Vorbildcharakter der Antike in der Französischen Revolution


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012
50 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Verklärung von Vorbildern aus der Mythologie
2.1 Die Brutus-Faszination
2.1.1 Die mythologische Brutus-Gestalt
2.1.2 Generelles Aufblühen der Brutus-Begeisterung
2.1.3 Das Brutus-Gemälde von Jacques-Louis David
2.2 Identifikationsfigur Herkules
2.2.1 Herakles in der griechischen Mythologie
2.2.2 Begeisterung für Herkules bei den Sansculotten

3. Verklärung historisch nachweisbarer Vorbilder
3.1 Marcus Tullius Cicero und seine Rezeption
3.1.1 Cicero als Redner
3.1.2 Cicero als Republikaner
3.2 Cato Uticensis
3.3 Gracchus und die Verschwörung des Babeuf
3.4 Der griechische Gesetzgeber Solon

4. Abstrakta, Symbole, Ideale und Allegorien
4.1 Antike Symbolik in der Französischen Revolution
4.1.1 Zweck und Wirkabsicht von Symbolen
4.1.2 Die Freiheitsmütze
4.1.3 Fasces und corona civica
4.2 Auswahl markanter Schlagworte mit antiker Herkunft
4.2.1 Die Tugend
4.2.2 Die Vernunft
4.2.3 Gerechtigkeit und Freiheit
4.2.4 Das Vaterland
4.3 Vorbildhafte Staatsformen
4.3.1 Sparta
4.3.2 Die römische Republik

5. Abschließendes Fazit

6. Anhang

1. Einleitung

Was hat eine Brutus-Büste im Sitzungssaal des Nationalkonvents zu suchen? Dieser Anblick dürfte wohl bei einem heutigen Betrachter ein hohes Maß an Verwunderung auslösen. Tatsächlich befanden sich ebendort aber zahlreiche Büsten, die man wohl viel eher in den Kapitolinischen Museen in Rom erwarten würde: Die Büste von Lucius Iunius Brutus befand sich in bester Gesellschaft – „mit den Büsten von Camillus[1] , Poplicola[2] , Cincinnatus[3] sowie denen von Solon, Lykurg[4] , Platon und Demosthenes[5] .“[6] Diese Ansammlung an antiken Büsten ist im Konglomerat äußerst bemerkenswert und attestiert eine durchaus eklatante Antiken-Begeisterung während der Französischen Revolution. In dieser paradigmatischen Stellung von sowohl mythologischen als auch realen Vorbildern aus der Antike manifestiert sich der Zeitgeist des späten 18. Jahrhunderts in Frankreich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Vorliegende Seminararbeit befasst sich schwerpunktmäßig mit dem Vorbildcharakter der Antike für die Französische Revolution. Dies impliziert einerseits eine akzentuierte Analyse der Rezeption konkreter Gestalten und abstrakter Idealen aus der Antike, andererseits aber auch eine schlaglichtartige Beleuchtung folgender Leitfrage: Was veranlasste die Menschen dazu, sich in so dezidierter Weise an der Vergangenheit zu orientieren? Zunächst werde ich ostentativ die Rezeption einiger wesentlicher Gestalten aus der Antike abhandeln. Dabei werden wir mythologische und historische Persönlichkeiten getrennt voneinander betrachten, obgleich ja „die römischen Sagen an die geschichtliche Zeit heran und vielfach in sie hinein[führen].“[7] Anschließend werden wir im groben Überblick analysieren, inwiefern antike Symbole in Ikonographie und Symbolik der Französischen Revolution Eingang gefunden haben. Das Spektrum reicht von Jakobinermütze über die fasces römischer Liktoren bis hin zur allegorischen Darstellung der Iustitia. Ein letzter Gliederungspunkt ist dann abstrakten Idealen der Antike gewidmet, die auch in der französischen Revolution eine zentrale Rolle einnahmen – dort allerdings mutatis mutandis unter einer patriotischen Färbung und zeitgenössischen Schwerpunktsverlagerung. Im Rahmen eines derartig ehrgeizigen Vorhabens lässt sich unmöglich Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Vielmehr sollen wesentliche Leitlinien der Antike-Rezeption in der Französischen Revolution herausgestellt und die jeweiligen Hintergründe erörtert werden. Es gilt die sinnvolle Maxime non multa, sed multum.

2. Verklärung von Vorbildern aus der Mythologie

Cincinnatus, Lucretia, die drei Horatier, Scaevola, Spartacus, Camillus… – Ein breites Arsenal mythologischer Gestalten wurde während der Französischen Revolution wieder lebendig. Leider können sie im Gegensatz dazu nicht allesamt im Rahmen dieser Arbeit ebenfalls wieder aufleben. Hier müssen wir uns dringend auf eine knappe Auswahl beschränken! Im ersten Teil meiner Ausführungen werden wir einen Blick auf zwei exemplarisch ausgewählte mythologische Gestalten werfen, denen in der Französischen Revolution eine exorbitante Bedeutung zukam, nämlich: L. Iunius Brutus und Herkules. Dabei wird ein persönlicher Schwerpunkt auf ihrer Rezeption und ihrem spezifischen Vorbildcharakter im zeitgenössischen Kontext liegen.

2.1 Die Brutus-Faszination

Wer war dieser besagte Lucius Iunius Brutus, dessen Büste man im Sitzungssaal des Nationalkonvents vorfindet? JEHNE[8] zu Folge ist es durchaus wahrscheinlich, „daß es den republikanischen Freiheitshelden Lucius Brutus nie gegeben hat.“[9] Dennoch löste er eine extreme Begeisterung während der Französischen Revolution aus, die heutzutage kaum nachvollziehbar ist. Im Folgenden soll der Schleier der Ungewissheit in Bezug auf den Volkshelden Brutus ein wenig gelüftet werden. Zunächst soll möglichst knapp und präzise der Mythos um Brutus skizziert werden. Anschließend wird anhand eines Gemäldes von Jacques-Louis David die Bedeutung von Brutus während der Französischen Revolution rekapituliert.

2.1.1 Die mythologische Brutus-Gestalt

Eine detailgetreue Wiedergabe des Brutus-Mythos würde zweifelsohne den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Daher werden wir uns auf ein paar wesentliche Leitlinien beschränken. Lucretia begeht Selbstmord[10] – und Brutus betritt im wahrsten Sinne des Wortes die Bühne mit einer überwältigenden Rede die beim Geschichtsschreiber Livius tradiert ist:

„Bei diesem Blute“, sagte er,“ das vor dem königlichen Unrecht ganz und gar rein war, schwöre ich, und rufe ich euch, ihr Götter, zu meinen Zeugen an, dass ich L. Tarquinius Superbus mit seiner verbrecherischen Ehefrau und dem ganzen Stamme seiner Kinder mit Schwert und Feuer und jeder erdenklichen mir möglichen Gewalt verfolgen werde, und nicht zulassen werde, dass weder er, noch sonst jemand in Rom als König herrsche.“[11]

Der πάθος in dieser Rede ist durchaus beachtlich und zeugt von einer republikanischen Gesinnung, wie sie auch für die Französische Revolution typisch ist.[12] Die folgenden Ereignisse werden bei HERBERT auf den Punkt gebracht: „Brutus then led the successful fight against Tarquin, and the royal family was exiled.“[13] L. Tarquinius Superbus wurde dem Mythos zufolge aus der Stadt Rom vertrieben, Brutus war einer der ersten beiden Konsuln.[14]

Brutus‘ exorbitante Bedeutung als Vorbild der Bekämpfung der Tyrannei manifestiert sich allerdings nicht allein im Antagonismus gegenüber den Tarquiniern. Seine republikanische Haltung wird ferner in erster Linie auch durch folgende beispielhafte Entscheidung suggeriert, die im Artikel von BREDEKAMP im „Handbuch der politischen Ikonographie“ auf den Punkt gebracht wird: „Als er auf einer Liste von Verschwörern die Namen seiner beiden Söhne entdeckte, verurteilte er sie […] gegen alle Erwartungen zum Tode, um sie vor seinen Augen enthaupten zu lassen.“[15] Zerrissen von Vaterliebe und officia gegenüber dem Gemeinwesen entschied sich Brutus ganz im römischen Geiste für die res publica und ließ seine eigenen Söhne hinrichten.[16] Dass man seine Entscheidung in der späteren Rezeption als völlig römisch wertete, bezeugt ein Zeitschriftenartikel aus dem Jahr 1802: „Die Hinrichtung der Söhne des Brutus endlich ist ganz im Character [sic!] der rauhen römischen Mannheit.“[17]

2.1.2 Generelles Aufblühen der Brutus-Begeisterung

Diese dezidiert patriotische Haltung des Brutus fügt sich salva venia optimal in den zeitgenössischen Wertekanon der Revolutionäre in Frankreich: geradezu uneingeschränkter Patriotismus und kompromisslose Vaterlandsliebe. Die Brutus-Faszination war schon vor der Französischen Revolution in statu nascendi[18] , doch erreichte sie während der Französischen Revolution ihren Kulminationspunkt. Nicht zuletzt wurden Straßen nach Brutus benannt und darüber hinaus war Brutus einer der beliebtesten Vornamen.[19] Einen Aufschwung nahm die Brutus-Manie darüber hinaus in Verbindung mit Voltaire, wie HERBERT treffend formuliert: „Voltaire’s star, meanwhile, was fast rising in the early phase of the Revolution.“[20] In diesem Kontext kam es zu „celebratory presentations of his Brutus in November 1790“[21] , veranlasst von Saint-Just. Nicht zuletzt manifestierte sich die Brutus-Begeisterung in der bereits erwähnten Büste im Nationalkonvent, die sich an einer prominenten Stelle vor der Rednerschranke befand.[22] Diese Begeisterung für den römischen Freiheitshelden lässt sich nur nachvollziehen, wenn man einerseits das Selbstbild der Revolutionäre, andererseits die begleitenden historischen Ereignisse betrachtet. In den Augen der Revolutionären kämpften sie gegen eine Tyrannei und für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. So berichtet der zeitgenössische Gymnasiallehrer Georg Wilhelm Böhmer nach der Hinrichtung des Königs am 21. Januar 1793 in Mainz:

„Möge Ludwigs Haupt der große Weltmagnet werden, der früher oder später die Häupter aller großen und kleinen, geist- und weltlichen Tyrannen nach sich zieht.“[23]

Die Revolutionäre fühlten sich nach der Guillotinierung von Ludwig XVI. von einer Despotie erlöst. Dabei stellten sie sich ostentativ in die Tradition von L. Iunius Brutus: Jener befreite Rom aus der Tyrannei der Tarquinier, diese Frankreich aus den Fesseln des Absolutismus.

2.1.3 Das Brutus-Gemälde von Jacques-Louis David

Im Rahmen einer wissenschaftlichen Analyse der Brutus-Rezeption während der Französischen Revolution ist eine Betrachtung des berühmten Brutus-Gemäldes von Jacques-Louis David, das eine exorbitante Popularität erlangt hat, unabdingbar. Das Gemälde entstand in den Jahren 1787 bis 1789, wodurch David bereits vor dem Ausbruch der Französischen Revolution „seiner revolutionären Gesinnung pathetisch Ausdruck verliehen hatte.“[24] Im August 1789, als die „Revolution auf dem Lande“[25] zur Abschaffung der Feudalität führte und nun im Zuge dessen die Menschen- und Bürgerrechte verkündet wurden,[26] beendete David sein Gemälde. Zu Recht stellt HERBERT die Frage: „Was he or was he not aware of the parallels with contemporary events that ultimately would give his picture a special fame?“[27] Rebus sic stantibus lässt sich also konstatieren, dass sich Davids Brutus optimal in den Zeitgeist einfügte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

David stellt dar, wie Brutus‘ von den Liktoren seine auf seinen eigenen Befehl hin getöteten Söhne gebracht werden. Erstaunlich ist, dass David in seinem Gemälde simpliciter „nicht den heroisch seine Söhne für den Republik opfernden Richter […], sondern […] den an seiner Tat verzweifelnden Vater [und] in seinem Zwiespalt vereinsamten Helden“[28] gezeigt hat.[29] Im Zentrum des Interesses steht nicht Glorifizierung, nicht der „Held“ Brutus. Vielmehr geht es darum, diesen inneren Konflikt herauszuarbeiten und dem Betrachter bewusst zu machen.[30] Dies bezweckt sozusagen eine Art von politischer Bewusstwerdung, wie sie während der Französischen Revolution eine condicio sine qua non war und daher fruchtbaren Boden fand. Durch diese kritische aber doch insistierende Betrachtungsweise wird ein neuer Maßstab der Beurteilung eingeführt, der dem Phänomen der Brutus-Faszination beachtlich Aufwind gab.

2.2 Identifikationsfigur Herkules

Im Folgenden werden wir unser Augenmerk auf eine weitere mythologische Figur werfen, die in der Französischen Revolution einen Vorbildcharakter einnahm: Herkules. Zunächst wird die geläufige Darstellung von Herkules im Mythos schlaglichtartig rekapituliert, um anschließend auf seine Rezeption und Bedeutung während der Revolution einzugehen.

2.2.1 Herkules in der griechischen Mythologie

Die folgende Kurzfassung orientiert sich an CARSTENSENs Monographie „Griechische Sagen“.[31] Die Sage von Herakles ist genuin griechischen Ursprungs. Der Name Herkules ist folglich eine interpretatio Romana des griechischen Helden Herakles.[32] Herkules war ein Halbgott: Sohn von Jupiter und Alkmene.[33] Bereits als Kind soll er der Sage nach zwei Schlangen, welche die eifersüchtige Juno geschickt hatte, um ihn zu töten, ex propriis erwürgt haben. Sehr symbolträchtig ist die daran anschließende Szene, in der Herkules am Scheideweg Tugend und Laster in Personifikation begegnet und sich für sein zukünftiges Leben für den Weg der Tugend entscheidet. Herkules unterstütze laut dem Mythos die Götter bei ihrem Kampf gegen die Giganten im Rahmen der sogenannten Gigantomachie. Juno strafte ihn mit Wahnsinn, sodass er seine eigenen Kinder tötete. Anschließend musste Herkules als Sühne dafür zwölf Prüfungen bei seinem Onkel Eurystheus bestehen.[34] Doch auch danach war Herkules kein glückliches Leben bestimmt. Letzten Endes starb Herkules der Sage nach, als er ein vergiftetes Kleid, das ihm seine Frau in Unwissenheit geschenkt hatte, anlegte – darin verbrannte und selbst seinen eigenen Scheiterhaufen entzündete.

[...]


[1] Gestalt der römischen Mythologie, die mit dem Ehrentitel „Zweiter Romulus“ honoriert wurde. Camillus soll durch die Eroberung von Veji den lange andauernden Kampf der beiden Städte zugunsten Roms entschieden. Weiterhin hat er laut Überlieferung im Rahmen des sogenannten Galliereinfalls 390-387 v.Chr. die Gallier aus Rom vertrieben haben. Vgl. Richard Carstensen, Römische Sagen. Den Quellen nacherzählt, Würzburg 2003, S.195-198, 204-205.

[2] Brutus‘ Mitkonsul, der nach dessen Tod einen entscheidenden Sieg über die Etrusker erringen konnte, welche ihrerseits der Sage nach die neuentstandene Republik bekämpften.

[3] Paradebeispiel römischer officia schlechthin. Im Rahmen einer ernstzunehmenden Bedrohung Roms durch Aequer, Sabiner und Volsker leistete er einem Senatsbeschluss Folge und nahm die Diktatur an. Nach erfolgreicher Erledigung seines Auftrags legte er vorschriftsgemäß die Diktatur nieder und wendete sich wieder als privatus landwirtschaftlicher Tätigkeit zu. Vgl. Carstensen, Römische Sagen, S.182-184.

[4] Spartanischer Gesetzgeber, dessen Historizität als zweifelhaft gilt.

[5] Bedeutendster Redner in der griechischen Antike und Vorbild Ciceros. Demosthenes ist in erster Linie für seine Philippischen Reden bekannt, die sich gegen den Makedonenkönig Philipp II. richteten.

[6] Vgl. Wilfried Nippel, Die Antike in der amerikanischen und französischen Revolution, in: Popolo e potere nel mondo antico. Atti del convegno internazionale Cividale del Friuli, hrsg. v. Gianpaolo Urso, Pisa 2005, S.259-269, hier: .265.

[7] Vgl. Carstensen, Römische Sagen, S.256.

[8] Bedeutender Althistoriker und Professor für Alte Geschichte in Dresden, dessen persönlicher Forschungsschwerpunkt auf der späten Römischen Republik liegt. JEHNE gilt insbesondere auch als einer der bedeutendsten Caesar-Kenner der Gegenwart.

[9] Vgl. Martin Jehne, Die Römische Republik. Von der Gründung bis Caesar, Becksche Reihe, München 2008, S.8.

[10] Dem Mythos zu Folge wurde Lucretia von Sextus Tarquinius, dem Sohn des Königs Tarquinius Superbus, vergewaltigt. Sie rief ihren Ehemann Collatinus sowie ihren Vater mit jeweils einen Begleiter zu sich und erklärte ihnen, was vorgefallen war. Der Begleiter von Collatinus soll laut dem Mythos Brutus gewesen sein. Lucretia beschwor die vier Männer, Rache für dieses Verbrechen zu nehmen, und nahm sich selbst das Leben. Anschließend hielt Brutus eine Rede. Für eine kurze Zusammenfassung des Mythos verweise ich auf Carstensen, Römische Sagen, S.146-149.

[11] Vgl. Livius, ab urbe condita, liber I. 58. Lateinischer Text: "Per hunc" inquit "castissimum ante regiam iniuriam sanguinem iuro, vosque, di, testes facio me L. Tarquinium Superbum cum scelerata coniuge et omni liberorum stirpe ferro igni quacumque dehinc vi possim exsecuturum, nec illos nec alium quemquam regnare Romae passurum."

[12] Vgl. Horst Bredekamp, Brutus, in: Handbuch der politischen Ikonographie, Band 1, hrsg. v. Hendrik Ziegler, München 2011, S.186-192, hier: 186

[13] Vgl. Robert Herbert, David, Voltaire, Brutus and the French Revolution. An essay in art and politics, London 1972, S.17.

[14] Zusammen mit Lucretias Gemahl Collatinus. Vgl. Carstensen, Römische Sagen, S.146-149.

[15] Vgl. Bredekamp, Brutus, S.187.

[16] Dieses Motiv ist in der römischen Mythologie durchaus verbreitet. Das bekannteste Beispiel neben Brutus ist Titus Manlius Torquatus, der als Konsul seinen eigenen Sohn zum Tode verurteilte, weil dieser zuwider des Befehls seines Vaters – des römischen Konsuls und somit imperium -Trägers – gegenden Feind kämpfte. Vgl. Carstensen, Römische Sagen, S.217-219.

[17] Vgl. Gabriel Gottfried Bredow, Lucius Iunius Brutus, in: Minerva, hrsg. v. Johann Wilhelm von Archenholz, 2. Band (1802), S.352-362, hier: 358.

[18] Dies beweisen bedeutende Gemälde, etwa von Giuseppe Maria Crespi bzw. Jacques-Antoine Beaufort im 18. Jahrhundert, aber auch ein Fresco von Maso di Banco während der Renaissance und eine Zeichnung aus dem frühen 17. Jahrhundert von Giovanni Battista Gaulli . Petrarca soll gesagt haben, jedes Zeitalter produziere seinen Brutus. Vgl. Bredekamp, Brutus, passim.

[19] Vgl. Nippel, Antike in der amerikanischen und französischen Revolution, S. 265.

[20] Vgl. Herbert, David, Voltaire, Brutus and the French Revolution, S.68.

[21] Ibidem, S.70.

[22] Vgl. Bredekampf, Brutus, S.188.

[23] Zeitzeugenbericht von Georg Böhmer, zit. n. Jacques-René Hébert, „Den Papst an die Laterne, die Pfaffen an die Klapse!“. Schriften zu Kirche und Religion 1790 – 1794, Freiburg 2003, S. 396.

[24] Vgl. Wolfgang Brassat, Heroismus, in: Handbuch der politischen Ikonographie, Band 1, hrsg. v. Hendrik Ziegler, München 2011, S.473-480, hier: 477.

[25] Vgl. François Furet, u.a., Die Französische Revolution, München o.J., S.126.

[26] THAMER spricht von den „,Grundgesetzen‘ vom August 1789“. Vgl. Hans-Ulrich Thamer, Die Französische Revolution, Becksche Reihe, München 2006, S.39.

[27] Vgl. Herbert, David, Voltaire, Brutus and the French Revolution, S.50.

[28] Vgl. Bredekamp, Brutus, S.189.

[29] Insgesamt wurde Brutus‘ Entscheidung für Patriotismus und gegen Vaterliebe nicht durchwegs positiv gedeutet. Zu Beginn seiner Biographie des Marcus Iunius Brutus, den er kurz mit seinem mythologischen Ahnherrn hinsichtlich des Charakters vergleicht, deutet Plutarch wie folgt: Brutus habe sich durch seinen Hass auf die Tyrannen blenden lassen, und in seinem Wahn seine eigenen Kinder getötet. Vgl. Plutarch, Brutus, 1. Es ist ersichtlich, dass ein Mythos dem geradezu beckmesserisch analysierenden Wissenschaftler eine ganze Bandbreite an Interpretationsmöglichkeiten zur Hand gibt.

[30] Vgl. Thomas Kirchner, Historienbilder, in: Handbuch der politischen Ikonographie, Band 1, hrsg. v. Hendrik Ziegler, München 2011, S.505-512, hier: 511f.

[31] Vgl. Richard Carstensen, Griechische Sagen, Würzburg 2003, S.114-136.

[32] Da sich die Sansculotten der Französische Revolution weitestgehend auf den römischen Helden Herkules berufen haben, werde ich simpliciter fortan die römische Nomenklatur verwenden. Ebenso verwende ich analog dazu die römischen Götter- und Ortsnamen im Rahmen dieses Mythos. Ich bin mir bewusst, dass dieses Vorgehen für die Rekapitulation der griechischen Sage durchaus fragwürdig ist. Dennoch scheint dies hier aufgrund der Einheitlichkeit und konsequenten Darstellung angemessen.

[33] Die Sage, wie Jupiter Alkmene täuschte und sich in ihren Gemahl Amphitruo verwandelte, wird bei Plautus in einer tragicomoedia dargestellt: Vgl. Plautus, Amphitruo, hrsg. v. Jürgen Bläsdorf, Reclam Verlag, Stuttgart 1986.

[34] Diese Aufgaben sind übersichtlich und leserfreundlich in COTTERELLs Handbuch über Mythologie dargestellt. Vgl. Arthur Cotterell, Mythologie. Götter, Helden, Mythen, Köln, o.J., S.60.

Ende der Leseprobe aus 50 Seiten

Details

Titel
Vorbildcharakter der Antike in der Französischen Revolution
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg  (Neuere Geschichte)
Veranstaltung
HS: Die Französische Revolution
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
50
Katalognummer
V202713
ISBN (eBook)
9783656289890
ISBN (Buch)
9783656290728
Dateigröße
1041 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Französische Revolution, Antike
Arbeit zitieren
Domenic Schäfer (Autor), 2012, Vorbildcharakter der Antike in der Französischen Revolution, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202713

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