Hepatitis B in Norddeutschland

Zur Situation der akuten Virushepatitis B in Norddeutschland im Zeitraum von 2001 bis 2010


Studienarbeit, 2011

17 Seiten, Note: 1,0


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Inhaltsverzeichnis

Abstract

Einleitung

Situation weltweit, europaweit und deutschlandweit

Krankheit

Kosten für Hepatitis B

Meldepflicht und Falldefinition

Surveillancesystem

Hepatitis B in Norddeutschland
Demographische Verteilung
Regionale Verteilung

Prävention und Aufklärung

Fazit

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Quellenverzeichnis

Anhang mit Grafiken

Anmerkung: Im folgenden Text wird bei der Nennung bestimmter Personengruppen nur die männliche Form verwendet, die jeweils auch stellvertretend für die weibliche Form steht .

Abstract

Einleitung

Weltweit sind 2 Milliarden Menschen mit Virushepatitis B infiziert. Das Hepatitis-B-Virus wird auf sexuellem, parenteralem oder perinatalem Weg übertragen und hat ausgewiesene Risikogruppen wie z.B. intravenös Drogenkonsumierende und homosexuelle Männer. Die krankheitsbedingten Kosten für Hepatitis B betrugen deutschlandweit zwischen 2002 und 2008 ca. 110 Mio. €. Die Virushepatitis B ist nach §§ 6 und 7 des Infektionsschutzgesetzes meldepflichtig.

Der folgende Bericht umfasst die Bundesländer Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern im Zeitraum von 2001 bis 2010.

Hepatitis B in Norddeutschland

Die Daten bzw. Inzidenzen für Hepatitis B wurden mit dem Programm SurvStat des Robert-Koch-Instituts ermittelt.

Die geschlechtsspezifische Inzidenz pro 100.000 Einwohner zeigt im Verlauf des Beobachtungszeitraums eine fallende Tendenz. Geschlechtsspezifisch zeigt sich bei Männern konstant eine höhere Inzidenz, die sich 2010 jedoch der stets niedrigen Inzidenz der Frauen annähert. In den Altersgruppen zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr finden sich bei beiden Geschlechtern die höchsten Inzidenzen wieder. Bei Männern zeigt sich ein Häufigkeitsgipfel in der Altersgruppe der 25- bis 29-Jährigen, bei Frauen in der der 20- bis 24-Jährigen. Hamburg wies mit 1,84 die höchste durchschnittliche Inzidenz unter den norddeutschen Bundesländern auf, Mecklenburg-Vorpommern mit 0,91 die niedrigste.

Prävention

Neben Aufklärungskampagnen und hygienischer Prophylaxe ist Impfen die Maßnahme der Wahl. Impfquoten aus der Schuleingangsuntersuchung von 2005 bis 2008 wiesen in Niedersachsen, Bremen und Schleswig-Holstein einen Anstieg auf.

Diskussion

Auch wenn sich Qualität und Vollständigkeit der Meldedaten nach Einführung des Infektionsschutzgesetzes verbessert haben mögen, muss doch mit einer hohen Dunkelziffer an Hepatitis-B-Fällen in Norddeutschland gerechnet werden. Die Datenlage zu Impfquoten und Durchseuchungsraten, insbesondere bei Risikogruppen, sollte zukünftig verbessert werden, damit Präventionsmaßnahmen gezielt und effektiv durchgeführt werden können.

Einleitung

Virusbedingte Leberentzündungen gehören zu den bedeutsamsten Infektionserkrankungen. Die Hepatitis B ist eine der häufigsten Infektionskrankheiten weltweit. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind ca. 2 Milliarden Menschen mit dem Hepatitis-B-Virus (HBV) infiziert, was etwa ein Drittel der Gesamtbevölkerung ausmacht. Zudem ist das Hepatitis-B-Virus 50 bis 100 Mal so ansteckend wie das HI-Virus. Bis zu 1 Million Menschen sterben jährlich an den Folgen des Virus [1]. Die erhebliche gesundheitspolitische Bedeutung der Hepatitis B ergibt sich in erster Linie aus den Folgen chronischer Infektionen, insbesondere der Entwicklung einer Leberzirrhose bzw. eines Leberzellkarzinoms [2].

Im Folgenden werden die Hepatitis-B-Erkrankung, die Krankheitsüberwachung, die Prävention und die Verbreitung des Hepatitis-B-Virus sowie die Entwicklung der Inzidenzen von Januar 2001 bis November 2010 in Norddeutschland aufgezeigt. Grundlage dafür sind Fallzahlen für Hepatitis B, die durch die seit 2001 bestehende Meldepflicht für Infektionskrankheiten an das Robert-Koch-Institut übermittelt wurden.

Situation weltweit, europaweit und deutschlandweit

Weltweit sind zwei Milliarden Menschen mit HBV infiziert. Hinzu kommen 350 Millionen Menschen, die chronisch infiziert sind. Die höchsten Durchseuchungsraten sind in Südostasien zu finden (ca. 70 % der Bevölkerung). Ungefähr 40 % der Weltbevölkerung weisen Antikörper gegen das HBV-Core-Antigen auf, was das Merkmal beinhaltet, dass sie eine Infektion durchgemacht haben oder diese noch besteht [1]. In Europa sind ca. 15 Millionen Menschen chronisch mit dem Hepatitis-B-Virus infiziert [3]. Jedoch liegt hier die Rate der chronisch Infizierten insgesamt bei weniger als 1 %; im Gegensatz zu Regionen in China und Asien, in denen die Rate zwischen 8 % und 10 % beträgt [1]. In Europa beobachtet man ausgeprägte Unterschiede in der regionalen Verbreitung von Hepatitis B. Zwischen unter 0,1 % der Bevölkerung in Nordwesteuropa (Skandinavien, Vereinigtes Königreich) und bis zu 8 % der Bevölkerung in Ost- bzw. Südeuropa sind chronisch mit dem Hepatitis-B-Virus infiziert [4]. In Deutschland sind es bis zu 500.000 chronisch infizierte HBV-Fälle [3]. Hinter Hepatitis A ist Hepatitis B mit einer Prävalenz von 0,3–0,5 % die zweithäufigste infektiöse akute Hepatitis in Deutschland. Im Jahr 2009 wurden deutschlandweit insgesamt 1.692 Fälle mit einer akuten Hepatitis B übermittelt [5].

Die deutlichen Unterschiede in der Verbreitung des Virus sind vor allem auf die Impfung gegen Hepatitis B im Säuglingsalter zurückzuführen, wie sie z.B. in vielen Teilen Europas durchgeführt wird [3].

Krankheit

Hepatitis B ist eine durch das Hepatitis-B-Virus hervorgerufene akute Entzündung der Leber, genauer des Leberparenchyms. Das Virus überträgt sich neben dem parenteralen und perinatalen Übertragungsweg am häufigsten sexuell (ca. 50 % der Infektionen). Zu den Risikogruppen zählen Drogenabhängige, Empfänger von Blutprodukten, medizinisches Personal, homosexuelle Männer, Prostituierte und Menschen, die engen Kontakt zu Virusträgern mit akuter Infektiösität haben [6]. Es wird angenommen, dass etwa 50 – 60 % der i.v. Drogengebrauchenden eine Hepatitis-B-Infektion durchgemacht haben [7]. Die Inkubationszeit liegt zwischen 40 und 160 Tagen. Die akute Infektion mit HBV verläuft meist asymptomatisch. Im Stadium mit schleichendem Verlauf (2 – 9 Tage) kommt es zu einem schweren Krankheitsgefühl mit Übelkeit, Fieber, Appetitlosigkeit und gelegentlich zu Gelenkschmerzen, Hautausschlag und einer Bradykardie. Im Stadium der Organmanifestation (ca. 6 – 10 Wo.) kommt es zum Ikterus (ca. ein Drittel der Fälle), sowie zu Juckreiz, Stuhlentfärbung, Dunkelfärbung des Urins und eventuell zur Leber- und Milzvergrößerung [6]. Nur 1 % der Neuinfizierten weist einen fulminanten Verlauf auf, der im Leberversagen enden kann. Eine weitere Komplikation ist die Entwicklung einer chronischen Hepatitis B. Im Kindesalter kommt es bei bis zu 90 % zu einer solchen Verlaufsform. Von einer chronischen Hepatitis B spricht man bei einer persistierenden Infektion, die mit einer Leberschädigung einhergeht [8].

Nachgewiesen wird das Virus durch Infektionsmarker (HBsAg), Durchseuchungsmarker (Anti-HBc), sowie weitere serologische Diagnoseverfahren. Die Therapie erfolgt symptomatisch. Aufgrund der hohen Spontanheilungsrate (ca. 95 %) gibt es neben allgemeinen Maßnahmen, bis auf die fulminant verlaufenden Fälle, keine spezifische Therapie. Bei Einschränkung der Lebersynthese sollte möglichst früh antiviral behandelt und durch ein Transplantationszentrum betreut werden [6].

Kosten für Hepatitis B

Die reinen Krankheitskosten, die für Hepatitis B Jahr für Jahr entstehen, sind beachtlich. Insgesamt entstanden in Deutschland für akute Virushepatitis B (nach ICD10B16) im Zeitraum von 2002 bis 2008 Krankheitskosten in einer Höhe von 110 Millionen Euro. Im Jahr 2002 waren es 19 Millionen, 2008 sogar 33 Millionen Euro [9].

Meldepflicht und Falldefinition

Seit Inkrafttreten des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) am 01.01.2001 zählt Hepatitis B nach § 6 IfSG, neben vielen anderen, zu den meldepflichtigen Erkrankungen. Ebenso ist der Nachweis von Erregern einer akuten Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus nach § 7 IfSG meldepflichtig [10]. Zur Referenzdefinition des Robert-Koch-Instituts, auf die sich die beschriebenen Fälle in diesem Bericht beziehen, gehören die Fälle, bei der das klinische Bild und ein labordiagnostischer Nachweis einer Hepatitis-B vorliegen [11].

Surveillancesystem

Surveillance ist die systematische, kontinuierliche und handlungsorientierte Beobachtung der Verbreitung von Krankheiten in der Bevölkerung. Sie dient der schnellen Aufklärung von Gesundheitsgefahren und der Entwicklung der damit notwendig werdenden kurz- oder langfristig wirkenden Präventionsmaßnahmen. Dazu erfolgen unter anderem die Bestimmung von Inzidenz und Prävalenz meldepflichtiger Erkrankungen, Zeitreihen-Analysen, epidemiologische Untersuchungen, Datenmanagement und Überwachen des Datenflusses. Das wichtigste Instrument der Surveillance von Infektionskrankheiten ist das gesetzliche Meldewesen, das in dem seit 2001 geltenden Infektionsschutzgesetz festgeschrieben ist. Somit ist das Surveillancesystem für Hepatitis B in Deutschland ein einheitliches passives Pflichtsurveillancesystem [12].

Eine Meldepflicht des Arztes für eine akute Hepatitis B besteht für den Verdacht, Erkrankung oder Tod, da ein unmittelbares Handeln des Gesundheitsamtes notwendig sein kann, um eine Weiterverbreitung zu verhindern. Der Verdacht wird durch das klinische Bild bestimmt, eine Laborbestätigung ist nicht erforderlich. Die namentlichen Meldungen der feststellenden oder behandelnden Ärzte haben an das Gesundheitsamt des Aufenthaltsorts der betroffenen Person zu erfolgen. Namentliche Labormeldungen bei direktem oder indirektem Nachweis, soweit die Nachweise auf eine akute Infektion hinweisen, haben an das Gesundheitsamt zu erfolgen, das für den Ort der einsendenden Arztpraxis zuständig ist. Die Meldungen erfolgen innerhalb von 24 Stunden. Die zweigleisige Meldepflicht erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass der Fall zumindest auf einem der Wege gemeldet wird (Abb. 1). Die dort zusammengeführten Daten werden auf EDV-technischer Basis anonymisiert an die Landesbehörde (z.B. Landesgesundheitsamt) weitergeleitet. In der Landesbehörde laufen die Informationen aller meldepflichtigen Infektionserkrankungen (nach bundeseinheitlich vorgegebenen Falldefinitionen) zusammen; dadurch ist neben einer Erhöhung der Datenqualität auch eine Vergleichbarkeit der Daten zwischen den Bundesländern möglich. Hier fließen die Daten in eine zentrale Datenbank und werden nach vorheriger Evaluierung und Auswertung mindestens einmal wöchentlich auf elektronischem Wege an das Robert Koch Institut in Berlin als Bundesbehörde weiter übermittelt. Vom Eingang im Gesundheitsamt bis zur Übermittlung ans RKI werden im Durchschnitt 9 Kalendertage erreicht. Die Jahresstatistik der meldepflichtigen Infektionskrankheiten wird jeweils im Epidemiologischen Bulletin veröffentlicht. Damit bildet die Landesüberwachung die Schnittstelle zwischen den kommunalen Gesundheitsämtern und der Bundesbehörde [13].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

17 von 17 Seiten

Details

Titel
Hepatitis B in Norddeutschland
Untertitel
Zur Situation der akuten Virushepatitis B in Norddeutschland im Zeitraum von 2001 bis 2010
Hochschule
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg
Veranstaltung
Surveillance & Gesundheitsberichterstattung
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V201581
Dateigröße
914 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
hepatitis, norddeutschland, situation, virushepatitis, zeitraum
Arbeit zitieren
BSc Eveline Otte im Kampe (Autor), 2011, Hepatitis B in Norddeutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201581

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