Der gesellschaftliche Wandel - Hintergründe und Folgen für die Bevölkerungsentwicklung


Seminararbeit, 2012
33 Seiten, Note: 1,0

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Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist gesellschaftlicher Wandel?
2.1 Definitionen
2.2 Aufzeigen von gesellschaftlichem Wandel: Die Sozialstrukturanalyse

3. Gesellschaftliche Veränderungen in ausgewählten Bereichen und ihre Folgen auf die Bevölkerungsentwicklung
3.1 Der sozioökonomische Wandel
3.1.1 Die Industrialisierung im 19. Jahrhundert
3.1.2 Das Gesellschaftsmodell im Fordismus
3.1.3 Arbeit und Leben im Postfordismus
3.2 Gruppenstrukturen, Lebensverläufe und Familienformen im sozialen Wandel
3.2.1 Klassisches und modernes Lebenszyklusmodell
3.2.2 Die Pluralisierung der Lebensformen im sozialen Wandel
3.2.3 Die Singularisierungsthese
3.2.4 Haushalts- und Familiengrößen im Wandel

4. Gesellschaftlicher Wandel als Indikator für den demographischen Wandel

5. Räumliche Differenzierung der gesellschaftlichen und demographischen Entwicklung

6. Fazit

Literaturverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Entwicklung der Wirtschaftssektoren

Abbildung 2: Wandel der Beschäftigungsanteile der Wirtschaftssektoren in Deutschland

Abbildung 3: Lebendgeborene je 1000 Einwohner zwischen 1950 und 2010

Abbildung 4: Klassisches und modernes Lebenszyklusmodell

Abbildung 5: Lebensformen der Bevölkerung in Westdeutschland ab 18 Jahren. Prozentuale Veränderung zwischen 1972 und 2000

Abbildung 6: Demographische Alterung 1871-2030 (in Prozent)

Abbildung 7: Einfluss des gesellschaftlichen Wandels auf die demographische Entwicklung

Abbildung 8: Bevölkerungsentwicklung und gesellschaftlicher Wandel

Abbildung 9: Dynamik der Bevölkerung bis 2020

Abbildung 10: Veränderung der Haushalte nach Haushaltsgrößen 2030 gegenüber 2009

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Gegenüberstellung von Merkmalen der bürgerlichen Kleinfamilie und modernen Familienformen

Tabelle 2: Beziehungsformen im Alter von 30 Jahren - Anteile in %

Tabelle 3: Privathaushalte nach der Zahl der Personen ab 1971

1. Einleitung

„Bis zum Jahr 2050 wird die Bevölkerung in Deutschland um rund sieben Millionen Menschen auf insgesamt 75 Millionen schrumpfen, hat das Statistische Bundesamt berechnet. Die demographische Entwicklung und der fortschreitende Strukturwandel werden unsere Gesellschaft spürbar verändern.“ (Bundeszentrale für Politische Bildung 2012)

Wie es aus gesellschaftlich-historischer Sicht zu dieser demographischen Entwicklung in Deutschland gekommen ist, soll in dieser Arbeit erläutert werden. Eine Gesellschaft befindet sich in einem stetigen Wandel. Dies hat Folgen auf das soziale Zusammenleben der Menschen, die Bevölkerungsentwicklung und die Wertevorstellung.

Das Ziel dieser Arbeit ist, den gesellschaftlichen Wandel in Deutschland zwischen dem 19. und 21. Jahrhundert im historischen Verlauf auf verschiedenen Ebenen darzulegen. Dabei werden ökonomische und gesellschaftliche Veränderungen in Zusammenhang gebracht und ihre Auswirkungen auf die Bevölkerungsentwicklung aufgezeigt. Um die Ursachen der demographischen Entwicklung hervorzubringen, wird auf die Veränderung der Familienformen und Lebensbiographien eingegangen. Es soll der Einfluss der gesellschaftlichen Lebensformen auf die Bevölkerungsstruktur und –entwicklung sowie die mit sich bringenden räumlichen Disparitäten herausgearbeitet werden.

Zunächst wird im 2. Kapitel erläutert, dass es nicht „den gesellschaftlichen Wandel“ gibt, sondern sich eine Gesellschaft im stetigen Wandel befindet und dieser Wandel unter verschiedenen Aspekten betrachtet werden kann. Anschließend wird die Methode der Sozialstrukturanalyse, mit der man gesellschaftliche Veränderungen analysieren kann, vorgestellt.

Darauf folgt zunächst eine Analyse der gesellschaftlichen Entwicklung im sozioökonomischen Bereich. Der sozioökonomische Wandel, der von der Industrialisierung im 19. Jahrhundert über den Fordismus hin zum Postfordismus, dargestellt wird, wird mit dem soziodemographischen Wandel in Verbindung gebracht. Anschließend werden die Veränderungen auf Haushalts- und Individueller Ebene betrachtet, die eine wichtige Rolle in der aktuellen demographischen Entwicklung darstellen. In den letzten Kapiteln (4 und 5) wird verstärkt auf den aktuellen und zukünftigen demographischen Wandel eingegangen und räumlich differenziert.

2. Was ist gesellschaftlicher Wandel?

Der gesellschaftliche bzw. soziale Wandel beschreibt die historische und strukturelle Veränderung einer Gesellschaft im historischen Verlauf. Vor allem die Sozialwissenschaften beschäftigen sich damit, zu analysieren wie und warum sich eine Gesellschaft verändert. Im Folgenden wird zunächst der Begriff gesellschaftlicher Wandel, der synonym zum sozialen Wandel verwendet wird, definiert. Anschließend wird die Methode der Sozialstrukturanalyse als Instrument zur Messung von sozialem Wandel erläutert.

2.1 Definitionen

Im Allgemeinen ist unter sozialem Wandel die Veränderung der Sozialstruktur einer Gesellschaft oder einzelner ihrer Bereiche in einem bestimmten Zeitraum zu verstehen (vgl. Schäfers 2004: 10.). Dabei gibt es jedoch viele unterschiedliche Aspekte des sozialen Wandels. So setzen verschiedene Autoren unterschiedliche Schwerpunkte bei der Betrachtung einer Gesellschaft und ihrer Veränderung. So bleibt die Fragestellung was und weshalb sich etwas verändert zwar immer gleich, wird aber unter verschiedenen Aspekten beleuchtet. Unterschiedliche inhaltliche Schwerpunkte können z.B. Ökonomie, Kultur, Gerechtigkeit, Lebensweise etc sein. Jedoch kann nicht nur der thematische Schwerpunkt, sondern auch die Zeitspanne differenziert werden, welche von kurzfristigem Wechsel der Mode bis hin zur Evolution reichen kann (vgl. Vester 2009: 151.).

Jäger (1981) fasst in seiner Definition des sozialen Wandels die inhaltliche Vielfalt treffend zusammen: „Zum sozialen Wandel zählt ökonomischer und technologischer Wandel ebenso wie Wandel im Wertesystem, sozialstruktureller Wandel, Wandel im Bildungssystem und politischer Wandel“. So wird in dieser Arbeit zunächst auf den ökonomischen und technologischen Wandel ab der Hochindustrialisierung 1970 in Deutschland eingegangen um anschließend aus diesen historischen Veränderungen Folgen auf die Bevölkerungsentwicklung, die Sozialstruktur und das Wertesystems zu schließen.

Ein anschauliches Beispiel, das die Bezeichnung des gesellschaftlichen Wandels verdeutlichen soll, ist der Zusammenbruch der damaligen DDR und der Beitritt zur Bundesrepublik Deutschlands. Der Wandel von Millionen Lebensläufen und die anhaltende Transformation der neuen Bundesländer war die Folge des Verschwindens einer ganzen Gesellschaftsordnung. Somit steht für den sozialen Wandel, „dass soziale Phänomene und Strukturen, das soziale Leben und die soziale Welt sich verändern“ (Vester 2009: 151.). Um gesellschaftlichen Wandel aufzuzeigen und zu erklären, können folgende Fragen hilfreich sein: Erscheinungen oder Symptome des Wandels – Was hat sich verändert? Welche Ursachen oder Gründe und welche Folgen des Wandels sind auszumachen? Ist für den Wandel ein bestimmter Mechanismus oder „Motor“ verantwortlich? Welche Muster von Tempo und Rhythmus des Wandels sind erkennbar? Zuletzt stellt sich die Frage, auf welcher Ebene oder in welchem sozialen Bereich der Wandel festzustellen ist (vgl. Vester 2009: 154.). Diese Frage stellt sich, da sozialer Wandel nicht nur auf einer, sondern auf verschiedenen sozialen Ebenen stattfindet. Vor allem ist dabei zu beachten, dass dieser gesellschaftliche Prozess nicht isoliert innerhalb einer Ebene stattfindet, sondern es zu Wechselbeziehungen zwischen den verschiedenen Ebenen kommt. Die genannten Ebenen sind die makrosoziale Ebene, die die Sozialstruktur und Kultur beschreibt, während das Gegenpendant hierzu die kleinste Ebene ist, die mikrosoziale Ebene, welche die individuellen Personen und ihre Lebensläufe beschreibt. Zwischen diesen beiden Ebenen befindet sich die Mesoebene, in der die Individuen sich zu kooperativen Akteuren, Gemeinschaften und Institutionen zusammenschließen (vgl. Weymann 1998: 14.). Die These, dass der soziale Wandel ein Mehrebenenproblem ist, wird durch den aktuellen Trend der Singularisierung und damit durch die Zunahme der Ein-Personen-Haushalte verdeutlicht. Dieser Trend wird demzufolge der mikrosozialen Ebene zugeordnet. Allerdings hat diese Singularisierung auch Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt und schließlich ebenfalls auf die Siedlungs- und Stadtstrukturen. Des Weiteren sind Singles räumlich mobiler, was somit weitere Auswirkungen auf die Berufs- und Arbeitswelt mit sich bringt. Da sich auch das Zeit- und Finanzbudget zwischen gebundenen und alleinlebenden Personen unterscheidet, verändert sich folglich auch das Freizeit- und Konsumverhalten. So kann es zu einer Veränderung auf Makroebene, also der gesamten Gesellschaft und der Bevölkerungsstruktur kommen. Jedoch kann es auch einen Wandel von der Makroebene aus geben, der sich wiederum auf die Mikroebene auswirkt. Ein Auslöser hierfür könnte z.B. ein Krieg sein (vgl. Vester 2009: 155.).

2.2 Aufzeigen von gesellschaftlichem Wandel Die Sozialstrukturanalyse

Um Veränderungen in einer Gesellschaft zu erkennen und zu erklären, wird eine systematische Untersuchungsmethode benötigt. Durch die Sozialstrukturanalyse wird die Gesamtheit der Gesellschaft in verschiedene Teilbereiche unterteilt und schließlich analysiert. Laut Geißler (2006) „zergliedert die Sozialstrukturanalyse die Gesellschaft in ihre relevanten Elemente und Teilbereiche und untersucht die zwischen ihnen bestehenden Wechselbeziehungen und Wirkungszusammenhänge“. Dabei stellt sich jedoch die Frage, welche Teilbereiche davon als relevant gelten. Dies ist wiederum Gegenstand des Erkenntnisinteresses. Die Sozialstrukturanalyse soll dabei den Aufbau der deutschen Gesellschaft und dessen Wandel im historischen Vergleich aufzeigen. Die Basis jeder Sozialstrukturanalyse bilden die sozialen Indikatoren, mit denen die Struktur einer Gesellschaft analysiert wird. Als soziale Indikatoren gelten u.a. Altersstruktur, Haushaltsstruktur, Bildungsstruktur, Erwerbs- und Berufsstruktur, Einkommensstruktur sowie Bevölkerungsstruktur. Diese sozialen Indikatoren werden unter anderem durch den Zensus und Mikrozensus des statistischen Bundesamtes untersucht (vgl. Schäfers 2004: 8.).

Im Folgenden wird die deutsche Gesellschaft in verschiedene Handlungsfelder eingeteilt und die historisch-gesellschaftliche Veränderung dieser Bereiche im Hinblick auf die Bevölkerungsentwicklung beschrieben.

3. Gesellschaftliche Veränderungen in ausgewählten Bereichen und ihre Folgen auf die Bevölkerungsentwicklung

Um die gesellschaftlichen Veränderungen genauer betrachten zu können, wird das komplexe System der Gesellschaft in einzelne Bereiche gegliedert. Dabei wird jedes einzelne Gebiet mit der soziodemographischen Perspektive in Zusammenhang gebracht. Dadurch können die Folgen der einzelnen Handlungsfelder auf die Bevölkerungsentwicklung herauskristallisiert werden. Zunächst wird die systemtheoretische Ebene, die das Ökonomische System beinhaltet betrachtet. Dabei wird der sozioökonomische Wandel seit der Industrialisierung erläutert. Eine weitere Ebene ist die handlungstheoretische Ebene, die die Gruppenstrukturen, Lebensbereiche und Lebensverläufe auf Haushalts- sowie von individueller Ebene betrachtet. Zuletzt gibt es die problemorientierte Perspektive, die sich mit Nachhaltigkeit, soziale Ungerechtigkeit, Bildungschancen und politische Partizipation beschäftigt. Jedoch wird in dieser Arbeit nicht auf die problemorientierte Perspektive eingegangen, da dies sonst den Rahmen sprengen würde. Diese Handlungsfelder bzw. Perspektiven sind aus schäfers (1998: 4.) entnommen. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten die Sozialstruktur und den sozialen Wandel in unterschiedliche Teilbereiche zu gliedern.

3.1 Der sozioökonomische Wandel

Im historischen Verlauf der deutschen Wirtschaft gab es einen strukturellen Wandel. Dieser Wandel wird von Jean Fourastié durch die „Drei-Sektoren-Hypothese“ beschrieben. Die Grundlage dieser Hypothese ist die Einteilung der Wirtschaft in drei verschiedene Sektoren. Der primäre Sektor beinhaltet materielle Güter organischer Natur (Agrarprodukte), die durch Land- und Forstwirtschaft gewonnen werden. Im sekundären Sektor, dem produzierenden Sektor, werden materielle Güter verarbeitet. Dazu gehören Industrie, Handwerk, Bauwirtschaft sowie Energiegewinnung. Im letzten, dem tertiären Sektor werden immaterielle Leistungen erbracht. Dieser sogenannte Dienstleistungssektor bietet Unternehmen und privaten Personen Dienstleistungen wie z.B. Haarschnitt, Transport und Beratung (vgl. Kulke 2010: 6.). Die Sektoren-Theorie beschreibt dabei die langfristige wirtschaftliche Entwicklung von einer Agrargesellschaft über eine Industriegesellschaft hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft. Durch den sektoralen Wandel verschiebt sich nicht nur der Anteil der Beschäftigen in bestimmten Wirtschaftssektoren, die Beschäftigungsstruktur in Unternehmen und Konsumverhalten sondern auch die gesellschaftlichen Strukturen sowie die Bevölkerungsstruktur (vgl. Braun/Schulz 2012: 19.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 : Entwicklung der Wirtschaftssektoren

vgl. Kulke 2008:24.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 : Wandel der Beschäftigungsanteile der Wirtschaftssektoren in Deutschland

vgl. Kulke 2008: 27.

In Abbildung 1 und 2 ist die Entwicklung der Wirtschaftssektoren zu erkennen. Abb. 1 zeigt das Modell des sektoralen Wandels in Hinblick auf die Zeit und den Entwicklungsstand eines Landes. Dabei verschieben sich die Wirtschaftssektoren mit zunehmendem Entwicklungsstand in Richtung des tertiären Sektors. In Abb. 2 sind die Beschäftigungsanteile der Wirtschaftssektoren zwischen 1890 und 2007 zu erkennen. Der Wandel vom primären hin zum tertiären Sektor kann durch zwei Gründe erklärt werden: Aus angebotsorientierter Perspektive kann der Wandel durch technischen Fortschritt als Ursache herangezogen werden. Dieser wirkt sich vor allem im sekundären Sektor aus. Erhebliche technologisch-fortschrittliche Produktivitätssteigerungen führen zur Freisetzung von Arbeitskräften, die im tertiären Sektor in Form von Dienstleistungen aufgenommen werden. Aus nachfrageorientierter Perspektive wird der sektorale Strukturwandel durch die Einkommenselastizität bestimmt. Dabei verschiebt sich diese von Nahrungsmitteln über Gebrauchsgüter hin zu Dienstleistungen (vgl. Haas 2007: 76f.).

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Details

Titel
Der gesellschaftliche Wandel - Hintergründe und Folgen für die Bevölkerungsentwicklung
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Institut für Geographie und Geologie )
Veranstaltung
Bevölkerungsgeographie
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
33
Katalognummer
V202015
Dateigröße
6340 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gesellschaftlicher Wandel, Bevölkerungsentwicklung, Bevölkerungsgeographie
Arbeit zitieren
Joscha Eberle (Autor), 2012, Der gesellschaftliche Wandel - Hintergründe und Folgen für die Bevölkerungsentwicklung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202015

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