Die „angeborenen Ideen“ bei Platon und Leibniz


Examensarbeit, 2010

67 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung
1.1 Begründung des Themas und der Herangehensweise
1.2 Forschungsstand und Quellenauswahl
1.3 Zitierweise und Abkürzungen der Quellen

2. Begriffliche Einführung in die Lehre der angeborenen Ideen
2.1 Die Termini „idea“ und „innatus“
2.2 Platons Ideenlehre und Ideenbegriff
2.3 Die angeborenen Ideen bei Descartes und Locke
2.4 Leibniz und die „ideae innatae“

3. Platon und Leibniz über die angeborenen Ideen
3.1 Die alte Begründung für die Existenz der angeborenen Ideen durch Platon
3.1.1 Die theoretische Begründung der angeborenen Ideen
3.1.2 Die praktische Begründung der angeborenen Ideen
3.2 Die neue Begründung für die Existenz der angeborenen Ideen durch Leibniz
3.2.1 Leibniz Begründung der angeborenen Ideen durch Lockes Widerlegung
3.2.2 Die Erkenntniskriterien nach Descartes und Leibniz

4. Platon und Leibniz im Kontrast
4.1 Leibniz Transformation der platonischen Lehre
4.2 Der Konsens zwischen Platon und Leibniz

5. Resümee

6. Literaturverzeichnis
6.1 Primärquellen
6.2 Sekundärquellen
6.3 Lexika

7. Abkürzungsverzeichnis

Anhang 1: „Menon und die mathematische Aufgabe“

Anhang 2 „Die Erkenntniskriterien nach Descartes und Leibniz“

Anhang 3 „Die Urteilsarten nach Immanuel Kant“

1. Einführung

Die Philosophie hat sich seit ihrer Entstehung mit zentralen Fragen des Menschen auseinandergesetzt. Eine dieser elementaren Auseinandersetzungen beschäftigt sich mit dem Ursprung der menschlichen Erkenntnis. Auf der Suche nach der Quelle der menschlichen Erkenntnis entstand unter den Philosophen eine heftige Kontroverse darüber, ob die Vernunft oder die Erfahrung die Herkunft der Erkenntnisse im Menschen darstellt. Bei der Akzentuierung dieser beiden Quellen unterscheidet man daher die Positionen des Rationalismus und die des Empirismus voneinander. Der Rationalismus geht davon aus, dass die Vernunft die primäre und die Erfahrung die sekundäre Quelle der menschlichen Erkenntnis ist. Der Empirismus hingegen räumt der Erfahrung eine Vorrangstellung vor der Vernunft ein. Dabei ist die Zustimmung beziehungsweise Ablehnung des Daseins der angeborenen Ideen der bestimmende Gegensatz dieser beiden Positionen.

Unter der Bezeichnung angeborene Ideen muss man sich hier jene Kenntnisse vorstellen, die der Mensch seit seiner Geburt in sich trägt und die somit nicht aus der Erfahrung stammen. Was man unter diesen angeborenen Ideen zu verstehen hat und wie man sie begründen kann, stellt das Zentrum dieser wissenschaftlichen Arbeit dar. Der Titel „Die angeborenen Ideen bei Platon und Leibniz“ macht bereits deutlich, dass hier zwei Philosophen im Fokus der Betrachtungen stehen sollen. Einerseits soll der antike Philosoph Platon und anderseits der neuzeitliche Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz im Bezug auf die Lehre der angeborenen Ideen betrachtet werden. Die Erkenntnistheorie als Disziplin der Philosophie, die sich mit den Bedingungen, Möglichkeiten und Grenzen der menschlichen Erkenntnis beschäftigt, ist erst um 1830 entstanden. Der Gegensatz zwischen Empirismus und Rationalismus existiert erst in der Neuzeit. Aber trotz dieser Tatsachen hat sich bereits Platon in der Antike mit dem Wissen im Menschen beschäftigt und die Lehre der angeborenen Ideen gegenüber seinem Schüler Aristoteles vertreten. Die Vorstellung von den angeborenen Ideen kann man deshalb auf Platon als seinen Urheber zurückführen. Der Rationalist Leibniz hingegen hat die Lehre der angeborenen Ideen, die man auch Apriorismustheorie nennt, von Platon übernommen und sie auf eine neue wissenschaftliche Grundlage gestellt.

Der Schwerpunkt dieser Arbeit beinhaltet daher die Ideenkonzepte beider Philosophen, unter den Aspekten der Begrifflichkeit und der Begründung. Danach soll die Lehre der angeborenen Ideen zwischen beiden Philosophen verglichen werden. Im ersten Kapitel soll deshalb die Grundlage für die Problembehandlung gelegt werden. Dabei soll die Forschungsfrage erklärt und definiert werden. Der Forschungsstand und die Quellenauswahl sollen begründet und die Zitierweise ebenso wie Abkürzungen der Arbeit besprochen werden. Das zweite Kapitel soll dann eine Einführung in die Begrifflichkeit der angeborenen Ideen bei Platon und Leibniz leisten und in die allgemeine Lehre der beiden Philosophen einführen. Im dritten Kapitel werden dann die Begründungen der angeborenen Ideen bei Platon und Leibniz betrachtet. Auf der Grundlage dieser analytischen Herangehensweise soll dann im vierten Kapitel ein kontrastierender Vergleich der Apriorismustheorie bei beiden Philosophen erfolgen. Das Ziel ist es zu zeigen, dass Leibniz sich von den angeborenen Ideen von Platon in einem so großen Umfang prägen ließ, dass man Leibniz in eine direkte Tradition zu Platon stellen kann.

1.1 Begründung des Themas und der Herangehensweise

Der englische Philosoph Alfred North Whitehead (1861-1947) hat in seinem Werk „Prozeß und Realität“ die These vertreten, dass die „sicherste allgemeine Charakterisierung der philosophischen Tradition Europas lautet, daß sie aus einer Reihe von Fußnoten zu Platon besteht.“[1] Damit spielt Whitehead auf die vielen allgemeinen Auffassungen in den platonischen Schriften an, die prägend für die weitere Entwicklung der Philosophie waren. Die Philosophie Platons hat nach Whitehead eine herausragende Bedeutung für das gesamte abendländische Denken eingenommen. Viele der europäisch-philosophischen Grundfragen kann man auf Platon (428/7-348/7 v. Chr.)[2] als seinen Urheber zurückführen. Whiteheads These wird zudem durch eine Aussage von Karl Jaspers (1883-1969), die er in seiner Einführung in die Philosophie formuliert hat, gestützt. In seinem philosophischen Einführungswerk vergleicht Jaspers die Philosophie mit den Wissenschaften und kommt zu dem ernüchternden Ergebnis, dass die Wissenschaften sich stetig weiterentwickelt haben, aber das philosophische Denken in seiner Entwicklung stehen geblieben ist.[3] Er geht sogar so weit und behauptet: „Wir dürfen kaum sagen, daß wir weiter seien als Plato [lateinische Form von Platon, Anm. von B.B.]. Nur im Material wissenschaftlicher Erkenntnisse, die er benutzt, sind wir weiter. Im Philosophieren selbst sind wir vielleicht noch kaum wieder bei ihm angelangt.“[4]

Werner Schüßler[5] sieht dies ähnlich und hält die Lehren Platons für einen Höhepunkt in einem gewissen Reifeprozess der Philosophieentwicklung, auf den jedoch viele Verfallszeiten folgten.[6] Die Faszination, die Platon somit auf die nachfolgende Philosophie ausübte, könnte demnach kaum größer und bedeutsamer sein, weshalb er auch hier in dieser wissenschaftlichen Abhandlung einen zentralen Stellenwert erhält. Viele Philosophen haben im Verlauf der Philosophiegeschichte auf Platons Lehren zurückgegriffen, sie übernommen, ergänzt, verworfen oder verändert. Einer dieser Philosophen, der in der platonischen Tradition stand und die platonische Lehre der angeborenen Ideen aufgegriffen hat, um sie auf eine neue Grundlage zu stellen, war Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716)[7] .[8] Da er sich mit den platonischen Gedanken intensiv beschäftigte und bei ihm das erste Mal ein kompletter wissenschaftlicher Ausbau der angeborenen Ideen von Platon stattfand,[9] stellt Leibniz den zweiten Schwerpunkt dieser Untersuchung dar. Den Gegenstand des kontrastierenden Vergleichs zwischen Platon und Leibniz bilden die schon erwähnten angeborenen Ideen oder auch apriorischen Erkenntnisse. Julius Scaliger nannte sie ganz treffend die „Samenkörner der Ewigkeit“[10] , da sie in der menschlichen Seele als eine Präformation vorliegen und sie auch eine zeitlose Gültigkeit besitzen.

Die erkenntnistheoretische Frage, die man der Lehre von den angeborenen Ideen zuordnet, ist die Frage nach dem Ursprung der Erkenntnis.[11] Die Antwort auf diese Frage formulieren beide mit ihrer Annahme, dass es angeborene Ideen gibt, aber ihre Begründung und ihr Verständnis, was man unter dieser Lehre verstehen soll, ist konträr. In seinen Werken Menon, Phaidon und der Politeia entfaltet Platon dabei ein System, das von der Existenz angeborener Ideen im Menschen ausgeht. Platon sieht diese eingeprägten Ideen, die der Mensch bereits ab der Geburt hat, als die wahre Erkenntnisquelle und nicht die Erkenntnisse, die durch die Sinne vermittelt werden. Die Einsichten können so aus dem Menschen selbst heraus entwickelt werden. Platon ist mit dieser Lehre der „geniale Urheber und erste wissenschaftliche Begründer der aprioristischen Theorie“[12] . Der Apriorismus[13] manifestiert sich dabei in Form der angeborenen Ideen und wird von Platon im Phaidon exemplarisch dargestellt und von Leibniz in seinen Neuen Abhandlungen über den menschlichen Verstand fortgesetzt.[14] Leibniz übernimmt, wie man später sehen wird, lediglich den Termini der angeborenen Ideen nicht aber ihre mystische Begründung. Er fundiert die Begrifflichkeit der angeborenen Ideen nicht nur neu (siehe Kapitel 2), sondern erweitert und vertieft ihre Begründung (siehe Kapitel 3). Im Mittelpunkt seiner Untersuchung über die platonische Lehre der angeborenen Ideen stehen dabei die Dialoge Menon und Phaidon, weshalb sie auch hier Gegenstand der Analyse sein werden.[15] Leibniz hat dabei das wahre Wesen der Apriorismustheorie in einer neuen Art und Weise herausgearbeitet, so dass diese Lehre weit über Platons Vorstellung hinausreicht, aber trotzdem ihren Ursprung in Platons Theorie findet.[16] Für diese Neubegründung und deren Beweis der angeborenen Ideen braucht Leibniz, wie man in Kapitel 3 sehen wird, nicht das système nouveau, sondern er weist dies an seinem système commun nach.[17]

Aufgrund der Tatsache, dass Platon Leibniz mit seiner Ideenlehre nachhaltig geprägt hat, ist ein Vergleich nicht nur eine interessante, sondern auch eine lohnenswerte Aufgabe. Durch diese Gegenüberstellung der Lehre der apriorischen Erkenntnisse zwischen den beiden Philosophen soll die These Whiteheads exemplarisch verifizieren werden. Aus diesen Gründen wurde der Titel Die angeborenen Ideen bei Platon und Leibniz für diese wissenschaftliche Auseinandersetzung gewählt. Als einen Untertitel für diese Arbeit könnte man von einem kontrastierenden Vergleich der Begrifflichkeit und der Begründung der apriorischen Erkenntnisse sprechen. Dabei soll gezeigt werden, dass die angeborenen Ideen bei Platon die Urform der leibnizschen Ideen sind. Die Forschungsfrage lautet deshalb: Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten haben die angeborenen Ideen Platons im Vergleich zu denen von Leibniz? Whiteheads These hat bei der Entstehung dieser Frage eine inspirierende Wirkung gehabt. Aus diesem Grunde wird auch am Ende versucht die These Whiteheads an Leibniz nachzuweisen. Dazu werden die Ideenkonzepte zunächst auf ihre Begrifflichkeit hin untersucht um so das unterschiedliche Verständnis über den Begriff der Idee bei beiden Philosophen aufzuzeigen. Danach soll es um die Begründung oder auch Beweisführung der angeborenen Ideen gehen. Die Vorgehensweise sieht so aus, dass am Anfang jedes Kapitels mit einer Analyse Platons begonnen und darauf eine Auseinandersetzung mit Leibniz erfolgen wird. Danach sollen dann die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Konzepte über die angeborenen Ideen kenntlich gemacht und miteinander verglichen werden (Kapitel 4). Ferner gehe ich von der These aus, dass die Vorstellung der angeborenen Ideen bei Leibniz lediglich eine Transformation der platonischen Ideenkonzeption ist und Leibniz in einer platonischen Tradition stand.

1.2 Forschungsstand und Quellenauswahl

Eine Untersuchung über die angeborenen Ideen bei Platon und Leibniz wurde das erste Mal von Emil Sigall am Ende des 19. Jahrhunderts vorgenommen.[18] In zwei Aufsätzen erklärt er das Ideenverständnis bei Platon und dann bei Leibniz. 1977 hat dann Hartmut Brands eine kurze Abhandlung über die Untersuchungen zur Lehre von den angeborenen Ideen verfasst.[19] In dieser Auseinandersetzung mit dem Thema der angeborenen Ideen ging es Brands darum, die Verwendung des Wortes bzw. eine Terminologisierung des Wortes unter einem geschichtlichen Aspekt zu entwickeln und darzustellen.[20] Werner Schüßler hat im Jahr 1994 zum Internationalen Leibniz-Kongress den platonischen Apriorismus in der leibnizschen Philosophie näher untersucht.[21] Seine Analyse hatte zum Ziel die wesentlichen Missverständnisse der Apriorismustheorie in Bezug zu Platon und Leibniz zu benennen und richtig zu stellen. Eine vierte einschlägige Untersuchung erfolgte durch Thomas Leinkauf unter dem Titel „Platon und Leibniz“ aus dem Jahr 2009.[22] Leinkauf versucht hier die Lehren von Platon und Leibniz miteinander zu vergleichen und Gemeinsamkeiten zu zeigen. In dieser sehr wissenschaftlichen und zu knapp geratenen Auseinandersetzung wird eine gute Systematik der Vergleichsgegenstände aufgezeigt. Diese vier philosophischen Schriften bieten aber keinen detaillierten kontrastierenden Vergleich der Begrifflichkeit und der Begründung der angeborenen Ideen bei Platon und Leibniz, weshalb sie hier im Zentrum der Analyse stehen.[23]

Bei der Auswahl der Quellen konnte aufgrund des Umfanges der Arbeit und den zur Verfügung stehenden kleinen Zeitfenster nur auf eine erlesene Anzahl von platonischen Dialogen und philosophischen Schriften von Leibniz zurückgegriffen werden. Bei Platon wurden daher der Menon und Phaidon als die zwei Hauptquellen gewählt. Die Dialoge Symposion, Phaidros, Theätet und der Staat finden zudem als untergeordnete Quellen am Rande der Analyse eine Erwähnung. Die anderen platonischen Dialoge mussten vernachlässigt werden. Auf Grund der Fülle der leibnizschen Schriften musste auch hier eine Auswahl getroffen werden. Die leibnizsche Hauptschrift Neue Abhandlungen über den menschlichen Verstand (erstes und zweites Buch) stellt hier den Fokus der Betrachtungen dar. Die kleinen metaphysischen Schriften wie die Monadologie, Meditationes de cognitione, veritate et ideis und den Discours de métaphysique werden ebenfalls in die Analyse miteinbezogen. Diese Schriften ermöglichen es erst ein komplettes Bild der leibnizschen Lehre zu entfalten, durch die dann ein Vergleich erfolgen kann.

Auf eine kleine Schwierigkeit bei der Quellenverwendung sei hier noch verwiesen: Die gesamten Originalquellen von Platon sind auf Griechisch verfasst wurden. Aus diesem Grund kann hier auch nur mit den deutschen Übersetzungen gearbeitet werden. Ein Vergleich mit dem griechischen Original kann nicht erfolgen. Die Quellen von Leibniz wurden ebenfalls nicht in Deutsch, sondern auf Französisch oder Lateinisch verfasst.[24] Aus der Tatsache heraus, dass hier nicht mit den Originalen gearbeitet werden kann, folgt das Problem mit den Übersetzungen. Da eine genaue Aufführung und Bewertung der Übersetzungen von den platonischen und leibnizschen Quellen den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde, sei hier nur auf ein besonderes Problem bei Leibniz verwiesen. Für Leibniz’ Hauptwerk Neue Abhandlungen über den menschlichen Verstand gibt es bisher vier vollständige und eine unvollständige Übersetzung: Die erste Übersetzung stammt von Johann Heinrich Friderich Ulrich aus dem Jahr 1778-80. Die zweite Neuübersetzung erfolgte dann im Jahr 1873, in der ersten und 1904 in der zweiten Auflage durch Carl Schaarschmidt. Diese zweite Auflage von Schaarschmidt wurde dann später von Ernst Cassirer (1874-1945) neu übersetzt und schließlich wurde vierundvierzig Jahre nach Cassirer eine Übersetzung von Wolf von Engelhardt (1910-2008) und Hans Heinz Holz (1927*) angefertigt. Alle diese Übersetzungen haben jedoch nicht überzeugt und beinhalten Übersetzungsfehler und Nachlässigkeiten.[25] Eine fünfte (unvollständige) Übersetzung wurde dann im Jahr 1993 von Werner Schüßler für die Vorrede und für das erste Buch der Abhandlungen über den menschlichen Verstand angefertigt. Diese fünfte und damit aktuellste Übersetzung wird auch in der folgenden wissenschaftlichen Auseinandersetzung vor den anderen Übersetzungen bevorzugt werden. Für das zweite, dritte und vierte Buch der neuen Abhandlungen über den menschlichen Verstand muss jedoch auf die Übersetzung von Ernst Cassirer und Wolf von Engelhardt/Hans Heinz Holz zurückgegriffen werden, da Werner Schüßler bisher keine Fortsetzung seiner Übersetzung vorgelegt hat. Die Verwendung der Schüßler-Übersetzung scheint, unter all den anderen Übersetzungen diejenige zu sein, die sich am nächsten am Original hält. Eine Analyse der französischen Originalquellen findet hier keine Berücksichtigung, da selbst renommierte Fachleute eine genaue Übersetzung bisher nicht befriedigend anfertigen konnten.

1.3 Zitierweise und Abkürzungen der Quellen

In der folgenden Abhandlung über „Die angeborenen Ideen bei Platon und Leibniz“ werden die platonischen Werke nach der Genfer Ausgabe nach Henricus Stephanus von 1578 mit Buchtiteln, Seiten und Abschnitten (Nummern und Buchstaben) angegeben. Dabei werden die platonischen Werke nach dem lateinischen Original folgendermaßen abgekürzt (siehe Abkürzungsverzeichnis Tabelle 1: „Abkürzungen der platonischen Werke“).[26] Bei der Auswahl der platonischen Werkausgaben wurde dabei, bis auf eine Ausnahme[27] , die Reclam Ausgabe aus Stuttgart verwendet. Die leibnizschen Quellen werden hingegen mit ihrem jeweiligen Buch, Kapitel und Paragraphen angegeben. Weiterhin wird der jeweilige Übersetzer, da hier mehrere verwendet werden, der zugrunde liegenden Stelle in Klammern angeführt werden. Die Abkürzungen der leibnizschen Quellen zeigt dabei die Tabelle 2: „Abkürzungen der leibnizschen Werke“ im Abkürzungsverzeichnis.

2. Begriffliche Einführung in die Lehre der angeborenen Ideen

Am Anfang einer jeden wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit einem philosophischen Problem sollte eine Analyse der Begrifflichkeit stehen, wenn sich die Bedeutung des Terminus nicht mit dem allgemeinen Verständnis des Begriffes deckt. In diesem zweiten Kapitel soll eine Erörterung der Begrifflichkeit angeborene Ideen, zuerst bei Platon und dann bei Leibniz, erfolgen. Bevor jedoch eine genaue Analyse stattfindet, soll der Begriff Idee und dann der Zusatz angeboren unabhängig voneinander analysiert und definiert werden, damit der Zugang zu der platonischen und leibnizschen Vorstellung von den angeborenen Ideen ermöglicht werden kann. Die Erläuterung der Begrifflichkeit soll dabei nicht nur einen hinreichenden Zugang zur Gedankenwelt von Platon und Leibniz schaffen, sondern auch an die Problematik des Verständnisses der angeborenen Ideen hinführen. Ohne eine genaue Definition der Begriffe kann man keinen effektiven und lohnenswerten Vergleich zwischen den beiden Philosophen entwickeln, wie er in den nächsten zwei Kapiteln erfolgen soll. Diese analytische Herangehensweise an die Begrifflichkeit hat zum Ziel, die konträren Vorstellungen, die beide Philosophen über die angeborenen Ideen haben, aufzuzeigen. Durch diese Bestimmung der Begrifflichkeit soll ein erster Unterschied zwischen beiden Philosophen aufgezeigt werden. Im nächsten Kapitel wird dann ausgehend von dieser Begriffsdefinition die Begründung der gegensätzlichen Ideenkonzepte entwickelt und gegenübergestellt. Wobei die Begründung der angeborenen Ideen auf der Begriffsanalyse aufbaut und deshalb hier vorangestellt werden muss.

2.1 Die Termini „idea“ und „innatus“

Der deutsche Begriff Idee kommt von dem griechischen Wort ίδέα. Die Idee findet weiterhin in vielen Sprachen seine Entsprechung: Im Lateinischen, Italienischen, Englischen heißt er idea und im Französischen ideé.[28] Die Bedeutung dieses Begriffes ist dabei vielschichtig und mehrdeutig, weswegen der Begriff nach einer genaueren Betrachtung verlangt. Im Wörterbuch der philosophischen Begriffe von Rudolf Eisler werden vier unterschiedliche Definitionen des Begriffes Idee vorgestellt.[29] Die erste hier aufgeführte Bedeutung versteht unter Idee etwas, das ursprünglich eine Gestalt (Aussehen) oder Form besessen hat.[30] Weiterhin kann es auch Bild, Anblick, Art oder Gattung heißen.[31] In der zweiten Definition hingegen spricht man von einem „Urbild, Musterbild, Typus, als reale Wesenheit“[32] . Die deutsche Übersetzung des lateinischen Begriffes spricht von einem Idealbild, welches die Idee als ein wesenhaftes und geistiges Sein charakterisiert. Ein gestalterischer Gedanke, ein Begriff, ein bloßer Gedanke oder eine begriffliche Einheit, sogar ein Leitmotiv oder Endpunkt eines kausalen Denkens wird unter der dritten Bedeutung verstanden.[33] Die vierte Definition versteht hingegen unter einer Idee eine Vorstellung, einen Bewusstseinsinhalt, ein Erinnerungsbild, sogar ein Phantasiegebilde oder gar einen Einfall.[34] Von diesen vier Bedeutungen ist für die weitere Analyse nur die erste, zweite (für Platon) und die vierte (für Leibniz) wie noch zu zeigen ist von Relevanz. Die dritte Definition, die eine Idee als einen bloßen Gedanken auffasst, kann dabei vernachlässigt werden, da sie weder bei Platon noch bei Leibniz eine Verwendung findet.[35]

Ein weiteres Problem, neben der Definition an sich, stellt der Ideenbegriff in den platonischen Quellen dar. Eine philologische Prüfung der Platon-Texte führte daher zu dem Resultat, dass Platon noch keinen ausgearbeiteten Terminus von der Idee an sich kannte.[36] In den platonischen Werken begegnet uns daher der Ideenbegriff auf eine vielfältige Art und Weise. Platon verwendet neben der griechischen Bezeichnung ίδέα, noch die Begriffe γένος und είδος [37] . Wahrscheinlich geht die endgültige Terminologisierung des Wortes Idee und seine Zuordnung auf Platon als deren Urheber auf Cicero (106-43 v. Chr.) zurück.[38] Die frühe Interpretation der platonischen Texte durch Cicero und seine Fixierung auf diesen einen Terminus impliziert die Frage, ob man hier überhaupt von den Ideen bei Platon sprechen kann. Da jedoch dieses Problem hier zu weit führen würde, soll ungeachtet dieser Schwierigkeit die Bezeichnung Ideen für Platon übernommen werden.

Die Ideen werden weiterhin noch mit dem Zusatz „Angeborensein“ erweitert. Angeboren, von lateinisch innatus[39] , soll in diesem Fall ausdrücken, dass es keine erworbenen oder gemachten Ideen sind, sondern dass diese Ideen bereits ab der Geburt, also a priori [40] , in uns vorliegen.[41] Von diesem Angeborensein werden weiterhin zwei Richtungen unterschieden. Die erste Richtung geht davon aus, dass die angeborenen Ideen in uns als etwas Fertiges vorliegen und deshalb keiner Absicherung durch die Erfahrung bedürfen. Bei der zweiten Strömung hingegen wird das Angeborensein eher als eine Potenz, Anlage und Entwicklungstendenz verstanden.[42] Im Folgenden sollen hier unter den angeborenen (eingeborenen[43] ) Ideen bestimmte Kenntnisse oder Fähigkeiten verstanden, die man aus sich selbst heraus entwickeln kann, weil sie bereits seit der Geburt in uns eingepflanzt wurden. Die Annahme beziehungsweise Leugnung von solchen apriorischen Erkenntnissen stellt den Gegensatz zwischen dem Rationalismus und dem Empirismus dar. Dabei ist der Streit um die Existenz diese angeborenen Ideen nicht erst in der Neuzeit entstanden, sondern Platon und Aristoteles können bereits als Repräsentanten dieser beiden gegensätzlichen Meinungen angesehen werden. Platon hat mit seiner Ideenlehre die sinnliche Erfahrung abgewertet und kann deshalb dem Rationalismus, oder zumindest dem Apriorismus, zugeordnet werden und Aristoteles durch seine Ideenkritik dem Empirismus.[44] Diese Zuordnung ist jedoch nur eine grobe und keine notwendige Einteilung der antiken Philosophen. Leibniz hingegen ist als ein Rationalist zu verstehen, da er die Lehre der angeborenen Ideen aus innerster Überzeugung heraus vertritt.

2.2 Platons Ideenlehre und Ideenbegriff

Das Konzept der Ideenlehre ist der populärste und meist rezipierte Teil der platonischen Philosophie.[45] Die Ideenlehre kann aber trotzdem nicht als ein geschlossenes, in sich homogenes philosophisches System interpretiert werden, weil Platon viele gegensätzliche Lehren in seinen Schriften vertreten hat.[46] Von den frühen Dialogen bis hin zu den Spätschriften kann man einen Wandel seines Philosophierens feststellen.[47] Die platonischen Dialoge präsentieren sich demnach vielmehr als eine heterogene Ideenlehre mit vielen gegensätzlichen Theorien und Vorstellungen darüber, welche Begriffe zu den Ideen gezählt werden können und welche nicht. So wird zum Beispiel die Zugehörigkeit der Substantive, wie Mensch und Feuer, im Werk Parmenides angezweifelt (Parm. 130c3f), aber in den Dialogen Timaios (Tim. 51b8) und Philebos (Phlb.15a4) werden sie zu den Ideen gezählt. Im Phaidon (Phaed. 74b6–c6) und im Staat (Rep. Buch V, 478e7–479e9) hingegen werden keine Substantive zu den Ideen gerechnet, sondern hier sind es vielmehr die Adjektive wie fromm, schön, gerecht und gleich.[48] Man sollte demnach, wie es Hermann Schmitz formuliert hat, nicht von einer Ideenlehre Platons sprechen, sondern eher von einem Ideenmotiv.[49] Für die Philosophiegeschichte hat Platons Ideenmotiv trotzdem eine besondere Bedeutung bekommen, da er damit eines der zentralsten Themen bis in die jüngste Gegenwart hinein geliefert hat.[50] Aus diesem Grund soll nun eine detaillierte Untersuchung über die platonische Begrifflichkeit der Idee erfolgen. Damit ein Vergleich mit Leibnizs Ideenkonzept in einem späteren Kapitel ermöglicht werden kann, soll hier auf eine heterogene Interpretationsweise der platonischen Ideenlehre verzichtet werden. Eine heterogene Interpretation würde nicht nur den Rahmen dieser Abhandlung sprengen, sondern sie würde auch eine Gegenüberstellung mit Leibnizs Ideenkonzept erschweren. Aus diesem Grund werden hier nur Werke von Platon verwendet, die auf ein einheitliches Muster der Ideenlehre hindeuten. Das Ideenmotiv muss deshalb aus der klassischen Interpretationsweise der Ideenlehre her betrachtet werden.

Um einen Zugang zu den platonischen Ideen zu bekommen, muss man sich erst die Wirklichkeitsauffassung der Welt, welche Platon vertreten hat, vergegenwärtigen. Aus diesem Grund sei hier nur kurz auf die Begründung der angeborenen Ideen verwiesen, da sie detailliert im nächsten Kapitel erfolgen soll. „Wie wir sagen, gibt es zwei Mächte; die eine ist Herrin über Art und Raum des Erkennbaren, die andere über das Sichtbare […].“[51] Platon vertritt mit dieser Ansicht eine Zwei-Welten-Theorie,[52] eine dualistische Wirklichkeitsbetrachtung.[53] Dieses erste Reich ist nach Platon die Welt des Werdens und Vergehens. Damit ist die empirische Welt, der alle real existierenden Gegenstände angehören, gemeint. Auf der anderen Seite gibt es eine unveränderliche und ewige Welt der Ideen. In dieser Welt gibt es keine Gegenstände, die den Prozessen des Werdens und Vergehens unterworfen sind. Ihr werden ideale, immaterielle, ungewordene, unvergängliche, unveränderliche, nur dem Denken zugängliche Ideen zugerechnet.[54] Diese idealen Ideen sind, nach der platonischen Auffassung, Urbilder der realen Gegenstände und liegen den Abbildern zu Grunde. Sie haben sogar die Dinge der sichtbaren Welt geformt und existieren deshalb unabhängig von unserer Gedankenwelt.[55] Platon erläutert die Ideen im Staat wie folgt: „wir pflegen für all die Einzeldinge, die wir unter einem Namen zusammenfassen, eine einzelne Idee anzunehmen“[56] . In seinen weiteren Ausführungen versucht er seine Vorstellung von Urbildern und Abbildern an den Beispielen von einem Tisch und einem Stuhl exemplarisch darzulegen. „Tisch“ und „Stuhl“ sind materielle Gegenstände der Außenwelt und haben eine Vielzahl von unterschiedlichen Variationen und Ausprägungen in ihrem Erscheinen auf der Welt – sie sind Abbilder des wahrhaft Seienden. Aber „Ideen gibt es für diese Dinge nur zwei, eine Idee für den Tisch und eine für den Stuhl“[57] . Die Ideen sind somit nichts Subjektives, was man mit seinen Sinnen wahrnehmen kann, sondern ihnen kommt Einzigartigkeit und Objektivität (Allgemeinheit) zu.[58] Die konkreten Dinge der Wirklichkeit verhalten sich demnach wie Schattenbilder (z.B. der reale Tisch) zur Wahrheit (z.B. Urbild des Tisches). Platon bezeichnet es als die Nachahmung (mimēsis[59] ) zu den wahren Ideen (z.B. Idee des Tisches). Die Abbilder der Dinge (z.B. Stuhl oder Tisch) konstituieren sich dabei an den jeweiligen Urbildern der Dinge, die das „wahrhaft Seiende“ überhaupt darstellen. Die realen Gegenstände haben dabei an den Ideen nur Teilhabe – was Platon methexis [60] nennt – und erhalten dadurch ihr Sein.[61] „Wie ich glaube, nachdem ihm dieses eingeräumt und zugestanden war, daß jeglicher Begriff etwas sei an sich und durch Teilnahme an ihnen die anderen Dinge den Beinamen von ihnen erhalten“[62] haben. Platon erklärt im Dialog Phaidon das Verhalten der realen Gegenstände im Vergleich zu den Ideen mit der Idee des Schönen. Auf der Suche nach dem Wesen des Schönen kommt Platon zu dem Ergebnis: „daß nichts anderes es schön macht als eben jenes Schöne, nenne es nun Anwesenheit oder Gemeinschaft, wie nur und woher sie auch komme, denn darüber möchte ich nichts weiter behaupten, sondern nur, daß vermöge des Schönen alle schönen Dinge schön werden.“[63] Im Dialog Symposion spricht Platon darüber, dass das Schöne auf der Welt entsteht und vergeht, aber das wahrhaft Schöne „weder auf irgendeine Weise mehr oder weniger wird, noch ihm sonst irgendetwas widerfährt.“[64]

[...]


[1] Whitehead, Alfred North: Prozeß und Realität. Entwurf einer Kosmologie, Frankfurt am Main 1979, S. 91.

[2] Vgl. Höffe, Otfried: Kleine Geschichte der Philosophie, München 2005, S. 37.

[3] Vgl. Jaspers, Karl: Einführung in die Philosophie, 16. Auflage, München 1974, S. 9.

[4] Jaspers, Karl: Einführung in die Philosophie, 16. Auflage, München 1974, S. 9.

[5] Werner Schüßler (1955*) ist Professor der Philosophie an der Universität Trier. In zahlreichen Publikationen hat sich Schüßler mit der Metaphysik von Gottfried Wilhelm Leibniz auseinandergesetzt. Da er ein Experte auf diesem Fachgebiet ist, spielen seine Schriften eine wesentliche Rolle bei der weiteren wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit den angeborenen Ideen. Vgl. http://www.theo.uni-trier.de/mitarbeiter.php?id=70097 (Zugriff : 27.09.2010).

[6] Vgl. Schüßler, Werner: Der platonische Apriorismus im Gewande der Leibnizschen Philosophie, In: Leibniz und Europa: Vorträg Teil 1, VI. Internationaler Leibniz-Kongreß der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gesellschaft, Hannover 1994, S. 715.

[7] Vgl. Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie. Band 2. 17. bis 20. Jahrhundert, München 2000, S. 69.

[8] Vgl. Leinkauf, Thomas: Leibniz und Platon, in: Zeitsprünge. Forschungen zur Frühen Neuzeit, Frankfurt am Main 2009, Bd. 13, Heft ½, S. 23.

[9] Vgl. Signall, Emil.: Platon und Leibniz über die angeborenen Ideen, In: Jahresbericht des k. k. Ober-Gymnasiums in Czernowitz, Teil 2, 1898, Czernowitz 1898, S. 3.

[10] Vgl. Leibniz, Gottfried Wilhelm: Neue Abhandlungen über den menschlichen Verstand, übers. und hrsg. Werner Schüßler, S. 17, Vorrede.

[11] Der Erkenntnistheorie, werden nach Gottfried Gabriel, drei Fragen zugeordnet: Die erste erkenntnistheoretische Grundfrage befasst sich mit dem Ursprung der Erkenntnis, indem sie fragt, ob die Vernunft oder die Erfahrung die Quelle der menschlichen Erkenntnis ist. Die zweite Frage beschäftigt sich mit der Realität der Außenwelt und die dritte mit der Beschaffenheit von Subjekt und Objekt. Für die folgende Analyse ist die erste Frage nach dem Ursprung der Erkenntnis zentral. Die anderen beiden Fragen werden hier nur am Rande angeschnitten werden. Vgl. Gabriel, Gottfried: Grundprobleme der Erkenntnistheorie. Von Descartes zu Wittgenstein, 2. Auflage, Paderborn 1998, S. 26.

[12] Signall, Emil: Platon und Leibniz über die angeborenen Ideen, In: Jahresbericht des k. k. Ober-Gymnasiums in Czernowitz, Teil 1, Czernowitz 1897, S. 30.

[13] Die Bezeichnung Apriorismus trat in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hervor und stammt von dem lateinischen Wort a priori. Der Apriorismus ist ein Begriff aus der Erkenntnistheorie, der Erkenntnisse versteht, die sich weder auf Abstraktion, noch auf Induktion, zurückführen lassen. Der Apriorismus geht von Erkenntnissen aus, die der Sinneserfahrung vorausgehen und unabhängig von dieser sind. Vgl. Halbfass, W.: Apriorismus, In: Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 1: A-C, hrsg. Joachim Ritter, Basel 1971, S. 476.

[14] Vgl. Schüßler, Werner: Der platonische Apriorismus, S. 716.

[15] Vgl. Leinkauf, Thomas: Leibniz und Platon, in: Zeitsprünge. Forschungen zur Frühen Neuzeit, Frankfurt am Main 2009, Bd. 13, Heft ½, S. 40.

[16] Vgl. Schüßler, Werner: Der platonische Apriorismus, S. 714.

[17] Die verwendeten Bezeichnungen von système nouveau und systemé commun gehen aus den leibnizschen Schriften hervor und werden im Detail bei Werner Schüßler ausgeführt. Vgl. Werner Schüßler: Leibniz’ Auffassung des menschlichen Verstandes (intellectus). Eine Untersuchung zum Standartwechsel zwischen „système commun“ und „système nouveau“ und dem Versuch ihrer Vermittlung, Berlin 1992. Unter der Bezeichnung neues System versteht Leibniz seine Monadologie, das seine Substanz-Metaphysik definiert. Mit dem systemé commun meint Leibniz ein einfaches oder gewöhnliches System, welches ohne die neuen Begriffe und Methoden seiner Monadenlehre auskommt. Vgl. Werner Schüßler: Leibniz’ Auffassung des menschlichen Verstandes, S. 67.

[18] Vgl. Sigall, Emil: Platon und Leibniz über die angeborenen Ideen, In: Jahresbericht des k. k. Ober-Gymnasiums in Czernowitz, Teil 1, 1896/97, S. 29–53, Teil 2, 1898, S. 3–38, Czernowitz 1897-98.

[19] Vgl. Brands, Hartmut: Untersuchungen zur Lehre von den angeborenen Ideen, Meisenheim am Glan 1977.

[20] Vgl. ebd., S. 27.

[21] Vgl. Schüßler, Werner: Der platonische Apriorismus, S. 713–720.

[22] Vgl. Leinkauf, Thomas: Leibniz und Platon, S. 23-45.

[23] Die hier angegebene Forschungsliteratur soll keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Die vier aufgeführten philosophischen Abhandlungen waren aber die einschlägigsten und fruchtbarsten, die sich mit der Frage nach den angeborenen Ideen bei Platon und Leibniz beschäftigten hatten.

[24] Die leibnizschen Schriften: Neue Abhandlungen über den menschlichen Verstand, Die Theodizee, die Monadologie und der Discours de métaphysique wurden von Leibniz auf Französisch verfasst. Die Betrachtungen über die Erkenntnis, die Wahrheit und die Ideen liegen im Original hingegen in lateinischer Sprache vor.

[25] Vgl. Leibniz, Gottfried Wilhelm: Neue Abhandlungen über den menschlichen Verstand. Vorrede und Buch 1, übers. und hg. von Werner Schüßler, Stuttgart 1993, Vorbemerkung von W. Schüßler, S. 7ff.

[26] Vgl. Erler, Michael: Kleines Werklexikon Platon, Stuttgart 2007, S. 22.

[27] Bei der Reclam Ausgabe des Phaidros fehlt die genaue Stephanus-Numerierungen zum Zitieren der Textstellen. Aus diesem Grund wird hier eine andere Werkausgabe, die von Ursula Wolf herausgegeben wurde, verwendet. Vgl. Platon: Sämtliche Werke. Band 2. Lysis, Symposion, Phaidon, Kleitrophon, Politeia, Phaidros, übers. von Friedrich Schleiermacher, hrsg. von Ursula Wolf, Hamburg 1994.

[28] Vgl. Meinhardt, H.: Idee, In: Joachim Ritter und Karlfried Gründer (Hrsg.): Historisches Wörterbuch der Philosophie. Band 4: I-K, Darmstadt 1976, S. 55.

[29] Vgl. Eisler, Rudolf: Wörterbuch der philosophischen Begriffe, Band 1, 2. Auflage, Berlin 1904, S. 465, In: Digitale Bibliothek Band 3: Geschichte der Philosophie, S. 13549.

[30] Vgl. ebd., S. 465, (Digitale Bibliothek: S. 13549).

[31] Vgl. Kirchner, Friedrich; Michaelis, Carl: Wörterbuch der Philosophischen Grundbegriffe, 5. Auflage, Leipzig 1907, S. 278, In: Digitale Bibliothek Band 3: Geschichte der Philosophie, S. 11463.

[32] Eisler, Rudolf: Wörterbuch der philosophischen Begriffe, Band 1, S. 465, (Digitale Bibliothek: S. 13549).

[33] Vgl. Eisler, Rudolf: Wörterbuch der philosophischen Begriffe, Band 1, S. 465, (Digitale Bibliothek: S. 13549).

[34] Vgl. ebd., S. 465 (Digitale Bibliothek: S. 13549).

[35] Vgl. Leibniz unterscheidet zwischen Gedanken, als einen subjektbezogenen Denkakt, und Idee, der eine allgemeine Gültigkeit bei allen lebenden Wesen besitzt. In: Poser, Hans: Gottfried Wilhelm Leibniz zur Einführung, Hamburg 2005, S. 97.

[36] Vgl. Meinhardt, H.: Idee, In: Historisches Wörterbuch der Philosophie, S. 55.

[37] Das griechische Wort είδος (eidos) ist etymologisch mit dem Wort für „ich weiß“ (oida) verwandt und heißt soviel wie „ich habe gesehen“. Es hat damit eine starke visuelle Konnotation und bedeutet vor allem Aussehen, Gestalt und Form. Es ist hier als ein Wort zu verstehen, dass mit dem griechischen idea bei Platon austauschbar ist. Vgl. Platon: Phaidon, übers. von Friedrich Schleiermacher, Stuttgart 2005, Nachwort von Andreas Graesar, S. 112 und Platon: Menon, griechisch-deutsch, übers. und hg. von Margarita Kranz, Stuttgart 2005, S. 95, Anmerkung 5.

[38] Vgl. Meinhardt, H.: Idee, In: Historisches Wörterbuch der Philosophie, S. 55.

[39] Vgl. Hartmut Brands spricht davon, dass Cicero durch die gezielte Verwendung von innatus der Lehre von den angeborenen Ideen ihren Grundbegriff gegeben hat. Vgl. Hartmut Brands: Untersuchungen zur Lehre von den angeborenen Ideen, S. 38.

[40] Der Begriff a priori kommt aus dem Lateinischen und heißt vom früheren oder von vornherein und bedeutet „vor jeder Erfahrung“. Damit ist diejenige Erkenntnis gemeint, die erfahrungsunabhängig ist und somit auch keiner Absicherung durch die Sinne bedarf. Diese apriorische Erkenntnis wurde von den Rationalisten angenommen, die die Existenz der angeborenen Ideen, die einen apriorischen Charakter besitzen, gegen die Empiristen, verteidigten. Der Gegenbegriff zu a priori ist a posteriori und heißt im nachhinein, oder vom späteren und bedeutet erfahrungsabhängige Erkenntnis. Somit ist die Erkenntnis gemeint, die mit unseren Sinneseindrücken erlangt werden können (Position des Empirismus). Vgl. Höffe, Otfried: Immanuel Kant, 7. Auflage, München 2007, S. 57f. und Gabriel, Gottfried: Grundprobleme der Erkenntnistheorie, S. 49.

[41] Vgl. Kirchner, Friedrich; Michaelis, Carl: Wörterbuch der Philosophischen Grundbegriffe, S. 39 (Digitale Bibliothek: S. 11013).

[42] Vgl. Eisler, Rudolf: Wörterbuch der philosophischen Begriffe, S. 36 (Digitale Bibliothek: S. 12370).

[43] Ideé inneé wird in Gottfried Wilhelm Leibniz „Neue Abhandlungen über den menschlichen Verstand“, von Werner Schüßler mit eingeborene Ideen übersetzt. Die genaue Übersetzung vom französischen Wort inné, e (adj.) heißt jedoch angeboren. Aus diesem Grund wird im weiteren Verlauf der Analyse angeboren und eingeboren als identischer Terminus angesehen. Aus Gründen der Einheitlichkeit und der Vorbeugung mögliche Missverständnisse soll jedoch, in den weiteren Ausführungen, nur mit der Übersetzung angeboren gearbeitet werden. Vgl. Schüßler, Werner: Neue Abhandlungen über den menschlichen Verstand, S. 8, Fußnote 5.

[44] Vgl. Gabriel, Gottfried: Grundprobleme der Erkenntnistheorie, S. 39.

[45] Vgl. Erler, Michael: Platon, München 2006, S. 143.

[46] Vgl. Schmitz, Hermann: Die Ideenlehre des Aristoteles. Zweiter Band. Platon und Aristoteles, Bonn 1985, S. 14.

[47] Vgl. Meinhardt, H.: Idee, In: Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 4: I-K, S. 55.

[48] Vgl. Strobel, Benedikt: Idee/Ideenkritik/Dritter Mensch, S. 289, In: Platon-Handbuch. Leben – Werk – Wirkung, (hrsg.) Christoph Horn; Jörn Müller und Joachim Söder, Stuttgart 2009, S. 289–296.

[49] Vgl. Schmitz, Hermann: Die Ideenlehre des Aristoteles, S. 14.

[50] Vgl. Meinhardt, H.: Idee, In: Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 4: I-K, S. 58.

[51] Platon: Der Staat, übers. und hrsg. von Karl Vretska, Stuttgart 2008, S. 323, Rep. Buch VI, 509d.

[52] Vgl. Kurzmann, Peter; Burkard, Franz-Peter; Wiedemann, Franz: dtv-Atlas Philosophie, 12. Auflage, München 2005, S. 39.

[53] Vgl. Platon: Phaidon, übers. von Friedrich Schleiermacher, Stuttgart 2005, Nachwort von Andreas Graeser, S. 112.

[54] Vgl. Vgl. Strobel, Benedikt: Idee/Ideenkritik/Dritter Mensch, S. 289, In: Platon-Handbuch. Leben – Werk – Wirkung, (hrsg.) Christoph Horn; Jörn Müller und Joachim Söder, Stuttgart 2009, S. 289–296.

[55] Vgl. Kunzmann, Peter: dtv-Atlas Philosophie, S. 39.

[56] Rep., Buch X, 596a, S. 432.

[57] Ebd., Buch X, 596b, S. 432.

[58] Vgl. Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie. Band 1. Altertum. Mittelalter. Renaissance, München 2000, S. 105.

[59] „Nachahmung (mimēsis), steht für den nach Platon künstlerischen, aber auch ontologischen immer ungenauen und defizitären Abbildcharakter von Artefakten.“ In: Michael Erler: Kleines Werklexikon Platon, S. 119.

[60] Der Ausdruck methexis kommt aus dem griechischen und bedeutet, nach Platon, die Teilhabe der Dinge an den Ideen. Vgl. Eisler, Rudolf: Wörterbuch der philosophischen Begriffe, Band 1, S. 665 (Digitale Bibliothek: S. 14092).

[61] Vgl. Höffe, Otfried: Kleine Geschichte der Philosophie, S. 43.

[62] Phaed., 102a-b, S. 72.

[63] Ebd., 100d, S. 69.

[64] Platon: Symposion, griechisch-deutsch, übers. und hg. von Thomas Paulsen und Rudolf Rehn, Stuttgart 2009, S. 121, 211b.

Ende der Leseprobe aus 67 Seiten

Details

Titel
Die „angeborenen Ideen“ bei Platon und Leibniz
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Philosophisches Institut)
Veranstaltung
Staatsexamen
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
67
Katalognummer
V201740
ISBN (eBook)
9783656296409
ISBN (Buch)
9783656296898
Dateigröße
804 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ideen, platon, leibniz
Arbeit zitieren
Benedikt Bärwolf (Autor), 2010, Die „angeborenen Ideen“ bei Platon und Leibniz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201740

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