Auswirkungen der Bevölkerungsentwicklungen auf Genossenschaftsbanken


Bachelorarbeit, 2012

54 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 50Plus - Die neue Macht
1.1 Problemstellung
1.2 Vorgehensweise
1.3 Abgrenzung

2 Demographische Entwicklung
2.1 Die Bevölkerungszählung
2.2 Kernfelder der Demografie
2.3 Perspektiven für Deutschland

3 Volkswirtschaftlicher Einfluss
3.1 Veränderung des Rentenversicherungssystems
3.2 „Asset Meltdown“ – „Mackenroth-These“
3.3 Bedeutungszuwachs von Leibrenten
3.4 Auswirkungen auf den Immobilienmarkt

4 Anforderungen an die genossenschaftliche Bankengruppe
4.1 Implikationen für das Produktportfolio im Bankensektor
4.2 „Aus der Region, für die Region“
4.3 Zielgruppenkonzept „Lebenslinien“
4.3.1 Potential Zielgruppe 50 Plus
4.3.2 Best Ager in VR Banken
4.3.3 Handlungsempfehlungen
4.4 Rentenversicherung 60 Plus
4.5 Altersvorsorge Ü50 – Wohn-Riester ?
4.6 Produktinnovation Reverse Mortgage

5 Zusammenfassung und Ausblick

Anhang 1: Rentenreformen ab 1992

Anhang 2: Produktportfolio Zielgruppe 50Plus

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Bevölkerungsvorausberechnung

Abbildung 2: Bevölkerung nach Altersgruppen

Abbildung 3: Demografische Stützquote

Abbildung 4: private Altersvorsorgemöglichkeiten

Abbildung 5: Überlebenswahrscheinlichkeiten Frauen, Männer

Abbildung 6: Wohnungsbestand nach Gebäudeart

Abbildung 7: Veränderung der Eigentumsquoten zwischen 1991 und

Abbildung 8: Universalbanken Deutschlands (ohne sonstige Kreditinstitute)

Abbildung 9: Kundenstruktur der VR-Banken zum Bundesdurchschnitt..30 Abbildung10: Kaufkraft nach Altersklassen pro Jahr

Abbildung11: Senioren und Jugendmarken aus 10 Branchen

Abbildung12: Auszahlplan mit 1,75 % p.a

Abbildung13: Auszahlplan mit 3,92 % p.a

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 50Plus - Die neue Macht

"Wer weiß, wie dem demografischen Wandel erfolgreich zu begegnen ist, den beglückwünsche ich", Angela Merkel[1]

1.1 Problemstellung

Es vergeht kein Tag ohne mediale Schlagzeilen zu den Themen Rente, Bevölkerungsalterung oder Best Ager. Bei der Wahl zum Unwort des Jahres 2011 landete „Altersvorsorge“ sogar auf Platz eins. All diese Themen drehen sich um den demografischen Wandel und seine Auswirkungen auf unsere Gesellschaft.[2] Eine immer älter werdende Gesellschaft muss nicht zwangsläufig nur Nachteile mit sich bringen. So lebt und konsumiert der Bevölkerungsteil 50Plus heutzutage ganz anders als noch vor 30 Jahren. Beispielsweise werden viele Männer dieser Altersgruppe zum Wiedereinsteiger beim Motoradfahren. Die neuesten Statistiken des Kraftfahrtbundesamtes belegen sogar, dass mehr Autos auf 70-79-jährige zugelassen werden als auf 18-bis 30-jährige.[3]

Auch in der Finanzbranche ist das Thema in den letzten Jahren mehr und mehr in den Fokus gerückt. Neue Herausforderungen, wie z. B. die Absicherung des Langlebigkeitsrisikos oder die des Vermögensmanagements über den Rentenbeginn hinaus, kommen auf Banken zu. Die höchsten Vermögenszuflüsse, vordergründig aus Lebensversicherungen und Erbschaften, finden im Alter zwischen 50 und 70 Jahren statt. Zusätzlich sind viele Haushalte in dieser Lebensphase fast schuldenfrei. Die Gesellschaft für Konsumforschung fand im Rahmen einer Studie 2007 heraus, dass die 50- 59-Jährigen die meisten Mehrfachbankverbindungen haben. Früher galten die älteren Kunden als einfach, leicht zufrieden zu stellen und ziemlich träge in ihrer Wechselwilligkeit. Das hat sich nun entscheidend geändert.[4] Im Gegensatz zu international agierenden Großbanken, sind die Volks- und Raiffeisenbanken sehr stark regional verwurzelt und müssen sich den veränderten Rahmenbedingungen vor Ort in Deutschland stellen. Wie das gelingen kann, möchte diese Arbeit aufzeigen.

1.2 Vorgehensweise

Untersuchungen konstatieren drei Wirkungskanäle des demografischen Wandels, die für den Bankensektor von Belang sind. Der wichtigste Einfluss wird über die allgemeinen Veränderungen der gesamten Volkswirtschaft, insbesondere der Kapital- und Immobilienmärkte vermutet. Als zweiten wichtigen Punkt ist der Einfluss auf die Altersvorsorgebedürfnisse der Bevölkerung determiniert worden. Hier spielen die Banken, neben den traditionellen Anbietern wie Versicherungsgesellschaften, auch eine wichtige Rolle im Vertrieb und in der Betreuung verschiedener Vorsorgeprodukte. Zu guter Letzt, wird sich auch durch eine gewandelte Nachfrage nach Finanzdienstleistungen, das Produktportfolio der Banken verändern müssen.[5]

In dieser Arbeit wird der Fokus auf die Anforderungen an die genossenschaftliche Bankengruppe, bedingt durch den demografischen Wandel, gelegt. Nach einer kurzen Reise durch die Kernfelder der Demografie und den aktuellen Bevölkerungsprognosen für Deutschland, widme ich mich dem volkswirtschaftlichen Einfluss der Bevölkerungsdynamik. Im Zusammenhang mit den Prognosen für Deutschland, wird vor allem auf die Statistiken im Zusammenhang mit der Altersstruktur näher eingegangen, die für die dann folgenden Kapitel relevant sind. In der Diskussion zur „Demografieanfälligkeit“ des Rentenversicherungssystems möchte ich die Argumente eines Asset-Meltdowns in Form der „Neuen Mackenroth-These“ den Vorteilen des Kapitaldeckungsverfahrens gegenüberstellen. Hier treffen die beiden Wirkungskanäle, veränderte Kapitalmärkte und neue Bedürfnisse der Altersvorsorge, aufeinander.

Nach einer Standortbestimmung der Genossenschaftsbanken im deutschen Bankensystem mit ihrer Kundenstruktur und Marktposition wird die wichtiger werdende Zielgruppe „Best Ager“ beleuchtet. Schlüsselstelle für diese Arbeit sind mögliche zukünftige Ertragsquellen die sich aus einem veränderten Produktportfolio ergeben. Aufbauend auf einer qualitativen Studie der DZ Bank, wird dazu mit einem konkreten Beratungsansatz auf den befürchteten vorzeitigen Kapitalverzehr im Alter eingegangen. Mit einer Gegenüberstelllung von Leibrente und einem klassischen Auszahlplan, wird deren stärkere Fokussierung bei der Methodenauswahl zur Vorsorge, gerechtfertigt. Als weiteren Betreuungsansatz wird die Möglichkeit der „Riesterförderung“ für Baufinanzierungen an der genannten Kundengruppe auf ihren Nutzen hin überprüft. Oftmals ist es für Ältere zu spät, die Vorteile aus der staatlichen Förderung für Altersvorsorge zu nutzen. Die Möglichkeit Wohnriester zu nutzen, stellt hier eine Alternative dar. Abschließend möchte ich eine angelsächsischen Produktinnovation– das „Reverse Mortgage“ diskutieren. Diese Art der Immobilienrente ist am Finanzplatz Deutschland noch sehr jung und kann für die Genossenschaftsbanken eine Chance zur Differenzierung und Ertragssteigerung hinter dem Kontext sich verändernder Rahmenbedingungen darstellen.

1.3 Abgrenzung

Für diese Ausarbeitung ist die Bevölkerungsdynamik ab dem 19. Jahrhundert als zielführend zu betrachten, da dort entscheidende Grundsteine für die heutige gesellschaftliche Situation gelegt wurden. Besonderen Wert wird bei zukünftigen Bevölkerungsentwicklungen für die Bundesrepublik den Punkten beigemessen, die im engeren Zusammenhang mit der Altersvorsorge und der Kundenzielgruppe „Best Ager“ stehen. Die Arbeit beschäftigt sich vordergründig mit den volkswirtschaftlichen Auswirkungen, die im Hinblick auf die drei genannten Wirkungskanäle in den Genossenschaftsbanken relevant sind. Durch die notwendige Änderung im zukünftigen Produktportfolio der Genossenschaftsbanken, ergeben sich neben den Chancen aus der finanziellen Betreuung älterer Menschen, beispielsweise auch Anpassungen in der Mitarbeiterstruktur und Personalpolitik. Denn vor allem die Volks- und Raiffeisenbanken sind wichtige Arbeitgeber und Ausbildungsbetriebe in ihrer Region. Der daraus entstehende Handlungsbedarf im Personalbereich kann aber durch die formale Begrenzung der Arbeit nicht weiter ausgeführt werden.

2 Demographische Entwicklung

2.1 Die Bevölkerungszählung

Bevölkerung in unserem heutigen Verständnis bezeichnet die Einwohner eines bestimmten geographischen und häufig politisch organisiert Raumes. Die ersten Datenreihen für die deutsche Bevölkerungsgeschichte gab es ab etwa 1816. Nach dem Ersten Weltkrieg gelten für die deutsche Datenerfassung die Grenzen des Friedensvertrages von Versailles wobei die Gebietsveränderungen des Zweiten Weltkrieges grundsätzlich nicht mit angerechnet werden. Nach der deutschen Einheit wird versucht, die Bevölkerungsentwicklung der beiden deutschen Staaten von 1945 bis 1990 zusammen darzustellen. Allgemein lässt sich ein gleichartiges demographisches Verhalten in den entsprechenden Grenzen Deutschlands vermuten. Oft entwickelten sich aber die deutschen Grenzgebiete ähnlicher zu ihren angrenzenden Nachbarstaaten, als zu Gesamtdeutschland. Deshalb untersuchen verschiedene Mikrostudien auch das Verhalten von sozialen Gruppen ohne Bezug zu einem bestimmten Nationalstaat.[6]

Ab 1875 wurde in Deutschland ein einheitliches öffentliches Registersystem, das so genannte Standesamt geschaffen. Hier finden sich die Zahlen der Geburten, Todesfälle und Eheschließungen wieder. Diese Angaben werden aber erst nutzbar, wenn man die genaue Gesamtbevölkerung und deren Struktur kennt. Bis Ende des 19. Jahrhunderts waren die dadurch notwendigen Volkszählungen noch sehr ungenau. Nach 1945 führten beide deutschen Staaten etwa alle zehn Jahre Volkszählungen durch. Seit 1957 wird der so genannte Mikrozensus erhoben. Dies bezeichnet eine repräsentative Stichprobe von einem Prozent der Bevölkerung, welche jährlich erhoben wird.[7] 1987 wurde in Westdeutschland das letzte Mal gezählt. Danach wurden die Einwohnerzahlen für die nächsten Jahre durch eine Bevölkerungsfortschreibung ermittelt. Hierzu werden Geburten und Zuwanderungen Jahr für Jahr addiert und die Sterbefälle und Abwanderungen abgezogen. Da nicht alle auswandernden Menschen sich in den Einwohnermeldeämtern abmelden und die illegalen Einwanderer sich naturgemäß nicht anmelden, entstehen in der Statistik durchaus nennenswerte Fehler, deren genaues Ausmaß nur geschätzt werden kann.[8] Im letzten Jahr fand mit großem medialem Interesse der Zensus 2011 statt. Deutschland nimmt hier an einer kompletten Bevölkerungszählung auf europäischer Ebene teil, die alle zehn Jahre umgesetzt werden soll.[9] Zusätzlich zu den Bevölkerungsgrößen, werden z.B. auch Daten zum Immobilienbestand erfragt. Bei diesem neuen, registergestützten Verfahren müssen nur etwa zehn Prozent aller Haushalte direkt befragt werden, um eine komplette Erhebung zu erhalten. Darüber hinaus bietet es auch einen Kostenvorteil gegenüber der zuvor genutzten Methode.[10]

2.2 Kernfelder der Demografie

Ein statistischer Ausgangspunkt für weitere Forschungen ist durch die genannte Volkszählung geschaffen. Dabei gewinnt man Erkenntnisse über die geografische Bevölkerungsverteilung, das Geschlecht, Alter oder auch die Kinderzahl. Diese und ähnliche Sachverhalte werden demografisch als Bevölkerungsstruktur zusammengefasst.

Die drei hauptsächlichen Determinanten der Bevölkerungswissenschaft sind die Fertilität (Fruchtbarkeit), Mortalität (Sterblichkeit) und Migration (Wanderung).[11] In der Historie gilt die Fertilität als wichtigster Einfluss auf die Bevölkerungsentwicklung.[12] Häufige Fragestellungen sind z. B., wie sich die Determinanten zwischen zwei Zeitpunkten verändern oder wie sie sich im Vergleich mit anderen Ländern verhalten. Die sogenannte demografische Grundgleichung ergibt die Bevölkerung zum Zeitpunkt t aus der Bevölkerung zum früheren Zeitpunkt t-1 zuzüglich der von t bis t-1 eingetretenen Geburten und Zuzüge und abzüglich der von t bis t-1 eingetretenen Sterbefälle und Fortzüge.[13]

„Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.“ So lautet ein Zitat, welches Winston Churchill zugeschrieben wird. Bevölkerungsprognosen sind dagegen ziemlich tragfähig, da die Bevölkerungszahl eines Jahres, durch die Zahl des Vorjahres und die entsprechenden Veränderungen der laufenden Periode sehr gut absehbar ist.[14] Deshalb sind diese Verfahren im Grunde auch nur Bevölkerungsvorausberechnungen und keine Prognosen. Nichts desto trotz gibt es auch hierbei Unsicherheiten. Gerade sehr langfristige Betrachtungen weisen doch ziemliche Spannweiten in ihren Ergebnissen auf. Die größten Schwierigkeiten bereitet es in diesem Zusammenhang, den medizinischen Fortschritt und die zukünftige Einwanderung vorherzusehen.[15]

2.3 Perspektiven für Deutschland

In näherer Zukunft wird sich unsere Bevölkerung eher in ihrer Struktur als in ihrem Ausmaß ändern. Das bedeutet, dass die Einwohnerzahl in den nächsten 25-30 Jahren um „nur“ fünf Millionen zurück gehen wird. Erst nach 2040 wird diese deutlicher sinken.[16] Folgende Abbildung veranschaulicht mit drei verschiedenen Szenarien, dass trotz Erhöhung des Wanderungssaldos in Variante zwei oder einer Erhöhung der Geburtenhäufigkeit auf 1,6 in Variante drei, der große Trend kaum verändert werden kann.

Abb. 1: Bevölkerungsvorausberechnung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Statistisches Bundesamt 2010

Die Neuverteilung der Altersstruktur lässt sich auf zwei grundlegende Faktoren zurückführen: die gesunkene Geburtenrate und die längere Lebenserwartung. Ab dem Zweiten Weltkrieg bis zur Mitte der 60er Jahre stieg die Zahl der Geburten an. Danach kam es zu dem sogenannten „Pillenknick“. Die, für die Bevölkerungserhaltung notwendige Fertilitätsrate von 2,1 Geburten pro Frau, wurde nie wieder erreicht. Lag sie 1970 noch etwa bei zwei, so fiel sie rapide bis 1994 auf 1,23. Aktuell stagniert sie auf niedrigem Niveau bei 1,36.[17] Der Geburtenrückgang hätte Deutschland ohne weitere Einflüsse schon frühzeitiger eine Schrumpfung der Bevölkerung hervorgerufen, wenn nicht eine sich gleichzeitig verkleinernde Anzahl der Sterbefälle im dagegen gewirkt hätte. Durch medizinischen Fortschritt und verbesserter Lebensbedingungen stieg die Lebenserwartung in den letzten 50 Jahren stetig an. Sie liegt momentan im Schnitt bei 80 Jahren und erhöht sich weiter. So wird das durchschnittliche Sterbealter einer Frau im Jahr 2050 auf 91,7 Jahre geschätzt.[18] Beide Sachverhalte führen unweigerlich zu einem verhältnismäßig stärkeren Anstieg der Bevölkerungsgruppe der über 65 jährigen. Die gern zitierte Bevölkerungspyramide verändert sich hin zu einer Glocke. Das nachfolgende Schaubild unterstreicht dies. Auffällig ist hier die aktuell stark vertretene Gruppe der 25-65 jährigen, ein Anhaltspunkt für die Betrachtung der Zielgruppe Ü50 in der Finanzbranche.

Abb. 2: Bevölkerung nach Altersgruppen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Statistisches Bundesamt 2010

Sterbeziffer und Geburtenzahl fallen in Deutschland seit 1850 kontinuierlich ab. Ausnahmen bilden die Zeiträume der beiden Weltkriege. Sie ändern jedoch am langfristigen Trend nichts. Seit 1972 liegt die Sterbequote stets über der Geburtenrate. Deshalb spricht man auch ab diesem Zeitpunkt vom Beginn des demografischen Wandels.[19]

Ein zweiter Umstand, der den Bevölkerungsrückgang abmildert, ist ein positiver Zuwanderungssaldo pro Jahr. Seit den 50er Jahren ist Deutschland faktisch ein Einwanderungsland. Im Jahr 1992 erreichte der positive Wanderungssaldo mit 1,5 Millionen Personen einen Rekordstand. In der letzten Zeit tendiert er eher gegen Null. Für viele langfristige Vorausberechnungen wird ein positiver Saldo von 100.000 Personen pro Jahr angenommen. Da der letzte Wert aus dem Jahr 2009 sogar leicht negativ ist, scheint das etwas optimistisch zu sein.[20]

Zur Fokussierung der Bevölkerungsstruktur lohnt sich ein Blick auf den Altersquotienten. Er beschreibt das Verhältnis der Zahl der älter als 65-Jährigen zur Anzahl der 15 bis 64-Jährigen. Er wird sich bis 2050 von 0,29 auf 0,65 verdoppelt haben. Wollte man mit einer Zuwanderung den Quotienten konstant lassen, so müssten bis zum Jahr 2050 netto 190 Millionen Menschen nach Deutschland einwandern. Dies hätte zur Folge, dass dann in Deutschland fast 300 Millionen Bürger leben würden![21] Auch die demografische Stützquote bietet einen Blick in die gleiche Richtung. Sie beschreibt einen der wichtigsten ökonomischen Indikatoren der Alterung. Hier wird die Anzahl der Personen im erwerbsfähigen Alter ins Verhältnis zu allen Konsumenten bezogen, für die Waren und Dienstleistungen hergestellt werden müssen. Ein Schaubild projiziert dies für Deutschland im Vergleich mit anderen Ländern bis ins Jahr 2050. In allen Industrienationen nimmt der Anteil der erwerbsfähigen Personen im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung ab.[22] Es handelt sich damit nicht nur um das oft genannte Problem der monetären Versorgung älterer Bevölkerungsgruppen, sondern auch um ein ökonomisches Engpassproblem in der Herstellung von Gütern.[23]

Abb. 3: Demografische Stützquote

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Börsch-Supan, Ludwig und Winter (2003)

Für eine Volkswirtschaft ist somit der prognostizierte Rückgang der Bevölkerung (in Deutschland um 10 % für die nächsten 50 Jahre) nicht so stark entscheidend wie die Veränderung in der Bevölkerungsverteilung. Die Zunahme der älteren Bevölkerungsgruppen im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung ist nicht mehr aufzuhalten. Dieser Aspekt hat entscheidende Auswirkungen auf unsere Gesellschaft und Ökonomie.

[...]


[1] Bundespressekonferenz 20.08.2006

[2] Vgl. Oestmann (2010), S. 7.

[3] Vgl. Agentur für Generationen-Marketing (2010), S. 5.

[4] Vgl. ebenda, S. 25.

[5] Vgl. Schmitz (2007), S. 106–108.

[6] Vgl. Ehmer (2010), S. 1–2.

[7] Vgl. ebenda, S. 4–6.

[8] Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung), S. 1.

[9] Vgl. o. V.(2011), S. 1.

[10] Vgl. Statistisches Bundesamt in Zusammenarbeit mit den Statistischen Ämtern der Länder(2011), S. 11.

[11] Vgl. Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung (2011), S. 1.

[12] Vgl. Ehmer (2010), S. 99.

[13] Vgl. Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung (2011), S. 1.

[14] Vgl. Just (2011), S. 2.

[15] Vgl. Börsch-Supan et al. (2003), S. 13.

[16] Vgl. ebenda, S. 9.

[17] Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (2010), S. 8.

[18] Vgl. Börsch-Supan (2008), S. 2.

[19] Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (2010), S. 7.

[20] Vgl. ebenda, S. 10.

[21] Vgl. Statistisches Bundesamt (2004), S. 1.

[22] Vgl. Börsch-Supan et al. (2003), S. 9.

[23] Vgl. Börsch-Supan (2008), S. 2.

Ende der Leseprobe aus 54 Seiten

Details

Titel
Auswirkungen der Bevölkerungsentwicklungen auf Genossenschaftsbanken
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Veranstaltung
BBA
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
54
Katalognummer
V201802
ISBN (eBook)
9783656277811
ISBN (Buch)
9783656433453
Dateigröße
2881 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Verarbeitung der "Lebenslinienstudie" der DZ Bank Betrachtung von drei Bankproduktalternativen zur Bewältugung des demografischen Wandels.
Schlagworte
Demografie, Volksbanken, rente, altersvorsorge, versicherung, auszahlplan, reverse mortgage, bevölkerung, demografischer wandel, asset meltdown
Arbeit zitieren
Thomas Schmidt (Autor), 2012, Auswirkungen der Bevölkerungsentwicklungen auf Genossenschaftsbanken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201802

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