Überblick über die Therapieform des Psychodramas


Hausarbeit, 2011

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Reflexion des Seminarinhaltes

2. Persönliche Reflexion

3. Rollenspiele in der virtuellen Welt – Chance oder Gefahr?
3.1 Einleitung
3.2 Rollenspiele im Kontext des Psychodramas nach Moreno
3.3 Virtuelles Rollenspiel
3.4 Parallelen und Unterschiede
3.5 Gefahren und mögliche Chancen für die Zukunft
3.6 Studie von Barbara Klotz zu Online-Rollenspielen

1. Reflexion des Seminarinhaltes

Zu Beginn des Seminares beschäftigten wir uns mit den soziometrischen Methoden. Wir lernten das Modell des sozialen Universums kennen, das davon ausgeht, dass es in jeder Gesellschaft psychosoziale Netzwerke mit einer formellen Oberflächenstruktur und einer unbewussten Tiefenstruktur gibt. Dabei ist das soziale Atom die kleinste untrennbare Einheit, weil das Individuum immer in seinem Beziehungsnetz zu sehen ist. Es beinhaltet sowohl vollzogene, wechselseitige Beziehungen, als auch gewünschte Beziehungen der Person. Soziale Atome verschiedener Menschen überlappen sich gegenseitig. Uns wurden dann ausgewählte Methoden der Soziometrie vorgestellt. Es gibt spezifische Methoden für die Einzelarbeit, die Arbeit in Kleingruppen oder in Großgruppen. Soziometrische Methoden beinhalten immer die Wahl, wie sie auch permanent als Entscheidung in jeder Art von Gruppe stattfindet. Es entsteht eine Momentaufnahme, die eine Gruppe zu einem bestimmten Zeitpunkt abbildet. Bei der perceptuellen Soziometrie, bei der es um die Wirklichkeit eines einzelnen Menschen geht, sollte die Überprüfbarkeit gegeben sein. Um die Veränderbarkeit sichtbar zu machen, sollten soziometrische Methoden möglichst öfters eingesetzt werden. Es ist immer hilfreich, die Methoden selbst auszuprobieren. In der Lehrveranstaltung haben wir aktiv einige soziometrische Übungen ausprobieren können und konnten uns so selbst ein Bild davon machen, welche Auswirkungen diese Übungen haben. Bei der Arbeit mit soziometrischen Methoden in der Therapie wird das Umfeld der Person miteinbezogen. In der Therapie mit Kindern ist es wichtig zu beachten, dass Kinder von Teilen des sozialen Atoms real abhängig sind. Zudem ist die Bedeutung der Peer-Gruppe nicht zu unterschätzen.

Sehr ausführlich haben wir in der Lehrveranstaltung die therapeutische Arbeit mit Kindern besprochen. Dazu haben wir auch oft Filme aus Therapiestunden von Hildegard Pruckner angeschaut oder uns wurden Fallbeispiele aus dem therapeutischen Arbeitsalltag vorgestellt. Generell ist es bei der Arbeit mit Kindern wichtig, dass man möglichst ehrlich ist. Kinder spüren Unehrlichkeit und Unstimmigkeiten sehr schnell und werden dadurch verunsichert. Man sollte auch versuchen, dem Kind die Diagnose in kindgerechten Worten nahezubringen. Natürlich ist bei der Arbeit mit Kindern auch der Einbezug des Umfelds sehr wichtig. Wir lernten das sogenannte Drei-Bühnen-Modell kennen. Auf der sozialen Bühne findet die Arbeit mit dem realen sozialen Atom statt, also auch ein Informationsaustausch mit dem Umfeld des Kindes. Dabei unterliegt der Therapeut/die Therapeutin natürlich der Schweigepflicht. Es ist sehr wichtig, dass das Kind in der Therapie einen geschützten, privaten Raum hat. In der Berufsrolle des Therapeuten/der Therapeutin ist man auch hauptsächlich dem Kind verpflichtet. Auf der Begegnungsbühne tritt der Therapeut/die Therapeutin als Protagonist auf. Dabei ist keine Abstinenz gefordert, wie etwa bei der Psychoanalyse, sondern selektive Offenheit. Das Gesagte und der emotionale Ausdruck sollten dabei kongruent sein, da das Kind sonst schnell verunsichert werden kann. Auf der Begegnungsbühne ist es wichtig, klare Strukturen vorzugeben und Grenzen zu setzen. In den verschiedenen Phasen findet dann beispielsweise ein Austesten dieser Grenzen durch das Kind statt. Häufig sind Rituale sehr gut, weil sie den Kindern einen Rahmen und Orientierungspunkte geben. Auf der Spiel- oder Aktionsbühne sind Hilfs-Ichs sehr wichtig, die der jeweiligen Situation angepasst eingesetzt werden können. Bei kleineren Kindern wird vor allem mit Intermediärobjekten gearbeitet, bei größeren mit soziometrischen Spielen. Jugendliche könnten auch Texte oder Gedichte verfassen. Auf der Spielbühne wird nach den Vorgaben des Kindes gespielt. Die Themen werden im Spiel aufgearbeitet und somit findet der Prozess der Selbstheilung statt. Eventuell kann anschließend ein Abschlussritual hilfreich sein. Natürlich hängen die drei Bühnen zusammen und überlappen sich stellenweise, was manchmal klar erkennbar ist, manchmal weniger. Die deutliche Trennung dieser Bühnen ist jedoch extrem wichtig, insbesondere bei der Arbeit mit traumatisierten Personen.

In dem Seminar haben wir selbst einige kleine Handpuppen ausprobieren können. Diese oder ähnliche werden im Psychodrama als Intermediärobjekte eingesetzt. Ein Intermediärobjekt dient zum Schutz sowohl des Patienten als auch des Therapeuten. Das Entrollen gestaltet sich auch wesentlich einfacher, als wenn man die Rolle mit seinem ganzen Körper einnimmt. Auch Texte oder Gedichte können als Intermediärobjekt hilfreich sein. Insbesondere Jugendliche, die wahrscheinlich nicht mehr bereit sind unbefangen wie ein Kind zu spielen, können sich auf diese Art und Weise gut ausdrücken.

Bei der Gruppenarbeit mit Kindern und Jugendlichen sollte die Gruppe bezüglich des Störungsbildes heterogen sein. Traumatisierte Kinder werden gar nicht oder erst sehr spät im Genesungsprozess in die Gruppe aufgenommen, weil die Gefahr einer Retraumatisierung in der Gruppensituation zu groß ist. Generell kann man mit Kindern ab einem Alter von etwa fünf Jahren in der Gruppe arbeiten. Bei vorpubertären Kindern arbeitet man eher mit geschlechtshomogenen Gruppen. Im Vordergrund bei der Arbeit mit der Gruppe stehen die Rollenerweiterung und die Rollenflexibilität. Je nachdem wie groß die Gruppe ist, sollten genug Mitarbeiter zur Verfügung stehen. Wenn es beispielsweise bei einem Kind nötig ist zu Doppeln, muss noch jemand da sein, um den Überblick zu behalten und um für die anderen Kinder da zu sein.

Durch ein Referat auf Grundlage des Buches „Spontaneität und Begegnung - zur Persönlichkeitsentwicklung aus der Sicht des Psychodramas“ von Michael Schacht wurden uns auch die entwicklungspsychologischen Hintergründe zur Arbeit mit Kindern nähergebracht. Generell wird im Psychodrama von einem humanistischen Menschenbild ausgegangen. Man glaubt an die Entwicklungsfähigkeit der Person statt an Triebe, die alles bestimmen. Die Ressourcen der Person sollen mobilisiert und gestärkt werden und durch eine aktive Auseinandersetzung mit den Gefühlen im Rollenspiel sollen Probleme aufgearbeitet werden.

Wir beschäftigten uns auch mit dem Vergleich der psychodramatischen Methode mit einer eher analytischen Form des Psychodramas. Im Psychodrama, wie Hildegard Pruckner es anwendet, wird auf der Spielbühne nur nach den Vorgaben des Kindes gespielt, wenn nötig immer und immer wieder dieselben Szenen, bis das Kind eine gewisse Situation genügend aufgearbeitet hat und von alleine etwas ändern will. Es wird dabei vom natürlichen Spiel des Kindes ausgegangen. In ihren Spielen trennen Kinder Realität und psychische Repräsentation durch „Als-ob“-Szenarios. Kindliche Spiele können Konstruktionsspiele und somit nahe an der Realität sein, sie können fantasievolle Symbolspiele sein oder Rollenspiele, bei denen Interaktionsmuster in das eigene Rollenrepertoire integriert werden. Somit bietet das Spiel dem Kind eine natürliche Möglichkeit, Konflikte aufzuarbeiten und eine Rollenerweiterung zu erreichen. Bei der psychoanalytischen Form des Psychodramas dagegen setzt der Therapeut/die Therapeutin gezielte Interventionen, um die Rollenmuster des Kindes aktiv zu verändern. Das Kind führt die Veränderung dann nicht selbst herbei, sondern das Geschehen wird vom Therapeuten gelenkt.

In einem Referat über die Geschichte des Psychodramas lernten wir die Hintergründe zur Entstehung dieser Form der Psychotherapie und insbesondere auch über die Zeit Morenos in Wien kennen. Zudem wurde in weiteren Referaten die Rollentheorie nach Moreno ausführlich vorgestellt. Dabei ist besonders wichtig, dass in jeder Gesellschaft bestimmte, durch die Kultur geprägte, Rollen existieren und jedes Individuum ein bestimmtes Repertoire an Rollen hat. Dieses wird im Laufe des Lebens stetig erweitert, die Rollenentwicklung ist ein lebenslanger Prozess. Jede Rolle hat eine persönliche, sowie eine kollektive Seite und jede Rolle hat auch immer eine Gegenrolle. Diese Gegenrolle zeigt sich sehr schön an speziellen Wendepuppen, die man umdrehen kann und die dadurch im wörtlichen Sinne zwei Gesichter haben.

Durch ein Referat zum Thema Pen-and-Paper-Rollenspiele kamen wir im Seminar auch auf das Thema zu sprechen, wie Menschen alltäglich in ihrer Freizeit auf bestimmten Bühnen verschiedene Rollen ausleben. Solche Rollenspielrunden, in denen meist Fantasiewelten erschaffen und ausgelebt werden, bieten eine solche Bühne. Für viele Menschen geschieht dies aber auch durch Computerspiele oder virtuelle Welten im Internet, in denen man sich eine andere Identität verschaffen kann. Der an sich natürliche Prozess des Auslebens verschiedener Rollen kann dann gefährlich werden, wenn sich Menschen nur noch in diese Fantasiewelt zurückziehen und nicht mehr am realen Leben teilhaben möchten. Auf diese Thematik werde ich in Kapitel drei ausführlich eingehen.

2. Persönliche Reflexion

Ich persönlich wusste, bevor ich an diesem Seminar teilnahm, so gut wie gar nichts über die psychotherapeutische Methode des Psychodramas. Das kann zum Teil daran liegen, dass ich aus Deutschland komme und es in Deutschland nicht eine solche Bandbreite an psychotherapeutischen Schulen gibt, wie in Österreich. Anerkannte Therapieschulen sind in Deutschland nur die Verhaltenstherapie, die Psychoanalyse und die psychoanalytische Psychotherapie. Deshalb sind andere Methoden dort auch ziemlich unbekannt. In meinem Studium habe ich vorher auch noch nichts von der Methode des Psychodramas gehört und daher war ich sehr gespannt auf dieses Seminar.

Die Lehrveranstaltung erlebte ich dann auch als sehr interessant und abwechslungsreich gestaltet. Der Vortrag wechselte sich ab mit Referaten von Studenten, Filmvorführungen und eigenem aktiven Ausprobieren von Methoden. Besonders gefiel mir, dass man sehr deutlich merkte, wie viel Erfahrung Hildegard Pruckner mit dem Psychodrama als Therapieform hat. Beispiele aus der Praxis machen Konzepte für mich immer anschaulicher und verständlicher. Besonders die Berichte und auch die Filme aus der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen fand ich sehr faszinierend und es wurde dadurch auch sehr gut deutlich, was die psychodramatische Arbeit ausmacht und von anderen Therapieformen unterscheidet. Gerade für die Arbeit mit Kindern halte ich es für einen absolut plausiblen Ansatz, die natürliche Verarbeitungsform für Konflikte, nämlich das Spiel, gezielt einzusetzen. In einem geschützten Rahmen und mit vielerlei Hilfsmitteln hat das Kind die optimale Möglichkeit, so lange im Spiel Konflikte aufzuarbeiten, bis es selbst so weit ist, dass es seine Rolle(n) verändern kann und sich somit weiterentwickeln kann. Ich halte es für sehr wichtig, die Kreativität und Spontanität nicht zu unterdrücken oder lenken zu wollen, sondern sie sich frei entfalten zu lassen. Generell kann ich persönlich auch viel mit dieser Methode anfangen, weil ich die humanistische Sichtweise befürworte. Gerade in der Psychoanalyse kommt meiner Meinung nach häufig ein ressourcenorientiertes, an der Entwicklungsfähigkeit der Person ausgerichtetes Arbeiten zu kurz.

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Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Überblick über die Therapieform des Psychodramas
Hochschule
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt  (Psychologie)
Veranstaltung
Proseminar Psychodrama
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
18
Katalognummer
V202040
ISBN (eBook)
9783656279808
ISBN (Buch)
9783656281184
Dateigröße
1161 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Psychodrama, Soziometrie, Rollenspiel mit Kindern und Jugendlichen
Arbeit zitieren
Melanie Römer (Autor), 2011, Überblick über die Therapieform des Psychodramas, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202040

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Titel: Überblick über die Therapieform des Psychodramas



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