Münzen und Münzwesen in Deutschland im Mittelalter


Studienarbeit, 2012

12 Seiten


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

I.Einleitung

II. Grundlegendes zur Münzhoheit und den entsprechenden Regalien

III. Der Weg von der Einheit zur Diversität
III.1 Das Münzwesen von der Völkerwanderung bis vor Pippin
III.2 Die Münzpolitik der Karolinger
III.3 Das 10. Jahrhundert
III.4 Der Kontrollverlust der Könige ab dem 11. Jahrhundert

IV. Missbrauch des Münzregals

V. Verleihung der Münze an die Städte und Angleichung der Währungen

VI. Zusammenfassung

VII. Literatur

I. Einleitung

In dieser Arbeit möchte ich einen Überblick über das Münzwesen von der vorkarolingischen Zeit bis zum 15. Jahrhundert bieten. Thematisch setze ich meinen Fokus auf den rechtlichen Aspekt, das heißt auf die rechtliche Basis der Münzverleihungen und verwandte Themen. Methodisch möchte ich zunächst einige Rechtsbegriffe klären, darauf gebe ich einen chronologischen Überblick über die Münzpolitik im Römischen Reich von vorkarolingischer Zeit bis ins 11. Jahrhundert geben, um daraufhin aufzuzeigen, welche negativen Folgen diese Entwicklung hatte und wie im Spätmittelalter die Städte Einfluss nahmen auf das Münzwesen.

II. Grundlegendes zur Münzhoheit und den entsprechenden Regalien

Hoheitsrechte, das sind die Rechte, die ein Staat, ob er nun eine Monarchie ist, eine Demokratie oder eine andere Form hat, inne haben muss, um seine Aufgabe, sich selbst aufrecht zu erhalten, erfüllen kann. Regalien hingegen sind alle darüber hinaus gehenden Befugnisse. Meist haben sie finanziellen Inhalt, denn sie kommen dem Inhaber zugute, der nicht immer der Herrscher sein muss. Regalien können verliehen, verkauft und dergleichen werden. Ein solches Regal ist auch die Münzhoheit. Mit Münzhoheit bezeichnet man folgende vier Privilegien:

a) Die Wahl des Gegenstandes respektive des Materials, der als Zahlungsmittel dienen soll.
b) Nun spezieller auf Münzen bezogen: Die Bestimmung der Größe und des Nennwerts der Münze (oder anderen Gegenstandes, wenn man es immer noch allgemein ausdrücken will).
c) Das sog. Recht des Gepräges, das heißt die Bestimmung, welches Bild die Münzen tragen sollen.
d) Das Recht auf die Herstellung der Münzen.[1]

Wie bereits gesagt war das Münzregal veräußerlich. Doch auch hierbei gilt es, Grundlegendes zu klären. In dezentralisierten Staaten – und damit sind hier solche gemeint, die die Münzhoheit nicht in einer Institution inne haben – äußert sich die Münzhoheit oft im Vorbehalt der Reichsmünze. Das bedeutet, dass es bestimmte Münzcharakteristika gibt, die dem Staat vorbehalten gibt. Beispielsweise der Vorbehalt bestimmter Münzgattungen, bestimmter Metalle, bestimmter Gepräge oder bestimmter Münzfüße, also das Verhältnis der Legierung.[2]

III. Der Weg von der Einheit zur Diversität

III.1 Das Münzwesen von der Völkerwanderung bis vor Pippin

Grundlage für das europäische Münzsystem des Mittelalters war das römische Münzsystem aus dem Anfang des 4. Jahrhunderts, welches von Diokletian und Konstantin eingeführt wurde. Der Solidus, ein Zweiundsiebzigstel einer Libra Gold (327,45 g) war fortan die Basismünze in Europa.[3]

Als die Germanen während der Völkerwanderung massiv mit dem Römischen Reich in Kontakt kamen und Italien, Nord- und Westeuropa ihre Reiche gründeten, die Herrschaft über Rom erlangten, führten sie, neben zahlreichen weiteren wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Errungenschaften, das römische Münzsystem fort. Vor ihrer Wanderung haben die Germanen keine Münzen hergestellt. Sie übernahmen nicht bloß das Währungssystem, sondern auch weitgehend das Münzbild. Allerdings verschlechterte sich dieses im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte zusehends – genauso wie die Qualität des enthaltenen Goldes. Gewiss hing das mit der zunehmenden Materialknappheit zusammen. Ein Problem, das die europäische Münzgeschichte durch die Jahrhunderte hinweg begleiten wird.[4]

Es folgte eine Entwertung des Solidus. Franken und Angelsachsen führten silberne Münzen ein, die nach ihren römischen Vorbildern Denarii, oder davon entlehnt, Pfennig, genannt wurden. Die Westgoten hingegen blieben bei Gold; Kupfergeld gab es damals noch nicht.[5]

III.2 Die Münzpolitik der Karolinger

Pippin III, genannt der Kurze († 768), Karl Martells Sohn, war Hausmeier des Merowingerkönigs Childerich III., als er diesen Ende 751 oder Anfang 752 absetzte, um sich auf den Frankenthron zu erheben. Eine in unserem monetären Zusammenhang wichtige Amtshandlung war die Abschaffung der aus oben genannten Gründen ohnehin problematischen Goldwährung und die Einführung einer reinen Silberwährung, sprich die Beschränkung auf den Pfennig. (Ein solcher pippinscher Pfennig, der als erste Münze, die nicht nach römischem Vorbild geprägt wurde, gilt, wurde am 9. Februar 2009 übrigens zu einem Sensationsstartgebot von 25.000 Euro in Dortmund versteigert.)[6] Wie bereits angedeutet, bestand diese Beschränkung unter den Merowingern bereits, aber das Münzwesen befand sich insgesamt in einem desolaten Zustand. Statt wie bisher fahrende Münzer zu beschäftigen oder unkontrolliert im Reich Städte, Fürsten und Bischöfe prägen zu lassen, konzentrierte er die Münzhoheit im Wesentlichen auf seinen Hof.[7]

Dadurch, dass durch die sparsame Vergabe von Münzrechten maximal dreißig Münzprägestätten im Reich existierten, war auch im neunten Jahrhundert die dörfliche und auch städtische Wirtschaftswelt des Bauern und Bürgers von Tauschhandel und Naturalienzahlung geprägt. Es war einfach kaum Geld vorhanden. Größere Zahlungen fanden meist eh auf höherer Ebene statt und wurden in Barrenform getätigt.[8]

[...]


[1] Luschin von Ebegreuth, Arnold: Allgemeine Münzkunde und Geldgeschichte des Mittelalters und der neueren Zeit, München 1976 (4. Nachdr. d. Ausg. München / Berlin ²1926), S. 235-237. (Im Folgenden zitiert als „Luschin: Allg. Münzkunde“.)

[2] Luschin: Allg. Münzkunde, S. 238.

[3] Berghaus, Peter: Art. Münze, Münzwesen, in; LexMA 6 (1993), Sp. 921-931.

[4] Suhle, Arthur: Deutsche Münz- und Geldgeschichte von den Anfängen bis zum 15. Jahrhundert, Berlin ²1964, S. 9f. (Im Folgenden zitiert als: „Suhle: Geldgeschichte“.)

[5] Grierson, Philip: Münzen des Mittelalters (Die Welt der Münzen 4), München 1976, S.29. (Im Folgenden zitiert als „Grierson: Münzen des Mas“.)

[6] Ungenannter Verfasser: Ältester Pfennig wird in Dortmund versteigert <http://www.ruhrnachrichten.de/nachrichten/nrw/art1544,471955>, 2009-02-02, 2009-02-03.

[7] Suhle: Geldgeschichte, S. 27. Zum fahrenden Münzerhandwerk siehe Luschin: Allg. Münzkunde, S. 239.

[8] Suhle: Geldgeschichte, S. 28 sowie Luschin: Allg. Münzkunde, S. 245 und Grierson: Münzen des MAs, S.60.

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Details

Titel
Münzen und Münzwesen in Deutschland im Mittelalter
Autor
Jahr
2012
Seiten
12
Katalognummer
V202252
ISBN (eBook)
9783656284918
ISBN (Buch)
9783656288091
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Münzen, Geldwesen, Mittelalter, Numismatik, Geld, Finanzgeschichte, Deutschland, Karolinger, Pfennig, Geldwirtschaft, Privileg, Privilegien, Regalien, Karl der Große, Pippin III., Ludwig der Fromme, Heinrich IV., Heiliges Römisches Reich, Wirtschaftsgeschichte, Wirtschaft, Münzprägung, Münzrecht
Arbeit zitieren
Marek Firlej (Autor), 2012, Münzen und Münzwesen in Deutschland im Mittelalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202252

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