Aktienzertifikate - Grundlagen, Risiken und Beispiele


Seminararbeit, 2012

13 Seiten, Note: 95%


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Definition und Grundlagen
2.1. Definition und Begriffsabgrenzung
2.2. Allgemeiner Aufbau von Aktienzertifikaten
2.3. Historische Entwicklung
2.4. Aktuelle Marktentwicklungen und Trends
2.5. Der Lebenszyklus eines Aktienzertifikats

3. Risiken
3.1. Marktstörung
3.2. Marktpreisrisiko
3.3. Emittentenrisiko
3.4. Einteilung von Zertifikaten in Risikoklassen

4. Beispiele
4.1. Garantiezertifikat/Partizipationszertifikat mit Kapitalgarantie
4.1.1. Strategie
4.1.2. Strukturierung
4.1.3. Pricing
4.1.4. Einflussfaktoren auf den Preis
4.2. Bonuszertifikat
4.2.1. Strategie
4.2.2. Strukturierung
4.2.3. Pricing
4.2.4. Einflussfaktoren auf den Preis
4.3. Aktienanleihe
4.3.1. Strategie
4.3.2. Strukturierung
4.3.3. Pricing
4.3.4. Einflussfaktoren auf den Preis

5. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Bücher:

Wissenschaftliche Zeitschriften:

Zeitungsartikel:

Internetquellen:

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Derivative Finanzinstrumente gelten als geeignetes Mittel für Institutionelle Anleger und Unternehmen sich gegen Wertverluste abzusichern oder sich an Spekulationen auf den zugrundeliegenden Basiswert zu beteiligen.[1] Privatanleger haben die Möglichkeit in verschiedenen Marktszenarien positive Renditen zu erwirtschaften lange Zeit nicht genutzt. Seit der Einführung von strukturierten Retail-Produkten, zu denen auch Aktienzertifikate zählen, hat sich dies geändert, da sich das Produktangebot für Kleinanleger in derivative Finanzinstrumente zu investieren vergrößert hat.

Diese Seminararbeit soll einen kurzen und generellen Überblick über Aktienzertifikate bezüglich derer historischer Entwicklung, aktuellen Marktentwicklungen und verbundenen Risiken geben. Anhand einiger Beispiele sollen außerdem die verschiedenen Strategien, der jeweilige Aufbau und der Einfluss einzelner Marktparameter näher beleuchtet werden.

2. Definition und Grundlagen

2.1. Definition und Begriffsabgrenzung

Für Aktienzertifikate findet sich in der Fachliteratur keine homogene Begriffsbestimmung. Für Zertifikate im Allgemeinen lassen sich aber folgende Ähnlichkeiten herausarbeiten. Demnach sind Zertifikate aus juristischer Perspektive Inhaberschuldverschreibungen.[2] Der Rückzahlungsbetrag oder die Verzinsung ist, im Gegensatz zu einer klassischen Inhaberschuldverschreibung, nicht nur von der Bonität des Emittenten und der Fristigkeit der Inhaberschuldverschreibung abhängig, sondern auch von der Wertentwicklung eines zugrundeliegenden Finanzinstrumentes, z.B. Aktien, Indizes, Rohstoffe, Währungen, Terminkurse und Zinssätze.[3] Dieser Definition zufolge werden in dieser Seminararbeit Inhaberschuldverschreibungen behandelt, dessen Wertentwicklung von einer oder mehreren Aktien beeinflusst wird. Da es sich allerdings nicht um eine Aktie selber handelt, verbrieft ein Aktienzertifikat keine Eigentums- oder Aktionärsrechte, jedoch das Recht auf Rückzahlung eines Geldbetrages oder Basiswertes. Die Art und Weise der Rückzahlung hängt von der Entwicklung der einzelnen Elemente des Zertifikates ab.[4]

Um Verwechslungen auszuschließen, möchte ich darauf hinweisen, dass im Folgenden mit Aktienzertifikaten keine Urkunden gemeint sind, die ein Recht an Aktien verbriefen, um „(…) z.B. den Handel mit ausländischen Aktien im Inland zu erleichtern (…)“.[5] Vielmehr sind strukturierte Produkte gemäß der obigen Definition gemeint.

2.2. Allgemeiner Aufbau von Aktienzertifikaten

Ein Aktienzertifikat besteht aus mindestens 2 Elementen, die zu einem Finanzinstrument vereinigt werden. In der Praxis lassen sich hauptsächlich 3 verschiedene Elemente gegeneinander abgrenzen:

Geldanlagen, welches als Sicherungsinstrument für das eingesetzte Kapital dient und/oder eine Mindestverzinsung garantieren.

Aktien oder Aktienbündel, die die Verzinsung und/oder den Rückzahlungsbetrag beeinflussen.

Derivate, mit denen insbesondere Risiken gestreut werden und/oder auf jegliche Marktszenarien spekuliert werden kann.

Je nach Zusammensetzung der verschiedenen Elemente, kann der Emittent ein Aktienzertifikat mit einem kundenorientierten Rendite-Risiko-Profil konstruieren.[6] Beispiele für verschiedene Strukturierungen werden zu einem späteren Zeitpunkt in dieser Seminararbeit erläutert.

2.3. Historische Entwicklung

Derivative Instrumente reichen bis ins zweite Jahrtausend v. Christus zurück. Damals wurden die ersten Terminkontrakte im Geschäft mit Sklaven ausgehandelt. Eine der ersten Aufzeichnungen für begebene Optionen stammt aus dem 5. Jahrhundert v. Christus. Damals machte der griechische Mathematiker Thales von Milet ein Vermögen, indem er Optionen auf den Erwerb von Olivenpressen kaufte. Dies sind rund 2.100 Jahre bevor auf der holländischen Vereinigten Ostindischen Kompanie die ersten Aktien überhaupt emittiert wurden. Nach der Gründung des Chicago Board of Trade, wurden im 19. Jahrhundert erstmalig standardisierte Futures auf den Markt gebracht, so dass ein größerer Umfang an Kontrakten abgewickelt werden konnte. Mit der Etablierung von mathematischen Modellen zur Bewertung von Optionen, namens Cox-Ross-Rubinstein oder Black-Scholes, kam es zu einem Boom von Derivaten in der Mitte der 1980er Jahre. Die erworbenen Bewertungsmodelle und der technische Fortschritt machten es möglich individueller auf Kundenbedürfnisse, über die Erfindung von ständig neuen Finanzinnovationen, einzugehen.[7]

1989 wurde von der Dresdner-Bank das erste Index-Zertifikat in Deutschland emittiert. In Folge des, unter anderem durch den Börsengang der Telekom ausgelösten, Aktienbooms der 1990er Jahre stiegen auch die Umsätze der immer wieder neu aufkommenden Aktienzertifikate. Insbesondere die Erfindung des Bonuszertifikates im Jahre 2003 gab, nach dem Platzen der Dotcom-Blase, dem Zertifikatemarkt in Deutschland einen neuen Schub, da es ermöglichte Seitwärtsrenditen zu erwirtschaften.[8] Im September 2007 erreichte das Zertifikatevolumen seinen bisherigen Rekordstand mit 139,4 Mrd. EUR. Nach dem dramatischen Einbruch des Marktes auf etwa 80 Mrd. EUR, ausgelöst durch die Lehman-Krise, konnte sich der Zertifikatemarkt im Jahre 2011 auf über 100 Mrd. EUR stabilisieren.[9] Mit Einführung der Abgeltungssteuer zum 01.01. 2009 wurde die Trennung zwischen Erträgen und Kursgewinnen bei Wertpapieren aufgehoben, so dass Kursgewinne bei neuerworbenen Aktienzertifikate ab dem Ablauf der Übergangsfrist bis zum 30.06.2009 in keinem Fall mehr steuerfrei waren und sind. Der von Experten befürchtete negative Effekt auf das Marktvolumen blieb aber aus.[10]

Abbildung 1: Die Entwicklung des Zertifikatevolumens in Deutschland seit 2004 (in Mrd. EUR) (vgl. Deutscher Derivate Verband (2012))

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.4. Aktuelle Marktentwicklungen und Trends

Wie sich aus Abbildung 1 erkennen lässt, ist das Marktvolumen seit dem 2. Quartal 2011 leicht gesunken. Ein möglicher Erklärungsansatz ist eine erhöhte Verunsicherung der Privatanleger, durch die anhaltende Staatsschuldenkrise ausgelöst, die zu einer Zurückhaltung am Markt führt.

Ferner blicken Anbieter von Zertifikaten mit großen Misstrauen nach Belgien. Derzeitig gibt es Überlegungen der belgischen Finanzaufsichtsbehörde strukturierte Retailprodukte zu verbieten, die für den Privatanleger als zu komplex gelten. Da der Chef der belgischen Finanzaufsichtsbehörde Jean-Paul Servais auch in zahlreichen Gremien auf europäischer Ebene sitzt, könnte es zu Nachahmern innerhalb Europas kommen. Allerdings ist noch unklar, welche Produkte als zu komplex eingestuft werden.[11]

Aktuell gibt es mehr als 40 Emittenten von Zertifikaten. Insbesondere Ausländische Anbieter konnten ihre Erwartungen in den letzten Jahren nicht erreichen. Bereits jetzt werden Investitionen in Werbung und Infrastruktur reduziert. Eine Konsolidierung erscheint deshalb in den kommenden Monaten als wahrscheinlich. Es ist zu erwarten, dass der sich damit verbundene abschwächende Wettbewerb zu höheren Margen der Emittenten führen wird. Negative Folgen sind bereits jetzt für Kunden bei Produkten mit geringer Anzahl an Emittenten zu sehen, da sich deren Preise verteuert haben.[12]

Ausgelöst durch die Insolvenz der Investmentbank Lehman Brothers als Emittent zahlreicher Zertifikate, ist das Interesse an ausfallbesicherten Zertifikaten stark gestiegen. Das von der Six Swiss Exchange AG und SIX Securities Services AG entwickelte Produkt COSI (Collateral Secured Instruments) tritt in diese Marktlücke. Die Besicherung des Zertifikates geschieht über einen Rahmenvertrag des Emittenten und Sicherungsgebers mit SIX Swiss Exchange AG und SIX Securities Services AG. Inhalt des Vertrages ist unter anderem welches Zertifikat mit welchen Pfand besichert wird. Um eine dauerhafte und ausreichende Besicherung zu garantieren, wird das Zertifikat und Pfand täglich neu bewertet. Bei Differenzen der Marktpreise wird die Pfandbesicherung neu adjustiert. Die Investoren erhalten zwar kein eigenes Sicherungsrecht, die Sicherheiten werden aber nach Eintritt bestimmter Ereignisse verwertet und der Nettoerlös anteilsmäßig an die Investoren verteilt.[13]

2.5. Der Lebenszyklus eines Aktienzertifikats

Rieger, M. (2009) teilt das Leben eines Aktienzertifikates in 4 Phasen auf:

In diesen Phasen arbeiten unterschiedliche Markteilnehmer an dem Wertschöpfungsprozess miteinander. Der Lead Manager organisiert und führt den Wertschöpfungsprozess durch. Der Lead Manager kann von einem Co-Lead Manager bei einzelnen Aktivitäten innerhalb des Emissionsprozess unterstützt werden. Als Co-Lead Manager treten i.d.R. kleinere Institute auf, die einen größeren Partner suchen, um wettbewerbsfähige Finanzprodukte auf den Markt platzieren zu können. Der Emittent ist der juristische Schuldner des Aktienzertifikates und regelt die Vertragsbeziehungen mit dem Lead Manager und Co-Lead Manager. Allerdings ist es durchaus marktüblich, dass Lead Manager und Emittent identisch sind.[14]

Die Phase der Produktentwicklung fängt mit einer Idee des Lead Managers für das Aktienzertifikat an. Auslöser sollten Kundenwüsche sein, die sich aus dem aktuellen Marktumfeld eine Marktmeinung bilden. Der Lead Manager prüft, ob die Idee rechtlich realisierbar und wirtschaftlich ist. Ist die Idee realisierbar, fängt der Lead Manager an das Aktienzertifikat zu strukturieren, d.h. das neue Produkt wird bezüglich insbesondere Pricing, Hedging und den rechtlichen Rahmenbedingen fertig entwickelt.[15]

[...]


[1] Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung (2012).

[2] Vgl. Schmidt, S. (2008), S. 14.

[3] Vgl. Brechmann, A./Röder, J./Schneider, S./Winkler, D. (2008), S. 13.

[4] Vgl. Speier, R. (2007), S. 19.

[5] Heldt, C. (2012).

[6] Vgl. Brechmann, A./Röder, J./Schneider, S./Winkler, D. (2008), S. 15 f.

[7] Vgl. Signer, M. (2007), S. 22 f.

[8] Vgl. Brechmann, A./Röder, J./Schneider, S./Winkler, D. (2008), S. 14 .

[9] Vgl. Deutscher Derivate Verband (2012), S. 8.

[10] Vgl. Brechmann, A./Röder, J./Schneider, S./Winkler, D. (2008), S. 72 ff.

[11] Vgl. Handelsblatt (2012).

[12] Vgl. Von Arnim, M. (2011).

[13] Vgl. SIX Group (2012).

[14] Vgl. Rieger, M. (2009), S249 ff.

[15] Vgl. Rieger, M. (2009), S254 f.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Aktienzertifikate - Grundlagen, Risiken und Beispiele
Hochschule
Frankfurt School of Finance & Management
Veranstaltung
Trading & Sales
Note
95%
Autor
Jahr
2012
Seiten
13
Katalognummer
V202283
ISBN (eBook)
9783656285151
ISBN (Buch)
9783656288046
Dateigröße
623 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aktienzertifikate, Aktien, Zertifikate, Finanzprodukte, Strukturierung, Financial Engineering
Arbeit zitieren
Philipp Müller (Autor), 2012, Aktienzertifikate - Grundlagen, Risiken und Beispiele, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202283

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