Unmittelbar nach Fertigstellung (1856) der ersten fünf Seldwyler Geschichten schließt Keller einen Vertrag mit dem Braunschweiger Verleger Eduard Vieweg, um die "Leute von Seldwyla" fortzusetzen. Aufgrund von Kellers Tätigkeit als Staatsschreiber vergehen mehrere Jahre bis zur Vollendung seines Werkes. Der Schmied seines Glückes entsteht 1865 in erster Fassung. 1873 veröffentlicht Keller eine überarbeitete Version bei seinem neuen Verleger Weibert in Stuttgart. Das Originalmanuskript war bei seinem alten Verleger nach Vertragsauflösung nicht mehr auffindbar, als Basis für die Überarbeitung diente Keller eine Urfassung, welche er seinem Freund Adolf Exner geschenkt hatte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung und zeitliche Einordnung
1.1. Herkunft des Sprichwortes „Jeder ist seines Glückes Schmied“
2. Textreproduktion
3. Analyse
3.1 Die Charaktere Kabis und Litumlei
3.2 Frauenbild und Frauengestalten in der Schmied seines Glückes: Johanna Häuptle, Frau Olivia, Dame Litumlei
3.3. Das Groteske in Gottfried Kellers „Der Schmied Seines Glückes“
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Gottfried Kellers Novelle „Der Schmied seines Glückes“ hinsichtlich ihrer Charakterstruktur, der Bedeutung des Motivs der Namensgebung sowie der grotesken Erzählweise. Dabei wird analysiert, wie die Hauptfigur John Kabys versucht, durch opportunistische Täuschungen und die Konstruktion eines falschen sozialen Status sein Lebensglück zu erzwingen, und wie er letztlich an der Realität scheitert.
- Charakteranalyse der Protagonisten John Kabys und Adam Litumlei
- Die Rolle der Frauenfiguren im Kontext ökonomischer Interessen
- Symbolik und Bedeutung der Namensänderungen als „Meisterschläge“
- Das groteske Erzählmotiv und dessen Funktion im poetischen Realismus
Auszug aus dem Buch
Die Charaktere Kabis und Litumlei
Johannes Kabis ist ein typischer Einwohner Seldwylas. Seine Verhaltensweisen und Ansichten lassen einige Parallelen zu anderen Figuren in Kellers Werk erkennen. Er ist vom Wesen her nicht besonders arbeitswütig - eher faul - wie die meisten anderen Seldwyler und versucht durch einige „Meisterschläge“ sein Glück zu schmieden.
Die Figur Kabis wird sofort zu Beginn der Geschichte von Keller weitgehend charakterisiert. Typisch ist, dass er sich seit frühester Jugend auf nichts anderes verlässt, als den Spruch “das jeder Seines eigenen Glückes Schmied sein müsse, solle und könne und zwar ohne viel Gezappel und Geschrei. Ruhig mit nur wenigen Meisterschlägen schmiede der rechte Mann sein Glück! War seine öftere Rede, womit er nicht etwa die Erreichung bloß des Notwendigen, sondern überhaupt alles Wünschenswerten und Überflüssigen verstand.“ (Zitat S.1; Z 2-6). das heißt das er passiv auf sein Glück wartet.
Diese Charaktereigenschaft lebt Kabis den ganzen Verlauf der Novelle hindurch aus. Der Spruch wird von ihm zu einem Lebensmotto erhoben, besonders die Passage: „...,ohne viel Gezappel und Geschrei. Ruhig, mit nur wenigen Meisterschlägen,...“.
So ist es auch nicht verwunderlich, das Kabis immerhin schon vierzig Jahre alt ist, ohne irgendetwas Bemerkenswertes in seinem Leben erreicht zu haben. Er lebt ausschließlich von einem spärlichen Erbe, welches er schließlich beinahe aufgebraucht hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung und zeitliche Einordnung: Dieses Kapitel erläutert die Entstehungsgeschichte der verschiedenen Fassungen der Novelle und ordnet sie in den biografischen Kontext von Gottfried Keller ein.
1.1. Herkunft des Sprichwortes „Jeder ist seines Glückes Schmied“: Hier wird der historische Ursprung der zentralen Redewendung auf antike Quellen zurückgeführt.
2. Textreproduktion: Dieses Kapitel fasst die Handlung der Novelle zusammen, beginnend bei John Kabys' Versuchen der Namensänderung bis hin zu seiner Rückkehr nach Seldwyla.
3. Analyse: In diesem Hauptteil erfolgt eine tiefgehende Untersuchung der Protagonisten, der Frauenfiguren sowie der erzählerischen Mittel der Novelle.
3.1 Die Charaktere Kabis und Litumlei: Untersuchung der phlegmatischen Natur von Kabis und der paradoxen Identität von Litumlei im Kontext ihrer ökonomischen Bestrebungen.
3.2 Frauenbild und Frauengestalten in der Schmied seines Glückes: Johanna Häuptle, Frau Olivia, Dame Litumlei: Analyse der drei zentralen Frauenfiguren und deren Einfluss auf den sozialen Aufstieg bzw. Fall von John Kabys.
3.3. Das Groteske in Gottfried Kellers „Der Schmied Seines Glückes“: Betrachtung der Novelle als grotesk strukturierte Erzählung, die Schein und Sein kontrastiert.
4. Zusammenfassung: Abschließender Vergleich der Novelle mit anderen Werken Kellers, insbesondere im Hinblick auf Wenzel Strapinski aus „Kleider machen Leute“.
Schlüsselwörter
Gottfried Keller, Der Schmied seines Glückes, John Kabys, Adam Litumlei, Seldwyla, Namensänderung, Meisterschlag, Poetischer Realismus, Groteske, ökonomische Motive, Schein und Sein, Identitätskonstruktion, Opportunismus, Literaturanalyse, Sozialkritik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Gottfried Kellers Novelle „Der Schmied seines Glückes“ und untersucht, wie der Protagonist versucht, durch gesellschaftliche Manipulation und Namensänderungen ein glückliches Leben zu erreichen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen das problematische Verhältnis von Schein und Wirklichkeit, die Bedeutung des gesellschaftlichen Aufstiegs durch ökonomische Täuschung sowie die Analyse grotesker Erzählelemente.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie John Kabys an seiner eigenen Lebenslüge scheitert und wie die Novelle die Grenzen zwischen rationaler Lebensplanung und grotesker Farce auslotet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die Textstellen interpretiert und in den Kontext der Epoche des poetischen Realismus sowie im Vergleich zu anderen Werken Kellers einordnet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Charakteranalyse von Kabis und Litumlei, eine Untersuchung der Rolle der Frauenfiguren und eine kritische Auseinandersetzung mit dem grotesken Erzählstil.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Identitätskonstruktion, Opportunismus, „Meisterschläge“, Sozialkritik und das Motiv des Scheins.
Warum scheitert John Kabys trotz seiner "Meisterschläge"?
Kabis scheitert, weil seine Handlungen ausschließlich auf materiellen und ökonomischen Berechnungen basieren, ohne eine substanzielle Basis. Seine Täuschungen, wie der erfundene Vater-Sohn-Roman, werden schließlich durch die Realität (die Geburt eines Kindes) entlarvt.
Welche Rolle spielt der Name für den Protagonisten?
Der Name ist für Kabys ein reines Werkzeug. Durch Namensänderungen (von Johannes Kabis zu John Kabys) versucht er, sich einen „angelsächsischen Nimbus“ und einen scheinbar höheren sozialen Status zu verschaffen, um dadurch gesellschaftlich aufzusteigen.
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- Enno Strakeljahn (Author), Martin Schmees (Author), 2003, Gottfried Keller, Der Schmied seines Glückes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20253