das politische Wirken der Äbtissin Hildegard von Bingen dargestellt am Briefwechsel mit ihren Zeitgenossen

Hausarbeit , 2012 , 22 Seiten , Note: 2,3

Autor:in: Henning Gädeken (Autor:in)

Geschichte Europas - Mittelalter, Frühe Neuzeit
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Äbtissin Hildegard von Bingen (1098–1179) war in der mittelalterlichen Zeit, in der ausschließlich Männer die höchsten kirchlichen und weltlichen Ämter bekleideten, eine äußerst bedeutende Frau, die von ihren Zeitgenossen hoch geschätzt und verehrt wurde. Kaum eine Persönlichkeit des Mittelalters hat es erreicht, einen derart großen Fundus aussagekräftiger theologischer, naturwissenschaftlicher, medizinischer und poetischer Texte zu hinterlassen.
Als spätere benediktinische Reichsäbtissin übte Hildegard von Bingen großen politischen Einfluss aus. In ihren überlieferten Briefen an die hohe Geistlichkeit sowie an weltliche Herrscher bezog sie deutlich Stellung zu politischen Missständen, erteilte Ratschläge und scheute auch vor öffentlichem Tadel nicht zurück. Dabei bezeichnete sich Hildegard selbst als „armselige, erbärmliche und mehr als erbärmliche Frau […]“ und betonte immer wieder ihre Ungebildetheit. Ihre Worte basierten einzig und allein auf persönlicher Gotteserfahrung, die sie in Form von Visionen erhielt. Mahnend führte sie ihren tiefreligiösen Zeitgenossen nicht ihre eigenen Worte, sondern den Willen Gottes vor Augen und viele von ihnen hörten auf ihren Rat und verehrten die Meisterin vom Rupertsberg als Prophetin.
Trotz ihrer bedeutsamen Einflussnahme auf politische und gesellschaftskritische Themen des Mittelalters blieb sie stets eine bescheidene, demütige und gottesfürchtige Benediktinerin und litt während ihres langen Lebens immer wieder unter körperlicher Schwäche und diversen Krankheiten, die sie niederstreckten, wenn sie den Menschen nicht Gottes Worte offenbaren konnte.
Die herangezogenen Textquellen, anhand derer die politische Einflussnahme Hildegard von Bingens untersucht werden soll, sind in erster Linie die von Adelgundis Führkötter übersetzten und erläuterten Hildegardbriefe. Die Übersetzung des Briefwechsels Hildegard von Bingens folgt den ältesten Handschriften, die zum Großteil der Schreibstube der Rupertsberger Magistra entstammten und 1956 als echtes Hildegardisches Schrifttum nachgewiesen wurden. Adelgundis Führkötter bemühte sich trotz des „ungeglätteten Lateins“ Hildegard von Bingens die Originaltexte so wortgetreu wie möglich zu übersetzen. Zu der teilweise schwierigen Übersetzung und Deutung der Briefe kam eine lückenhafte Quellenlage, die es erforderlich machte nicht nur die Briefe Hildegards sondern auch die ihrer Briefpartner im Kontext zu sehen, um ihr politisches Wirken ganzheitlich nachzeichnen zu können.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Beispiele politischer Wirksamkeit Hildegard von Bingens aufgezeigt am Briefwechsel mit ihren Zeitgenossen

2.1 Briefwechsel mit Papst Eugen III.

2.1.1 Päpstliche Erlaubnis zur Verschriftlichung der Visionen

2.2 Briefwechsel mit Erzbischof Heinrich von Mainz

2.2.1 Genehmigung der Gründung des Klosters Rupertsberg

2.3 Briefwechsel mit Kaiser Friedrich Barbarossa

2.3.1 Erhebung des Rupertsberger Klosters zum Reichskloster

2.3.2 Kritik am Schisma

2.4 Briefwechsel mit der Meisterin Tenxwind

2.4.1 Neue Bräuche im Kloster Rupertsberg

2.4.2 Gründung des Klosters Eibingen mit ständegemischter Belegschaft

2.5 Briefwechsel mit dem Klerus

2.5.1 Mahnende Worte an den Klerus

2.6 Briefwechsel mit den Mainzer Prälaten

2.6.1 Interdikt über Kloster Rupertsberg

3. Zusammenfassung und Resümee

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das politische Wirken der Äbtissin Hildegard von Bingen, indem sie deren umfangreiche Korrespondenz mit bedeutenden zeitgenössischen Persönlichkeiten des 12. Jahrhunderts analysiert, um aufzuzeigen, wie sie ihren Status als Prophetin und Reichsäbtissin für gesellschaftspolitische Einflussnahme nutzte.

  • Politische Einflussnahme durch Korrespondenz
  • Die Rolle der Visionen als legitimierende Autorität
  • Verhältnis zu kirchlichen und weltlichen Machthabern
  • Strukturelle Neuerungen in der Klosterführung
  • Konfrontation mit kirchenpolitischen Krisen (Schisma, Interdikt)

Auszug aus dem Buch

2.3.2 Kritik am Schisma

Zu Beginn war Hildegard von Bingen von Kaiser Friedrich Barbarossa und dessen politischem Geschick sehr angetan. Dies änderte sich jedoch als die Streitigkeiten zwischen Papst und Kaiser eskalierten, denn Friedrich Barbarossa strebte eine Wiederherstellung des karolingischottonischen Reichskirchensystems an und sah sich selbst als Inhaber der höchsten irdischen Instanz, der machtmäßig über der Kirche stand. Infolge der Streitigkeiten mit der christlichen Kirche stellte Friedrich Barbarossa nach dem Tode Papst Hadrians IV. im achtzehn Jahre währenden Schisma drei kaiserliche Gegenpäpste auf: Viktor IV. (11591164), Paschalis III. (11641168) und Calist III. (11681177).

Hildegard wollte sich zunächst in die Streitigkeiten zwischen Papst und Kaiser nicht einmischen, zumal auch die deutschen Bischöfe zwiegespalten waren. Da Friedrich aber uneinsichtig blieb und mit Paschalis III. erneut einen Gegenpapst aufstellte, sah Hildegard die religiöse, politische und gesellschaftliche Einheit der christlichen Kirche in Gefahr und bezog deutlich Position für Papst Alexander III. der christlichen Kirche.

1164 schlug sie in einem Brief an den Kaiser daher mahnende Worte an, zeigte ihm in der Schilderung ihrer Vision ihre deutliche politische Gegenstellung auf und riskierte damit ihre Kaisergunst: „O König, es ist dringend notwendig, daß du in deinen Handlungen vorsichtig bist. Ich sehe dich nämlich in der geheimnisvollen Schau wie ein Kind, einen unsinnig Lebenden vor den lebendigen Augen (Gottes). Noch hast du Zeit, über irdische Dinge zu herrschen. Gib acht, daß der höchste König dich nicht zu Boden streckt wegen der Blindheit deiner Augen, die nicht richtig sehen, wie du das Zepter zum rechten Regieren in deiner Hand halten mußt. Darauf hab acht: Sei so, daß die Gnade Gottes nicht in dir erlischt!“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Bedeutung der Äbtissin Hildegard von Bingen ein und legt den Fokus auf ihre politische Einflussnahme durch visionäre Gotteserfahrungen und Korrespondenz.

2. Beispiele politischer Wirksamkeit Hildegard von Bingens aufgezeigt am Briefwechsel mit ihren Zeitgenossen: Dieses Hauptkapitel analysiert anhand spezifischer Briefwechsel, wie Hildegard von Bingen ihre Autorität gegenüber Papst, Kaiser, Klerus und anderen Äbtissinnen politisch nutzte.

3. Zusammenfassung und Resümee: Das Kapitel fasst die gewonnen Erkenntnisse über die politischen Wirkungsweisen Hildegard von Bingens zusammen und bewertet ihren Status als einflussreiche Frau im Mittelalter.

Schlüsselwörter

Hildegard von Bingen, Mittelalter, Korrespondenz, politische Wirksamkeit, Reichsäbtissin, Visionen, Papst Eugen III., Kaiser Friedrich Barbarossa, Schisma, Kloster Rupertsberg, Kloster Eibingen, Klerus, Interdikt, Prophetin, Kirchenpolitik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der politischen Rolle und Einflussnahme der Äbtissin Hildegard von Bingen im 12. Jahrhundert, basierend auf ihrem Briefwechsel mit einflussreichen Zeitgenossen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Zentrale Themen sind die Nutzung ihrer visionären Autorität, die strategische Gründung und Unabhängigkeit ihres Klosters sowie ihr aktives Eingreifen in kirchenpolitische Konflikte.

Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Hildegard von Bingen ihre Position als Visionärin und Äbtissin nutzte, um politische und gesellschaftskritische Missstände im Mittelalter zu beeinflussen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin verwendet eine historisch-analytische Methode, indem sie zeitgenössische Korrespondenz analysiert und in den Kontext der historischen Ereignisse des 12. Jahrhunderts einbettet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden konkrete Briefwechsel mit dem Papst, Kaiser Barbarossa, dem Klerus und der Meisterin Tenxwind untersucht, um ihr politisches Handeln praxisnah zu illustrieren.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Hildegard von Bingen, politische Wirksamkeit, Korrespondenz, Reichsäbtissin und mittelalterliche Kirchenpolitik definiert.

Wie gelang es Hildegard, als Frau eine solche Machtfülle zu erlangen?

Hildegard legitimierte ihre politische Teilhabe durch ihre als göttlich anerkannte Visionsgabe, die ihr als „Prophetin“ eine gesellschaftliche Ausnahmestellung verschaffte.

Welche Bedeutung hatte das Interdikt über das Kloster Rupertsberg?

Das Interdikt stellte Hildegards politisches Geschick auf die Probe, da sie erstmals ihre Visionen nicht als direktes Argument für die Aufhebung der Sanktionen nutzen konnte und ihre Strategie ändern musste.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Das politische Wirken der Äbtissin Hildegard von Bingen dargestellt am Briefwechsel mit ihren Zeitgenossen
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Historisches Institut)
Veranstaltung
"Frauenherrschaften"- Familie und Verwandtschaft
Note
2,3
Autor
Henning Gädeken (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
22
Katalognummer
V201570
ISBN (eBook)
9783656282891
ISBN (Buch)
9783656283539
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hildegard von Bingen politisches Wirken Frauen Mittelalter
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Henning Gädeken (Autor:in), 2012, Das politische Wirken der Äbtissin Hildegard von Bingen dargestellt am Briefwechsel mit ihren Zeitgenossen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201570
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Leseprobe aus  22  Seiten
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