Der Wandel der NSDAP von der Gründung bis zur Machtergreifung und ihr Verhältnis zur Wählerschaft

Der Wandel der Ideologie und Programmatik unter besonderer Berücksichtigung der Rassen-, Wirtschafts- und Sozialpolitik und der Haltung zur Demokratie und zum Führerkult


Facharbeit (Schule), 2011
22 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung.
1.1 Thematische Einführung
1.2 Methodische und argumentative Struktur

2 Die Programmatik in der Frühgeschichte 1919 - 1923
2.1 Die externen und internen Einflüsse auf die DAP
2.2 Das 25-Punkte-Programm
2.3 Die Parlamentsfeindlichkeit der jungen NSDAP
2.4 Die NSDAP als Mittelstandspartei und die darauf ausgerichtete Wirtschafts- und Sozialpolitik
2.5 Die Judenfeindlichkeit in der Frühgeschichte

3 Die Wiedergründung und der Weg zur Volkspartei
3.1 Der Weg der Legalität und die Neuorganisation als Führerpartei
3.2 Die Diskussion um die Neuausrichtung der Wirtschafts- und Sozialpolitik

4 Die Programmatik und das Profil in den Jahren vor der Machtergreifung
4.1 Der offen propagierte Kurs gegen die Demokratie und die Juden
4.2 Die Wirtschafts- und Sozialpolitik nach der Wirtschaftskrise
4.3 Die Wähler der NSDAP und die Rolle Hitlers bei der Wahlentscheidung

5 Fazit: Vollzog die NSDAP einen Ideologiewandel?

6 Bibliographie

1 Einleitung

1.1 Thematische Einführung

Sowie sich jede Partei zu ihrer Gründung und in der fortlaufenden Entwick- lung ein politisches und programmatisches Profil erstellen muss, so vollzog auch die NSDAP in der Weimarer Republik eine Entwicklung, was letztendlich jedoch zum Sturz der mit 14 Jahren noch relativ jungen Demokratie und später zu einem erneuten Weltkrieg und zur Ermordung zahlloser Menschen führte. Zwar ist die eigentliche Machtergreifung der Nationalsozialisten und die Zeit danach oft Thema wissenschaftlicher Diskussionen, jedoch werden vor allem im Schulunterricht das frühere Programm und der Wandel der Weltanschauung der NSDAP aus zeitlichen Gründen dürftig behandelt. Dies zeigt sich vor allem bei der Konzeption des Lehrplans für das achtjährige Gymnasium in Bayern, wo die Verkürzung der Schulzeit um ein Jahr auch eine Kürzung in den Unter- richtsstunden für den Nationalsozialismus auf sieben Stunden in der Oberstufe bewirkt hat.1 Da die Gesellschaft der heutigen Zeit zusätzlich nicht direkt mit dieser Thematik konfrontiert wird und rechtsextreme Parteien in unserem heu- tigen Parteienspektrum teilweise zunehmend Wähleranteile gewinnen und in von Armut betroffenen Bezirken teilweise Ergebnisse von über 20% erzielen, ist es auch allein aus präventiver Sicht notwendig, die Entstehungsgeschichte und den Wandel des propagierten Parteiprogrammes und das Profil der NSDAP von der Gründung bis zur Machtergreifung zu beleuchten und dieser Thematik zu erneuter Priorität zu verhelfen.

1.2 Methodische und argumentative Struktur

In der vorliegenden Seminararbeit werden daher die Ideologie der NSDAP und ihr Wandel von der Gründung bis zur Machtergreifung untersucht. Um die- se Frage zu beantworten, werden zentrale Kernthemen der damaligen National- sozialisten und die Stellung der NSDAP zu diesen beleuchtet. Dabei wird die individuelle Entwicklung und die Positionierung zu den Themen Rassenpolitik, Wirtschafts- und Sozialpolitik und die Haltung zur Demokratie wie zum eige- nen Führerkult untersucht, abschließend erfolgt noch eine Untersuchung zum allgemein gehaltenen Ideologiewandel, welcher schließlich die Ergebnisse der voran gegangenen Erkenntnisse zusammenfasst und unter diesem Gesichts- punkt neu auswertet.

Insgesamt sollen in dieser Seminararbeit folgende Leitfragen beantwortet wer- den: Entwickelte sich die spätere Politik der NSDAP, wie sie nach 1933 vorzu- finden war, erst im Laufe der Zeit in der Weimarer Republik und wie sah diese aus und entwickelte sich? Inwieweit taktierte die Parteiführung und die Partei insgesamt, um an die Macht zu kommen und wie reagierten die Wähler auf die Positionen der Partei? Wie sehr profitierte die NSDAP von der allgemeinen Stimmungslage in der Republik?

Zur Beantwortung dieser Fragen ist es sinnvoll, eine chronologische Argumen- tationsstruktur zu wählen, da hierbei der zeitliche Zusammenhang nicht verlo- ren geht und ein Ineinandergreifen der verschiedenen Teilbereiche besser dar- stellbar ist. In diesen zeitlichen Abschnitten werden diese folglich behandelt, jedoch steht der Ideologiewandel abschließend zeitlich abgegrenzt, da dieser eine resümierende Intention der bis dahin erreichten Ergebnisse hat.

Für die Entwicklung der NSDAP, die sich 1919 noch ohne Adolf Hitler als DAP gründete, ist diese erste Phase bis zum Putsch programmatisch sehr wich- tig. In dieser Zeit entstand das grobe Profil der Partei sowie das 25-Punkte-Pro- gramm als erstes und einzig relevantes programmatisches Zeugnis. Da die Par- tei zu dieser Zeit jedoch nahezu frei von externem politischen Druck war, war die Gestaltung des Profils und des Programmes relativ frei, was diesen Zeitab- schnitt auch für den Vergleich mit der späteren NSDAP wichtig macht. In die- sem Kapitel werden daher die externen und internen Einflüsse auf die inhaltli- che Gestaltung erläutert, danach werden das 25-Punkte-Programm, die Gesin- nung zum Parlamentarismus, die Klientel der Partei und die Judenfeindlichkeit untersucht.

2. Die Programmatik in der Frühgeschichte 1919 - 1923

2.1 Die externen und internen Einflüsse auf die DAP

Die DAP entstand in der turbulenten Zeit nach dem ersten Weltkrieg. Die noch sehr junge Weimarer Demokratie stand im Schatten des verlorenen Krie- ges, der vor allem psychische Auswirkungen auf das Volk hatte, da man sich aus den eigenen Reihen betrogen sah. Die Friedensverhandlungen, die im End- effekt nur wenig Spielraum zum Verhandeln zu Gunsten Deutschlands ließen, prägten auch das Programm der NSDAP, da man die Rechnung für die Nieder- lage und politische Intervention nicht akzeptieren konnte und wollte. Der Ver- sailler Vertrag bewirkte zwar einen politischen Neubeginn, jedoch war die Mehrheit der Bevölkerung, vor allem der politisch rechte Flügel, nicht republi- kanisch der gar demokratisch gesinnt. Eine besondere Abneigung zum neuen Herrschaftssystem war in Bayern, vor allem in München zu sehen, wo sich die DAP auch zum ersten Mal konstituierte.2

Die Gründung der DAP war zur damaligen Zeit kein weltbewegendes Ereignis, da sich damals zahlreiche Vereine und Parteien gründeten, die im Großen und Ganzen ähnliche Ideologien vertraten und sich unter dem Einfluss der Thule- Gesellschaft befanden. Der Gründer der DAP, Anton Drexler, hatte zu diesem Zeitpunkt den inhaltlich größten Einfluss auf das politische Profil, was durch die stark nationalistische und antisemitische Ausprägung, aber auch durch die Abneigung zu sozialdemokratischen und marxistischen Strömungen deutlich wurde. Jedoch sah er sich auch als Schirmherr des Großkapitals, da man dieses „als Brot- und Arbeitgeber (…) schützen“3 sollte. Später jedoch entwickelte sich Adolf Hitler als dominierende Kraft in der DAP. Er entwickelte in seiner Zeit vor dem Weltkrieg ein stark einseitiges Geschichtsbild und schon früh einen ausgeprägten Antisemitismus. Jedoch unterschied er sich mit Drexler in der Auffassung zum Sozialismus: Während Hitler diesen als notwendig ansah, um seine Ziele und eine möglichst große Macht zu erreichen, diesem jedoch in- haltlich nicht sehr nahe stand, lehnte Drexler den Sozialismus als jüdische Er- findung ab. Durch Hitlers ehrgeizige Bestrebungen konnte er sich schon früh im parteiinternen Kampf um die Führung klar absetzen und somit auch seine Vorstellungen und seine Ideologie durchsetzen, wobei Drexler programmatisch weiterhin partiell mitwirkte.4

2.2 Das 25-Punkte-Programm

Bei diesem Programm handelt es sich um das erste wirkliche programmatische Zeugnis der DAP. Es entstand Anfang des Jahres 1920 und fängt somit den Moment und die ideologische Haltung der DAP ein. Auch wenn Hitler laut Werner Maser programmatisch nur wenig mitwirkte, ihm dieses folglich nicht wichtig war und stattdessen Drexler mehr mitwirkte5, sind doch bestimmte Grundlinien ihrer damaligen Auffassungen erkennbar.

Das Programm selbst spiegelt vor allem den historischen Kontext wieder, um- fasst aber auch andere, tagespolitisch ungebundene Themen. Zusammenfassend werden in den 25 Punkten die Außenpolitik, Fremden- und Bürgerrechtspolitik, Wirtschafts- und Sozialpolitik und die Wehr- und Kulturpolitik thematisiert. In ihrer Grundsubstanz ist das 25-Punkte-Programm so vielsagend wie nichtssa- gend zugleich. Die Formulierungen und Punkte lassen viel Spielraum für Inter- pretation, sodass für jeden deutschen Staatsbürger mit deutscher Herkunft et- was versprochen wird. Schon im Programm ist eine Judenfeindlichkeit auskris- tallisiert, da Juden schon aus Prinzip „kein[e] (…) Volksgenosse[n] sein“6 kön- nen und somit einer verschärften Gesetzgebung unterliegen und u.a. nicht bei der Presse mitwirken dürfen sollen. Lediglich diese Forderungen sind klar for- muliert, wohingegen bei der Wirtschafts- und Sozialpolitik viel Interpretati- onsspielraum gelassen wurde. Von einer „Brechung der Zinsknechtschaft“ so- wie von der Abschaffung des „arbeits- und mühelosen Einkommens“7 ist die Rede, die zugleich nicht näher erläutert werden. Jedoch ist eine Stärkung des Mittelstandes erkennbar, indem Großkaufhäuser mittelständischen Unterneh- men überführt werden sollen und es eine Gewinnbeteiligung an Großbetrieben geben soll. Dies stehe alles unter dem Motto: „Gemeinnutz vor Eigennutz“.8

Die Heterogenität und die auf viele Thematiken bezogene Aufstellung der Punkte zeigt vor allem zwei Aspekte der damaligen Partei: Einerseits eine in- haltliche Zerrissenheit und Uneinigkeit, andererseits der Wunsch, mit der brei- ten Auslegung bei einer möglichst großen Masse Anklang zu finden. Man woll- te der Bevölkerung ein grobes Bild über die Partei vermitteln und Hoffnungen wecken, selbst in der Hoffnung, die Popularität der Partei zu steigern. Erkenn- bar ist aber ein deutlicher Antiparlamentarismus. Der Parlamentarismus wird zunächst nicht direkt kritisiert, jedoch seine Umsetzung und die „Führungslo- sigkeit“, da sich die DAP klare charismatische Persönlichkeiten wünschte. So wollte sich die DAP als eine „Partei über den Parteien und als Bewegung cha- rakterisieren.“9 Auch in der Sozialpolitik wurde diese Taktik verfolgt. Zwar wurden viele Elemente des Sozialismus, was auch trotz Drexlers programmati- schem Mitwirken die Dominanz Hitlers beweist, übernommen, jedoch ist nir- gends direkt vom Sozialismus die Rede. Dieser wurde aber auch neu definiert, da das Feindbild nicht mehr die Bourgeoisie, sondern das „jüdische Kapital“ war, ein Phantomfeind, da der jüdische Anteil am Großkapital freilich gering war. Die Bevorzugten des nicht erwähnten Sozialismus waren die deutschen Proletarier, aber auch die Agrarbesitzer und Unternehmer, da ihnen diverse Zu- geständnisse gemacht wurden.10

Das 25-Punkte-Programm ist demzufolge ein reichhaltiger Forderungskatalog mit breiter Interpretationsmöglichkeit. Interessant ist aber auch, dass im Pro- gramm selbst festgehalten ist, dass es selbst unveränderlich ist und nicht auf- grund der Gemütslage der Wählerschaft verändert wird. Dies kann man sich zwar bei dieser Formulierung erlauben, jedoch ist das Programm selbst mit der Zeit und dem Einfluss Hitlers unwichtig geworden, da er sich selbst nicht als „Überbringer“ eines Programmes sah und somit nicht an der Verbreitung inter- essiert war.11 Jedoch wurde das Programm trotz Nichtigkeit beibehalten, da es vor auch für die Sozialisten und Arbeiter interessant gewesen ist.

[...]


1 Vgl. Schloemann, J.: Nationalsozialismus light (2008), URL:

http://www.sueddeutsche.de/karriere/lehrplaene-im-verkuerzten-gymnasium-nationalsozia- lismus-light-1.579628-2 (Stand: 19.03.2011).

2 Vgl. Grimm, G.: Der Nationalsozialismus. Programm und Verwirklichung. Geschichte und Staat Bd. 244/45 München, Wien 1981, S. 11-26.

3 Pätzold, K./Weißbecker, M.: Geschichte der NSDAP. 1920 bis 1945, Köln ³2009, S. 28.

4 Vgl. Maser, W.: Der Sturm auf die Republik. Frühgeschichte der NSDAP, Düsseldorf, Wien, New York, Moskau 1994, S. 45-111.

5 Vgl. ebenda, S. 206.

6 Anonymus: Das 25-Punkte-Programm der NSDAP, München 1920.

7 Ebenda.

8 Ebenda.

9 Pätzold/Weißbecker, S. 52.

10 Vgl. ebenda, S. 49-63.

11 Vgl. Maser, S. 206-211.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Der Wandel der NSDAP von der Gründung bis zur Machtergreifung und ihr Verhältnis zur Wählerschaft
Untertitel
Der Wandel der Ideologie und Programmatik unter besonderer Berücksichtigung der Rassen-, Wirtschafts- und Sozialpolitik und der Haltung zur Demokratie und zum Führerkult
Hochschule
Enztal-Gymnasium Bad Wildbad
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
22
Katalognummer
V202237
ISBN (eBook)
9783656334620
ISBN (Buch)
9783656334934
Dateigröße
547 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nationalsozialismus, NSDAP, Adolf Hitler, Machtergreifung, Weimarer Republik
Arbeit zitieren
Patrick Straburzynski (Autor), 2011, Der Wandel der NSDAP von der Gründung bis zur Machtergreifung und ihr Verhältnis zur Wählerschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202237

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