Intermedialität: Über den Zusammenhang von Literatur, Film und Musik am Beispiel von Bernard Werbers "Nos Amis les Terriens"


Hausarbeit, 2010
13 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

0. Inhaltsverzeichnis

1. Vorbemerkung zur Intermedialität

2. Bernard Werber: Autor und Regisseur

3. Nos Amis les Humains: Buch, Film und Musik
3.1 Vom Buch zum Film
3.2 Musik im Buch
3.2.1 Die Sonatenhauptsatzform
3.2.2 Die Stimmung
3.3 Musik im Film
3.3.1 Die Sonatenhauptsatzform
3.3.2 Die Stimmung

4. Fazit

5. Bibliographie

1. Vorbemerkung zur Intermedialität

Die Forschungsliteratur zum Begriff des Intermedialen erlebt seit zwei Jahrzehnten im Rahmen der Medientheorie einen explosiven Anstieg, was insbesondere im Zusammenhang mit der Gründung der Medienwissenschaft als akademischer Disziplin in den 80er und 90er Jahren zu sehen ist. In der Literaturwissenschaft hat sich in den letzten zwanzig Jahren ein Nebenstrang herausgebildet, und zwar im Anschluss an die von der Semiotik initiierte Diskussion zur Intertextualität. Mit einer Kritik an der Intertextualität – ein Begriff, der vor allem durch Julia Kristeva ins Spiel gebracht worden war[1] – entstand eine Ausrichtung der Debatte unter dem Oberbegriff der Intermedialität.

Damit dringen Medien wie Bild und Musik neu ins Blickfeld. Es wird nunmehr möglich, so im Anschluss an die Untersuchungen von Werner Wolf und Jürgen E. Müller, die „Fusion“ und „Interaktion“ zwischen den Medien in einer „Interars-Theorie“ (Claus Clüver) zu untersuchen.[2] Der besondere Schwerpunkt liegt hier in der Unterscheidung von synthetischer, formaler, transformationaler und ontologischer Intermedialität.

2. Bernard Werber: Autor und Regisseur

Bernard Werber ist ein zeitgenössischer französischer Schriftsteller und Regisseur. Nach seinem Kriminologie- und Journalismus-Studium arbeitete er etwa zehn Jahre lang als wissenschaftlicher Journalist, bevor er sich als Schriftsteller etablierte. Sein Stil kann als Mischung aus Abenteuersaga, Science-Fiction und philosophischer Erzählung erklärt werden. Die meisten seiner Romane teilt Bernard Werber in Intrige und Information auf: Er wechselt zwischen dokumentierenden Artikeln über das ausgewählte Thema und zwei Erzählfäden, die sich nur von Zeit zu Zeit überschneiden.

3. Nos Amis les Humains: Buch, Film und Musik

„Nos Amis les Humains“ ist ein Projektzyklus, der sich mit der Basis der Menschheit, der conditio humana beschäftigt. Bernard Werber stellt dort, indem er auf den externen Blick von Außerirdische rekurriert,verschiedene Standpunkte und Interpretationen zur Spezies Mensch dar. Sein Schaffensprozess war dabei stets von Musik begleitet und eventuell auch beeinflusst. Inwiefern diese drei Medien zusammenhängen, soll hier untersucht werden.

3.1 Vom Buch zum Film

Der imaginative Charakter des literarischen Textes muss bei der Literaturverfilmung mit filmischen Mitteln in die Visualität umgesetzt werden. Ton und Musik, Montage und Cadrage ersetzen das geschriebene Wort; daher verändert die Literaturverfilmung die Vorlage nach filmischen Bedürfnissen, kürzt und verdichtet oder erweitert nach visuellen Gesichtspunkten. Etwa muss der Ausdruck von Gefühlen, der in der Literatur durch die erzählerische Innenwahrnehmung der Figuren erreicht wird, im Film in Körpersprache und Handlung umgesetzt werden, tendenziell also die Erzählform in eine objektivere Außenperspektive verlagert werden. Die Umgebungswelt, die im literarischen Kontext ausgeblendet werden kann, ist im Film zwangsläufig Teil der Narration, was den Charakter des Vorlagewerks unter Umständen deutlich verändert. Der filmische Erzählrhythmus zwingt oft dazu, literarische Abschweifungen und Nebenhandlungen auszublenden; Nebenfiguren bleiben oft skizzenhaft, um einen der Vorlage angemessenen Fokus auf die Hauptfiguren zu legen.

Das ursprüngliche Werk handelt vonRaoul Méliès, einem Wissenschaftler, und Samantha Baldini, einer Tiger-Dompteurin, die plötzlich in einem Glaskäfig zu sich kommen. Der Mann ist in gleichem Maße ernst wie die Frau lebenslustig, so dass das ungleiche Paar zunächst Schwierigkeiten hat, sich zu verstehen. Zunächst stellen sich die Beiden verschiedene Fragen ob dieser seltsamen Situation: Sind sie unfreiwillig zu Versuchskaninchen geworden oder gar Teil einer neuen Form von Telerealität? Oder sind sie tot und warten auf das Jüngste Gericht? Schließlich werden sie sich darüber klar, dass sie wohl von Außerirdischen in dieses Terrarium gesteckt wurden. Auf einem Bildschirm können sie das Ende der Erde mit verfolgen, das vom Wahnsinn der Menschen heraufbeschworen wurde. Sie sind nunmehr die letzen Vertreter der Spezies Mensch. Es stellt sich nun die alles entscheidende Frage: Verdient es die Menschheit, gerettet zu werden? Es kommt zu einer spannenden und ausgewogenen Gerichtsverhandlung. Raoul Méliès vertritt hierbei die Rolle des Misanthropen mit der Kernaussage homo homini lupus est, wohingegen Samantha Baldini die menschlichen Errungenschaften wie Liebe, Humor und Kunst sowie die Fähigkeit, sich selbst infrage zu stellen, ins Feld führt. Schließlich kommen sie zu dem Ergebnis, dass die Menschheit gerettet werden muss. Die beiden verlieben sich. Während sie von außerirdischen Kindern beobachtet werden die sich über ihre Sammlung außerirdischer Haustiere unterhalten, schlafen sie miteinander.

Das Buch beinhaltet transformationale Intermedialiät, da es verschiedene Film- und Fernsehformate zitiert und kritisiert. Das Theaterstück läuft größtenteils als Dialog zwischen den beiden Hauptcharakteren ab und ist somit eher handlungsarm. Auf die Leinwand übertragen hätte das Stück viel zu viele Längen, daher entschied sich Werber zu einer kompletten Überarbeitung: zu einem Dokumentarfilm.

Neben den beiden Versuchs- bzw. Haustieren im Käfig beobachten die Außerirdischen im Film auch Versuchsobjekte in freier Wildbahn. Dabei greift Werber auf seine Erfahrung als wissenschaftlicher Journalist sowie auf sein bereits bewährtes literarisches Montageprinzip zurück: Er unterfüttert den Film mit witzigen wissenschaftlichen Tatsachen, die uns selbstverständlich vorkommen, von Außerirdischen aber durchaus Beachtung finden könnten. Z.B. beobachten die Außerirdischen bei den freilebenden Versuchsobjekten einen Kampf um die Fernbedienung. Daraus schließen sie, dass es sich dabei um ein Symbol der Macht handeln muss. Solche und ähnliche (Fehl-)Interpretation geben wiederholt Anlass, über das eigene Verhalten zu reflektieren und zu schmunzeln. Die beiden Versuchskaninchen im Käfig haben sich anderen Problemen als im Buch zu stellen: Anstatt über die Menschheit zu philosophieren, wird nach und nach ihr Verhalten unter die Lupe genommen. Wie verhält sich Männchen zu Weibchen? Was passiert bei Luftentzug? Wie ist das Verhältnis von dominanten, dominierten und autonomen Lebewesen, wenn man eine ganze Gruppe von ihnen einsperrt? Auf unterschiedliche Weise wird aber schlussendlich eine ähnliche Frage gestellt: Ist dieMenschheit intellektuell, sozial und technologisch bereit, für den Kontakt mit Außerirdischen? Am Ende des Films gibt es keine Gerichtsverhandlung, aber zumindest ein Resümee der guten und schlechten Seiten der Menschen.

Zusammengefasst ist die philosophische Dimension des Buches in den Hintergrund getreten um Platz zu machen für die erste Funktion des Kinofilms: Unterhaltung. Ein direkter Bezug zum Buch ist nicht mehr erkennbar, so dass von Intermedialität nur hinsichtlich der Filmmusik gesprochen werden kann.

3.2 Musik im Buch

Das Problem der Beziehung zwischen Literatur und Musik ist nicht neu, es existiert, seitdem es die beiden Künste gibt. Musik kann auf ganz unterschiedliche Art und Weise integrativer Bestandteil von Literatur werden: Als (Leit-)Motiv, als Zitat, als Metapher, in Form eines (literarischen) Kontrapunkts… Eine Reihezeitgenössischer Autoren, zu denen auch Bernard Werber zählt, bedient sich der Musik aber auf eine andere Weise. Sie zählen am Ende des Buches die Musik auf, die sie im Schreibprozess begleitet hat und so – eventuell – das Buch beeinflusst hat. Ähnlich der Filmmusik im Abspann „klingt“ der Roman so noch einmal nach. Doch auch innerhalb seiner Romane lässt sich mithilfe moderner Theorien Musikalität nachweisen.

In der vorliegenden Arbeit wird der Versuch unternommen, ebendiesen Aspekt aus dem Bereich „Musik in der Literatur“ zu untersuchen, den Scher in seiner graphischen Übersicht als „musikalische Form- und Strukturparallelen“ bezeichnet hat. Literarische Werke können in musikalischen Formen verfasst werden; das eigentlich Musikalische ist im Text jedoch nicht vorhanden und kann durch die verwendeten sprachlichen Mittel und literarischen Techniken nur impliziert, evoziert, imitiert oder sonst mittelbar angenähert werden. Daneben gibt es natürlich viele Einzelaspekte und Techniken der Wechselwirkung, die sich nicht in feste Kategorien einordnen lassen, etwa die Wirkung der Musik auf musikinteressierte Autoren. Der Roman „Nos Amis les Humains“ bietet daran angelehnt zwei intermediale Ansatzpunkte: Zum einen eine Strukturparallele zur Sonatenhauptsatzform, zum anderen einen durch Musik inspirierten und imitierten Stimmungsgehalt.

[...]


[1] Kristeva 1972, S. 345-37

[2] Müller 1998, S. 31-40, S. 31; Clüver 2000/01, S. 14-50; Wolf 2002, S. 164

[3] Scher 1984, S. 14

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Intermedialität: Über den Zusammenhang von Literatur, Film und Musik am Beispiel von Bernard Werbers "Nos Amis les Terriens"
Hochschule
Universität Siegen
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
13
Katalognummer
V202021
ISBN (eBook)
9783656278955
ISBN (Buch)
9783656278702
Dateigröße
1342 KB
Sprache
Deutsch
Reihe
UNICUM.de – Die Wissensreihe
Schlagworte
Bernard Werber, Intermedialität, Musik, Literatur, Film
Arbeit zitieren
Bianca Giesler (Autor), 2010, Intermedialität: Über den Zusammenhang von Literatur, Film und Musik am Beispiel von Bernard Werbers "Nos Amis les Terriens", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202021

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