Die Bedeutung der Burg für die Anfänge der hochmittelalterlichen Stadt am Beispiel von Schloss und Stadt Schwarzenberg im Erzgebirge


Hausarbeit, 2008
37 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Allgemeines zu Burg und Stadt
1.1 Begriffsklärung - Herkunft und Bedeutung
1.1.1 Zum Ursprung des Wortes „Burg“
1.1.2 Begriffsklärung
1.1.3 Zum Ursprung des Wortes „Stadt“
1.1.4 Begriffsklärung
1.2 Das Verhältnis von Burg und Stadt
1.2.1 Stadtwerdung auf deutschem Boden
1.2.2 Drei Möglichkeiten des Burg-Stadt Verhältnisses

2. Herrschaft, Schloss und Stadt Schwarzenberg
2.1 Die Herrschaft Schwarzenberg .
2.1.1 Datierung und Ursprung der Herrschaft
2.1.2 Geographische Lage der Herrschaft
2.2 Die Burg Schwarzenberg
2.2.1 Die Wahl des Standortes
2.2.2 Aufbau der Burganlage
2.2.3 Herrschaftsabfolge und militärische Bedeutung
2.3 Die Stadt Schwarzenberg
2.3.1 Stadtwerdung
2.3.2 Stadtgliederung und Stadtaufbau
2.3.3 Rat und Verfassung der Stadt Schwarzenberg

Schluss

Bildanhang zur Hausarbeit

Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

Warum soll die erste Hausarbeit an der Friedrich-Schiller-Universität ausgerechnet Burg und Stadt im Allgemeinen und Schwarzenberg im Speziellen zum Inhalt haben? Die Gründe dafür liegen darin, dass sich im Seminar „Die Stadt im Hochmittelalter“ im Wesentlichen mit der Stadtgeschichte des heutigen Italiens, Frankreichs und Südwestdeutschlands beschäftigt wurde, dabei aber das Gebiet östlich der Saale fast gänzlich unbeachtet blieb. Da die Geschichte der Städte im heutigen Sachsen jedoch genauso relevant ist, wurde das Hausarbeitsthema in dieser Region angesiedelt. Dazu kommt, dass die Vorstellung einer stattlichen Burg, die beispielsweise auf einem Felsen hoch über dem Tal thront, untrennbar mit dem Geschichtsbild verbunden ist, welches sowohl Laien als auch Historiker vom Mittelalter haben. Den Unterschied zwischen romantischer Verklärung und wissenschaftlicher Erkenntnis darzustellen, soll ebenfalls Ziel der vorliegenden Arbeit sein.

Auf die Frage warum Schloss und Stadt Schwarzenberg im Zentrum der Betrachtung stehen sollen, gibt es zwei Antworten. Zum einen zählt das Schloss zu den beeindruckendsten Bauten, die das Erzgebirge zu bieten hat, zum anderen wurde dem Verfasser von Februar bis August 2007 die Gelegenheit geboten auf Schloss Schwarzenberg zu arbeiten. Dadurch wurde die weit reichende Anlage näher kennen gelernt und die Möglichkeit sich mit der ehemaligen Wirkungsstätte auch historisch auseinander zu setzen, soll in dieser Arbeit realisiert werden.

Der Hauptteil der Darstellung gliedert sich grob in zwei große Themenbereiche: Im Ersten soll allgemein auf die Begriffe Burg und Stadt eingegangen werden, im Zweiten wird speziell die Entstehungsgeschichte von Herrschaft, Stadt und Schloss Schwarzenberg näher beleuchtet.

„Es ist nehmlich dasselbe ein Städtgen am Flusse das Schwarzwasser genannt, ist mit Bergen umgeben und hat ein Schloss auf einem hohen Felsen, welches sonst ausser dem Thurme nur hölzern gewesen, anno 1555(…) steinern gebauet und mit Mauern und einer Zugbrücke befestigt worden (…)“ .[1]

1. Allgemeines zu Burg und Stadt

1.1 Begriffsklärung - Herkunft und Bedeutung

1.1.1 Zum Ursprung des Wortes „Burg“

Der Ursprung des Wortes „Burg“ liegt in der indogermanischen Sprachfamilie. Es findet sich, mehr oder weniger abgewandelt, bei allen Sprachen dieses Sprachraumes (z.B. lat. burgus, ahd. purc, engl. borough, franz. bourg).[2]

Der Begriff „Burg“ ist sehr weit gefächert. Er umfasst sowohl die Wehranlagen der Frühgeschichte (Volks- oder Fluchtburgen) als auch die Ritterburgen und Pfalzen des Mittelalters oder die neuzeitlichen Schlösser und Festungen. Ein Rückschluss von lateinischer bzw. deutscher Bezeichnung auf die Bauform oder Funktion ist gewagt und sollte vermieden werden. Die Mannigfaltigkeit des Themengebietes macht eine differenzierte Terminologie notwendig.

Lateinische Bezeichnungen sind beispielsweise „arx“ (befestigter Gutshof) oder „burgus“ (zunächst steinerne Wehr, später die städtische Siedlung). „Castellum“ (auch castrum, civitas, urbs) wird außer für die Burg auch für befestige Stadthäuser oder Städte verwendet.

Deutsche Bezeichnungen sind u.a. das althochdeutsche „burg“, womit die befestigte Siedlungsanlage einer größeren Gruppe mit Fluchtburg gemeint ist - inhaltlich gleichbedeutend mit dem heutigen Wort „Stadt“.

Im Mittelhochdeutschen blieb die Verwendung des Wortes „burc“ für Stadt bis ins 12. Jahrhundert erhalten, danach wurde es durch den Begriff „stat“ abgelöst. Damit wurde das Wort „burc“ für die Ritterburg frei.[3]

1.1.2 Begriffsklärung

Unter einer Burg versteht man im Allgemeinen einen bewohnbaren Wehrbau, der zum Schutze einer Person oder Gemeinschaft als ständiger oder zeitweiliger Wohnsitz errichtet wurde. Als Ursprung wurde in Nord- und Osteuropa die Fluchtburg, welche nur in Notzeiten aufgesucht wurde, lokalisiert. In Süd- und Westeuropa ging die Burg dagegen aus dem, von Türmen flankierten, römischen Kastell hervor.

Der Burgenbau in Europa begann im 9. Jahrhundert und erreichte im 12./13. Jahrhundert seinen Höhepunkt. Das Aufkommen der Feuerwaffen markierte den Übergang von der Burg zum Schloss bzw. der frühneuzeitlichen Festung. Das Recht Burgen zu bauen oder ihre Errichtung zu genehmigen, wurde seit jeher vom Königtum als Regal beansprucht. In Deutschland erbauten aber auch Grafen und Herzöge Burgen, ohne dass dafür immer eine königliche Legitimation vorhanden war.

Als Burgbann wurde das Recht des Burgherrn bezeichnet die umliegende (freie) Bevölkerung zum Bau und zur Erhaltung der Anlage heranzuziehen. Im Gegenzug gewährte er Einlass in die schützende Burg für den Fall einer nahenden Bedrohung. Darüber hinaus war er für die Aufrechterhaltung des Haus- oder Burgfriedens verantwortlich. Hierzu war er mit umfassender Gerichtsgewalt gegenüber dem Burgpersonal ausgestattet.

Burgen lassen sich nach Lage (z.B. Höhen-, Hang-, Nieder-, Wasserburg), Bauherren (z.B. Volks-, Fürsten-, Ministerialen-, Dienstmannenburg) und Form (z.B. Turm-, Ring-, Oval-, Schildmauerburg) unterscheiden.

Neben der militärischen Bedeutung spielten Burgen auch in Verwaltungs- und Organisationsfragen eine wichtige Rolle. Als Beispiel ist hier die Burgwardverfassung zu nennen, die Otto der Große (912 - 973) in den östlichen Marken einführte, wodurch das gesamte Land in Burgbezirke aufgeteilt wurde, die Militär-, Wirtschafts- und Verwaltungseinheiten bildeten.[4]

1.1.3 Zum Ursprung des Wortes „Stadt“

Die deutsche, vor allem aber die lateinische Terminologie zur Stadt ist sehr vielfältig. Die Bezeichnungen variieren zeitlich wie regional und es kommen Überschneidungen mit Begriffen für die Burg als Bauwerk vor.[5]

Die Burg im Sinne einer befestigten Siedlung wird vom 8. - 11. Jahrhundert meist durch „civitas“ und „urbs“ bezeichnet, es kommen aber auch „castrum“ oder „castellum“ vor. Die nicht urbane (ländliche, unbefestigte) Siedlung wird meist „villa“ genannt. „Burg“ ist hingegen der feststehende Begriff für die urbane Siedlung des Frühmittelalters.

Gründe für eine differenzierte Benennung waren aber nicht nur Lage, Größe, Befestigung usw. sondern auch, ob ein Bischof ansässig war oder nicht. „Civitas/civis“ bezeichnen beispielsweise oft Bischofsitze.

Zwischen 1000 und 1300 überwiegen in Westfalen „civitas“ und „oppidum“ als Ortsbezeichnungen. Die Unterschiede sind auf die verschiedenen Aussteller der Urkunden zurückzuführen. Aus dem Landesprivileg von 1309 geht dann ein Rangdenken zwischen diesen beiden Begriffen hervor, da zwischen „civitas monasterium“ (Münster) und den übrigen Kleinstädten des Stiftes („oppida“) unterschieden wird.

Als Einwohnerbezeichnung überwiegt vor 1200 „civis“. Im 13. Jahrhundert werden „burgensis“ und „oppidanus“ gebräuchlicher. Der Ausdruck „burgensis“ bezeichnete zunächst die Bewohner eines „burgus“, der sowohl ländlichen als auch befestigten Charakter aufweisen konnte. Interessant ist festzustellen, dass im selben Zeitraum, in dem das Wort „Burg“ dem Begriff „Stadt“ weichen musste[6] , trotzdem die Bezeichnung der „burgensis“ für Städter im Rechtssinn gebräuchlich wird.[7]

1.1.4 Begriffsklärung

Forschungsbegriff und Forschungsgeschichte zur Stadt sind sehr komplex. Über Jahrhunderte hinweg haben Historiker versucht, den Ursprung städtischer Organisation zu ermitteln. Dabei sind sie zu vielfältigen und sich zum Teil widersprechenden Ergebnissen gekommen.

Voltaire (1754) definierte die Stadt als Gemeinde freier Bürger, die dank der Munizipalverfassung (1137/38) König Ludwigs VII. von Frankreich in der Lage war, Schöffen und Bürgermeister zu wählen.

Smith (1776) rückte den ständigen Markt als Merkmal einer Stadt in den Mittelpunkt. Demnach seien Stadtfrieden und Stadtfreiheit, die durch Könige geschaffen wurden, entscheidende Faktoren dafür gewesen, dass die Stadtbewohner eine neue Form des Marktes etablieren konnten.

Die Geschichtsphilosophie Herders (1791) verknüpft hingegen die Anfänge des Städtewesens mit einem, durch die Kreuzzüge hervorgerufenen, Handelsgeist.

Die Forschung in Westeuropa wurde u.a. durch Thierry (1850) und Luchaire (1890) bestimmt, welche erkannten, dass die Verleihung des Kommunenprivilegs durch die Zentralgewalt, die Städte in die Lehnshierarchie einfügte und damit zu Kollektivlehnsherren erhob.

In Deutschland sahen Below (1887) und Rietschel (1897) den Ursprung der Stadtgemeinde in den freien Mitgliedern der städtischen Einwohnerschaft, die ihren Lebensunterhalt direkt über den Markt bezogen.

Weiterhin soll noch Pirenne (1893, 1895) angeführt werden, der auf den Stand des Fernhändlers und dessen Bedeutung für die Stadtwerdung hinwies. Er definierte die werdende Stadt des Mittelalters als Knotenpunkt kontinuierlichen Fernhandels.[8]

Abschließend lässt sich festhalten, dass neben dem Streben nach Freiheit und Selbstverwaltung noch viele andere Faktoren für die Stadtentstehung eine Rolle gespielt haben. Somit wird klar, dass der Begriff „Stadt“ als ein historischer verstanden werden muss, der sich zeitlich und regional verändern kann, was eine individuelle Betrachtung von Fall zu Fall notwendig macht.

1.2 Das Verhältnis von Burg und Stadt

1.2.1 Stadtwerdung auf deutschem Boden

Im obigen Abschnitt wurden die Gedankengänge von Terminologie und Bedeutung der Begriffe Burg und Stadt parallel bearbeitet. Nun sollen diese miteinander verknüpft werden. Folgt man der Argumentation der deutschen Archivarin und Historikerin Edith Ennen, so tritt an die Stelle der antiken Römerstadt im Frühmittelalter der Typus „Burg“, der sich als Kern der künftigen Stadt erwiesen hat. Es sind germanische Charakteristika zu finden, nämlich die Funktion einer Fluchtburg zur Sicherung des Volkes in Krisenzeiten. Allgemein lässt sich festhalten, dass die militärische Funktion der Stadt in der Spätantike, wie im frühen Mittelalter überwiegt.

Es gibt aber auch Unterschiede zwischen den Epochen. Waren die Römerstädte in der Zeit der Karolinger und frühen Sachsen nur noch Fluchtburgen, so dominierten in der Antike Gebieterburgen, die auch Sitz der politischen Gewalt waren, quasi als Gegenpol zur Fluchtburg.

Mit dem Ende der Merowinger ging ein allgemeiner Niedergang des Städtewesens in Mitteleuropa einher. Damit verbunden war auch der Wechsel vom Residenzcharakter der Römerstadt zu den Pfalzen, die kurzfristige Aufenthaltsorte der Herrscher darstellten.

Die Pfalzen des Frühmittelalters unterschieden sich ebenfalls voneinander. Die Merowingerpfalz hatte befestigten Charakter, da ihr Ursprung im römischen Kastell zu finden ist. Die Pfalzen der Karolinger waren dagegen in der Regel unbefestigt und stellten eine repräsentative, ausgebaute Herrenhofanlage dar.

Zur Frage der Stadtfunktion lässt sich festhalten, dass in antiker Zeit die Stadt in erster Linie Regierungssitz war, während sie im Mittelalter selten ein Verwaltungszentrum darstellte und ein einmaliger, kurzzeitiger Sitz des Königs für den Hauptstadtstatus ausreichte.

Während bauliche Überreste wie auch militärische Funktion oftmals erhalten blieben, wurden im Mittelalter die politischen Funktionen der alten Römerstädte nur rudimentär bewahrt oder mussten neu belebt werden.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass es wesensmäßige Gemeinsamkeiten der karolingischen civitates mit der antiken Stadtkultur gab, aber auch ein Abstieg erkennbar ist, da die Stadt ihre Bedeutung als Standort des politischen und wirtschaftlichen Lebens nicht durch den Epochenwechsel von der Antike zum frühen Mittelalter hindurch retten konnte. So blieben die militärische Bedeutung und die kirchliche Organisation erhalten, während die politische Funktion nur selten ausgeführt wurde.

Große Unterschiede gibt es auch zwischen karolingischen civitates und späteren mittelalterlichen Städten - letztere waren Sitz von genossenschaftlich organisiertem Handel und Gewerbe, während die civitates weit davon entfernt waren. Das Leben der Karolinger war von Grundherrschaft geprägt, die auf Selbstversorgung ausgerichtet war, womit ein Niedergang von Verkehrswirtschaft und Infrastruktur einherging.[9]

1.2.2 Drei Möglichkeiten des Burg-Stadt-Verhältnisses

Der Frage, wie sich Stadt und Burg gegenseitig bedingen bzw. wie sie auseinander hervorgehen, soll sich abschließend gewidmet werden, bevor auf das bestimmende Beispiel der Hausarbeit – Burg und Stadt Schwarzenberg – eingegangen wird.

Was das Burg-Stadt-Verhältnis betrifft, gibt es im Wesentlichen drei Möglichkeiten, die in zum Teil abgewandelter Form auftreten können.

Zunächst kann es vorkommen, dass die Burg einfach Burg bleibt. In diesem Fall verliert sie unter Umständen ihre Funktion an die voll entwickelte Stadt, wird aufgegeben und zerfällt.

Die zweite Möglichkeit besteht darin, dass die Burg nachträglich zur Stadt erweitert wird, woraus besonders kleinere Städte hervorgegangen sind – im weiteren Verlauf wird auf ein solches Beispiel, die Stadt Schwarzenberg, eingegangen.

Eine Burg kann aber auch mit gewissen Zugaben (Münze, kirchliches Institut) gegründet werden, wodurch sie sich als Herrensitz qualifiziert. Dadurch wird eigentlich keine Burg, sondern eine Residenz gegründet.[10]

2. Herrschaft, Schloss und Stadt Schwarzenberg

2.1 Die Herrschaft Schwarzenberg

2.1.1 Datierung und Ursprung der Herrschaft

Wenn man auf dem Deckblatt der Hausarbeit „Schwarzenberg im Erzgebirge“ liest, wird man die klassische Geschichte einer Bergstadt erwarten, die sich im 15. oder 16. Jahrhundert durch das einsetzende Berggeschrei etabliert hat. Es wird daher nachzuweisen sein, dass sich Schwarzenberg in diesem Punkt deutlich von den umliegenden Ortschaften unterscheidet.

Die Geburtsstunde der Herrschaft kann etwa auf das Jahr 1212 datiert werden. Eben aus diesem Jahr ist eine Schenkungsurkunde überliefert, in welcher die Burg Schwarzenberg erstmals Erwähnung findet. Im lateinischen Wortlaut ist dort zu finden:

„donamus et ei confirmamus castrum, quod dicitur Svarcenberg, cum ministerialibus, servis, cuiusunque sint conditionis, omnique iuris integritate quarumlibet possessionum“ .[11]

Eine „civitas Swartzenbergk“ ist für das Jahr 1282 bezeugt.[12] Wie im ersten Abschnitt dargestellt[13] , ist die zutreffende Terminologie sehr komplex.

Ob mit „civitas“ also eine Stadt oder zunächst nur eine unbefestigte Siedlung gemeint ist, lässt sich nicht feststellen - ein Beleg für die Existenz der Ortschaft ist es in jedem Fall.

Kann mit diesen Belegen der Ursprung der Herrschaft im 13. Jahrhundert vermutet werden? Glaubt man den Forschungen von Johannes Leipoldt, welcher sich mit der Geschichte der ostdeutschen Kolonisation im sächsischen Vogtland bis an das Erzgebirge beschäftigt hat, so kann dies verneint werden.

Leipoldt wies nach, dass im 12. Jahrhundert die Kolonisation des südlich von Zwickau gelegenen riesigen Waldgebietes, entlang der Flüsse Mulde und Schwarzwasser einsetzte.[14]

Es entstanden kleine Territorialherrschaften, die meist im Besitz von Reichsministerialen waren. Diese in sich geschlossenen Gebietskomplexe entwickelten sich im Laufe der Zeit um einen Herrschaftsmittelpunkt herum, von dem aus die Verwaltung des neu erschlossenen Kulturlandes ausging, genauso wie die militärische und kirchliche Organisation.

Eine solche Territorialherrschaft war auch Schwarzenberg. Die Burg wird von Leipoldt und Fröbe als ältestes Gebäude der Herrschaft beschrieben. Ihre Gründung und die gleichzeitige Anlage des Herrschaftsvorwerkes, muss diesen Historikern zufolge in die Jahre vor 1170, wahrscheinlich 1150-1160, fallen.[15]

2.1.2 Geographische Lage der Herrschaft

Die Grenzen der alten Herrschaft Schwarzenberg lassen sich nicht mehr genau festlegen. Der Grund dafür liegt darin, dass in den Quellen[16] oft von alten Flurnamen die Rede ist, welche sich heute nicht mehr vollständig nachvollziehen lassen. Als gesichert gilt, dass die Burg und später die Stadt Schwarzenberg im Zentrum der Herrschaft lagen.

Im Süden reichte das Territorium bis über die heutige Staatsgrenze hinaus. Die südlichsten überlieferten Orte waren demnach das heute tschechische Boží Dar („Gottesgab“) und Potůčky („Breitenbach“). Der Fluss Schwarzwasser (tschechisch „Černá“) kann als Grenzfluss nach Süden hin angesehen werden. Im Südosten erstreckte sich die Herrschaft bis an den Fichtelberg. Die südlichsten Besitzungen des Klosters Grünhain (z.B. Zwönitz, Markersbach, Raschau), bildeten die Ostgrenze der schwarzenbergischen Herrschaft.[17]

Nach Norden erstreckte sich das Gebiet bis an die Schönburgischen Besitzungen (um Glauchau bis südlich von Hartenstein). Als gesicherter Grenzpunkt, in dieser Himmelsrichtung gilt der Zusammenfluss von Mulde und Schwarzwasser in Aue.

Der Verlauf der Zwickauer Mulde gilt als wahrscheinliche Westgrenze, an die sich das sächsische Vogtland anschließt. Damit sind die Dimensionen der Herrschaft Schwarzenberg grob abgesteckt.[18]

Sie schloss unter anderem die Ortschaften Aue (1173 bzw. 1219), Breitenbrunn (1380), Eibenstock (1363), Johanngeorgenstadt (1654), Lauter (1460) und Sosa (1453) mit ein. Die Grenze umfasste somit eine Gesamtlänge von etwa 84 km.[19]

Diese Ausmaße blieben bis ins 16. Jahrhundert hinein im Wesentlichen unberührt. 1546 teilten Moritz von Sachsen und König Ferdinand von Böhmen die Herrschaft unter sich auf. Die Gebiete um Boží Dar und Potůčky fielen dabei, durch den Prager Vertrag vom 14. Oktober 1546, an die böhmische Krone.[20]

[...]


[1] Desfeld, F., Histor. Beschreibungen einiger merkwürdigen Städte im Erzgebirge. Halle 1777.

[2] Piper, Otto, Burgenkunde. Bauwesen und Geschichte der Burgen zunächst innerhalb des deutschen Sprachgebietes, München 1912.

[3] Ebner, H., Art. Burg-Terminologie, in: LexMA 2 (1983), Sp. 962-964.

[4] Baum, H.-P., Bindig G., Art. Burg Allgemein. und Dtl., in: LexMA 2 (1983), Sp. 957-971.

[5] Vgl. 1.1.1.

[6] Vgl. 1.1.1.

[7] Ennen, Edith, Die Forschungsproblematik Bürger und Stadt - von der Terminologie her gesehen. in: Fleckenstein, Josef, Stackmann, Karl (Hrsg.), Über Bürger, Stadt und städtische Literatur (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Bd. 3), Göttingen 1980, S. 9-26.

[8] Pitz, E., Art. Stadt Allgemein (Forschungsbegriff und –geschichte) sowie Deutschland, in: LexMA 7 (1995), Sp. 2169-2178.

[9] Ennen, Edith, Frühgeschichte der europäischen Stadt (1953), 3., um einen Nachtrag [Bemerkungen zum gegenwärtigen Forschungsstand] erweiterte Auflage, Bonn 1981.

[10] Ennen, Edith, Frühgeschichte der europäischen Stadt (1953), 3., um einen Nachtrag [Bemerkungen zum gegenwärtigen Forschungsstand] erweiterte Auflage, Bonn 1981.

[11] C. D. Sax. I, 3. S. 132. “Wir schenken und bestätigen ihm [König Ottokar v. Böhmen] die Burg, die Schwarzenberg heißt, mit Lehnsleuten und Untertanen jedweden Standes und dem uneingeschränkten Recht an den Besitzungen desselben jedweder Art.“

[12] Schmidt, A., Urkundenbuch der Vögte von Weida, Gera, zu Plauen. Jena 1885 1.Bd. Nr. 214.

[13] Vgl. 1.1.3.

[14] Leipoldt, J., Die Geschichte der ostdeutschen Kolonisation im Vogtlande, in: Mitteilungen des Vereins für vogtländische Geschichte und Altertumskunde, Plauen 1927.

[15] Argumente dafür bei Fröbe, Walter, Herrschaft und Stadt Schwarzenberg bis zum 16. Jahrhundert (1150-1586). Schwarzenberg 1930.

[16] nach Fröbe sind das unter anderem: die Bosauer Stiftungsurkunde von 1118, Stiftungsurkunde des Klosters Zelle von1173, Notiz über einen Streit wegen Fischereirechten zwischen der Herrschaft Schwarzenberg und der Abtei Grünhain von 1302 (…).

[17] Enderlein, Lothar, Kloster Grünhain im westlichen Erzgebirge. Besitz, Herrschaftsbildung und siedlungsgeschichtliche Bedeutung, Diss. Schwarzenberg 1934.

[18] Im Anhang findet sich eine Karte, die das entsprechende Gebiet darstellt.

[19] In Klammern die Ersterwähnung.

[20] Fröbe, Walter, Herrschaft und Stadt Schwarzenberg bis zum 16. Jahrhundert (1150-1586). Schwarzenberg 1930.

Ende der Leseprobe aus 37 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung der Burg für die Anfänge der hochmittelalterlichen Stadt am Beispiel von Schloss und Stadt Schwarzenberg im Erzgebirge
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Historisches Institut)
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
37
Katalognummer
V202597
ISBN (eBook)
9783656286073
ISBN (Buch)
9783656286639
Dateigröße
31663 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Mit umfangreichem Bildanhang
Schlagworte
Geschichte, Mittelalter, Mittelalterliche Geschichte, Burg, Schloss, Stadt, Stadtentstehung, Stadtentwicklung, Urbanisierung, Urbanität, Hochmittelalter, Schwarzenberg, Erzgebirge, Sachsen, Landeskunde, Sächsische Geschichte, Verfassungsgeschichte, Rechtsgeschichte, Stadtwerdung, Wehranlangen, Militärgeschichte, Landesgeschichte
Arbeit zitieren
Martin Mehlhorn (Autor), 2008, Die Bedeutung der Burg für die Anfänge der hochmittelalterlichen Stadt am Beispiel von Schloss und Stadt Schwarzenberg im Erzgebirge, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202597

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Bedeutung der Burg für die Anfänge der hochmittelalterlichen Stadt am Beispiel von Schloss und Stadt Schwarzenberg im Erzgebirge


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden