Vom spätantiken Coemeterium zur frühmittelalterlichen Heiligenkirche: S. Lorenzo und S. Agnese fuori le mura


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010
21 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Themenvorstellung

2. S. Lorenzo fuori le mura
2.1. Datierung der Umgangsbasilika
2.2. Baubeschreibung der Umgangsbasilika
2.3. Die weitere Bebauung des Areals
2.4. Baubeschreibung der Emporenbasilika
2.5. Die weitere Baugeschichte des Areals von S. Lorenzo fuori le mura

3. S. Agnese fuori le mura
3.1. Die Stiftung der Umgangsbasilika
3.2. Baubeschreibung der Umgangsbasilika
3.3. Die weitere Bebauung des Areals
3.4. Die Emporenbasilika von S. Agnese fuori le mura
3.5. Die weitere Baugeschichte des Areals von S. Agnese fuori le mura

4. Die Wahl des Bautypus Emporenbasilika

5. Die Bedeutung der Emporenbasiliken als p pstliche Stiftungen

6. Bibliograe

1. Themenvorstellung

Die nachfolgende Arbeit besch ftigt sich mit zwei sp tantiken beziehungsweise fr hmittelalterli chen Geb udekomplexen in Rom, deren funktionelle und baugeschichtliche Entwicklung in vielerlei Hinsicht parallel verlief. Es handelt sich dabei zum einen um den Komplex von S. Lorenzo fuori le mura, und zum anderen um den von S. Agnese fuori le mura. Untersucht werden sollen Baugeschich te und Bedeutung beider Kirchen, sowie Gemeinsamkeiten und Unterschiede in ihrer Entwicklung.

2. S. Lorenzo fuori le mura

Der Geb udekomplex von S. Lorenzo fuori le mura umfasst im Wesentlichen zwei Kirchengeb ude, n mlich eine Umgangsbasilika aus konstantinischer Zeit, sowie eine Emporenbasilika des sp ten 6. Jahrhunderts. An dieser Stelle soll zun chst auf den lteren Bau eingegangen werden. Dieser liegt au erhalb der r mischen Stadtmauern an der Via Tiburtina auf dem Gel nde des heutigen Friedhofs Campo Verano nahe der Katakombe, in welcher der Heilige Laurentius 258 beigesetzt worden sein soll. Laurentius starb als Diakon des Papstes Sixtus II. 257 258 w hrend der Valerianischen Verfolgung in der Calixtuskatakombe, und wurde schon fr h einer der beliebtesten M rtyrer der r mischen Christen.1 Daher berrascht es nicht, dass in seiner N he ein Kirchenbau errichtet wur de, der in seinem Au enma en mit Alt St. Peter und der Lateransbasilika vergleichbar ist.

2.1. Datierung der Umgangsbasilika

Erste Hinweise auf eine kirchenbauliche T tigkeit auf dem Areal der heutigen Kirche S. Lorenzo fuori le mura bietet uns der Liber Ponti calis: dieser erw hnt eine Stiftung durch Konstantin unter dem Ponti kat Silvesters 314 335 , darunter zahlreiche Landg ter in der N he der heutigen Basili ka. In der Liste der zur Stiftung geh renden G ter ndet sich auch ein fundus Veranus vermutlich handelt es dabei um den campo verano, das Grundst ck, auf dem die heutige Kirche steht, und zu gleich um die crypta agro Verano, wo der Heilige Laurentius bestattet worden sein soll.2 Das Grund st ck befand sich wohl urspr nglich im Besitz des Kaisers Lucius Verus und ging sp ter an den Fi scus ber.3 Somit kann angenommen werden, dass es sich bei der im Liber Ponti calis erw hnten konstantinischen Stiftung um die ltere Kirche des Areals von S. Lorenzo fuori le mura handelt. Der Liber Ponti calis erw hnt zwar noch eine weitere Kirchenstiftung f r den Heiligen Laurentius unter Papst Sixtus III 432 4404, bei der es sich aber aller Wahrscheinlichkeit nach um eine andere Kir che als die hier zu untersuchende handelt: zum einen sind zahlreiche Baucharakteristika des lteren Baus von S. Lorenzo fuori le mura typisch f r die konstantinische Epoche, wie etwa die Tatsache, dass die Basilika gewestet ist, oder nat rlich generell der Typus einer Umgangsbasilika, zum anderen sind bei der Stiftung des Sixtus keinerlei Landg ter erw hnt, die aber zur Erhaltung einer so gro en Kirche notwendig gewesen w ren. Es handelt sich also bei der sp teren Stiftung entweder um eine kleinere Kirche an anderem Ort, oder aber um Restaurierungsarbeiten an der konstantinischen Kir che. Letztg ltig wird die Datierung der Umgangsbasilika durch die in ihrem Boden gefundenen Gr ber, die zweifelsfrei in die Zeit Konstantins fallen.

2.2. Baubeschreibung der Umgangsbasilika

Nur wenige St cke der Grundmauern der Basilika sind durch Grabungen erschlossen. Sie geh rt mit einer L nge von 98m und einer Breite von 35m zu den gr ten der sechs erhaltenen r mischen Umgangsbasiliken. Sie ist dreischi g, wobei die Seitenschi e als Umgang um die Apsis herumge f hrt werden. Sie besitzt eine gerade Fassade sowie eine nach Westen ausgerichtet Apsis mit leicht eingezogenen Apsisb gen, wodurch die Gliederung des Baues st rker akzentuiert wird als in den kleineren Umgangsbasiliken.

Der Zugang durch von der Fassade her erfolgte ber f nf weit gestellte S ulenarkaden, jedoch be standen auch sieben Durchgangs nungen in der Au enmauer des Apsisumgangs, welche den Zu gang zur Kirche durch die Apsis von der im Westen an der Basilika vorbeif hrenden Via Tusculana her erm glichten, so dass die Ausrichtung der Kirche sich im Ganzen weniger eindeutig darstellt. Im Gegensatz zu den anderen Umgangsbasiliken war die von S. Lorenzo fuori le mura keine Pfeiler basilika, sondern verf gte ber einen auf S ulen ruhenden Architraph.

Wie in den anderen Umgangsbasiliken ist der Boden der Basilika dicht mit Gr bern vornehmlich aus konstantinischer Zeit besetzt. An ihrer Nordwand konnten, wie bei den meisten der r mischen Um gangsbasiliken, zahlreiche Annexbauten festgestellt werden, Tastgrabungen legen einen hnlichen Befund f r die S dwand nahe. Einer der mit der Basilika verbundenen Annexbauten zeigt einen kleeblattf rmigen Grundriss,5 der dem des Mausoleums der Constantina bei S. Agnese fuori le mura hnelt, worauf sp ter noch zur ck gekommen werden soll.

Im Bereich der Umgangsbasilika wurden Fragmente von Cipollinos ulen gefunden, was auch mit der Beschreibung des Prudentius bereinstimmt, der den Bau als templum cultu nobile regi cio, einen Bau mit k niglicher Ausstattung bezeichnet.6

In Baubeschreibungen ist auch die Rede von einem Apsismosaik, auf dem die berreichung von M rtyrerkronen durch die Hand Gottes dargestellt worden sein soll. Vom Mosaik selbst konnten allerdings keine Reste gefunden werden.

Au erhalb der Umgangsbasilika f hrte eine Treppenanlage in die Katakombe und direkt zum Grab des Heiligen Laurentius,7 das vermutlich bereits zur Zeit Kaiser Konstantins pr chtig ausgestattet wurde.8

2.3. Die weitere Bebauung des Areals

Im Verlauf des 4. bis 6. Jahrhundert siedeln sich im direkten Umfeld der Umgangsbasilika zahlreiche Nebengeb ude an, die bezeugen, dass es sich bei der Basilika um eine vielgenutzte Kirche eines be liebten Heiligen handelte. Die in den nahe gelegenen Katakomben ausgestalteten Ged chtnisst t ten f r die M rtyrer Hippolytos und Genesius, die von den Pilgern besucht wurden und f r die die Laurentiuskirche auch als Kultst tte fungierte, wie wir aus dem Hippolytos Hymnus des Prudentius ersehen, trugen ebenfalls zur Entwicklung der Siedlung bei.9

Unter Papst Hilarius 461 468 entstanden ein Baptisterium, ein Landhaus mit Bad, zwei Bibliothe ken eine griechische und eine lateinische , ein Kloster des Heiligen Stephanus, unter Papst Simpli cius 468 483 eine Klosterkirche, unter Papst Felix III 483 492 eine Gedenkst tte des Heiligen Agapitus, unter Papst Symmachus schlie lich Pilgerherbergen sowie ein Papstpalast. Dazu kamen zahlreiche Handwerker und Bettler, die sich im Umkreis der Kirche ansiedelten, um von den stetig wachsenden Pilgerstr men zu pro tieren.10

Um die Wende vom 5. zum 6. Jahrhundert wurden S ulenportiken errichtet, welche die Basilika di rekt mit dem Stadttor ber der Via Tiburtina verbanden,11 diese blieben bis ins 8. Jahrhundert erhalten.12

2.4. Baubeschreibung der Emporenbasilika

H hepunkt der best ndigen baulichen Erweiterungen des Gel ndes um die konstantinische Um gangsbasilika stellt die Erreichtung einer neuen Kirche direkt ber dem Grab des Heiligen Laurenti us durch Papst Pelagius II 579 590 dar. Ob und wie lange die alte Basilika noch genutzt wurde ist unklar. Beide Basiliken haben bis in das Fr hmittelalter o enbar noch nebeneinander bestanden, wie aus zeitgen ssischen Pilgerf hrern hervorgeht.13 Die letzte Erw hnung der basilica maior ndet sich um 640 in Epitome de locis sanctorum martyrum.14

Bei der unter Pelagius II errichteten Kirche handelt es sich um eine Emporenbasilika, die mit 32m L nge und 20m Breite deutlich kleiner ist als die konstantinische Umgangsbasilika. Die dreischi ge Basilika ist mit der Apsis nach Westen ausgerichtet und ihre beiden Seitenschi e werden im Osten als Innennarthex, an dessen Sternseite sich drei Nischen neten ,15 um das Mittelschi herumge f hrt. Presbyteriumsbereich und Apsis der Kirche liegen unmittelbar ber dem Heiligengrab. Die Emporen ber den Seitenschi en ruhen auf einem von jeweils sechs S ulen getragenen Archi traph, wohingegen die S ulen der Emporen selbst Arkaden aufweisen, wodurch die Emporen als se kund rer Raumteil deutlich von der Mittelschi olonnade abgesetzt werden .16 Die Durchfensterung des Obergadens wie auch der Fassade ist so gegliedert, dass ber jedem Inter kolumnium der beiden Geschosse ein Fenster steht. In der Apsis be nden sich 4 gro e Fenster so wie eine kleinere quadratische nung, die den Blick von au erhalb auf das Grab erlaubte.17

Der Zugang zur Kirche erfolgte von der schon angesprochenen bereits vorher vorhandenen Trep penanlage aus durch eine T r in die S dwand, oder vom H gel her direkt auf das Emporengeschoss. Ein Zugang in der Fassade war aus dem Grund unm glich, dass ein Gro teil der Fassade berhaupt nicht sichtbar und auch nicht zug nglich war, da die Kirche, um direkt ber dem Grab des Heiligen Laurentius stehen zu k nnen in den eigens zu diesem Zweck ausgeschachteten H gel hineingebaut werden musste. Die Ober che des H gels schneidet also diagonal die Ostfassade der Kirche. Im Westen lag au erhalb der Apsis ein berdachter Bereich, von dem man auch in die Katakombe und zum Grab des M rtyrers gelangen konnte .18 Maria Andaloro spricht hier von einem von bei den Seitenschi en aus zug nglichen Feld der M rtyrer, in dessen Mittelpunkt sich ein Brunnen schacht befand, der mit dem geheimnisvollen Grab das M rtyrers Laurentius verbunden war.19 Der Innenraum der Kirche ist reich mit Spolien ausgestattet, welche sehr sorgf ltig ausgew hlt und angeordnet wurden, um den Raum zu schm cken und seine Gliederung zu unterstreichen. Im unte ren Geschoss der Basilika haben alle S ulen Pavonazettosch fte, sowie einheitliche korinthische Ka pitelle. Lediglich die jeweils erste S ule links und rechts der Apsis hat kannelierten Schaft und ein korinthisches Kapitell, das aber an Stelle von Helices an den Ecken Tropaia zeigt. Eine parallele An ordnung der Spolien ndet sich im Emporengeschoss: die S ulen der Emporen haben kannelierte Pavonazettosch fte und korinthische Kapitelle, bis auf das erste Paar am Triumphbogen, das spiral kanneliert ist und Kompositkapitelle. So wird durch die Spolienanordnung der Au au beider Ge schosse st rker mit einander verklammert, sowie auf den Altarraum hin ausgerichtet, der durch die andersartigen S ulen besonders hervorgehoben wird. Eine Ausnahme in der Anordnung der Kapitel le stellen die Kapitelle der Emporens ulen im Narthex dar, bei denen es sich um zeitgen ssische St cke im korinthischen Stil handelt.

Gleichfalls aus Spolienst cken besteht der Architraph des Mittelschi s. Die Anordnung der einzel nen, meist reich verzierten Architraphst cke geschah meist paarweise, doch wurde diese Ordnung nicht immer konsequent durchgehalten.

Von den Mosaiken des Apsisraums ist nur das Mosaik der Apsisstirnwand erhalten: es zeigt auf ei nem Goldgrund Christus im Purpurgewand auf der Weltkugel sitzend, links neben ihm Laurentius, der einen Kreuzstab und ein ge netes Buch tr gt, sowie Papst Pelagius II. mit dem Modell der Kirche.

[...]


1 vgl. Brandenburg, Hugo: Die fr hchristlichen Kirchen Roms vom 4. bis zum 7. Jahrhundert. Der Beginn der abendl ndischen Kirchenbaukunst. Regensburg, 2004. S. 236

2 vgl. ebd. S. 236

3 vgl. ebd. S. 88

4 vgl. The book of Ponti s. The ancient biographies of the rst ninety Roman bishops to AD 715. Liverpool, 1989. S. 36

5 Brandenburg: Die fr hchristlichen Kirchen Roms.

6 vgl. ebd. S. 87

7 vgl. The book of Ponti s. S. 22

8 vgl. Krautheimer, Richard: Rom. Schicksal einer Stadt. M nchen, 1987. S. 36

9 Brandenburg: Die fr hchristlichen Kirchen Roms. S. 89

10 vgl. Krautheimer: Rom. Schicksal einer Stadt. S. 66

11 vgl. Brandenburg: Die fr hchristlichen Kirchen Roms. S. 87

12 vgl. Krautheimer: Rom. Schicksal einer Stadt. S. 36

13 Brandenburg: Die fr hchristlichen Kirchen Roms. S. 236

14 vgl. Krautheimer, Richard: Corpus Basilicarum Christianarum Romae. The early christian basilicas of Rome IV IX Cent. . Bd. 2. Citt del Vaticano, 1959. S. 11

15 Andaloro, Maria: Die Kirchen Roms. Ein Rundgang in Bildern. Mittelalterterliche Malereien in Rom 312 1431. Mainz, 2008. S. 77

16 Brandenburg: Die fr hchristlichen Kirchen Roms. S. 239

17 ebd. S. 237

18 ebd. S. 237

19 Andaloro: Die Kirchen Roms. S. 77

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Vom spätantiken Coemeterium zur frühmittelalterlichen Heiligenkirche: S. Lorenzo und S. Agnese fuori le mura
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Christliche Archäologie)
Veranstaltung
Hauptseminar Kirchenbauten und Stiftungen der römischen Päpste
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
21
Katalognummer
V202339
ISBN (eBook)
9783656285434
ISBN (Buch)
9783656287780
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Christliche Archäologie, Umgangsbasilika, Emporenbasilika, Basilika, Rom, Spätantike
Arbeit zitieren
Wolfgang Völkl (Autor), 2010, Vom spätantiken Coemeterium zur frühmittelalterlichen Heiligenkirche: S. Lorenzo und S. Agnese fuori le mura, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202339

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