Vladimir Nabokov ist unumstritten einer der bedeutendsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Durch seinen komplexen und eloquenten Stil fällt er sowohl seinen Lesern als auch seinen Kritikern als brillianter Ironiker ins Auge. Da seine Werke vielen durch die sich immer wiederholenden sprachlichen Muster, durch inhaltliche Kernthemen und mehr oder weniger versteckte
Querverweise auf andere schriftstellerische Meisterwerke des Literaturkanons miteinander verbunden scheinen, wird das Ziel dieser Hausarbeit sein, die Romane Maschenka und Lolita einander gegenüberzustellen und anhand vorher abgegrenzter Episoden zu vergleichen. Für ein besseres Verständnis Nabokovs finde ich es hilfreich über ein größeres Wissen hinsichtlich der Biographie des Schriftstellers zu verfügen, daher werde ich zu Beginn kurz auf jene eingehen, dann die für Nabokov so typische Verwendung von literarischer Ironie eingehender beleuchten, bevor ich anschließend die Handlung der beiden zu betrachtenden Romane kurz zusammenfassen werde. Als abschließende Aufgabe habe ich es mir zum Ziel gemacht, herauszufinden, ob sich in Nabokovs Welterfolg Lolita ironische Anspielungen auf seinen Erstlingsroman Maschenka finden lassen.
Ich hoffe, in der Schlussfolgerung diese Frage dann beantworten zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vladimir Nabokov
3. Ironie in der Literatur
3.1. Ironie bei Nabokov
4. Darstellung der beiden Romane
4.1. Maschenka
4.2. Lolita
5. Gegenüberstellung
5.1. Vergleich auffallender Merkmale bei Maschenka und Lolita
5.2. Untersuchung der beiden letzten Begegnungen
6. Schlussfolgerung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Das Ziel dieser Arbeit ist es, die Romane Maschenka und Lolita von Vladimir Nabokov in einer vergleichenden Analyse gegenüberzustellen, um herauszufinden, ob sich in Lolita ironische Anspielungen auf den Erstlingsroman Maschenka finden lassen.
- Biografische Hintergründe und literarische Prägung von Vladimir Nabokov
- Theorie der Ironie und deren spezifische Anwendung bei Nabokov
- Inhaltliche Analyse und Zusammenfassung der Romane Maschenka und Lolita
- Vergleichende Untersuchung der zentralen Motive, Erzählstrukturen und Protagonisten
- Analyse der finalen Begegnungen der Romanfiguren mit ihren jeweiligen Musen
Auszug aus dem Buch
3.1. Ironie bei Nabokov
Vladimir Nabokov nutzt die Ironie in all ihren Spielarten – als rhetorische Tropen, Wiederholungen, als pures Ästhetisierungsmoment und durch das Einsetzen unzuverlässiger Erzähler, die obendrein noch dazu tendieren, sich selbst zu ironisieren. Während er sie in seinen frühen Werken noch spärlich und zaghaft auftreten lässt, entfalten sie in seinen späteren Schriften ihren vollen Umfang. Besonders in seinem Erfolgsroman Lolita, welcher hier im späteren Verlauf noch eingehender beleuchtet werden, lassen sich zahlreiche Mittel literarischer Ironie finden. Nabokovs Schriften zeichnen ihn als einen „großen Ironiker und [...] Stilisten“ aus, der die verschiedenen ästhetisierenden Momente der Ironie schichtet und übereinander legt, ohne dabei mit hochgezogener Augenbraue nach der einzigen und echten Wahrheit zu jagen.
Liest man dann noch Interviews mit Nabokov, kann man sich gewiss sein, dass er auch im privaten Leben vor dem Gebrauch ironischer Wendungen nicht zurückschreckte. Allein die Bemerkung, er wäre ein „vollkommen normales, trilinguales Kind“ gewesen, lässt tief blicken, da sich die Trilingualität eines Sechsjährigen durchaus als etwas Außergewöhnliches bezeichnen lässt. In einem weiteren Interview beschreibt er sich, wieder die Kindheit betreffend, als einen Zauberer, der es liebte einfache Tricks zu vollführen – wie etwa Wasser in Wein zu verwandeln. Dies ist nicht nur eine ironische Anspielung auf seine eigene Brillanz, sondern könnte auch als ein parodistisch verpackter Seitenhieb des bekennenden Agnostikers auf eine der größten Heilsbringergestalten in den Weltreligionen, Jesus Christus, zu verstehen sein.
Beim Lesen Nabokovs fällt der häufige Gebrauch der Ironie als ästhetisches Mittel jedenfalls auf. Es kommt ebenfalls die Vermutung auf, dass der Autor großen Spaß an dieser sprachlichen Kür findet, mit der er es schafft, selbst dem eifrigsten Leser immer wieder neue Rätsel aufzugeben. Renate Hof schreibt, es sei „...als gleiche die Rolle des Interpreten in fataler Weise der Situation vieler Erzähler-Helden in Nabokovs Romanen, die versuchen, Informationen und Ereignisse in sinnvollen Muster zusammenzusetzen, ...“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hier wird das Ziel der Arbeit definiert, die Romane Maschenka und Lolita vergleichend zu betrachten und nach ironischen Anspielungen zu suchen.
2. Vladimir Nabokov: Dieses Kapitel zeichnet den Lebensweg Nabokovs nach, von seiner Kindheit in Russland über das Exil bis hin zu seinem literarischen Schaffen in Amerika und der Schweiz.
3. Ironie in der Literatur: Es werden die theoretischen Grundlagen der Ironie als rhetorische Figur und literarisches Stilmittel erörtert.
3.1. Ironie bei Nabokov: Dieser Abschnitt konkretisiert den Einsatz der Ironie in Nabokovs Werken, unter anderem durch das Mittel des unzuverlässigen Erzählers.
4. Darstellung der beiden Romane: Die Handlungen der beiden Romane werden zusammengefasst, um eine Basis für den späteren Vergleich zu schaffen.
4.1. Maschenka: Eine inhaltliche Zusammenfassung von Nabokovs Erstlingsroman, der im Berliner Exil spielt.
4.2. Lolita: Eine inhaltliche Zusammenfassung des Romans über Humbert Humbert und seine obsessive Beziehung zu Lolita.
5. Gegenüberstellung: Die zentralen Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Werke, insbesondere hinsichtlich der Rolle der Erinnerung und der Erzählweise, werden analysiert.
5.1. Vergleich auffallender Merkmale bei Maschenka und Lolita: Ein tiefergehender Vergleich der Protagonisten, der Erzählperspektiven und der Bedeutung der Vergangenheit.
5.2. Untersuchung der beiden letzten Begegnungen: Dieser Teil widmet sich dem spezifischen Vergleich, wie die Protagonisten ihre jeweiligen Musen am Ende ihrer gemeinsamen Geschichte wahrnehmen.
6. Schlussfolgerung: Das Fazit der Untersuchung, in dem festgestellt wird, dass sich keine direkten ironischen Anspielungen von Lolita auf Maschenka finden lassen, sondern eher stilistische Gemeinsamkeiten.
Schlüsselwörter
Vladimir Nabokov, Maschenka, Lolita, Ironie, Literaturanalyse, unzuverlässiger Erzähler, Erinnerung, Exilliteratur, Ästhetisierung, Erzählstruktur, Romanvergleich, Literaturkritik, Identität, Sprache, Motivik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die zwei Romane Maschenka und Lolita von Vladimir Nabokov im Hinblick auf Gemeinsamkeiten und potentielle ironische Bezüge.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Neben der Biografie des Autors stehen die Funktion von Ironie, die Bedeutung von Erinnerungen und die Charakterisierung der Romanprotagonisten im Fokus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Die Forschungsfrage ist, ob der später erschienene Roman Lolita spezifische ironische Anspielungen auf den Erstlingsroman Maschenka enthält.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die auf Inhaltszusammenfassungen und einem komparativen Vergleich der Texte sowie einschlägiger Forschungsliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur Ironie, die inhaltliche Vorstellung der Romane und eine detaillierte vergleichende Analyse der Protagonisten und ihrer Begegnungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Nabokov, Ironie, Maschenka, Lolita, Erinnerung, Ästhetik und die Analyse von Erzählstrukturen.
Wie unterscheidet sich die Erzählweise in den beiden Romanen?
Während Maschenka einen eher sachlichen, direkten Erzählstil pflegt, nutzt Nabokov in Lolita den "unzuverlässigen Erzähler", um den Leser durch Ironie und sprachliche Komplexität aktiv herauszufordern.
Zu welchem Schluss kommt der Autor hinsichtlich der ironischen Bezüge?
Der Autor kommt zu dem Ergebnis, dass keine direkten ironischen Anspielungen von Lolita auf Maschenka nachweisbar sind, sondern dass beide Werke lediglich typische Motive für Nabokovs literarische Welt teilen.
- Arbeit zitieren
- Christl Hinte (Autor:in), 2012, Nabokov's Ironie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201572