Die Côte d’Ivoire ist ein westafrikanisches Land, das während der Kolonialzeit (1893-1960) durch das Französische geprägt wurde. In den 1970er-Jahren entwickelten Kinder und Jugendliche in der Millionenmetropole Abidjan mit Nouchi eine Varietät, welche ihnen als Geheimsprache diente, und sich durch ein spielerisches Zusammenbringen verschiedener Sprachen auszeichnet. Heute ist diese, nahezu landesweit, das bevorzugte Ausdrucksmittel eines großen Teils der jüngeren Generation und verzeichnet einen stetigen Zuwachs an SprecherInnen.
Diese Arbeit nun verfolgt das Ziel, jenes sprachliche Phänomen näher vorzustellen und dessen heutige Verbreitung im Internet zu untersuchen. Dabei soll insbesondere der Frage nachgegangen werden, inwieweit die Gemeinschaft der Nouchi-Sprechenden die Möglichkeiten des globalen Netzwerks für die Erhaltung und Verbreitung einer solchen Substandardvarietät für ihre Zwecke nutzt.
Hierzu soll in einem einleitenden Kapitel zunächst der soziolinguistische Kontext der Elfenbeinküste beleuchtet werden. Anschließend wird die Entstehung und Entwicklung des Nouchi nachgezeichnet werden. Es schließt sich der Versuch an, das Phänomen linguistisch näherzubestimmen und zu beschreiben. Mit der Vorstellung einer jüngeren Untersuchung unter Abidjaner SchülerInnen sollen nachfolgend die heutige Verwendung der Varietät sowie die Einstellungen der SprecherInnen zu dieser ergründet werden.
Ein weiterer Teil wird sich mit der Selbstdarstellung der Nouchi-Kommunikationsgemeinschaft im Internet beschäftigen. Dazu werden nach einem allgemeinen Ausloten der Chancen dieses neuen Mediums für den Erhalt und die Verbreitung von Minderheitensprachen und Nichtstandardvarietäten ausgewählte Internetpräsenzen vorgestellt. Die Arbeit schließt mit einer vergleichenden Analyse der Webseiten hinsichtlich der Umsetzung bzw. Nutzung der Möglichkeiten des Internets für eine aussichtsreiche Zukunft des Nouchi.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Nouchi – ein sich (im Internet) verbreitendes Sprachphänomen in der Côte d’Ivoire
2.1 Die soziolinguistische Situation in der Côte d’Ivoire
2.1.1 Französisch
2.1.2 Einheimische Sprachen
2.2 Von den Ghettos in Abidjan zur ivorischen Nationalsprache?
2.2.1 Begriff, Entstehung und Entwicklung
2.2.2 Abgrenzung und Definition
2.2.3 Linguistische Beschreibung
2.2.4 Sprachverwendung und Spracheinstellungen
2.3 Selbstdarstellung der Kommunikationsgemeinschaft im Internet
2.3.1 Das Internet als Chance für Dialekte, Minderheitensprachen und Nichtstandardvarietäten
2.3.2 Das Portal Le nouchi ivoirien
2.3.3 Die Website der Wochenzeitschrift gbich!
2.3.4 Der Internetauftritt der Musikerin Nash
2.3.5 Ein privater Blog mit gesellschaftspolitischem Anspruch
2.3.6 Schlussfolgerungen
3. Zusammenfassung und Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das ivorische Sprachphänomen Nouchi, eine aus dem Argot der Abidjaner Jugend hervorgegangene Varietät, und analysiert deren heutige Verbreitung sowie Selbstdarstellung im Internet. Die Forschungsfrage fokussiert darauf, wie die Sprechergemeinschaft das globale Netzwerk für Erhalt, Normierung und Identitätsbildung nutzt.
- Soziolinguistischer Kontext der Elfenbeinküste
- Genese und linguistische Merkmale des Nouchi
- Spracheinstellungen und soziokulturelle Bedeutung
- Virtuelle Präsenz und digitale Kommunikationsstrategien
- Möglichkeiten der digitalen Sprachnormierung
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Begriff, Entstehung und Entwicklung
Nach Ahua et al. stammt der Begriff Nouchi aus den Mandé-Sprachen und ist eine Zusammensetzung von nou (dt.: Nase) und chi (dt.: Haar). Hiermit wurden ursprünglich oftmals wohl eher ungepflegt wirkende Straßenkinder und -jugendliche bezeichnet, die sich durch Diebstahl und Kleinkriminalität in Abidjan durch das Leben schlugen (cf. Ahua et al. 2011). Wie Kube erwähnt, bekam Lafage den Begriff erstmals im Jahre 1977 im Zuge einer Umfrage unter Abidjaner SchülerInnen genannt (cf. Kube 2005: 105). 1986 erschien zu diesem Phänomen ein erster journalistischer Artikel in einer ivorischen Tageszeitung mit dem Titel „Le nouchi, un language à la mode“ (cf. Ahua et al. 2011).
Wie bereits angeklungen, war das Nouchi in den 1980er-Jahren der Argot der am Rande der Großstadtgesellschaft von Abidjan lebenden Kinder und Jugendlichen und erfüllte hauptsächlich eine kryptische Funktion (Geheimcode). Wie Ahua et al. betonen, kamen zu dieser Gruppensprache bestimmte Verhaltensweisen und ein charakteristisches Lebensgefühl hinzu - neben der Verwendung einer spezifischen Lexik definierten sich jene jungen Menschen auch über eine eigene Sprechweise (Prosodie), bestimmte Gesten, Kleidung und Verhaltensregeln (cf. Ahua et al. 2011).
Verbreitete sich das Nouchi zunächst in den Ghettos der ivorischen Metropole, übernahmen laut Kube im Laufe der Zeit immer mehr SchülerInnen und Studierende diese Varietät. Die Folgen dieser fortschreitenden Verbreitung waren der zunehmende Verlust des kryptischen Charakters sowie der Eingang von Lexik in das Umgangs- bzw. Alltagsfranzösische der Côte d’Ivoire (cf. Kube 2005: 106).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die historische Entstehung des Nouchi in Abidjan und definiert die Zielsetzung der Untersuchung hinsichtlich seiner Internetpräsenz.
2. Nouchi – ein sich (im Internet) verbreitendes Sprachphänomen in der Côte d’Ivoire: Dieses Hauptkapitel analysiert den soziolinguistischen Hintergrund, die linguistischen Charakteristika sowie die heutige Bedeutung des Nouchi und beleuchtet dessen virtuelle Selbstdarstellung anhand ausgewählter Webportale.
3. Zusammenfassung und Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, wonach das Internet trotz derzeit geringer Präsenz eine wichtige Rolle für die Normierung und Statuserhöhung des Nouchi spielen kann.
Schlüsselwörter
Nouchi, Elfenbeinküste, Abidjan, Soziolinguistik, Jugendsprache, Internet, digitale Revolution, Sprachnormierung, Identität, frankophone Welt, Minderheitensprachen, digitale Kommunikation, Lexik, Sprachpolitik, Varietätenlinguistik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das ivorische Sprachphänomen Nouchi, seine soziolinguistischen Grundlagen und seine Verbreitung in digitalen Medien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Geschichte des Nouchi, seine Funktion als Identitätsmerkmal der Jugend, die linguistische Struktur der Varietät und die Rolle des Internets bei seiner Verbreitung.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Es wird untersucht, inwieweit die Nouchi-Sprachgemeinschaft das globale Netzwerk für die Erhaltung und Verbreitung ihrer Sprache nutzt.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse des soziolinguistischen Kontextes sowie einer Untersuchung ausgewählter Internetpräsenzen unter Einbeziehung medienwissenschaftlicher Ansätze zur digitalen Kommunikation.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die soziolinguistische Einordnung, eine linguistische Beschreibung der Varietät und eine Analyse von Webseiten, die sich mit dem Nouchi befassen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Nouchi, Elfenbeinküste, Identität, Soziolinguistik, Sprachnormierung und digitale Kommunikation.
Welchen Stellenwert nimmt das Portal „Le nouchi ivoirien“ ein?
Das Portal fungiert als wissenschaftliche Plattform, die durch Pionierarbeit bei der Grafie-Entwicklung und Dokumentation zur Aufwertung des Nouchi beiträgt.
Welche Bedeutung hat das Internet für die Zukunft des Nouchi?
Das Internet bietet das Potenzial zur Standardisierung der bisher mündlichen Varietät und zur Überwindung ihrer sozialen Stigmatisierung als Sprache von Randgruppen.
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- Anonym (Autor:in), 2012, Sprache(n) und Internet: Das ivorische Sprachphänomen Nouchi, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202291