Das US-Magazin Time kürte ihn zur Person des Jahres 2007. Im Jahr darauf veröffentlichte
die russische Stiftung Öffentliche Meinung (FOM) Ergebnisse einer Umfrage unter
1500 Bürgerinnen und Bürgern. Vierzig Prozent der Russen wählten ihn auch 2008
zur wichtigsten Persönlichkeit des Landes. Er gilt vor allem als sympathisch, attraktiv,
dynamisch, willensstark und entschlossen. Die unzähligen Bücher, Bilder, Porträts, Dokumentationen
und Reportagen sowie sonstige Darstellungen und Veröffentlichungen,
in denen seine Person ins Zentrum des Geschehens gerückt wird, lassen keinen Zweifel
daran, dass seine Popularität jeden Winkel des Landes erfasst hat. Seine Vermarktung
gleicht der eines berühmten Schauspielers oder Sängers. Der Mensch, auf den diese Beschreibung
zutrifft ist aber kein geringerer als der ehemalige Präsident und jetziger Premierminister
der Russischen Föderation (RF), Vladimir Vladimirovič Putin.
Gerne präsentiert sich Putin als Judo-Kämpfer, als Tigerbändiger, als Pilot oder auch als
Soldat – und immer wirkt er dabei selbstbewusst, jung und smart. Es ist ein Image, das
Vova, wie ihn diverse russische Journalisten liebevoll nennen, und seine PR-Berater gezielt
konstruiert haben. Seit seinem Amtsantritt als Ministerpräsident im August 1999
umgibt sich der ehemalige Geheimdienstler mit einer geheimnisvollen Aura der politischen
Anonymität. So rätselhaft seine Vergangenheit als KGB-Mann ist, so undurchsichtig
sind auch seine politischen Ziele. Der Ausdruck "Putins Plan"(Plan Putina)
wurde zum Slogan der führenden Partei Russlands Einiges Russland (Edinaja Rossija),deren Vorsitz seit Frühjahr 2008 in den Händen des neuen alten Ministerpräsidenten,
Vladimir Putin, liegt. Welches konkrete Konzept dahinter steckt, ist den meisten Russen
bis heute unklar. Eindeutig sind gleichwohl die Umfrageergebnisse des international
anerkannten russischen Meinungs- und Forschungsinstituts Levada-Centr: Trotz der am
07. Mai 2008 statt gefundenen Amtsübernahme durch den neuen Präsidenten der RF
Dmitrij Anatol'evič Medvedev wird der ehemalige Kreml-Chef vom Volk auch weiterhin
als die Leitfigur der Nation wahrgenommen. So würden 52 Prozent der Befragten
eine dritte Amtsperiode Putins als Staatsoberhaupt begrüßen.[...]
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Kapitel 1: Politische Kultur Russlands im Zeitalter der elektronischen Medien
1.1 Massenmedien, politische Akteure und die Macht der Bilder
1.2 Die politische Bühne mit Putin als Hauptdarsteller
1.2.1 Inszenierung
1.2.2 Korporalität (Verkörperung)
1.2.3 Wahrnehmung
1.2.4 Performance
1.3 Das russische Volk und die Macht der Tradition
1.3.1 Byzantinische Prägung der russischen (politischen) Kultur
1.3.2 Die Größe Russlands als Bestandteil nationaler Identität
1.4 Das Phänomen Putin
Kapitel 2: Analyse der Sendung "Gespräch mit Vladimir Putin"
2.1 Zum Gegenstand der Untersuchung – Vorgehensweise und Methode
2.2 Analyse
2.2.1 Zum Hintergrund der Ausstrahlung
2.2.2 Verbale und nonverbale Techniken der Selbstdarstellung Putins
2.2.2.1 Methode: Verbale und nonverbale Selbstdarstellung
2.2.2.2 Analyse: Verbale und nonverbale Selbstdarstellung
2.2.3 Verbale und nonverbale Techniken der Darstellung Putins durch Dritte
2.2.4 Vorteilhafte Darstellung Putins mit Hilfe technischer und raumgestalterischer Mittel
Kapitel 3: Ein Blick hinter die Kulissen
3.1 Putin – Das mediale Produkt eines gelungenen Zusammenspiels
3.1.1 Zum Hintergrund der Ergebnisfindung
3.1.2 Strategien des Machterhalts Putins
3.2 Der Putin-Kult am Ende? – Eine abschließende Einschätzung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen Vladimir Putin als medial konstruierte Figur. Das zentrale Ziel ist es, die Strategien der positiven Selbstinszenierung Putins im russischen Fernsehen am Beispiel der Sendung "Gespräch mit Vladimir Putin" zu identifizieren und zu analysieren, wie er durch gezielte Kommunikation und Mediennutzung seinen Status als zentrale Führungsfigur festigt.
- Analyse der politischen Kultur Russlands und ihrer Auswirkungen auf die Mediennutzung.
- Untersuchung der theaterwissenschaftlichen Konzepte wie Inszenierung, Korporalität und Performance in der Politik.
- Durchführung einer rezipientenorientierten Medienanalyse der Talkshow "Gespräch mit Vladimir Putin".
- Einfluss von Tradition, Nationalstolz und dem Bedürfnis nach einem starken Staatslenker auf die Wahrnehmung Putins.
Auszug aus dem Buch
1.2.1 Inszenierung
Die Ausübung von Macht ist untrennbar verbunden mit der Darstellung von Macht. Nur derjenige politische Akteur erscheint als mächtig und kompetent, der das erfolgreich darzustellen vermag. Aus diesem Grund wird das politische Verhalten in vielerlei Hinsicht auch mit der Schauspielkunst verglichen. Politik ist somit nicht nur ein instrumentelles Entscheidungs-, sondern auch ein dramaturgisches Darstellungshandeln, mit dem Ziel, Aufmerksamkeit und Resonanz zu erlangen.
"Unter Dramaturgie versteht man die Verteilung von Höhepunkten; sie ist ein Spiel mit Spannung und Entspannung. [...] Dramaturgie heißt aber auch, Handlungsstränge zu schaffen und Entwicklungen auszuarbeiten."
Das Fernsehen fungiert dabei als mediale Bühne, auf der Putin eine Vorführung bestreitet. Er wird zum Darsteller, bei dem ein Wille erkennbar ist, Anordnungen für das Sehen zu schaffen, die das Denken und Handeln der Zuschauer beeinflussen. Inszenierung in diesem Sinne versteht sich daher als ein "kalkuliertes Auswählen, Organisieren und Strukturieren von Darstellungsmitteln, welches strategisch auf eine Wirkung angelegt ist".
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 1: Politische Kultur Russlands im Zeitalter der elektronischen Medien: Das Kapitel legt die theoretischen Grundlagen und beleuchtet das Zusammenspiel von Medien, Politik und der russischen Tradition der Machtdarstellung.
Kapitel 2: Analyse der Sendung "Gespräch mit Vladimir Putin": Hier findet die konkrete Untersuchung der Talkshow statt, wobei Strategien der verbalen und nonverbalen Selbstdarstellung Putins und die Rolle der Medientechnik analysiert werden.
Kapitel 3: Ein Blick hinter die Kulissen: Dieses Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und bewertet die Strategien des Machterhalts vor dem Hintergrund des Putin-Kultes und der politischen Zukunft Russlands.
Schlüsselwörter
Vladimir Putin, Politische Kultur, Russische Föderation, Medieninszenierung, Fernsehanalyse, Selbstdarstellung, Machtdarstellung, Politische Kommunikation, Personenkult, Talkshow, Medientechnik, Korporalität, Politische Identität, Tradition, System Putin
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die mediale Strategie Vladimir Putins und wie er das Fernsehen nutzt, um sich als unersetzliche Führungsfigur zu inszenieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der Verbindung von politischer Macht und ihrer medialen Inszenierung, dem Einfluss russischer Traditionen sowie der Macht von Bildern und Rhetorik im Fernsehen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, mit welchen Mitteln und Methoden der Darstellung Putin sein Image mittels der russischen Massenmedien aufrechterhält, sodass er als Leitfigur wahrgenommen wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine kulturwissenschaftliche Kontextanalyse sowie eine rezipientenorientierte, personenkonzentrierte Talkshowanalyse, um verbale und nonverbale Techniken zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl theoretische Konzepte der Theatralität als auch die konkrete Analyse des "Gesprächs mit Vladimir Putin" vom 4. Dezember 2008 detailliert dargelegt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung?
Begriffe wie Inszenierung, Korporalität, Wahrnehmung, Performance und die politische Identität des russischen Volkes prägen die Analyse.
Wie spielt die russische Tradition eine Rolle für Putins Popularität?
Die Arbeit zeigt, dass Putin an historische Muster des starken Herrschers anknüpft und das Bedürfnis der Bevölkerung nach Ordnung und nationaler Größe geschickt bedient.
Welche Rolle spielen die Zuschauer (Saalpublikum) bei der Inszenierung?
Die Zuschauer im Studio werden als Teil der Inszenierung verstanden; ihre Reaktionen wie Applaus dienen als symbolische Bestätigung für das Fernsehpublikum zu Hause, dass Putin die Zustimmung der Nation genießt.
- Arbeit zitieren
- Magistra Artium Weronika Schmidt (Autor:in), 2010, Die Putin-Show - Ein Blick hinter die Kulissen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202494