Im Rahmen dieser Arbeit wurde untersucht, ob das Doppelhedging von Rohstoffrisiken zu einem spekulativen Verhalten führen kann und dieses nicht zuletzt eine Erhöhung der ursprünglichen Risikoposition herbeiführt.
Eine nähere Betrachtung der Rohstoffmärkte, sowie der ausgewählten Rohstoffe Kupfer und Stahl, hat die Brisanz der hoch volatilen Rohstoffmärkte dargestellt. Deutlich wurde in diesem Zusammenhang der Bedarf von rohstoffverarbeitenden Unternehmen, sich gegen Preisschwankungen abzusichern. Die Komplexität einer erfolgreichen Absicherung wurde anschließend in Form des Risikomanagementprozesses und der unternehmensinternen Organisation veranschaulicht. Abschnitt vier hat gezeigt, dass sich Rohstoffrisiken mit Hilfe von Hedgingmaßnahme auf effektive Weise reduzieren lassen.
Weiterhin bestätigten sämtliche in der Arbeit aufgeführten Studien, über die Nutzung derivativer Instrumente, dass diese Instrumente für das heutige und das zukünftige Risikomanagement eine große Bedeutung spielen. Neben den derivativen Instrumenten, erachten die Unternehmen ein Risikomanagement als wichtig, um das Risiko der hoch volatilen Rohstoffmärkte handhaben zu können. Dennoch werden Risikomanagementstrategien gemäß der Studien weitestgehend mangelhaft umgesetzt. Sei es in Form von nicht schriftlich festgehaltener, eindeutiger Strategien oder von einer unzureichenden Bereitstellung zwingend notwendiger personeller, wie infrastruktureller Ressourcen. In dem Bereich der Umsetzung, Kompetenzzuweisung und organisatorischer Gestaltungen scheint die Gefahr des Doppelhedging am Größten zu sein.
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Inhaltsverzeichnis
1. Die Absicherung von Rohstoffrisiken in der Wirtschaft
2. Grundlagen: Rohstoffe und Rohstoffmärkte
2.1 Rohstoffklassifizierung und deren Entwicklung
2.2 Die Rohstoffe Kupfer und Stahl
3. Risikomanagement von Rohstoffrisiken
3.1 Risikoarten für kleine und mittlere Unternehmen
3.2 Der Risikomanagement-Prozess
3.3 Aufbau- und Ablauforganisation
4. Hedging als Instrument zur Absicherung gegen Rohstoffrisiken
4.1 Systematisierungsansatz des Hedging
4.2 Risikoreduktion durch natürliches Hedging
4.3 Hedging auf Basis von derivativen Instrumenten
4.3.1 Unbedingte Finanzinstrumente: Commodity-Futures
4.3.2 Cross-Hedging: Eine Sonderform der Commodity-Futures
4.3.3 Hedgingstrategien mit unbedingten Finanzinstrumenten
4.3.4 Bedingte Finanzinstrumente: Optionsgeschäfte
4.3.5 Hedgingstrategien mit bedingten Finanzinstrumenten
4.4 Dynamische Hedgingstrategien: Delta- und Gamma-Hedging
5. Risiken des Doppelhedging
5.1 Das Problem des Doppelhedging
5.2 Organisatorische Risiken
5.3 Risiken des natürlichen Hedging
5.4 Risiken des internen Netting
5.5 Auswirkungen des Doppelhedging auf Absicherungsstrategien
5.5.1 Commodity-Futures
5.5.2 Commodity-Swaps
5.5.3 Rollover-Hedging
5.5.4 Optionsstrategien
5.5.5 Dynamisches Hedging
6. Zusammenfassung und Bewertung der Ergebnisse
Zielsetzung & Themen
Diese Masterarbeit untersucht die Problematik des sogenannten Doppelhedging von Rohstoffrisiken in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) und analysiert, ob diese Praxis zu spekulativem Verhalten sowie einer Erhöhung der ursprünglichen Risikoposition führen kann.
- Systematische Analyse von Rohstoffpreisrisiken und Risikomanagement-Prozessen in KMU.
- Gegenüberstellung verschiedener Hedging-Instrumente (natürliches Hedging, Derivate, Optionen).
- Definition und Herleitung des Doppelhedging-Phänomens durch organisatorische oder strategische Fehler.
- Untersuchung der Auswirkungen von Doppelhedging auf das Unternehmensergebnis und die Liquiditätssituation.
- Ableitung von Risikofaktoren im Rahmen der Absicherungsstrategien.
Auszug aus dem Buch
5.1 Das Problem des Doppelhedging
Das Hedgingverhalten eines jeden Managers kann auf unterschiedliche Art und Weise beeinflusst werden. Beispielsweise durch eine individuelle Gewichtung des Shareholder-Value Gedankens oder der individuellen Kapitalstruktur des Unternehmens. Dennoch kann im Allgemeinen davon ausgegangen werden, dass ein Großteil der Unternehmer risikoavers eingestellt sind. Die im obigen Kapitel dargestellten Anwendungsmöglichkeiten derivativer Finanzinstrumente, einschließlich möglicher Absicherungsstrategien, entsprechen dieser Grundeinstellung. Ebendiese wird auch unter dem Aspekt eingehalten, dass eine Risikoposition durch Hedgingmaßnahmen nicht vollständig ausgeglichen werden kann. Ebenso wenig führt eine implementierte Hedgingmaßnahme, wie eine Versicherung, zu einer gesicherten Auszahlung im Schadensfall. Eine Preisfixierung kann nur durch eine aktive Gestaltung des Hedging erreicht werden. Von einem Hedgingerfolg wird gesprochen, wenn gemäß Definition die erwartete Abweichung vom Zielwert minimiert wird. Dies schließt den Fall eines möglichen Verlustes oder einer Schlechterstellung gegenüber einem nicht absichernden Unternehmen bei ungünstigen Marktentwicklungen ein. Bei solchen Ergebnissen handelt es sich um Entwicklungen, die von Anfang an als möglich erachtet wurden. Erst wenn unerwartete Verluste oder Gewinne auftreten, ist von einer Verfehlung zu sprechen. Diese Verfehlung muss in Ihrer Ursache beseitigt werden.
Unter definitorischer Betrachtung wird der schmale Grat zwischen einem Hedginggeschäft und einem Spekulationsgeschäft deutlich. Alle zuvor aufgeführten Finanzinstrumente und Strategien können für das Eine, wie auch für das Andere genutzt werden. Entscheidend ist lediglich, ob ein originäres leistungswirtschaftliches Geschäft zugrunde liegt oder jener Bezug, wie im Falle der Spekulation, nicht existent ist.
Bei KMU kann sich ein fehlerhaftes Finanzmanagement bedeutend auf die Liquidität auswirken. Das Doppelhedging beschreibt ein Risiko, welches neben den ursprünglichen Markt-, Geschäfts- und derivativen Finanzrisiken eine ernst zu nehmende Bedrohung für das Unternehmen darstellt. Doppelhedging deutet weder auf einen gezielten Einsatz zweier Absicherungsinstrumente, noch auf eine verstärkte Risikominderung hin. Vielmehr wird ein originäres, leistungswirtschaftliches Grundgeschäft durch zwei, nicht aufeinander abgestimmte Hedgingmaßnahmen abgesichert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Absicherung von Rohstoffrisiken in der Wirtschaft: Einführung in die Volatilität der Rohstoffmärkte und die Notwendigkeit von Absicherungsstrategien für rohstoffverarbeitende Unternehmen.
2. Grundlagen: Rohstoffe und Rohstoffmärkte: Charakterisierung von Rohstoffmärkten sowie detaillierte Untersuchung der Industriemetalle Kupfer und Stahl.
3. Risikomanagement von Rohstoffrisiken: Definition des Risikobegriffs, Darstellung des Risikomanagement-Prozesses und Anforderungen an die Unternehmensorganisation.
4. Hedging als Instrument zur Absicherung gegen Rohstoffrisiken: Erläuterung der Systematik des Hedging, des natürlichen Hedging sowie der Anwendung derivativer Finanzinstrumente wie Futures, Swaps und Optionen.
5. Risiken des Doppelhedging: Analyse des Doppelhedging-Problems, seiner Entstehungsursachen durch organisatorische Risiken oder internes Netting und dessen Auswirkungen auf das Unternehmensergebnis.
6. Zusammenfassung und Bewertung der Ergebnisse: Resümee der Arbeit und Fazit zur Gefahr von Doppelhedging als ungewollte Spekulation.
Schlüsselwörter
Doppelhedging, Rohstoffrisiken, KMU, Risikomanagement, Hedging, Derivative Instrumente, Commodity-Futures, Commodity-Swaps, Optionen, Delta-Hedging, Natürliches Hedging, Internes Netting, Preisrisiko, Marktvolatilität, Spekulation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Risiken und negativen Folgen einer fehlerhaften Absicherung von Rohstoffpreisrisiken, speziell das Phänomen des "Doppelhedging" bei kleinen und mittleren Unternehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Felder sind das Risikomanagement von Rohstoffen, die Funktionsweise derivativer Absicherungsinstrumente sowie die organisatorischen Voraussetzungen zur Vermeidung von Fehlentscheidungen im Finanzmanagement.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu klären, ob Doppelhedging unbewusst zu einem spekulativen Verhalten führt und ob dies die ursprüngliche Risikoposition eines Unternehmens unerwünscht erhöht.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse sowie die fallbasierte Darstellung und Berechnung von Hedging-Szenarien, um die Auswirkungen von Absicherungsinstrumenten (Futures, Swaps, Optionen) auf das Unternehmensergebnis zu illustrieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit den Grundlagen der Rohstoffmärkte, den Prozessen des Risikomanagements, der technischen Methodik des Hedging und einer detaillierten Risikoanalyse des Doppelhedging-Phänomens.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich primär über die Begriffe Doppelhedging, Rohstoffrisiken, Risikomanagement, Derivate und KMU-Finanzmanagement einordnen.
Warum stellt das Doppelhedging ein spezifisches Risiko für kleine Unternehmen dar?
Kleine und mittlere Unternehmen verfügen oft nicht über die personelle oder softwaretechnische Kapazität, um komplexe Hedging-Positionen zentral zu steuern, was zu unbewussten Überschneidungen und Liquiditätsengpässen führen kann.
Wie unterscheidet sich ein legitimes Hedging von einem Spekulationsgeschäft laut der Arbeit?
Ein legitimes Hedging ist durch ein originäres, leistungswirtschaftliches Grundgeschäft begründet, welches abgesichert werden soll. Fehlt dieser Bezug, handelt es sich um eine Spekulation.
- Arbeit zitieren
- Tim Schuster (Autor:in), 2011, Doppelhedging von Rohstoffrisiken in KMU: Gefahren einer fehlerhaften Absicherungsstrategie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202600