METROPOLIS!... Nicht nur bekennende Cineasten kennen die besondere Relevanz der polymorphen Verweisstrukturen von Fritz Langs Urtext. Als ein intermediales Konglomerat visueller, auditiver und textueller Elemente bemächtigt sich der Videoclip verschiedener Kulturstile.
Als Vertreter einer neuen Vorstellung der Moderne sucht der Postmodernist nämlich sowohl nach epochaler Abgrenzung, als auch nach der Erschaffung neuer, kultureller Momente. Aus dem Zusammenhang gelöste Fragmente werden so zu Rohstoffen für originäre Bildkompositionen.
Die vorliegende Studie skizziert zum einen den historischen Verlauf von METROPOLIS Einzug in die populäre Videoclipkultur, zum anderen beleuchtet er ausgewählte Motive der Selbstinszenierung internationaler Künstler. Die Spannweite, der exemplarisch in „Recycelte Bilder“ untersuchten Videoclips, erstreckt sich von Queens RADIO GAGA, Madonnas EXPRESS YOURSELF und BEDTIME STORY über Laibach und System of a Down bis hin zu Lady Gaga.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Forschungsstand
3. Bilder Recycling - zur Wiederverwertung audiovisueller Artefakte
3.1. Die historische Entwicklung des Videoclips
3.2. Der Videoclip als postmodernes Recyclingsystem
3.3. Der Videoclip als Promotionsprodukt
4. Filmische Grundlage
4.1. Das soziokulturelle Umfeld - Die Weimarer Republik
4.2. Das Weimarer Kino
4.3. Fritz Langs METROPOLIS
4.4. Wege und Umwege zu METROPOLIS
4.5. METROPOLIS in Trümmern
4.6. Georgio Moroder Presents METROPOLIS
4.7. METROPOLIS im 21. Jahrhundert
4.8. Der Mythos METROPOLIS
5. Videoclipanalyse
5.1. Queen: RADIO GAGA
5.2. Madonna: EXPRESS YOURSELF
5.3. Laibach: WIRTSCHAFT IST TOT
5.4. Madonna: BEDTIME STORY
5.5. System of a Down: SUGAR
5.6. Lady Gaga: PAPARAZZI
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht die Verweisstrukturen und das Phänomen des "Bilderrecyclings" in ausgewählten Videoclips, wobei Fritz Langs Filmklassiker METROPOLIS als zentrale Referenz dient. Das Ziel der Arbeit ist es, zu analysieren, wie filmische Versatzstücke aus dem Jahr 1927 in der Ästhetik moderner Musikvideos transformiert, neu codiert und in postmoderne Kontexte eingebettet werden.
- Analyse von Videoclips als postmoderne Recyclingsysteme
- Untersuchung der kulturellen und ästhetischen Transformation von METROPOLIS-Motiven
- Kritische Beleuchtung des Videoclips als Promotionsprodukt und Werbeästhetik
- Anwendung eines Methoden-Mixes aus semiotischer Filmanalyse und hermeneutischer Interpretation
- Historische Einordnung des Einflusses von METROPOLIS auf die zeitgenössische Populärkultur
Auszug aus dem Buch
3.2. Der Videoclip als postmodernes Recyclingsystem
Der Videoclip steht seit Beginn seiner Karriere im Verruf, sich anstandslos im visuellen Fundus der Film und Kunstgeschichte zu bedienen. Veruschka Bódy attestierte bereits 1987 dem Medium „cliptomatische“ Eigenschaften:
„‚Cliptomanie’, ‚Kleptomanie’ und ‚Chrestomanie’ sind die charakteristischen Elemente der Geschichte des Musikclips. […] Wie die Kleptomanen eignen sie sich alles an, was sie bekommen können; ihr höchstes Entzücken ist es schließlich, sich miteinander zu vergleichen.“
Die medienhistorische Dimension der Reproduzierbarkeit ist eine Jahrhunderte überdauernde Praxis des Zitierens, Rekombinierens sowie Plagiierens. Schon immer regten Kunstwerke, in allen Medien- und Kultursystemen, zu Neuinterpretationen und Nachschöpfungen an. Das Recyceln vom audiovisuellen Material zählt zu den prägnantesten Charakteristika des Videoclips. Allein der lateinische Wortursprung „video“ (ich sehe) und der Wortbestandteil „Clip“ (der wie eine Büroklammer alles Beliebige zusammenhält) legt nahe, dass sich Videoclips aus dem kulturellen Fundus von Bildern, Tönen und Texten, wie aus einem Wertstofflager bedienen. „Der audiovisuelle Rohstoff ist das von seinem ursprünglichen Zusammenhang befreite Bild/Ton-Element, und als solches steht es der Wiederverarbeitung […] zur Verfügung.“ Aus vorhandenem Rohmaterial wird etwas Neues kreiert, so dass aus Bekanntem neue Bilder und Bedeutungen, mit Hilfe von Zitaten, Verweisen und Anspielungen verschiedenster Art, geschaffen werden können. Ebenfalls umfasst die postmoderne Ästhetik ein großes Repertoire an Kennzeichen, die keine einheitliche Struktur besitzen und über Gattungsgrenzen hinaus reichen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert den Begriff des "Bilderrecyclings" und führt in die zentrale Problemstellung der Arbeit ein: die Analyse von Videoclips hinsichtlich ihrer postmodernen Verweisstruktur unter Bezugnahme auf Fritz Langs METROPOLIS.
2. Forschungsstand: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Medium Videoclip seit den 1980er Jahren und stellt verschiedene Klassifikationsmodelle zur Kategorisierung von Clips vor.
3. Bilder Recycling - zur Wiederverwertung audiovisueller Artefakte: Hier werden theoretische Grundlagen des Bildrecyclings in audiovisuellen Medien diskutiert, wobei zwischen "to-recycle" und "to-re-use" unterschieden wird.
3.1. Die historische Entwicklung des Videoclips: Dieser Abschnitt zeichnet die Genese des Videoclips von frühen Stummfilm-Experimenten bis hin zu den kommerziellen Musik-Promotion-Formaten der 1980er Jahre nach.
3.2. Der Videoclip als postmodernes Recyclingsystem: Das Kapitel verortet das Musikvideo als Ausdrucksform der Postmoderne, das sich intertextuell aus dem kulturellen Fundus bedient.
3.3. Der Videoclip als Promotionsprodukt: Der Fokus liegt hier auf der ökonomischen Dimension des Mediums als Marketinginstrument und dessen Wandel innerhalb der Musikindustrie.
4. Filmische Grundlage: Eine detaillierte Analyse der historischen und soziokulturellen Hintergründe des Weimarer Kinos sowie des Films METROPOLIS als Referenzpunkt.
4.1. Das soziokulturelle Umfeld - Die Weimarer Republik: Beschreibt die politischen und gesellschaftlichen Spannungsfelder der Weimarer Zeit, die das Kino dieser Ära maßgeblich prägten.
4.2. Das Weimarer Kino: Analysiert die Entwicklung der Filmästhetik in Deutschland zwischen 1919 und 1933 und deren Bedeutung für die Filmgeschichte.
4.3. Fritz Langs METROPOLIS: Eine inhaltliche und thematische Zusammenfassung des dystopischen Klassikers und seiner Bedeutung als filmisches Laboratorium.
4.4. Wege und Umwege zu METROPOLIS: Untersucht die Entstehungsgeschichte, Mythenbildung und die Rezeption von METROPOLIS während der Produktion.
4.5. METROPOLIS in Trümmern: Beleuchtet die Zerstückelung und Zensur des Films für internationale Märkte sowie das Schicksal der verschiedenen Filmversionen.
4.6. Georgio Moroder Presents METROPOLIS: Analysiert die einflussreiche Neu-Adaption des Films durch Georgio Moroder in den 1980er Jahren.
4.7. METROPOLIS im 21. Jahrhundert: Dokumentiert die Bemühungen zur Restaurierung und Wiederherstellung des ursprünglichen Filmwerks.
4.8. Der Mythos METROPOLIS: Zusammenfassung der anhaltenden Faszination und der widersprüchlichen Rezeptionsgeschichte des Films.
5. Videoclipanalyse: Der praktische Analyseteil der Arbeit, der sechs spezifische Musikvideos hinsichtlich ihrer Verweisstrukturen auf METROPOLIS untersucht.
5.1. Queen: RADIO GAGA: Untersuchung der Einbindung von METROPOLIS-Motiven in den Queen-Videoclip von 1984.
5.2. Madonna: EXPRESS YOURSELF: Analyse der komplexen künstlerischen Inszenierung Madonnas und ihrer Bezugnahme auf METROPOLIS.
5.3. Laibach: WIRTSCHAFT IST TOT: Deutung der industriellen Ästhetik und des "NSK"-Konzepts im Laibach-Video.
5.4. Madonna: BEDTIME STORY: Betrachtung der surrealistischen Elemente und der Verweisstruktur in diesem Madonna-Video.
5.5. System of a Down: SUGAR: Analyse der gesellschaftskritischen Ebene und der Politisierung der METROPOLIS-Zitate bei System of a Down.
5.6. Lady Gaga: PAPARAZZI: Untersuchung der postmodernen Inszenierung von Identität, Ruhm und filmischen Zitaten bei Lady Gaga.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Analyse zusammen und betont die Rolle von METROPOLIS als unerschöpflichen Fundus für die moderne Popkultur.
Schlüsselwörter
Videoclip, Bildrecycling, METROPOLIS, Postmoderne, Intertextualität, Filmgeschichte, Musikfernsehen, Popkultur, Ästhetik, Remake, Found-Footage, Werbeästhetik, Medienkonvergenz, Madonna, Queen, Laibach
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Diplomarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie moderne Musikvideos filmische Motive und ikonische Bilder aus Fritz Langs Filmklassiker METROPOLIS (1927) aufgreifen, recyceln und in neue künstlerische Zusammenhänge überführen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den zentralen Themen gehören die Postmoderne Ästhetik, die Verweisstrukturen in audiovisuellen Medien, die Ökonomie des Musikfernsehens und die medienhistorische Einordnung von METROPOLIS.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, die Transformation filmischer Zitate in Musikvideos zu bestimmen und aufzuzeigen, wie diese zur Konstruktion von Star-Images und zur ästhetischen Aufwertung von Videoclips beitragen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird ein Methoden-Mix angewendet, der eine semiotische Filmanalyse (Zeichentheorie) mit einer hermeneutischen Interpretation (Textauslegung) sowie einer Analyse postmodernistischer Merkmale verbindet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Block über das Bildrecycling und das Medium Videoclip, gefolgt von einer detaillierten Analyse der historischen Bedeutung von METROPOLIS und einer konkreten Fallstudie von sechs Musikvideos.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe wie "Bilderrecycling", "Intertextualität", "Postmoderne", "Pastiche" und "Found-Footage" beschreiben den theoretischen Rahmen und die analytische Perspektive der Autorin.
Wie geht die Arbeit mit dem Thema der "zerstückelten" METROPOLIS-Versionen um?
Die Arbeit thematisiert ausführlich die wechselvolle Geschichte des Films, von den verstümmelten Fassungen für den US-Markt bis hin zur aufwändigen Rekonstruktion und Restaurierung des Originals, um den Kontext der Zitate einordnen zu können.
Warum wird Lady Gaga im Analysekapitel besonders hervorgehoben?
Lady Gagas Videoclip "PAPARAZZI" wird aufgrund seiner hohen Dichte an intertextuellen Verweisen, der aufwändigen narrativen Struktur und der gezielten Selbstinszenierung als ein Paradebeispiel für die postmoderne Aneignung von Filmgeschichte analysiert.
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- Dipl.-Medienwirt Kim Wagener (Author), 2012, Recycelte Bilder. Die Verweisstruktur im Videoclip am Beispiel von Fritz Langs Metropolis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202359