Null-Elemente in der minimalistischen Syntax


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

31 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Null-Subjekte
2.1 Pro-Drop
2.2 Diary-Drop
2.3 PRO
2.3.1 PRO und Argumentstruktur
2.3.2 PRO und Reflexive
2.3.3 PRO und Prädikatsnomen
2.3.4 PRO ohne explizites Bezugselement

3 Null-Hilfsverben

4 Null-Tense
4.1 Null-Tense in finiten Sätzen ohne Hilfsverb
4.2 Null-Tense in rein infiniten Sätzen

5 Null-Komplementierer
5.1 Null-Komplementierer in finiten Sätzen
5.2 Null-Komplementierer in infiniten Sätzen

6 Null-Nominalphrasen

7 Null-Artikel
7.1 Rein plurale Nomen
7.2 Der sächsische Genitiv
7.3 Mengen- und zählbare Nomen
7.4 Eigennamen

8 Schlusswort

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Bindungs- und Rektionstheorie, sowie die aus ihr resultierende minimalistische Syntax, neigt dazu im Wesentlichen nur die klassischen Null-Elemente zu berücksichtigen.

Zu Beginn beschäftige ich mich mit Null-Subjekten, da diese wohl eine der wichtigsten und variantenreichsten Kategorie unter den Null-Elementen bilden.

Andrew Radford (2004) behandelt in seinem Buch „Minimalist Syntax“ zahlreiche Null-Elemente der minimalistischen Syntax, die über die klassischen Fälle der Bindungs- und Rektionstheorie, wie sie etwa von Haegeman (1994: 433) publiziert wurden, hinaus gehen und von denen ich einige vorstelle.

Mit dieser Arbeit habe ich versucht einen möglichst umfassenden Überblick über Null-Elemente in der minimalistischen Syntax zu geben. Die Suche nach den Ursachen für die Entwicklung von Null-Elementen und deren Realisation bildete die Grundlage für diese Untersuchung. Die Definition eines Null-Elements und dessen syntaktische Eigenschaften finden sich in den jeweiligen Abschnitten wieder. Im Wesentlichen greife ich auf englischsprachige Beispiele zurück, da die Erforschung dieses Themas hauptsächlich in dieser Sprache stattfindet.

2 Null-Subjekte

2.1 Pro-Drop

Es gibt Sprachen, wie etwa Italienisch, die Sätze ohne Subjekt erlauben. Radford (2004: 17) stellt eine sogenannte „pro-drop“-Sprache an folgenden Beispielen dar:

(1) (a) Maria parla francese (b) Parla francese

(c) „Maria speaks French” (d) *Speaks French

(1a) und (1c) zeigen, dass sowohl das italienische Verb palare, als auch seine englische Entsprechung speak zweistellige Prädikate sind und beide ein Subjekt (Maria) und ein Objekt (francese/French) benötigen. In beiden Fällen ist das Verb finit (hier Präsens) und kongruiert mit seinem Subjekt Maria, welches die Form der dritten Person Singular besitzt. Die Frage lautet nun, wie man mit Satz (1b) Parla francese (=„Speaks French“), in welchem das Verb parla ‚speaks‘ und francese ‚French‘ als overte Entsprechungen haben, umgeht. Denn es gibt hier kein overtes Subjekt und das ist in der Regel im Englischen nicht zulässig.

Radford deutet in diesem Fall auf pro als Lösung für das Null-Subjekt-Gegenstück hin. Man kann pro als eine nicht hör- und sichtbare Null-Variante von Pronomen, wie he oder she des Englischen betrachten. Dadurch hat (1b) nun folgende Struktur, wobei pro das Null-Subjekt ist:

pro parla francese

„pro speaks french“

Pro-drop heißt, dass das Subjekt wegfällt, sprich gedropt wird, und an dessen Stelle das Null-Element pro tritt.

Es gibt demnach zwei Gründe, um von einem Null-Subjekt auszugehen. Erstens parlare ist ein zweistelliges Argument und benötigt zwei Argumente, ein Subjekt und ein Objekt. Unter der Null-Subjekt-Analyse wird das Argument „Subjekt“ durch pro, einem Null-Pronomen, ausgefüllt. Zweitens kongruieren finite Verben mit ihren Subjekten im Italienischen. Um die Kongruenzbedingung des Verbs parla, welches in der dritten Person Singular steht, zu erfüllen, muss das anzunehmende Subjekt auch der Form Dritte-Person-Singular entsprechen. Parla hat nach der Null-Subjekt-Analyse ein Null-Pronomen (pro) als Subjekt. Auf Grund der Kongruenzbedingungen lässt sich pro als Pronomen in der dritten Person Singular Femininum definieren, da es sich auf Maria bezieht.

Das Italienische zeigt, dass es Sprachen gibt, in denen das finite Verb entweder ein overtes Subjekt oder ein Null-Subjekt besitzt. Das Englische erlaubt hingegen keine Null-Subjekte. Demzufolge ist (1d) auch ungrammatisch. Auf Grund der Generalisierung dieser Feststellung wurde der „Null-Subject Parameter“ entwickelt. Mit seiner binären Eigenschaft wird hier postuliert, dass es in jeglichen Sprachen entweder immer erlaubt ist ein Null-Subjekt zu haben oder nie. Es scheint keine Sprache zu geben, in der es einerseits erlaubt ist Drinks wine zu sagen, es aber andererseits verboten ist Eats pasta zu sagen, welche beide von derselben Form sind (vgl. Radford 2004: 18). Die Unterschiede der Grammatiken dieser Welt sind sehr zahlreich und dennoch ist es so, dass sie bei der Verwendung von Null-Subjekten nur zwei Möglichkeiten zulassen: entweder sind sie systematisch erlaubt oder nicht.

Im Italienischen darf man in jedem finiten Satz ein Null-Subjekt verwenden, im Englischen dagegen nicht. Nach Radford (2004: 107) existieren jedoch verschiedene Typen von Null-Subjekten im Englischen. Zunächst gibt es „imperative null subjects“. So kann der Satz:

Don’t you dare lose your nerve!

auch mit einem Null-Subjekt ausgedrückt werden:

Don’t lose your nerve!

Bei „imperative null subjects“ ist jedoch zu beachten, dass sie nur eine Variation von overten Subjekten in der zweiten Person sein können. Der Imperativsatz:

Don’t anyone dare lose their nerve!

hat ein overtes Subjekt in der dritten Person.

Der entsprechende Satz mit einem Null-Subjekt:

*Don’t lose their nerve!

ist ungrammatisch.

Im Prinzip sind „imperative null subjects“ eine Null-Entsprechung von you.

Der zweite Typ von Null-Subjekten im Englischen ist das „truncated null subject“. Im gesprochenen Englisch und im Schriftenglisch von Tagebüchern lassen sich Beispiele für diese Art von gekürzten Sätzen finden. Dabei werden Subjektspronomen wie I/you/he/we/they nicht ausgesprochen, sofern sie das erste Wort in einem Satz sind. In den Sätzen:

(2) (a) I can’t find my pen
(3) (a) I think I left it at home
(4) (a) Why do I always lose things?

Es ist möglich, I nicht auszusprechen, da es das erste Wort im Satz ist. Satz (4) fungiert als Gegenbeispiel:

(2) (b) Can’t find my pen
(3) (b) Think I left it at home
(4) (b) *Why do always lose things?

Zu beachten ist jedoch, dass nicht immer alle Subjekte am Satzbeginn solch eine Null-Entsprechung erhalten können. Es ist zum Beispiel nicht möglich He in einem Satz wie He is tired wegfallen zu lassen. Denn *Is tired ist ungrammatisch.

Die genauen Umstände und Regeln dieser Null-Variation satzinitialer Subjekte sind laut Radford noch unklar.

2.2 Diary-Drop

Harbert (1995: 230) nennt das Phänomen von „truncated null subjects“ im Englischen, das normalerweise keine pro-drop Sprache ist, den „Diary-Drop“. Er ist in kurzen Briefen, Notizen und Tagebüchern zu finden:

Came home after the party, got undressed and went to bed.

Bisher haben wurden drei verschiedene Typen von Null-Subjekten behandelt. Erstens pro, welches bei finiten Verben verwendet wird und deswegen auch „null finite subject“ genannt wird, zweitens „imperative null subjects“ und drittens „truncated null subjects“.

Im Folgenden stelle ich ein weiteres Null-Subjekt vor, welches eine zentrale Rolle in der Null-Element-Theorie einnimmt.

2.3 PRO

Das vierte Null-Subjekt ist das „non-finite Null-subject“ welches in nicht-finiten Sätzen auftaucht, die kein overtes Subjekt besitzen. Radford (2004: 108) veranschaulicht dieses Phänomen mit folgenden Beispielen:

(5) (a) We would like [you to stay]
(b) We would like [to stay]
(6) (a) We don’t want [ anyone to upset them]
(b) We don’t want [to upset them]

Die infinitiven Komplementsätze in Klammern von (5a) und (6a) besitzen ein overtes Subjekt. Die eingeklammerten Komplemente von (5b) und (6b) scheinen hingegen kein Subjekt zu besitzen. Geht man nun von einem Null-Subjekt aus, welches die gleichen grammatikalischen und referentiellen Eigenschaften wie sein overtes Gegenstück in den (a)-Beispielen besitzt, dann ist das einzig mögliche Null-Element ein Pronomen. Um dieses Null-Pronomen in nicht-finiten Sätzen von dem bisher bekannten pro, welches in finiten Sätzen vorkommt, zu unterscheiden schreibt man es als PRO. Dementsprechend ist die Struktur von (5b) mit dem Null-Pronomen PRO folgendermaßen darzustellen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

PRO wird kontrolliert von bzw. bezieht sich auf das Subjekt we, welches das nächst höhere Bezugselement ist. Deswegen wird die Struktur We would like PRO to stay als We would like ourselves to stay interpretiert. (Verben, die ein infinitives Komplement mit PRO als Subjekt erlauben, nennt man auch „control verbs“.)

Radford merkt in diesem Zusammenhang zwar an, dass sich PRO in (5b) auf we bezieht, aber weist nicht darauf hin, dass sich (5a) und (5b) semantisch unterscheiden. Während (6a) und (6b) noch die gleiche semantische Bedeutung besitzen, wird durch das Null-Element in (5b) die Aussage nachhaltig verändert. Dennoch lässt sich (5b) auf rein syntaktischer Ebene für die Veranschaulichung von PRO als Null-Subjekt verwenden.

2.3.1 PRO und Argumentstruktur

Die Motivation, von einem Null-PRO Subjekt zu sprechen hat laut Radford (2004: 18) seine Ursachen in der Argumentstruktur. So ist das Verb stay in (5b) ein einstelliges Prädikat, welches als Argument ein Subjekt benötigt. Mit PRO als Subjekt in dem eingeklammerten stay-Satzteil wird diese Bedingung erfüllt. Das Null-PRO Subjekt eines Kontrollinfinitivs wird overt wenn man den infiniten Satzteil durch einen finiten ersetzt:

[...]

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Details

Titel
Null-Elemente in der minimalistischen Syntax
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
Minimalist Syntax
Autor
Jahr
2008
Seiten
31
Katalognummer
V201831
ISBN (eBook)
9783656282723
ISBN (Buch)
9783656283140
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
null-elemente, syntax
Arbeit zitieren
Sandy Quartey (Autor), 2008, Null-Elemente in der minimalistischen Syntax, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201831

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