Das folgende Referat versucht überblicksartig, die Person des Bischofs Nestorius, seine Christologie und den sich daran entzündenden Nestorianischen Streit zwischen 429–431 darzustellen. Dazu werden in vier Teilen 1. chronologische Daten über Nestorius gegeben. 2. wird sein christologischer Entwurf im Gegensatz zu Apollinaris' Monophysitismus vorgestellt. Die Kenntnis der Christologie Nestorius ist unabdingbar zum Verständnis der Ursachen und des Verlaufes des Nestorianischen Streites, der zum 3. beschrieben wird. 4. werden einige entscheidende Kritikpunkte erörtert. 5. wird anhand derselben eine Bewertung des nestorianischen Lösungsansatzes christologischer Probleme versucht.
Inhaltsverzeichnis
1 Biographie
2 Christologie
3 Wie aber stellte sich Nestorius die Verbindung beider Naturen vor?
4 Nestorianischer Streit
5 Kritik
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Leben des Bischofs Nestorius, seinen christologischen Entwurf sowie den daraus resultierenden Nestorianischen Streit im Zeitraum von 429 bis 431, wobei der Schwerpunkt auf der theologischen Begründung seiner Position liegt.
- Biographischer Hintergrund und Werdegang des Nestorius
- Analyse der nestorianischen Christologie und des Begriffs "Prosopon"
- Untersuchung der Differenzen zwischen der antiochenischen und alexandrinischen Theologie
- Darstellung des historischen Verlaufs und der Folgen des Nestorianischen Streits
Auszug aus dem Buch
3 Wie aber stellte sich Nestorius die Verbindung beider Naturen vor?
Die Beantwortung dieser Frage wird, neben der spärlichen Quellenlage, dadurch erschwert, daß Nestorius in den erhaltenen Fragmenten bestimmte, für das Verständnis seiner Christologie zweifelsohne zentrale Begriffe nicht klar definierte und zum Teil synonym verwandte. An einzelnen Stellen verwischt Nestorius den Unterschied zwischen »οὐσία« (ousia) und »φύσις« (physis) sogar vollständig. Für φύσις im Sinn von οὐσία benutzt er an anderen Stellen auch den Ausdruck ὑπόστασις (hypostasis). Wie erklärt sich diese scheinbare Begriffsverwirrung? Christus
ist nicht eine einzige ὑπόστασις oder Natur; denn die Gottheit ist nicht eingegrenzt im Leibe, wie es der Fall ist mit allen Naturen, welche zu einer ὑπόστασις geeint sind; denn diese sind beschränkt durch die Natur, welche sie eingrenzt in ihrer Existenz, und sie haben keine Existenz getrennt voneinander.
Wenn man als ὑπόστασις das definiert, was in sich und aus sich selbständig existiert, dann wird es verständlich, daß Nestorius auf zwei separaten ὑπόστασεις insistiert. Denn nur zwei separate ὑπόστασεις gelten Nestorius als Gewähr dafür, daß auch wirklich beide Naturen vollständig und selbständig existieren. Anderen Falles wäre nämlich nicht ausgeschlossen, daß eine der beiden, die menschliche Natur oder die göttliche Natur, nur durch die ὑπόστασις der anderen Natur existierte: So daß am Ende doch wieder nur eine – wie auch immer vereinigte – Natur stände.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Biographie: Darstellung der Lebensdaten und des Werdegangs von Nestorius bis zu seiner Absetzung im Jahr 431.
2 Christologie: Untersuchung der theologischen Problematik der Erlösung und der Frage nach der Verbindung von göttlicher und menschlicher Natur.
3 Wie aber stellte sich Nestorius die Verbindung beider Naturen vor?: Analyse der Verwendung zentraler Begriffe wie "Prosopon" und die Funktionsweise der Einigung der Naturen in Christus.
4 Nestorianischer Streit: Schilderung der historischen Ereignisse, der Akteure und des Konzils von Ephesos 431.
5 Kritik: Erörterung der theologischen Anklagepunkte und der Probleme von Nestorius' Trennungschristologie.
Schlüsselwörter
Nestorius, Christologie, Nestorianischer Streit, Konzils von Ephesos, Prosopon, Theotokos, Trennungschristologie, göttliche Natur, menschliche Natur, Cyrill von Alexandria, Theodosius II., Einwohnung, Gnade, freier Wille, Antiochien
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet einen Überblick über die Person des Bischofs Nestorius, seinen christologischen Entwurf und den damit verbundenen historischen Streit in der frühen Kirche.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Christologie, die Frage nach der Vereinigung der Naturen Gottes und des Menschen in Christus sowie die kirchenpolitischen Machtkämpfe im 5. Jahrhundert.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Theologie des Nestorius aus seinem eigenen Verständnis heraus zu beleuchten und die Hintergründe seines Konflikts mit Cyrill von Alexandria historisch und theologisch einzuordnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine quellenkritische historische Analyse sowie eine systematische theologische Untersuchung der erhaltenen Fragmente des Nestorius.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine biographische Einführung, eine tiefgehende Analyse der christologischen Konzepte (insbesondere des "Prosopon"), die Darstellung des Nestorianischen Streits und eine kritische Auseinandersetzung mit seiner Lehre.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Nestorius, Christologie, Theotokos, Prosopon, Ephesos und Trennungschristologie.
Warum lehnte Nestorius den Titel "Theotokos" für Maria ab?
Nestorius befürchtete, dass der Begriff fälschlicherweise suggerieren könnte, Maria habe die Gottheit selbst geboren, während er betonte, dass Maria lediglich die menschliche Natur Christi geboren habe.
Welche Rolle spielt der Begriff "Prosopon" in der Christologie des Nestorius?
Der Begriff "Prosopon" dient bei Nestorius als Verbindungselement der zwei Naturen in Christus, wobei er die Eigenständigkeit der Naturen bewahren will, ohne Christus in zwei Personen zu zerreißen.
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- Magister Artium Michael Dahnke (Author), 2000, Nestorius oder: Wie hält er Ihn zusammen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201701