Binge-Eating-Störung


Seminararbeit, 2011
8 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Diagnostik und Symptomatik

2 Komorbidität

3 Epidemiologie

4 Verlauf

5 Ätiologie und Erklärungsmodelle

6 CBT als Beispiel einer Therapiemöglichkeit

7 Reflexion: Welche Gefahren könnte eine Behandlung bergen?

8 Literaturverzeichnis

1 Diagnostik und Symptomatik

Die „Binge-Eating-Störung“ (BES) oder „Binge-Eating-Disorder“ (BED) ist erst seit knapp 20 Jahren ein von der Bulimia nervosa abzugrenzendes Krankheitsbild (vgl. Reich, Götz-Kühne und Killius, 2004, S.24). Allein das DSM IV (Diagnostic and Statistical Manuals of Mental Disorders) der American Psychiatry Association führt die Kriterien der BES auf. Voraussichtlich wird die BES als eigenständige Essstörung in der kommenden Version des DSM, dem DSM V, aufgeführt (Hilbert & Tuschen-Caffier, 2010). Butcher, Mineka und Hooley (2009) geben eine genaue Auflistung der Kriterien für Binge-Eating, die im DSM festgehalten sind, dazu siehe Seite 388.

Die BES ist hauptsächlich gekennzeichnet anhand wiederkehrender Essanfälle, die mit Kontrollverlust einhergehen. Munsch (2007) besagt, dass es sich um einen Essanfall handelt,

. . . wenn die Betroffenen nicht kontrollieren können, wie viel sie essen, und nicht mit dem Essen aufhören können, auch wenn sie längst keinen Hunger mehr haben. Während eines Anfalls essen sie mehr, als andere Menschen in einer vergleichbaren Situation zu sich nehmen würden. (S.13)

Zudem beschreibt Munsch (2007) das Essverhalten der Betroffenen als chaotisch, die Lebensmittel werden wahllos verschlungen.

Die wiederkehrenden Fressanfälle/Heißhungerattacken mit einhergehendem Kontrollverlust bzgl. Menge, Anfang und Ende des Essens, sind das gemeinsame Merkmal der BES und der Bulimia nervosa des Nicht-Purging-Typ sowie des Purging-Typ. Fressanfälle mit Kontrollverlust sind ebenso beim aktiven Typus, der Anorexia nervosa, dem Binge-Eating/Purging-Typ möglich, doch ergreift die Person, die unter BES leidet nicht regelmäßig bis gar nicht zu unangemessenen kompensatorischen Maßnahmen, wie zum Beispiel Fasten, Diäthalten, exzessives Sporttreiben, Gebrauch von Diuretika und/oder Laxantien bzw. zu selbstinduziertem Erbrechen, um ihr Gewicht zu regulieren. In vielen Fällen resultiert deshalb daraus Übergewicht, jedoch nicht in jedem Fall (vgl. Butcher et al., 2009, S.380f, S.388; vgl. Fichter, 2004, S.570; vgl. Hilbert & Tuschen-Caffier, 2010, S.13).

Gleichzeitig ist es wichtig einen Essanfall von normalem Überessen abzugrenzen. Mit wenigen Ausnahmen überisst sich fast jeder Mensch der Industrieländer, mindestens einmal in seinem Leben. Ebenfalls treten hier Schuldgefühle auf, jedoch bewegen diese sich in einem begrenzten Rahmen. Der wahrgenommene Kontrollverlust eines Binge-Eating-Essanfalls hingegen kann bis zur Verzweiflung führen. Dieser Kontrollverlust fehlt bei normalem Überessen. Zudem wird Binge-Eating meist alleine im Verborgenen vollzogen, da die Scham der Betroffenen groß ist (Munsch, 2007).

Mühlhans und de Zwaan (2008) erwähnen, dass die Essanfälle bei der BES sich ebenso „ . . . als kontinuierliche, über den Tag verteilte Nahrungsaufnahme (grazing, nibbling) ohne feste Mahlzeiten manifestieren [können].“ (S.26)

In Anlehnung an die Bulimia nervosa besteht auch bei der BES ein geringeres Selbstwertgefühl und eine große Abhängigkeit der Zufriedenheit von Gewicht und Körper (vgl. Hilbert & Tuschen-Caffier, 2010, S.14; vgl. Mühlhans und de Zwaan, 2008, S.26).

Dagegen ist in der Tabelle Butcher’s et al. (2009), die auf den Kriterien des DSM-IV-TR basiert, Gegenteiliges zu finden. Der Selbstwert der Betroffenen einer BES ist nicht unverhältnismäßig stark von deren Gewicht bzw. deren Figur abhängig, wie es bei der Anorexie oder Bulimie der Fall sein kann (vgl. S.384, Tabelle 9.1).

2 Komorbidität

„Etwa 30 Prozent aller übergewichtigen Menschen leiden auch an einer Binge Eating Disorder.“ (Munsch, 2007, S.20). Für die Definition von Übergewicht siehe Hilbert und Tuschen-Caffier (2010, S.12).

Ebenso sind ein hoher Prozentsatz der Binge Eating Patienten von einer psychischen Störung betroffen. 50 – 60 % weisen eine Major Depression auf und 20 – 50 % zeigen eine Angststörung. Wietersheim (2008) führt die interessante Überlegung an, „ . . . ob v.a. die Bulimie und die BES, . . ., auch als >>moderne<< ausdrucksformen von depressionen oder angststörungen gesehen werden könnten“ (s.114). als erklärungsmöglichkeit dafür benennt er den wandel der soziokulturellen faktoren, wie zum beispiel das leben nach einem schönheitsideal auszurichten und dies in den medien>

Während Wietersheim (2008) davon ausgeht, dass kaum nennenswerte Unterschiede bzgl. der Komorbiditäten zu anorektischen oder bulimischen Patienten bestehen, behaupten Butcher et. al (2009), dass psychiatrische Störungen in einem geringeren Ausmaß bei BES Patienten auftreten. Ebenso besteht der missbräuchliche Umgang mit Alkohol in geringerer Form (S.390), den Wietersheim (2008) unter den Komorbiditäten nicht aufführt. Interessanterweise verweisen Hilbert und Tuschen-Caffier (2010) bei den Unterschieden in der Ätiologie der drei Essstörungen auf einen im Vorfeld stattfindenden stärkeren Substanzmissbrauch bei der BES als bei der Anorexie. Diese Aussage widerspricht der Aussage Butcher’s.

Für die komorbiden Persönlichkeitsstörungen ist wieder Hilbert und Tuschen-Caffier (2010) anzuführen. Demnach handelt es sich hierbei um die zwanghafte Persönlichkeitsstörung, die Borderline-Störung und die selbstunsicher-vermeidenden Persönlichkeitsstörung (S.11).

3 Epidemiologie

Während Fichter (2004, S.571) das Auftreten der Binge-Eating-Störung als annähernd so hoch wie das der Bulimia nervosa darstellt und hierzu eine norwegische Studie heranzieht, die eine Prävalenz von 1,5 % in der Bevölkerung angibt. Betitelt Munsch (2007) dagegen „ . . . die BED [als] die häufigste Essstörung . . . “ (S.22) vor Bulimia nervosa und Anorexia nervosa. Dabei schwankt die Prävalenz zwischen 1 bis 3 % innerhalb der deutschen Bevölkerung. Die Prävalenz kann bis auf 30 % ansteigen, wenn zusätzlich Adipositas vorliegt.

Hilbert und Tuschen-Caffier (2010) führen einen Vergleich der Punktprävalenzen der Essstörungen an. Binge-Eating erreicht dabei eine Punktprävalenz von 3 %, Bulimia Nervosa: 1 – 2 % für Frauen im Alter von 16 - 35 Jahren und Anorexia Nervosa weist eine Punktprävalenz von 0,7 % unter den weiblichen Adoleszenten auf (vgl. Tabelle 2, S.13).

Butcher et al. (2009) warnt allerdings vor übersteigerten Annahmen und verweist darauf, dass Essstörungen nicht als Epidemien auftreten (S.390).

Darüber hinaus beschreibt Munsch (2007) kaum vorhandene Geschlechtsunterschiede bei der BES im Gegensatz zu anderen Essstörungen, wie zum Beispiel der Anorexia nervosa. Nach Hilbert und Tuschen-Caffier (2010) ist das weiblich/männliche Geschlechtsverhältnis bzgl. der BES 3/2. Im Gegensatz dazu tritt bei der Anorexia nervosa ein 9/1 Verhältnis auf (vgl. Tabelle 2, S.13). Ein weiterer auffälliger Unterschied liegt im Auftrittszeitpunkt der Störung. Zwischen 20 bis 30 Jahren liegt dieser bei der Binge-Eating-Störung, hingegen zwischen 14 und 18 Jahren bei der Anorexia nervosa (Hilbert & Tuschen-Caffier, 2010, S.13).

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Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Binge-Eating-Störung
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
8
Katalognummer
V202025
ISBN (eBook)
9783656278948
Dateigröße
1264 KB
Sprache
Deutsch
Reihe
UNICUM.de – Die Wissensreihe
Schlagworte
binge-eating-störung
Arbeit zitieren
Heike Ullrich (Autor), 2011, Binge-Eating-Störung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202025

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