Zunehmende Zahlen in der Stadtbevölkerung verlangen, dass ein Mensch sich authentisch und selbstsicher inszeniert um im Strom der schnelllebigen Zeit Orientierung zu bewahren. Die individuelle Identitätskonstruktion in einer globalisierten Metropole wird hinsichtlich ihrer Konstruktionsmerkmale und ihres Konstruktionsprozesses einer theoretischen und kulturwissenschaftlichen Untersuchung unterzogen. Vor dem Hintergrund postmoderner Gesellschaftsprozesse werden die relevanten Konstruktionsmerkmale und ihre Elemente gesondert beleuchtet. Das Stadtbild und der in ihr durch den Menschen gestaltete Lebensraum, werden als wesentliche Komponenten der individuellen Identitätskonstruktion hinzugezogen. Die gegenseitige Wirkung und die voneinander abhängigen Entwicklungsprozesse beider Seiten werden verdeutlicht. Die Notwendigkeit der kommunikativen Interaktion des
identitätsbildenden Subjekts und seine hierfür variabel einsetzbar konstruierten Identitäten, werden hinsichtlich einer selbstsicheren und erfolgreichen Orientierung in einer Metropole verdeutlicht. Um Individualität in einer reizüberflutenden Metropole zu wahren ist es dem Subjekt unumgänglich, bestehende Identitäten mit neuen aktuellen Intentionsgrundlagen aufzuladen und erneuerte Identitäten zu reproduzieren. Aufgedeckte Entwicklungen der räumlichen Stadtstruktur werden mit wechselwirkenden Handlungen zwischen dem Subjekt und der Stadt verzeichnet. Die Abschließenden Anregungen können in weiterführenden Arbeiten zur Stadtentwicklungsplanung dazu dienen, konkrete Handlungskonzepte für eine überzeugende Stadtplanung und –verwaltung zu bestimmen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Reproduktion urbaner Individualität
1.2. Vorgehensweise
2. Städtische und ökonomische Globalisierungsprozesse
2.1. Globalisierung
2.1.1. Der Enttraditionalisierungs-Faktor: Multiple Lebensstile und Zweitwohnungstendenzen
2.1.2. Der Gentrifizierungs-Faktor: Recycling urbaner Architektur
2.1.2.1. Luxussanierungen in der Metropole Berlin
2.1.2.2. „Die Krieger von Kreuzberg“ – Identitätsbildende Beispielcharaktere
3. Identitätsbildung im urbanen Raum
3.1. Wie Identitäten gebildet werden
3.2. Die Ebenen der individuellen Identitätsbildung
3.2.1. Der Habitus in der individuellen Identitätsbildung
3.2.2. Der Wohnraum – Lebst du noch oder wohnst Du schon?
3.2.2.1. Die Verortung des Individuums im Wohnraum
3.2.2.2. Einrichtungsgegenstände im Wohnraum und was sie über das Individuum aussagen
3.2.2.3. Die Erweiterung des Wohnraumes durch den Lebensraum
3.2.2.4. Gefühle beeinflussen die Raumwahrnehmung
3.2.3. Konsum – Zeig mir was Du kaufst und ich sag Dir wer Du bist
3.3. Identitätskonflikte des Individuums
3.3.1.1. Die Chamäleonidentität
3.3.1.2. Identitätskonflikte im urbanen Raum
3.3.1.3. Ein Geflecht multipler Identitäten
3.4. Einflüsse individueller Identitäten auf die Bildung der Stadtstruktur
4. Fazit
5. Ausblick – Wie die Aufdeckung von möglichen Stadtentwicklungstendenzen zur Unterstützung ökonomischer und ökologischer Stadtplanung beitragen kann
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht aus kulturwissenschaftlicher Perspektive, wie das Individuum in der modernen Metropole seine Identität konstruiert und reproduziert. Dabei steht insbesondere die Wechselwirkung zwischen dem städtischen Raum, privater Lebensraumgestaltung und globalen ökonomischen sowie städtischen Globalisierungsprozessen im Fokus der Analyse.
- Individuelle Identitätsbildung im urbanen Kontext
- Einfluss von Globalisierungsprozessen (Gentrifizierung, Enttraditionalisierung)
- Die Rolle von Wohnraum und Konsum bei der Selbstinszenierung
- Umgang mit Identitätskonflikten in modernen Metropolen
- Implikationen für eine zukunftsorientierte Stadtplanung
Auszug aus dem Buch
3.2.2.2 Einrichtungsgegenstände im Wohnraum und was sie über das Individuum aussagen
Globalisierungsprozesse haben durch, zum Beispiel, soziale Differenzierung und die Vervielfältigung der zur Verfügung stehenden Materialien, im Sinne des Einrichtens einer Wohnung, das Wohnen insofern beeinflusst, dass das Wohnen durch sie bestimmt wurde. Jeder Mensch kann seinen Wohnraum auf individuelle Weise einrichten und gestalten. Zum Schlafen benötigt der Mensch gerne eine Unterlage. Das Material und den Wert der Unterlage wählt das Individuum selbst aus. Im beispielhaften Carloft wird man eher ein individuell angefertigtes Bettgestell, aus astlosem Mahagoniholz, mit einer Latexmatratze, im Gesamtwert von mehreren Tausend Euro finden. In der 28 Quadratmeter Erdgeschosswohnung dagegen liegt eher eine herkömmliche Federkernmatratze, aus zweiter Hand, auf dem Fußboden oder in einem Hochbett, unter welchem, aus Platzmangel, die Wäsche zum trocknen aufgestellt wird (vgl. DIE ZEIT 1).
Die Wahl einer weißen oder dunklen Tapete im eigenen Wohnzimmer ist Folge einer bewussten oder unbewussten Handlung. Bewusst ist die Handlung, wenn der Akteur damit eine bestimmte Aussage treffen möchte und mit ihr zum Aktanten verschmilzt. Die Farbe weiß ist konnotiert mit Sauberkeit, Klugheit und Wissenschaft. Der Akteur möchte wahrscheinlich ausdrücken, dass er einem wohlhabenden Milieu angehört. Eine dunkle oder vergilbte Tapete drückt eher Funktionalität und Unzufriedenheit aus. Da, wie bereits erwähnt, ein Mitglied der Mittelklasse stets danach strebt, der wohlhabenden Schicht anzugehören, ist es, solange es sich noch der Mittelklasse angehörig fühlt, unzufrieden. Hier wird die Handlung und Wahl der Tapetenfarbe, vermutlich, eher unbewusst sein. Oder aber, selbst bei einem Wunsch nach einer neuen weißen Tapete bleibt die entscheidende Instanz, die Möglichkeiten des finanziellen Rahmens.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Identitätskonstruktion und Darlegung des methodischen Vorgehens der Arbeit.
2. Städtische und ökonomische Globalisierungsprozesse: Analyse globaler Einflüsse wie Enttraditionalisierung und Gentrifizierung auf das urbane Leben und die Identitätsbildung.
3. Identitätsbildung im urbanen Raum: Untersuchung der Mechanismen der Identitätsbildung unter Berücksichtigung von Habitus, Wohnraumgestaltung und Konsumverhalten.
4. Fazit: Zusammenführung der theoretischen Untersuchungsergebnisse zur Identitätskonstruktion in der modernen Metropole.
5. Ausblick – Wie die Aufdeckung von möglichen Stadtentwicklungstendenzen zur Unterstützung ökonomischer und ökologischer Stadtplanung beitragen kann: Ableitung konkreter Anregungen für eine zukunftsorientierte und sozialverträgliche Stadtplanung.
Schlüsselwörter
Urbane Individualität, Identitätskonstruktion, Globalisierung, Gentrifizierung, Habitus, Wohnraum, Konsum, Metropole, Selbstinszenierung, Identitätskonflikte, Stadtplanung, Kulturwissenschaft, Raumwahrnehmung, Soziale Milieus, Reflexive Moderne.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie moderne Individuen in Großstädten ihre Identität vor dem Hintergrund globaler Prozesse und städtischer Strukturen konstruieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Soziologie des Wohnens, dem Einfluss des Konsums auf die Identität und den sozioökonomischen Auswirkungen der Globalisierung auf den städtischen Lebensraum.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, Zusammenhänge zwischen der individuellen Identitätsbildung und der räumlichen Gestaltung in modernen Metropolen aufzudecken, um daraus Impulse für eine praxisorientierte Stadtplanung zu gewinnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische, kulturwissenschaftliche Untersuchung, die verschiedene soziologische Modelle (u.a. von Bourdieu, Keupp und Löw) auf städtische Phänomene anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Konzepte wie der Habitus, die Bedeutung des Wohnraums („Höhle“) und die Rolle des Konsums als Ausdrucksmittel von Identität detailliert diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Urbane Individualität, Identitätskonstruktion, Gentrifizierung, Habitus, Stadtplanung und Metropole.
Welche Rolle spielen die "Carlofts" als Fallbeispiel?
Sie dienen als exemplarisches Kontrastbeispiel für exklusives Wohnen im Vergleich zu alternativen Wohnformen, um die Divergenz innerhalb städtischer Gesellschaftsstrukturen aufzuzeigen.
Wie beeinflusst der Wohnraum die Identität?
Der Wohnraum fungiert als "erweiterter Körper" und Rückzugsort; die Gestaltung (z.B. Einrichtung) wird genutzt, um soziale Zugehörigkeit und individuelle Persönlichkeit zu kommunizieren.
Warum ist das "Geflecht multipler Identitäten" relevant?
Es ermöglicht dem Individuum, sich in der komplexen, schnelllebigen Metropole flexibel zwischen verschiedenen Rollen und Identitätsbausteinen zu bewegen.
Wie kann Stadtplanung von dieser Untersuchung profitieren?
Durch das Verständnis der Identitätsbedürfnisse der Bewohner können Stadtplaner Räume schaffen, die Teilhabe fördern, Kreativität ermöglichen und die lokale Identität stärken.
- Arbeit zitieren
- Antje Lübbe (Autor:in), 2010, Reproduktion urbaner Individualität. Wie bildet sich Identität im ökonomischen und städtischen Globalisierungsprozess?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202767