Bei der Lektüre von Jean-Jacques Rousseau tun sich aus heuteiger Sicht mehr als eine Frage auf. Insbesondere der Naturzustand, bzw. der vorgesellschaftliche Zustand und die moralischen Grundwerte, die Rousseau vertritt und die so teilweise so aktuell erscheinen, wie sie nur sein könnten, machen Lust zu einer Analyse, die nicht immer zeitgemäß sein muss. Die zwei Essays zu den Themen 'Mitleid' und 'Vorgesellschaftlicher Zustand' sind bodenständig und provokativ zugleich.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der vorgesellschaftliche Zustand nach Hobbes
3 Der vorgesellschaftliche Zustand nach Jean-Jacques Rousseau
3.1 Der Zustand des natürlichen Menschen
3.2 Der Zustand des entstehenden Menschen
3.3 Der Zustand des Krieges
4 Die Modelle im Vergleich
4.1 Die Rolle der Selbsterhaltung
4.2 Die Leidenschaften und die Vernunft
4.3 Die Moral
5 Abschließende Gedanken
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die Modelle des vorgesellschaftlichen Zustands bei Thomas Hobbes und Jean-Jacques Rousseau. Dabei soll herausgearbeitet werden, wie die jeweiligen Autoren den ursprünglichen Lebenswandel des Menschen konzipieren und welche theoretischen Gemeinsamkeiten sowie signifikanten Unterschiede in Bezug auf Selbsterhaltung, Leidenschaften, Vernunft und Moral bestehen.
- Vergleich der anthropologischen Modelle von Hobbes und Rousseau
- Analyse des Naturzustands und seiner Phasen bei Rousseau
- Untersuchung der Rolle der Selbsterhaltung als existenzielle Notwendigkeit
- Gegenüberstellung des Einflusses von Leidenschaften und Vernunft
- Diskussion über die Entstehung von Moralität im gesellschaftlichen Kontext
Auszug aus dem Buch
Der Zustand des natürlichen Menschen
Zu Beginn seiner Existenz führt der Mensch ein solitäres, autonomes Leben. Er tut, was notwendig ist, um seine physischen Bedürfnisse zu erfüllen und lebt, abgesehen von kurzweiligen sexuellen Kontakten, für sich. Seine Stärken, z.B. die Fähigkeit des freien Willens, seine Anpassungsfähigkeit, die Möglichkeit reelle Bedürfnisse mit seinem Verstand und einer Vorstellung zu erfassen und aktiv umsetzen zu können und der Antrieb durch seine Leidenschaften, befähigen ihn sich in seiner Lebenswelt optimal einzufügen und seine Schwächen auszugleichen. Der Mensch erlebte sich und seine Umwelt klar strukturiert und stets in gleichförmiger Weise, hätte einen leichten, aber gern gewollten Schlaf, denke wenig und trüge die Sorge um seine Selbsterhaltung. Sich sich selbst genügend lebte er „ohne einen Gedanken an die Zukunft, wie nah sie auch“ sein möge, nur für die Befriedigung seiner physischen Bedürfnisse und sähe keine Notwendigkeit diesen Zustand zu verlassen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Absicht, die philosophischen Modelle von Hobbes und Rousseau hinsichtlich ihres Bildes vom vorgesellschaftlichen Menschen zu vergleichen.
2 Der vorgesellschaftliche Zustand nach Hobbes: Dieses Kapitel beschreibt Hobbes' Auffassung des Naturzustands als einen durch Misstrauen und ständigen "Krieg aller gegen alle" geprägten Zustand.
3 Der vorgesellschaftliche Zustand nach Jean-Jacques Rousseau: Dieses Kapitel gliedert Rousseaus Modell des Naturzustands in drei aufeinanderfolgende Phasen: den natürlichen Menschen, den entstehenden Menschen und den Zustand des Krieges.
3.1 Der Zustand des natürlichen Menschen: Hier wird das autonome, solitäre Leben des Menschen zu Beginn seiner Existenz beschrieben, das primär der physischen Selbsterhaltung dient.
3.2 Der Zustand des entstehenden Menschen: Dieses Kapitel thematisiert die Entwicklung der Reflektionsfähigkeit und die Entstehung neuer Bedürfnisse sowie soziale Beziehungen.
3.3 Der Zustand des Krieges: Hier wird die Verschärfung von Konkurrenz und Ungleichheit durch Eigentum und Arbeitsteilung als letztes Stadium vor der Notwendigkeit einer neuen Ordnung beschrieben.
4 Die Modelle im Vergleich: Dieses Kapitel setzt die Ansätze von Hobbes und Rousseau in Bezug auf Selbsterhaltung, Leidenschaften, Vernunft und Moral zueinander in Beziehung.
4.1 Die Rolle der Selbsterhaltung: Dieses Unterkapitel vergleicht die unterschiedliche Gewichtung und Funktion der Selbsterhaltung bei beiden Denkern.
4.2 Die Leidenschaften und die Vernunft: Hier wird die Rolle von Leidenschaften als Antrieb und das Verhältnis zur Vernunft in beiden Modellen kritisch diskutiert.
4.3 Die Moral: Dieses Unterkapitel untersucht, wie beide Autoren die Entstehung von Moral und das Fehlen derselben im vorstaatlichen Zustand begründen.
5 Abschließende Gedanken: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und deutet Möglichkeiten für weiterführende Analysen der Modelle an.
Schlüsselwörter
Naturzustand, Selbsterhaltung, Mitleid, Hobbes, Rousseau, Vernunft, Leidenschaften, Moral, Gesellschaftsvertrag, Anthropologie, Kriegszustand, Perfektibilität, Eigentum, Leviathan, Philosophie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einem rechtsphilosophischen Vergleich der vorgesellschaftlichen Zustandsmodelle von Thomas Hobbes und Jean-Jacques Rousseau.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Selbsterhaltung, der Rolle der Vernunft, den menschlichen Leidenschaften sowie der Entstehung von Moral und Eigentum.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Autoren bei der Konzeption des ursprünglichen menschlichen Lebenswandels deutlich herauszustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse primärer philosophischer Werke (insbesondere „Leviathan“ und „Diskurs über die Ungleichheit“).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Modelle von Hobbes und Rousseau separat dargestellt, gefolgt von einem direkten Vergleich anhand der drei Schwerpunkte Selbsterhaltung, Leidenschaften/Vernunft und Moral.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Naturzustand, Selbsterhaltung, Mitleid, Vernunft und Gesellschaftsvertrag bilden das inhaltliche Grundgerüst.
Warum sieht Rousseau Mitleid als entscheidend an?
Rousseau sieht im Mitleid eine universelle natürliche Tugend, die den Menschen im Naturzustand dazu bewegt, das Leiden anderer zu vermeiden, noch bevor rationale Reflexion einsetzt.
Inwiefern unterscheidet sich Hobbes' Sicht auf den Naturzustand?
Hobbes betrachtet den Menschen im Naturzustand als unvernünftig und triebgesteuert, was unweigerlich zu einem permanenten Kriegszustand führt, der nur durch eine übergeordnete staatliche Macht beendet werden kann.
- Arbeit zitieren
- Melanie Johannsen (Autor:in), 2007, Gedanken zu Jean-Jacques Rousseaus 'Diskurs über die Ungleichheit' , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202706