Israel zwischen Sechstagekrieg und Yom-Kippur-Krieg: Stabilisierung oder Eskalation des Nahost-Konflikts?


Bachelorarbeit, 2012
49 Seiten, Note: 1,8

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Forschungsbericht

3. Sechstagekrieg 1967
3.1. Verlauf des Kriegs
3.2. Angriff auf die „USS Liberty“
3.3. Folgen

4. Vom Sechstagekrieg zur Atommacht
4.1. Von den Rüstungsverhandlungen 1968/69 zum politischen
Umbruch der israelisch - amerikanischen Beziehungen

5. Abnutzungskrieg

6. Israel und die PLO

7. Yom-Kippur-Krieg 1973
7.1. Verlauf des Kriegs
7.2. Folgen

8. Fazit

9. Akteneditionen

10. Bibliographie

11. Zeitungen

12. Web-Ressourcen

1. Einleitung

Die Geschichte des Staates Israel begann bereits mit der von Theodor Herzl 1867 ins Leben gerufenen zionistischen Bewegung, welche eine Heimstätte für das jüdische Volk forderte. Dabei bekam die Bewegung durch die „Balfour Deklaration“ vom 2. November 1917 zusätzlichen Schwung und Legitimität. Zu diesem Zeitpunkt war Palästina britisches Mandatsgebiet. Der damalige englische Außenminister Arthur James Balfour erklärte mit diesem Dokument: „His Majesty’s Government view with favour the establishment in Palestine of a national home for the Jewish people, and will use their best endeavours to facilitate the achievement of this object, […]”.[1] [2] Diese Erklärung wurde später zur Basis des Teilungsplans der Vereinten Nationen für Palästina.

In der Folge des Ersten Weltkriegs wanderten zunehmend mehr Juden nach Palästina ein und die britische Regierung sah sich, aufgrund aufkommender Konflikte zwischen Juden und Arabern, gezwungen, das „Weißbuch“ 1939 zu veröffentlichen. Darin wird die Position der englischen Krone zur Lage der Juden in Palästina dargelegt: „Phrases have been used such as that Palestine is to become ’as Jewish as England is English.’ His Majesty’s Government regard any such expectation as impracticable and have no such aim in view.”[3] Das Buch brach mit der Politik der vorangegangenen Jahre, da die Einwanderungszahl für die nächsten fünf Jahre öffentlich festgelegt wurde.[4] Der 1939 ausbrechende Zweite Weltkrieg machte jedoch diesen Plan zunichte und eine UN-Kommission empfahl 1947 die Teilung Palästinas in zwei Staaten.

Auf Basis des Kommissionsergebnisses wurde am 14. Mai 1948 von David Ben Gurion der Staat Israel proklamiert.[5] Es dauerte keine vierundzwanzig Stunden bis Streitkräfte Ägyptens, Jordaniens, Syriens, des Libanons und des Iraks den neu gegründeten israelischen Staat aus allen Richtungen angriffen und in einen beinahe fünfzehn Monate andauernden Existenzkrieg zwangen.[6]

Während des Krieges gelang es den israelischen Streitkräften, im Oktober 1948, auch, die Wüste Negev unter Kontrolle zu bekommen. Für Israel war dabei von entscheidender Bedeutung, dass es nun ein durchgehendes Territorium vom Mittelmeer bis zum Roten Meer hatte und dieses auch kontrollieren konnte.[7]

Der erste arabisch-israelische Krieg, auch Unabhängigkeitskrieg genannt, endete mit einem erstarkten Selbstbewusstsein Israels und dem Glauben daran, dass jeder weitere Kampf auch mit der Existenz des Staates gleichzusetzen sei. Interessant daran ist, dass Ben Gurion bereits am 12. Januar 1949, gerade einmal fünf Tage nach Ende der Kämpfe, darauf aufmerksam machte, dass es durchaus nicht das Ende der Gefahr für Israel bedeute und das jüdische Volk weiterhin wehrhaft bleiben müsse.[8]

Doch bereits 1956 sollte es zu einem neuen Konflikt im Nahen Osten kommen. Ägypten sperrte für israelische Schiffe die Durchfahrt durch den Suezkanal, welcher kurz zuvor von Ägypten verstaatlicht worden war. Des Weiteren wurde die Straße von Tiran gesperrt. Frankreich und Großbritannien schlossen sich Israel in den folgenden Kampfhandlungen an, um die vom ägyptischen Präsidenten Gamal Abdel Nasser vorgenommene Verstaatlichung des Suezkanals rückgängig zu machen.[9] Dabei war vorgesehen, dass Israel als erstes Angreifen sollte und im Anschluss daran französische und britische Truppen am Suezkanal landen sollten, um diesen zu sichern und die Verstaatlichung rückgängig zu machen.[10] Am 29. Oktober 1956 überschritten die israelischen Truppen die Grenze und begannen mit ihrem Vorstoß auf der Sinai-Halbinsel. Dieser erreichte bereits binnen weniger Tage den Suezkanal. Allerdings drängten die Vereinten Nationen am 7. November 1956 zum Waffenstillstand und dazu die besetzten Gebiete zu räumen. Israel weigerte sich jedoch noch bis 1957, den, während der Krise besetzten Gaza-Streifen, zu räumen.

Für Ägyptens Präsident Nasser wurde die Suezkrise militärisch zu einem Desaster, da bereits zum zweiten Mal nach 1948 die ägyptischen Streitkräfte den israelischen unterlegen gewesen waren. Allerdings stärkte die Niederlage Nasser innenpolitisch, so dass er seine Idee der Vereinigung aller Araber in einem Nationalstaat weiter verbreiten konnte. Zwischen Israel und Ägypten wurde nach der Krise von den Vereinten Nationen eine Friedenstruppe unter der Bezeichnung „United Nations Emergency Force“ eingerichtet.[11]

In der Folgezeit der Suezkrise beschäftigte sich Ben Gurion mit der Modernisierung der israelischen Armee, welche zu großen Teilen mit französischem Militärgerät ausgestattet worden war. Außerdem wurden Pläne verfolgt, den Süden Israels zu urbanisieren, was jedoch nur durch Bewässerung möglich war.

Zu diesem Zweck baute Israel seit 1959 den „National Water Carrier“, um Wasser aus dem Jordan und aus dem See Genezareth in die Wüste Negev umzuleiten. Dies geschah unter starken Protesten Syriens, Jordaniens und Ägyptens. Da diese seitens Israel ignoriert wurden, planten Syrien und der Libanon mit dem „Headwater Diversion Plan“, das Wasser des Jordans so umzuleiten, dass Israels Wasserversorgung stark beeinträchtigt worden wäre. Als Reaktion darauf griff die israelische Armee das syrische Staudammprojekt mehrfach an, was zu einer immer gefährlicheren Eskalation der Grenzkonflikte führte. So kam es zum Beispiel am 14. Juli 1966 zu einer Bombardierung des Staudammprojekts und am 15. August 1966 zu einem Luftkampf zwischen Israel und Syrien. All diese Konflikte wurden durch die israelische Luftwaffe ausgetragen, obwohl Syrien immer wieder behauptete, dass es an der Grenze zu einem Aufmarsch israelischer Truppenverbände gekommen wäre.[12]

Israel befand sich zu diesem Zeitpunkt bereits am Vorabend des Sechstagekriegs. Doch sollte auch dieser Krieg für Israel ein Existenzkrieg werden? Oder stand der nächste Waffengang im Nahen Osten unter ganz anderen Vorzeichen? Und welche Rolle spielten dabei die Supermächte?

2. Forschungsbericht

Die Auswertung der zur Verfügung stehenden Literatur und Quellen hat gezeigt, wie schwer es ist eine fundierte Analyse der sicherheitspolitischen Lage des Nahen Ostens in der Zeit zwischen dem Sechstagekrieg und dem Yom-Kippur Krieg zu erstellen.

Obwohl es sich um eine geografisch gesehen kleine Region der Welt handelt, finden sich dort so viele Akteure zusammen, dass die differenzierte Betrachtung enorm erschwert wird. Zudem muss der in dieser Arbeit behandelte Zeitraum im Kontext des Kalten Kriegs und dem somit andauernd stattfindenden Machtspiel der Supermächte gesehen werden. Auch der Frage nach der nuklearen Abschreckung und der damit eventuell möglichen Sicherheitsgarantie für den Staat Israel muss genug Beachtung geschenkt werden, um der Frage nach einer Stabilisierung oder Eskalation der Gewalt effektiv nachgehen zu können.

Gerade dieser Aspekt beschäftigt die Forschung aktuell besonders, da mit dem Jahr „1967“ eine Zäsur in der amerikanischen Israel-Politik stattgefunden hat. Die Frage nach dem Jagdbomberverkauf an Israel wird mit Sicherheit noch nachfolgende Publikationen und Arbeiten beschäftigen, wie die Quellenlage bei „National Security Archives“ in Washington vermuten lässt. Eine Vielzahl der Quellen zur amerikanischen Außenpolitik gerade mit Blick auf den Umgang mit dem israelischen Atomprogramm ist erst in den letzten Jahren freigegeben worden und zum Teil auch noch stark zensiert. Ziel dieser Arbeit soll es also unter anderem sein, den Dreh- und Angelpunkt des Jahres „1967“ in seiner Bedeutung für die amerikanisch-israelischen Beziehungen und deren Bedeutung für den gesamten Nahen Osten aufzuzeigen, um dadurch die weitere Entwicklung bis zum Yom-Kippur-Krieg zu verstehen.

Hierbei waren die Werke von Michael Oren, der eine sehr gute Darstellung der Ereignisse vor und während des Sechstagekriegs liefert, sowie das Werk von Dieter Vieweger, der eine schematische Darstellung des gesamten Nahostkonflikts liefert, zum Einstieg in das Thema von entscheidender Bedeutung für die Arbeit.
Für die europäische Haltung während der untersuchten Zeitspanne sind die von Rolf Steiniger herausgegebenen Quellen zur deutsch-israelische Beziehung von unschätzbarem Wert.

Leider kann aufgrund der schlechten Quellenlage und des begrenzten Platzes, den diese Arbeit bietet, die arabische Sicht nicht weiter vertieft werden, sodass diese Arbeit einen starken Fokus auf die westlich-israelischen Beziehungen während der Zeit des Kalten Kriegs legt.

3. Sechstagekrieg 1967

Mit dem Sechstagekrieg 1967 begann der dritte arabisch-israelische Krieg nach 1948 und 1956. Bis 1967 hatte noch kein arabischer Staat Israel politisch anerkannt, und somit entstand in Israel die Furcht vor einem neuen Angriff seitens der arabischen Staaten. Zwar hatte Ägypten 1956 eine militärische Niederlage erlitten, allerdings hatte sich die anti-israelische Politik von Nasser nicht verändert, daher blieb eine wehrhafte Verteidigungspolitik für Israel zwingend notwendig.

Mit der Unterstützung seitens der Sowjetunion gelang es Ägypten, seine angeschlagenen Streitkräfte neu und besser auszurüsten. Syrien, welches ebenfalls dem Einflussbereich der Sowjetunion angehörte, verstärkte ebenfalls seine Truppen. Durch die Rüstungshilfen der Sowjets für die arabischen Staaten wurde Israels Atomreaktor in Dimona gefährdet, was als zusätzlicher Katalysator für den Ausbruch des Kriegs diente. Für die Sowjets stellte das israelische Atomprogramm bereits 1966 eine unmittelbare Gefahr für den Weltfrieden und den gesamten Nahen Osten dar. Moskau verglich die Rolle Israels in der Region mit der des Balkans während des ersten Weltkriegs.[13] Der Kalte Krieg hatte dazu geführt, dass die arabischen Länder sich für Waffenlieferungen an Moskau wandten und Israel aufgrund seiner bedrohten Lage massiv von den USA in den folgenden Jahren unterstützt werden sollte.[14]

Schon seit der Regierung J.F. Kennedys fürchteten die USA, sowie auch die israelische Regierung, dass durch die sowjetischen Raketenlieferungen an Syrien und Ägypten der Reaktor von Dimona in die Reichweite eben dieser sowjetischen Raketen gelangen könnte.[15] Zudem nahmen die Grenzzwischenfälle stetig zu und oft lagen israelische Siedlungen unter syrischem Beschuss, welcher von den Golanhöhen aus erfolgte. Nasser, der sich mittlerweile als panarabischer Führer inszenierte und von Israel als zweiter Hitler wahrgenommen wurde, drohte über seinen Propagandasender „Saut al-Arab“ mit der Vernichtung des Staates Israel: „Eure Führer werden euch nicht helfen. Sie werden einen Holocaust über euch bringen!“. Diese Propaganda wurde auf Hebräisch ausgestrahlt, damit nach Möglichkeit jeder Israeli sie verstehen konnte.[16]

Im November 1966 schlossen sich dann Syrien und Ägypten in einem Militärbündnis zusammen, welchem am 30. Mai 1967 auch Jordanien beitrat. Zwar wollte König Hussein von Jordanien sich ursprünglich aus einem möglichen Krieg zwischen Syrien und Israel heraushalten und nur bei einem Konflikt zwischen Ägypten und Israel ein symbolisches Maß an Truppen auf den Sinai schicken, allerdings entschied er sich kurz drauf um. Das Abkommen, welches Hussein unterzeichnete, war eine im Wortlaut exakte Kopie des Abkommens, das zuvor zwischen Ägypten und Syrien geschlossen worden war.[17]

Am 17. Mai 1967 forderte Nasser die „United Nations Emergency Force“ (UNEF) zum Abzug aus dem Sinai auf. Mit dem Abzug wurde dann auch am 19. Mai begonnen. Zuvor hatte es seitens der Vereinten Nationen noch das Angebot gegeben, die Truppen auf israelisches Gebiet zu verlegen, was von Israel allerdings mit Blick auf die dadurch eingeschränkte Wehrhaftigkeit abgelehnt wurde.[18]

Zeitgleich mit dem Abzug der UN-Blauhelme begannen ägyptische Streitkräfte auf Befehl Nassers mit der Besetzung des Sinai. Außerdem wurde in Syrien und in Jordanien die Armee ebenfalls mobilisiert. Bereits zu diesem Zeitpunkt war es auch westlichen Beobachtern klar, dass die Grenzkonflikte zu einem Krieg führen würden, der nur noch aufgeschoben aber nicht mehr abgewendet werden könnte.[19] Am 22. Mai ließ Nasser dann zudem die Straße von Tiran und damit den Zugang von Eilat zum Roten Meer schließen. Die Regierung unter Levi Eschkol reagierte in den Augen von General Ariel Sharon nicht aggressiv genug auf dieses Vorgehen von Nasser, was sich an Sharons Aussage sehr deutlich zeigte: „Today we have removed with our own hand our most powerful weapon – the enemy’s fear of us. We have the power to destroy the Egyptian army, but if we give in on the free passage, we have opened the door to Israel’s destruction. We will have to pay a far higher price in the future for something that we in any case had to do now… The people of Israel are ready to wage a just war, and to pay the price. The question isn’t free passage but the existence of the people of Israel.”[20] Zu diesem Zeitpunkt waren sich die IDF Generäle deutlich ihrer Stärke bewusst und waren ohne Zögern zu einem neuen Krieg bereit.

Am 2. Juni erlitt Israel noch einen weiteren herben Rückschlag, als der französische Präsident Charles de Gaulle ein Waffenembargo gegen das Land verhängte. Während Waffenlieferungen seitens der USA an Israel erst ab 1958 in Form einer Jagdstaffel realisiert worden waren, waren die Franzosen bis 1967 Hauptwaffenlieferant Israels gewesen. Die USA wollten bis in die 1960er Jahre hinein ihre Stellung im Nahen Osten nicht gefährden und fürchteten, dass es dort zu einer Rüstungseskalation kommen könne. Der Blick richtete sich dabei auch immer wieder auf den israelischen Atomreaktor in Dimona. Erst in den 1960er Jahren wurden unter Kennedy Aufrüstungen für Israel genehmigt.[21]

Ende Mai 1967 waren die arabischen Staaten durch ihre militärischen Bündnisse, was die Truppenstärke anging, praktisch gleichstark wie Israel. Allerdings waren die israelischen Truppen besser ausgerüstet und geschult. Zudem konnten sie von den Erfahrungen der ersten beiden israelisch-arabischen Kriege zehren. All diese Faktoren sorgten für den israelischen Eindruck einer Einkesselung seitens der arabischen Staaten und einer allgegenwärtigen Bedrohung. Selbst Generalstabschef Jitzhak Rabin glaubte, dass Israel sich seiner schlimmsten Prüfung seit dem Unabhängigkeitskrieg gegenüber sah.[22] Die Äußerungen Nassers in Kairo gegenüber UNO Generalsekretär U Thant dienten Israel nur dazu, sich noch bedrohter zu fühlen, da Nasser eine Unterstützung seitens der Vereinigten Staaten von Amerika für Israel als Aggression ansah und zu Israel selber meinte: „Wir akzeptieren keinerlei Art von Koexistenz mit Israel, denn die Schaffung dieses Staates bedeutet an sich schon eine Aggression gegen die Araber.“ Während des Treffens machte Nasser U Thant klar, dass er die Unterstützung Großbritanniens und der Vereinigten Staaten ablehne und lediglich die Haltung Frankreichs, welches sich für Nasser neutral verhielt, begrüße.[23]

Mit der Ernennung Moshe Dayans zum Verteidigungsminister Anfang Juni 1967 reagierte Eschkol auf die zunehmende Bedrohung seitens der arabischen Staaten und auch auf die Stimmung im eigenen Land.[24] Die Ernennung hatte auch außenpolitische Signalwirkung, da dadurch signalisiert wurde, dass die entscheidende Phase des Konflikts eingeleitet wurde.[25] Kurz nach seiner Ernennung erklärte Dayan, dass es für Israel nur die Möglichkeit gäbe, die Blockade anzuerkennen oder einen militärischen Schlag gegen Ägypten zu führen. Entscheidend war dabei für Dayan, dass der Erstschlag von Israel ausgehen müsse, damit man den Krieg nach den eigenen Regeln und auf dem Gebiet der Ägypter führen könne.[26] Schließlich schickte Israel auch noch die ehemalige Außenministerin Golda Meir und spätere Ministerpräsidentin in die Vereinigten Staaten, um dort eine Spendenaktion durchzuführen. Dadurch war der letzte parteiinterne Widerstand in Israel gebrochen und Eschkols Macht innerhalb der Regierung wurde zunehmend geringer, der wahre Einfluss lag von da an bei Dayan.[27]

Dies führte zu dem Entschluss der israelischen Regierung Anfang Juni 1967, durch einen Präventivschlag die Bedrohung vorzeitig zu beseitigen. Israel sah sich in seinem Vorgehen dahingehend bestärkt, dass man die genaue Position aller ägyptischen Abwehrjets kannte. Außerdem war man sich auf höchster Ebene bewusst, dass dieser Krieg den gesamten Nahen Osten geopolitisch verändern würde, wie sich an der Äußerung Rabins zeigt: „We have entered a situation of no retreat. Our objetive is to give Nasser a knockout punch. That, I believe, will change the entire order of the Middle East. What’s more, if we do it alone – not that I think anybody will help us – it will have a different impact than 1956.”[28]

Auf ägyptischer Seite war man sich des drohenden Angriffs seitens Israels durchaus bewusst, wie die Äußerung Nassers zeigte: “We must expect the enemy strike within 48 to 72 hours, by June 5 at the latest.”[29] Trotz dieser Erkenntnis auf ägyptischer Seite sollte jedoch der Auftakt der Kampfhandlungen bereits den Sieg für Israel beuten. Moshe Dayan gab allerdings auch noch die Anweisung, nur Ägypten anzugreifen. Es sollte keine Kampfhandlungen mit Jordanien oder Syrien geben, bis einer der beiden Staaten Israel zuerst angreifen würde. Für Dayan handelte es sich, was die Kriegsplanung anging, hauptsächlich um einen Krieg gegen Ägypten.[30]

Die Vereinigten Staaten glaubten zu diesem Zeitpunkt immer noch daran, den Konflikt auch anders zu beseitigen. Zu diesem Zweck verwies man Israel darauf, dass sich die Vereinigten Staaten bereits 1956 zur freien Durchfahrt der Straße von Tiran bekannt haben und man nur noch nach geeigneten Mitteln suchte, um diese auch zu gewährleisten. Allerdings erkannten die amerikanischen Diplomaten bereits im Mai, dass sie jederzeit mit einem losschlagen Israels rechnen müssten, und dass der darauf folgende Krieg von relativ kurzer Dauer sein würde, da sowohl die Vereinigten Staaten als auch die Sowjetunion relativ schnell auf ein Ende der Kampfhandlungen bestehen würden. Während man auf westlicher Seite den Konflikt also zunehmend besorgt beobachtete, glaubte man auf sowjetischer Seite nicht an einen kurz bevorstehenden militärischen Konflikt und schaute lieber nach Vietnam, da dort ein für die Sowjetunion wichtigerer, bereits offen ausgebrochener militärischer Konflikt schwelte. Zudem sah man die Schließung des Golfs von Akaba durch Nasser als legal an, da es sich um Territorialgewässer Ägyptens handelte. Auf sowjetischer Seite war man nur gewillt, friedliche Mittel zur Bereinigung des Konflikts einzusetzen.[31]

3.1. Verlauf des Krieges

Am Morgen des 5. Juni 1967 begann die israelische Luftwaffe mit einem Präventivschlag gegen die Luft- und Bodenstreitkräfte von Ägypten und Syrien. Dabei gelang es der israelischen Luftwaffe, bereits während des ersten Tages, die gesamten ägyptischen Luftwaffenstützpunkte auf der Sinai-Halbinsel zu zerstören sowie drei Viertel aller modernen sowjetischen Kampfflugzeuge. Diese befanden sich zum Zeitpunkt des Angriffs alle am Boden.[32] Ähnlich erfolgreich war der Luftschlag gegen die syrischen Luftstreitkräfte, welche ebenfalls enorm geschwächt wurden. Die Reste der syrischen Luftwaffe wurden dabei soweit ins Landesinnere zurückgedrängt, dass sie für den weiteren Verlauf des Krieges de facto ohne Bedeutung waren. Am Ende dieses ersten Kriegstages stand Ägypten bereits am Rand der Niederlage und Israel besaß die Lufthoheit über den Sinai, zum Schutz der vorrückenden Panzerdivisionen. Diese schnelle Kriegsführung war bereits zuvor von Moshe Dayan gefordert worden, da er der festen Überzeugung war, dass Israel lediglich knapp drei Tage Zeit für sein Vorgehen gegen Ägypten hätte, und dass der Erfolg nicht an der Anzahl an zerstörten Flugzeugen und Panzern gemessen würde, sondern an dem Land, das in dieser Zeit erobert worden sei.[33]

[...]


[1] Palestine for the Jews. Balfour Declaration

http://www.crethiplethi.com/the-balfour-declaration-of-1917/english/2010/ [03.01.2012].

[2] Arthur James Balfour von 1916 bis 1919 britischer Außenminister.

[3] British White Paper of June 1922

http://avalon.law.yale.edu/20th_century/brwh1922.asp [03.01.2012].

[4] Steiniger, Rolf: Der Nahostkonflikt. Frankfurt am Main 2003, S. 25.

[5] David Ben Gurion von 1948 bis 1953 und von 1955 bis 1963 israelischer Ministerpräsident.

[6] Steiniger, Der Nahostkonflikt, S. 39f.

[7] Vieweger, Dieter: Streit um das heilige Land. Was jeder vom israelisch-palästinensischen Konflikt wissen sollte. München 2010, S.159ff.

[8] Statement by Prime Minister Ben Gurion (12 January 1949) http://www.mfa.gov.il/MFA/Foreign+Relations/Israels+Foreign+Relations+since+1947/1947-1974/20+Let+us+not+glory-+from+a+statement+by+Prime+Min.htm [04.01.2012].

[9] Gamal Abdel Nasser, seit 1954 Staatspräsident Ägyptens sah sich als Führer eines arabischen Nationalismus. Steiniger S. 40.

[10] Steiniger, Der Nahostkonflikt, S. 44.

[11] Vieweger, S.169f.

[12] Steiniger, Rolf: Eine Aktenedition. Berichte aus Israel. 1966 – 1968 Botschafter Dr. Walther Peinsipp. Bd. 9. München 2004, S. 129f.

[13] Steiniger, Eine Aktenedition. Bd. 9, S.74f.

[14] Kuniholm, Bruce: Die Nahostkriege, der Palästinakonflikt und der Kalte Krieg. In: Bernd Greiner u.a. (Hrsg): Heiße Kriege im Kalten Krieg. Studien zum Kalten Krieg Bd.1. Hamburg 2006, S. 442-468, hier: S. 451

[15] Ebd., S. 451.

[16] Segev, Tom: 1967. Israels zweite Geburt. Bonn 2007, S. 346.

[17] Oren, Michael B.: Six Days of War. June 1967 and the Making of the Modern Middle East. New York, 2003, S. 128f.

[18] Mahr, Horst: Die Rolle Ägyptens in der amerikanischen und sowjetischen Außenpolitik. Von der Suezkrise 1956 bis zum Sechs-Tage-Krieg 1967. Baden-Baden 1993, S. 297f.

[19] Steiniger, Eine Aktenedition. Bd. 9, S. 189f.

[20] Oren, S. 134.

[21] Scheben, Thomas: Ägypten im Kalten Krieg. In: Bernd Greiner u.a. (Hrsg): Heiße Kriege im Kalten Krieg. Studien zum Kalten Krieg Bd. 1. Hamburg 2006, S. 408-441, hier: S. 416.

[22] Segev, S.344.

[23] Steiniger, Eine Aktenedition. Bd. 9, S. 193f.

[24] Moshe Dayan, von 1967 bis 1974 israelischer Verteidigungsminister, sowie von 1977 bis 1980 Außenminister Israels. Verlor 1941 beim Einsatz der Palmach in Syrien ein Auge. Steiniger, S. 29.

[25] Steiniger, Eine Aktenedition. Bd. 9, S. 206ff.

[26] Oren, S. 149.

[27] Steiniger, Eine Aktenedition. Bd. 9, S. 214.

[28] Oren., S. 151.

[29] Ebd., S. 158.

[30] Ebd., S. 154 und 168f.

[31] Steiniger, Eine Aktenedition. Bd. 9, S. 197ff.

[32] Oren., S. 171.

[33] Ebd., S.153.

Ende der Leseprobe aus 49 Seiten

Details

Titel
Israel zwischen Sechstagekrieg und Yom-Kippur-Krieg: Stabilisierung oder Eskalation des Nahost-Konflikts?
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Philosophische Fakultät)
Note
1,8
Autor
Jahr
2012
Seiten
49
Katalognummer
V201840
ISBN (eBook)
9783656278153
ISBN (Buch)
9783656291909
Dateigröße
686 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Yom-Kippur-Krieg, Jagdbomberverkauf, Abnutzungskrieg, PLO
Arbeit zitieren
Sascha Pfeiffer (Autor), 2012, Israel zwischen Sechstagekrieg und Yom-Kippur-Krieg: Stabilisierung oder Eskalation des Nahost-Konflikts?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201840

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