Schellings Philosphie erlebt eine Renaissance. Besonders seine Spätschriften wie die Philosophie der Offenbarung stehen im Mittelpunkt. In dieser Arbeit geht es um die Sohnwerdung aus dem Prinzip, dem Vater.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Wider die Vernunft?
2. Die Christologie Schellings
2.1 Das Verhältnis von negativer und positiver Philosophie
2.2 Die Person des Gott-Vaters
2.3 Die gottimmanente Zeugung des Sohnes
2.4 Die gottexterne Setzung des Sohnes
2.5 Der immanente Hervorgang des Sohnes aus dem Gott
2.6 Der Sohn als zweite Potenz
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die philosophische Christologie innerhalb von Schellings "Philosophie der Offenbarung", speziell im Hinblick auf die Vorlesungen 24 bis 27, und analysiert dabei den Übergang von der Prinzipienlehre zur Gotteslehre sowie die Rolle des Sohnes als zweite Potenz.
- Schellings Unterscheidung zwischen negativer und positiver Philosophie
- Die trinitarische Dimension Gottes und die Genese des Seins
- Die Analyse der gottimmanenten und gottexternen Zeugung des Sohnes
- Die Bestimmung des Freiheitsbegriffs im Verhältnis von Vater und Sohn
- Die Auseinandersetzung mit der christologischen Tradition und dem Johannes-Evangelium
Auszug aus dem Buch
2.4 Die gottexterne Setzung des Sohnes
Wie kann aber der Sohn außer Gott existieren? Wie geht seine Zeugung vonstatten? Schelling setzt sich an dieser Stelle mit einer Lehre der von ihm so benannten Dogmatiker auseinander. Diese sagen, der Anfang der Schöpfung gleiche einer ewigen Schöpfung des Sohnes durch den Vater. Diese Ansicht widerspreche aber seiner, denn Zeugung könne man erst mit der Weltschöpfung denken (162/1). Der Sohn kann außerhalb des Vaters nicht ewig sein; Der Sohn kann auch nicht Erzeuger genannt werden, weil das nur einer sein kann, der völlig selbständig ist. Weil Schelling hier ein Problem sieht, geht er noch näher auf diese Unterscheidung ein. Er fragt sich: was heißt eigentlich göttliche Schöpfung? Nur der ganze Gott könne Vater heißen. Die potentia existendi ist nicht das Zeugenden, sondern vielmehr nur die Potenz des Zeugens, d.h. potentia generandi. D. h. nicht der ganze Vater zeugt den Sohn, sondern nur ein Teil.
Schelling bezieht sich in der Folge auf eine Aussage von D. Areopagita. Er soll nach Schelling den Ausdruck „die Gott zeugende Gottheit“ (162/32) verwendet haben. Schelling sieht hier also eine Parallele zu seiner christologischen Deutung zwischen Gott-Vater und Gott-Sohn. Den Sohn könne man daran anknüpfend dann als die von „Gott gezeugte Gottheit“ bezeichnen. Im Anschluss daran bezeichnet Schelling die Schöpfung als ein Heraustreten des Gottes. Hierbei wird, was wichtig ist, der Beginn/der Anfang der Schöpfung mit der Schöpfung des Sohnes gleichgesetzt. Schelling trennt also zwischen dem Gott vor der Sohnschöpfung (= sein könnender Wille) und dem Gott nach dem ersten Akt der Schöpfung, der Sohnzeugung (= wollender Wille). Gott war also vorher in Ruhe und hatte die freie Entscheidung zu schöpfen, danach ist die Freiheit in die Tathandlung umgesetzt. Den dazu benötigten Willen nennt er den bleibenden oder ewigen, wobei er sich auf Joh.5, 12 beruft, wo es heißt: „Der Vater wirkt bis jetzt“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Wider die Vernunft?: Dieses Kapitel thematisiert Schellings Kritik an der Vernunftphilosophie und führt in die Unterscheidung von negativer und positiver Philosophie sowie in die Grundzüge der Seinsentfaltung ein.
2. Die Christologie Schellings: Der Hauptteil der Arbeit analysiert das christologische System Schellings und beleuchtet die komplexe Beziehung zwischen dem Absoluten, dem Vater und dem Sohn.
2.1 Das Verhältnis von negativer und positiver Philosophie: Hier wird das Spannungsfeld zwischen der rein begrifflichen negativen Philosophie und der positiven Philosophie als Christologie dargelegt, wobei die Notwendigkeit der Ergänzung beider betont wird.
2.2 Die Person des Gott-Vaters: Das Kapitel untersucht den Schellingschen Personenbegriff im Kontext der göttlichen Substanzenfolge und die Notwendigkeit der Selbstabgrenzung Gottes.
2.3 Die gottimmanente Zeugung des Sohnes: Hier wird der Ursprung Christi innerhalb der Trinität behandelt und die Einheit Gottes in ihrer Differenzierung durch den Willen erläutert.
2.4 Die gottexterne Setzung des Sohnes: Dieses Kapitel erörtert die Problematik der Existenz des Sohnes außerhalb Gottes und differenziert zwischen dem könnenden und wollenden Willen Gottes.
2.5 Der immanente Hervorgang des Sohnes aus dem Gott: Es wird die Binnenstruktur des göttlichen Denkens unter Einbeziehung johanneischer Motive und der Abbildcharakter des Sohnes besprochen.
2.6 Der Sohn als zweite Potenz: Abschließend wird die Funktion des Sohnes als demiurgische Potenz sowie dessen heilsgeschichtliche Rolle in der Menschwerdung thematisiert.
Schlüsselwörter
Schelling, Philosophie der Offenbarung, Christologie, negative Philosophie, positive Philosophie, Trinität, Gott, Sohn, Freiheit, Prinzipienlehre, Seinsgenese, Johannes-Evangelium, Potenz, Wille, Schöpfung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die philosophische Christologie von F.W.J. Schelling, basierend auf seinen Vorlesungen 24 bis 27, und untersucht, wie er christliche Dogmatik mit seinem System der Philosophie verbindet.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind das Verhältnis von negativer zu positiver Philosophie, die Trinitätslehre, der Freiheitsbegriff und die spezifische Lehre von den göttlichen Potenzen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Schelling mittels philosophischer Mittel das Offenbarungshandeln Gottes und die christologische Differenzierung zwischen Vater und Sohn verständlich macht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine philosophisch-hermeneutische Analyse der Schellingschen Texte sowie der zeitgenössischen und antiken Bezugsquellen, die Schelling selbst heranzieht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden das Verhältnis der negativen zur positiven Philosophie, der Personenbegriff Gottes, die innergöttliche Zeugung des Sohnes und dessen Rolle als zweite Potenz detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen neben Schelling selbst: Christologie, Potenz, Freiheit, Trinität, Offenbarung, Gott-Vater, Sohn, Seinsgenese und der Übergang von der Prinzipienlehre zur Gotteslehre.
Wie unterscheidet Schelling zwischen den beiden Willensarten?
Schelling unterscheidet zwischen dem ruhenden Willen ("thelema"), der lediglich vorhanden ist, und dem bewegenden, wahren Willen ("boule"), der die konkrete Tat der Zeugung des Sohnes einleitet.
Warum ist der Sohn für Schelling eine „demiurgische Potenz“?
Weil der Sohn zwar aus dem Vater hervorgeht, aber in seiner frühen Phase als zweite Potenz die Welt schafft und somit die vermittelnde Rolle zwischen dem Absoluten und der Schöpfung einnimmt.
- Arbeit zitieren
- Agnes Thiel (Autor:in), 2007, Schellings "Philosophie der Offenbarung": Vorlesungen 24 – 27, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202567