Ein Vergleich zwischen zwei grundlegend verschiedenen Texten des Schweizer Autors Robert Walser, die beide den Titel "Dickens" tragen. Beide zeichnen ein Bild vom Verhältnis Walsers zu Charles Dickens.
An das Thema herangeführt wird der Leser durch eine Biografie Walsers (die so wichtig für die Interpretation seiner Prosastücke ist wie bei kaum einem Autor) und einem Überblick über sein Werk.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Biographie
3. Robert Walsers kleine Prosa
4. Das Buch „Kleine Prosa“
5. Dickens von 1911 und von 1917 im Vergleich
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese wissenschaftliche Arbeit analysiert die inhaltlichen und stilistischen Unterschiede zwischen den beiden Textfassungen von Robert Walsers „Dickens“ aus den Jahren 1911 und 1917, um das Selbstbild des Autors und seine literarische Entwicklung zu beleuchten.
- Biographische Einordnung von Robert Walser und seinem literarischen Schaffen.
- Charakterisierung der Gattung der „kleinen Prosa“ im Werk Walsers.
- Detaillierter Vergleich der Fassung von 1911 (erschienen im „Pan“) und 1917 (aus dem Band „Kleine Prosa“).
- Untersuchung der autobiographischen Bezüge und des Motivs der Selbsterniedrigung des Erzählers.
Auszug aus dem Buch
Dickens von 1911 und von 1917 im Vergleich
Dickens erschien erstmals am 16. März 1911 in Heft 10 der Zeitschrift Pan. Dieser „Aufsatz“ füllte bloß eine Seite im Heft. Die spätere Fassung, die sechs Jahre später, 1917, im Sammelband Kleine Prosa erschien, füllt in der mir vorliegenden Ausgabe fast vier ganze Seiten aus, die freilich enger und kleiner bedruckt sind, der erheblich größere Umfang ist aber evident. Der Text verliert allerdings mit zunehmender Länge gleichzeitig seinen relativ eindeutigen Aufsatzcharakter. Der ursprüngliche Text entbehrt einer Handlung, ist also kein erzählender Text. Allerdings verzichtet er auch auf eine klare Argumentationsstruktur, was ihn wiederum zu einem schlechten Aufsatz macht. Er ist sehr persönlich und subjektiv, was ihm etwas Essayistisches verleiht. Er enthält zahlreiche poetische und pathetische Wendungen und Bilder, die in einem Aufsatz nun nicht angemessen erscheinen. So sind nun mal die Walserschen Aufsätze, mag man argumentieren. Nichtsdestotrotz wirkt Dickens I wie ein Text, der, wäre er heute geschrieben worden, in einem Weblog veröffentlicht werden könnte, in dem jemand versucht, seine Meinung gleichzeitig mit literarischen, schriftstellerischen Fingerübungen zu veröffentlichen. Die zweite Fassung wäre schon allein ihrer Länge wegen als Weblogtext eher ungeeignet. Gleichzeitig ist sie zu wenig subjektiver Aufsatz und zu sehr Literatur. Es ist eine vielfache Wiederholung eines Motivs in unterschiedlichen Variationen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der zwei verschiedenen Fassungen von „Dickens“ und Darlegung der Zielsetzung, durch einen Vergleich charakteristische Merkmale und das Selbstbild des Autors zu erfassen.
2. Biographie: Detaillierte Darstellung des Lebenslaufs von Robert Walser, unter besonderer Berücksichtigung seiner schwierigen Lebensumstände und seiner künstlerischen Entwicklung.
3. Robert Walsers kleine Prosa: Definition und Einordnung der literarischen Gattung von Walsers Prosa, die sich durch assoziative Sprünge und eine bewusste Unschärfe der Klassifizierung auszeichnet.
4. Das Buch „Kleine Prosa“: Analyse der Entstehungsgeschichte und der inhaltlichen Zusammenstellung des 1917 erschienenen Sammelbandes, in dem die zweite Fassung von „Dickens“ publiziert wurde.
5. Dickens von 1911 und von 1917 im Vergleich: Kernkapitel mit der Gegenüberstellung der beiden Fassungen, fokussiert auf den Wandel der Form, die Intensivierung der Selbsterniedrigung des Ich-Erzählers und die Bedeutung des Pathos.
6. Zusammenfassung: Abschlussbetrachtung, die festhält, dass trotz der autobiographischen Bezüge eine wörtliche Interpretation der Texte problematisch bleibt und Walsers literarische Qualität primär in der Formgestaltung liegt.
Schlüsselwörter
Robert Walser, Dickens, kleine Prosa, Fassungsvergleich, Autobiographie, Literaturwissenschaft, Moderne, Schriftstellerdasein, Selbstdarstellung, Textanalyse, Pan, Prosastück, 1911, 1917, Motivwiederholung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das literarische Werk „Dickens“ von Robert Walser im Hinblick auf seine beiden existierenden Fassungen aus den Jahren 1911 und 1917.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die stilistische Entwicklung, das Verhältnis von Autor und Ich-Erzähler sowie die Einbettung der Texte in das Gesamtwerk Walsers.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Unterschiede zwischen den Textfassungen herauszuarbeiten und zu analysieren, inwiefern sich darin Walsers Selbstbild und seine Einstellung zum Literaturbetrieb spiegeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um einen komparativen Textvergleich, der durch biographische Kontexte und literaturwissenschaftliche Sekundärquellen gestützt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die biographische Einordnung, die Definition der „kleinen Prosa“, die Vorstellung des Sammelbandes „Kleine Prosa“ und den detaillierten inhaltlichen Vergleich der „Dickens“-Texte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Robert Walser, Dickens, Fassungsvergleich, Autobiographie, Prosa und Literaturgeschichte charakterisieren.
Warum gibt es von „Dickens“ zwei unterschiedliche Fassungen?
Die erste Fassung war ein kürzerer Aufsatz für die Zeitschrift „Pan“, während die zweite Fassung 1917 stark erweitert und formal künstlerisch umgestaltet in einem Sammelband erschien.
Ist die „Selbsterniedrigung“ des Ich-Erzählers in beiden Texten gleich stark?
Nein, in der zweiten Fassung (1917) ist die Selbsterniedrigung gegenüber dem „Gott“ Dickens wesentlich extremer und wird durch zahlreiche Berufsbezeichnungen und die Zuspitzung der eigenen Untauglichkeit weitergeführt.
- Arbeit zitieren
- B.A. Marek Firlej (Autor:in), 2009, "Dickens" von Robert Walser - Die Fassungen von 1911 und 1916 im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202256