Das Thema der Geschlechtergleichheit bzw. –Ungleichheit im Berufsleben ist gerade in Deutschland nach wie vor höchst aktuell. Dabei steht nicht nur die von der Europäischen Union vorgegebene Entgeltgleichheit von Frauen und Männern im Blickpunkt, die faktisch in vielen Bereichen noch nicht erreicht ist, sondern auch, in welchen Berufen Frauen tätig sind, sprich wie hoch der Anteil der Frauenbeschäftigung in verschiedenen Sektoren ist.
Der Fokus dieser Ausarbeitung soll dabei auf dem öffentlichen Dienst in Deutschland liegen. In diesem Zusammenhang gilt es zu untersuchen, welche Entwicklungen dort hinsichtlich der Erwerbstätigkeit von Frauen in den letzten 20 Jahren erkennbar sind. Dabei soll auf der einen Seite analysiert werden, wie das Verhältnis von männlichen und weiblichen Arbeitnehmern bei Beamten, Angestellten und Arbeitern ist, um dann eine Aussage darüber treffen zu können, in welchen Berufsfeldern des öffentlichen Dienstes Frauen vermehrt tätig sind und in welchen nicht. Auf der anderen Seite soll jedoch auch begutachtet werden, worin die Unterschiede im Bereich der Frauenbeschäftigung beim Bund, bei den Ländern und den Kommunen bestehen. Zudem wird es darum gehen, verschiedene Maßnahmen und Regelungen vorzustellen, deren Ziel es war, die Situation die Frauen im öffentlichen Dienst zu verbessern und deren Anteil an der Gesamtbeschäftigung zu erhöhen. Dem gegenüber müssen aber auch solche Veränderungen aufgezeigt werden, die, wenn vielleicht auch ungewollt, einen negativen Einfluss auf die Frauenerwerbstätigkeit haben.
Alles in allem soll also der Frage nachgegangen werden, welche Rolle der öffentliche Dienst in Deutschland im Kontext der Gleichbehandlung von Frauen und Männern hinsichtlich der Beschäftigung spielt und ob er in diesem Bereich sogar eine Vorreiterrolle einnimmt und als Positivbeispiel für die Privatwirtschaft fungieren kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vorüberlegungen und gesellschaftlicher Kontext
3. Die Entwicklung der Frauenbeschäftigung im dt. öffentlichen Dienst seit 1990 - Differenzierung zwischen Bund, Ländern und Gemeinden
4. Differenzierung hinsichtlich der Statusgruppen – Beamtinnen, Angestellte und Arbeiterinnen im deutschen öffentlichen Dienst
5. Unterschiede bezüglich der Karrieregruppen
6. Teilzeitbeschäftigung von Frauen im öffentlichen Dienst
7. Problemanalyse
7.1 Das Beamtentum
7.2 Konzentration auf bestimmte Beschäftigungsfelder
7.3 Diskriminierungen, die nicht unmittelbar mit dem öffentlichen Dienst in Verbindung stehen
8. Maßnahmen zur Gleichbehandlung und Frauenförderung
9. Abschließende Betrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Entwicklung der Frauenbeschäftigung im deutschen öffentlichen Dienst seit 1990 mit dem Ziel zu klären, ob von einer tatsächlichen Gleichstellung der Geschlechter gesprochen werden kann oder ob strukturelle Ungleichheiten fortbestehen.
- Analyse der Frauenbeschäftigung nach Sektoren (Bund, Länder, Kommunen)
- Vergleich der Statusgruppen (Beamte, Angestellte, Arbeiter)
- Untersuchung der Teilzeitquoten und Karrierechancen
- Bewertung von gesetzlichen Maßnahmen zur Frauenförderung
- Evaluation der Auswirkungen von Verwaltungsreformen auf die Geschlechterverhältnisse
Auszug aus dem Buch
7.1 Das Beamtentum
Die Analyse der Statistiken hat verdeutlicht, dass im deutschen Beamtentum noch längst kein Gleichgewicht zwischen den Geschlechtern erreicht wurde. Dies hat unterschiedliche Ursachen, die nun im Einzelnen beleuchtet werden sollen. Ein Hauptgrund dafür, dass die Anzahl der Beamtinnen lange Zeit derart gering war und erst schleppend anstieg, war die Tatsache, dass diese Berufsform auf den Mann zugeschnitten war. So führt di Luzio an, dass sich mit dem Berufsbeamtentum „eine spezielle berufliche Struktur heraus [bildete], die insofern nach Geschlecht differenziert, als sie auf die Rolle des männlichen Familienernährers zugeschnitten ist“ (di Luzio, S. 75). Es war also zu Anfang so gedacht, dass die Erwerbstätigkeit als Beamte ausschließlich den Männern zugedacht war, während die Frauen sich zu Hause um die Familie kümmern sollten. Auf Becker hebt hervor, dass das Beamtentum eine Domäne der Männer ist (vgl. Becker, S. 107), wobei sich die Situation für Frauen in den letzten Jahren durchaus verbessert hat. Ein weiteres Hemmnis bestand darin, dass die Ausübung des Beamtenberufs eine Tätigkeit auf Lebensdauer voraussetzt und das Aufstiegssystem der Laufbahn auf eine ununterbrochene Tätigkeit ausgerichtet ist (vgl. di Luzio, S. 78). „Folglich müssen Unterbrechungen oder Zeitreduzierungen als Störfaktoren zu einer Schlechterstellung im Gratifikationssystem führen. Dadurch ist die Gruppe derjenigen Frauen direkt betroffen, die ihre Arbeitszeit reduzieren oder sich beurlauben lassen, um die Betreuung ihrer Kinder und die mit Kindererziehung und Haushaltsführung verbundenen Arbeiten übernehmen zu können“, so di Luzio (ebd., S. 84). Es hat also den Anschein, dass
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Relevanz der Geschlechtergleichheit im öffentlichen Dienst ein und erläutert die Forschungsfrage sowie den methodischen Fokus.
2. Vorüberlegungen und gesellschaftlicher Kontext: Das Kapitel beleuchtet das traditionelle Familienernährermodell und dessen Auswirkungen auf die Erwerbssituation von Frauen in den 90er Jahren.
3. Die Entwicklung der Frauenbeschäftigung im dt. öffentlichen Dienst seit 1990 - Differenzierung zwischen Bund, Ländern und Gemeinden: Hier werden die prozentualen Verschiebungen der Frauenanteile auf den unterschiedlichen staatlichen Ebenen analysiert.
4. Differenzierung hinsichtlich der Statusgruppen – Beamtinnen, Angestellte und Arbeiterinnen im deutschen öffentlichen Dienst: Dieses Kapitel vergleicht die Frauenanteile in den verschiedenen Beschäftigungsverhältnissen innerhalb des öffentlichen Sektors.
5. Unterschiede bezüglich der Karrieregruppen: Der Abschnitt verdeutlicht die horizontale und vertikale Segregation, insbesondere den Mangel an Frauen in Führungspositionen.
6. Teilzeitbeschäftigung von Frauen im öffentlichen Dienst: Es wird die hohe Abhängigkeit der Frauenbeschäftigung von Teilzeitmodellen in allen Statusgruppen aufgezeigt.
7. Problemanalyse: Hier werden Ursachen für die Unterrepräsentanz von Frauen, wie die historische Prägung des Beamtentums und geschlechterspezifische Diskriminierung, untersucht.
8. Maßnahmen zur Gleichbehandlung und Frauenförderung: Das Kapitel bewertet verschiedene gesetzliche Regelungen der Länder zur Förderung der beruflichen Chancen von Frauen.
9. Abschließende Betrachtung: Eine Zusammenfassung der Ergebnisse, die feststellt, dass trotz Zuwächsen keine vollkommene Gleichstellung erreicht wurde.
Schlüsselwörter
Frauenbeschäftigung, Öffentlicher Dienst, Geschlechtergleichheit, Teilzeitbeschäftigung, Beamtentum, Frauenförderung, Familienernährermodell, Karrierechancen, Statusgruppen, Leistungsmodell, Verwaltungsreform, Diskriminierung, Erwerbstätigkeit, Gleichbehandlungsgesetz, Geschlechterrollen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Entwicklung der Frauenbeschäftigung im deutschen öffentlichen Dienst im Zeitraum von 1990 bis zur Mitte der 2000er Jahre.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Themen sind die Entwicklung auf verschiedenen Verwaltungsebenen (Bund, Länder, Kommunen), die Verteilung auf Statusgruppen (Beamte, Angestellte, Arbeiter) sowie die Auswirkungen von Reformen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu bewerten, ob im öffentlichen Dienst eine tatsächliche Gleichstellung der Geschlechter erreicht wurde oder ob strukturelle Barrieren fortbestehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer statistischen Analyse der Beschäftigungszahlen sowie der Auswertung bestehender sozialwissenschaftlicher Literatur und Gesetzestexte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine quantitative Darstellung der Frauenanteile, eine Problemanalyse hinsichtlich struktureller Benachteiligungen und eine Untersuchung politischer Fördermaßnahmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Frauenbeschäftigung, öffentlicher Dienst, Teilzeitquote, Beamtentum und Frauenförderung.
Warum ist das Beamtentum besonders relevant für die Untersuchung?
Das Beamtentum wurde historisch auf das Modell des männlichen Familienernährers zugeschnitten, was Frauen durch das Erfordernis ununterbrochener Laufbahnen strukturell benachteiligt.
Welchen Einfluss haben die untersuchten Gesetze zur Frauenförderung?
Gesetze zur Förderung der beruflichen Chancen führten zwar zu formalen Verbesserungen, werden jedoch oft durch Ausnahmeregelungen oder die mangelnde Konsequenz ihrer Anwendung in der Praxis geschwächt.
- Quote paper
- M.A. Björn Steinhardt (Author), 2009, Wie hat sich die Frauenbeschäftigung im deutschen öffentlichen Dienst seit 1990 entwickelt, und kann man heute von einer Gleichstellung der Geschlechter sprechen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202102