Der kleine Ort Jelling im Herzen Jütlands zählt heute etwa 3000 Einwohner. Jährlich zieht er aber 150 000 Besucher an. Verantwortlich für dieses große Interesse ist ein einmaliges Monument aus der Wikingerzeit, welches seit 1994 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes ist. Es kündet davon, dass es eine Zeit gab, in der Jelling Königsitz einer gleichnamigen Dynastie war und die Geschichte Dänemarks genau an dieser Stelle eine maßgebliche Wendung erfuhr. Die Protagonisten dieser Veränderung, König Gorm und sein Sohn Harald Blauzahn, werden in schriftlichen Quellen über das 10. Jahrhundert fassbar und in Kombination mit deren archäologischem Vermächtnis entsteht ein Bild, welches eine Vorstellung von der Zeit vermittelt, als das Land den Schritt vom Heiden- zum Christentum und damit in das christliche Europa hinein vollzog.
Die vorliegende Arbeit wird zeigen, dass die spärlichen schriftlichen Überlieferungen über den Ort Jelling als Königsitz um den archäologischen Befund erweitert werden müssen, um sich ein aussagekräftiges Bild machen zu können. Nachdem ausführlich auf die einzelnen Elemente eingegangen wurde, die dem Komplex in Jelling erst in der Gesamtbetrachtung zu seiner Bedeutung verhelfen, soll der Befund interpretiert werden. Dabei wird sich zeigen, dass die Wissenschaft zwar eine wahrscheinliche Erklärung für das einmalige Ensemble aus Runensteinen, Grabhügeln und Kirche gefunden hat, sie aber gut beraten wäre dieser Erklärung keinen Alleingültigkeitsanspruch zuzusichern. Dafür sind noch zu viele Fragen ungeklärt, die einen fruchtbaren Diskurs mit sich bringen könnten, wenn nicht von den meisten Historikern und Archäologen schon ein Schlussstrich gezogen worden wäre, wo noch keiner gezogen werden sollte.
Abschließend soll vor Augen geführt werden, dass der Übertritt Dänemarks zum Christentum, versinnbildlicht durch die Taufe Harald Blauzahns um 965 , nicht zufällig im 10. Jahrhundert stattfindet. Er ist das Resultat einer langen Entwicklung und christlichen Durchdringung des Landes, an deren Ende ein einmaliges Symbol gleichsam für nationale Identität und europäische Integration steht - die Anlage von Jelling.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Die Grabanlage von Jelling
1.1 Der Königsitz Jelling in schriftlichen Quellen
1.2 Der archäologische Befund
1.2.1 Überblick über die Anlage von Jelling
1.2.2 Die Runensteine
1.2.3 Nordhügel und Grabkammer
1.2.4 Südhügel und Steinsetzung
1.2.5 Kirche und Kirchengrab
II. Interpretation des archäologischen Befundes.
2.1 Die Translatio-Hypothese.
2.2 Jelling - ein Einzelfall?
2.3 Offene Fragen und Alternativtheorien
III. Dänemark am Übergang vom Heiden- zum Christentum
3.1 Die Dänen und das Christentum
3.2 Verbindungen zwischen Harald Blauzahn und Otto dem Großen
3.3 Jelling als National- und Integrationssymbol
Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Grabanlage von Jelling als zentrales Symbol für den religiösen und gesellschaftlichen Wandel Dänemarks im 10. Jahrhundert. Dabei wird analysiert, wie das Ensemble aus Grabhügeln, Runensteinen und Kirche die Integration Dänemarks in das christliche Europa versinnbildlicht und zur nationalen Identitätsbildung beiträgt.
- Analyse des Königsitzes Jelling in historischen Quellen
- Auswertung der archäologischen Befunde (Runensteine, Grabhügel, Kirche)
- Kritische Diskussion der Translatio-Hypothese
- Untersuchung des Übergangs vom Heidentum zum Christentum
- Bedeutung von Jelling als National- und Integrationssymbol
Auszug aus dem Buch
1.2.2 Die Runensteine
Wichtigstes Zeugnis der Ereignisse in Dänemark zur Herrschaftszeit Harald Blauzahns ist der große Jellingstein. Dabei handelt es sich um einen fast zehn Tonnen schweren Granitblock, dessen Grundform an eine Pyramide mit dreiseitiger Grundfläche erinnert. Seine Position auf der Achse zwischen beiden Grabhügeln entspricht im Wesentlichen dem Originalstandort. Alle drei Seiten tragen ein kunstvolles, im Original farbiges Relief mit einer exakt gearbeiteten Runeninschrift. Nacheinander gelesen ergibt sich für den Stein folgender Text:
„König Harald ließ diese Denkmäler machen nach Gorm, seinem Vater, und nach Thyra, seiner Mutter, jener Harald, der für sich gewann ganz Dänemark und Norwegen und der die Dänen zu Christen machte“.
Das als A-Seite bezeichnete Drittel des Steins trägt den unterstrichenen Teil der obigen Gesamtinschrift. Hier dominiert eindeutig der zu vermittelnde Text.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die historische Bedeutung von Jelling als UNESCO-Weltkulturerbe und als Ort der Transformation Dänemarks zum Christentum.
I. Die Grabanlage von Jelling: Detaillierte Betrachtung der historischen Quellenlage und der archäologischen Befunde der Monumente in Jelling.
II. Interpretation des archäologischen Befundes.: Wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Translatio-Hypothese, alternativen Theorien und der Bedeutung der Grablegungen.
III. Dänemark am Übergang vom Heiden- zum Christentum: Analyse der Missionierungsgeschichte, der politischen Verbindung zum ottonischen Reich und der Rolle Jellings als Symbol für nationale Identität und europäische Integration.
Schluss: Zusammenfassende Betrachtung, wie Jelling und der Prozess der Integration im 10. Jahrhundert als Modell für historische Transformationsprozesse dienen können.
Schlüsselwörter
Jelling, Harald Blauzahn, Gorm der Alte, Dänemark, Wikingerzeit, Christentum, Translatio-Hypothese, Runensteine, Grabhügel, Integration, Nationaldenkmal, Missionierung, Otto der Große, archäologischer Befund, Identitätsbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die archäologischen und historischen Monumente in Jelling, um den Prozess der Integration Dänemarks in das christliche Europa während des 10. Jahrhunderts zu beleuchten.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die schriftliche und archäologische Überlieferung, die Herrschaftsgeschichte der Jelling-Dynastie sowie die Entwicklung der dänischen Identität im Kontext der Christianisierung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, das archäologische Ensemble in Jelling als bewusste, symbolträchtige Konstruktion zu interpretieren, die den gesellschaftlichen Wandel und die politische Einung Dänemarks unter Harald Blauzahn verdeutlicht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine quellenkritische Analyse historischer Texte im Abgleich mit archäologischen Befunden und aktuellen archäologischen Interpretationsmodellen.
Welche Inhalte werden im Hauptteil vertieft?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der archäologischen Funde, die Diskussion um die Bestattungspraxis (Translatio-Hypothese) und die Untersuchung der politischen sowie religiösen Rahmenbedingungen des 10. Jahrhunderts.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Jelling, Harald Blauzahn, Christianisierung, Integration, Runensteine und Dänemark einordnen.
Wie sicher ist die Translatio-Hypothese?
Die Arbeit stellt heraus, dass die Translatio-Hypothese zwar unter Forschern verbreitet ist, aber keineswegs alternativlos oder unumstritten ist, da es weiterhin ungeklärte Widersprüche bei der Identifizierung der Skelettreste gibt.
Warum spielt der "große Jellingstein" eine so zentrale Rolle?
Er gilt als "Taufschein Dänemarks" und dient als sakrales Legitimationsinstrument für die Herrschaft Harald Blauzahns, das heidnische Traditionen mit neuen christlichen Inhalten verbindet.
- Arbeit zitieren
- Martin Mehlhorn (Autor:in), 2011, Die Grabanlage von Jelling als Symbol für die Integration des wikingerzeitlichen Dänemarks in das christliche Europa, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202632