Dass es in vielen armen Ländern der Erde Straßenkinder gibt, hört und sieht man
immer wieder. Es ist auch den meisten wohl bekannt, unter welchen Bedingungen
diese Kinder leben und welche Folgen dies für sie hat. Die Tatsache jedoch, dass in
Deutschland das Leben auf der Straße bereits auch große Formen angenommen
hat, ist vielen nicht bewusst, bzw. wollen viele nicht wahrhaben. Warum sollten auch
Jugendliche und Kinder in diesem ´reichen Land´ auf der Straße leben, wo sie doch
alles haben, was sie brauchen? Diejenigen, die sich diesem Schicksal ausgeliefert
haben, werden oft als ´Penner´, faul, verschmutzt und gewaltbereit angesehen. Man
geht ihnen gerne aus dem Weg und verschließt die Augen vor dem Problem. Ihr
Schicksal ist dabei für andere uninteressant. Die Hintergründe werden eher als ´nicht
so schlimm´ abgetan, weil sich auch keiner ernsthaft versucht, in deren Lage zu
versetzen und deren Handeln zu verstehen. Wenn man sie jedoch zu ihrem Leben
befragt, kommen erschreckende Einzelschicksale ans Licht, von denen man nie
geglaubt hätte, dass es sie gibt. Diese Geschichten machten mich bei der
Ausarbeitung sehr nachdenklich und traurig.
Es ist schon beängstigend, dass in einem Land wie Deutschland die Zahl der
´Straßenkarrieren´ immer weiter ansteigt, im Gegenzug aber die Hilfen und das
Interesse, diesen Kindern eine Zukunft zu bieten, nicht genügend vorhanden ist. Es
ist wohl den Verantwortlichen immer noch nicht bewusst, welche Folgen diese
Lebensweise für die Kinder hat und wie viele es bereits auf die Straße getrieben hat.
Sicher kennt man im allgemeinen die Ursachen, aber sie zu beheben ist sicherlich
sehr schwer. Das Ganze ist ein Kreislauf, den man kaum stoppen kann. Das fängt
bei der Arbeitslosigkeit an, führt weiter über die teilweise erschreckenden
Familiensituationen und endet oft in der stetig steigenden Gewalt- und
Missbrauchsbereitschaft.
Glücklicherweise gibt es doch viele Hilfsorganisationen, die in Deutschland, aber
auch weltweit, den Kindern Nahrung und Schlafmöglichkeiten zur Verfügung stellen,
sie ärztlich behandeln oder ihnen einfach nur zuhören. Diesen Organisationen gilt
meine Bewunderung und mein Respekt. Es gehört viel (unbezahltes) Engagement und Interesse an den Kindern dazu, um so etwas auf die Beine zu stellen, da mit
großen Hilfen vom Staat nur selten zu rechnen ist.
Im Folgenden werde ich mich diesem Thema widmen und verschiedene Details
dieser Problematik aufführen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Begriff Straßenkind
2.1 Historischer Rückblick
2.2 Der Begriff heute
3. Zahlen und Fakten
4. Ursachen
5. Die Lebenssituation
6. Erwartungen und Wünsche
7. Hilfsangebote
7.1 Jugendhilfe
7.2 Jugendamt
7.3 Sozialpädagogen und Sozialarbeiter
7.4 Streetworker
7.5 Hilfsorganisationen
7.6 Vertrauenswürdige Ansprechpartner
8. Straßenkids erzählen...
9. Schlussbemerkung
10. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit der wachsenden Problematik von Straßenkindern in der Bundesrepublik Deutschland auseinander. Ziel ist es, die Ursachen für das Leben auf der Straße, die prekären Lebensbedingungen der Betroffenen sowie bestehende Hilfsangebote zu beleuchten und ein tieferes Verständnis für die individuellen Schicksale hinter dem Begriff „Straßenkind“ zu entwickeln.
- Historische Entwicklung und Begriffsdefinition von Straßenkindern
- Statistische Einordnung und Hintergründe des Straßenlebens
- Analyse von Push- und Pull-Faktoren (Familiensituation, Armut, Medien)
- Gesundheitliche und soziale Lebenssituation der Jugendlichen
- Überblick über institutionalisierte Hilfeformen und Ansprechpartner
Auszug aus dem Buch
Die Lebenssituation
Das tägliche Ziel der Straßenkids ist die „Sicherung des Überlebens.“ Zu den häufigsten ´Unterkünften´, bzw. Übernachtungsdomizilen der Jugendlichen zählen die Hauptbahnhöfe, in erster Linie der Bahnhof Zoo in Berlin, Hauseingänge, leere Häuser oder Bauwagen, U-Bahn-Stationen, Tiefgaragen und Hotels (von Freiern bezahlt). Wenn sich keine dieser Plätze findet werden Brücken oder Parkanlagen in Kauf genommen. Teilweise kommen die Kinder auch bei ´Kumpels´ unter oder schlafen bei ihren ´Freiern´. Anonyme Übernachtungsmöglichkeiten in Notschlafstellen sind nur in wenigen Städten vorhanden.
Straßenkinder leben meist von Prostitution, Betteln, Diebstahl oder Drogenhandel. Um an Kleidung, Lebensmittel, Geld oder Dinge zum Leben zu kommen, werden Laden- und Taschendiebstähle durchgeführt sowie Autos und sonstige Räumlichkeiten ausgeraubt. Diese Gelegenheitsstraftaten, wie sie eine Polizistin bezeichnet, ergeben sich zwangsläufig und sind unvermeidbar. Die Kinder, die sich in dieses Milieu begeben, haben kaum eine Chance, straffrei zu bleiben. Betteln reicht meistens nicht aus und deshalb sind die Kids auf Klauen und Rauben angewiesen um zu überleben. Jeder ist eben für sich verantwortlich und kann nicht auf Unterstützung von ´Gleichgesinnten´ hoffen.
Neben Diebstählen bieten sich für die Straßenkids noch weitere Verdienstmöglichkeiten. Sie werden oft von Hehlern als Boten oder Drogenkuriere eingesetzt. Viele dieser Jugendlichen konsumieren auch selbst Drogen, wobei sie in erster Linie Hasch rauchen, um dem Alltag zu ´entfliehen´. Vor harten Drogen sind sie oft abgeschreckt, da sie deren Wirkung im Umfeld miterleben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Problematik von Straßenkarrieren in Deutschland und die gesellschaftliche Ignoranz gegenüber den betroffenen Jugendlichen.
2. Der Begriff Straßenkind: Es wird die historische Entwicklung der Problematik sowie die Schwierigkeit einer einheitlichen Begriffsdefinition im deutschen Kontext dargelegt.
3. Zahlen und Fakten: Dieses Kapitel liefert statistische Daten zur Anzahl der vermissten Jugendlichen und ordnet die Problematik in den gesellschaftlichen Kontext ein.
4. Ursachen: Es werden die zentralen familiären, sozioökonomischen und medialen Auslöser analysiert, die Jugendliche in das Leben auf der Straße treiben.
5. Die Lebenssituation: Eine detaillierte Betrachtung des Überlebenskampfes, der Wohnbedingungen und der kriminellen Milieus, in denen sich Straßenkinder bewegen.
6. Erwartungen und Wünsche: Hier werden die Sehnsüchte der Jugendlichen nach Normalität und Geborgenheit sowie deren Wunsch nach einem geregelten Leben aufgezeigt.
7. Hilfsangebote: Das Kapitel bietet einen strukturierten Überblick über Jugendhilfe, Ämter, Streetwork-Ansätze und weitere Anlaufstellen für betroffene Kinder.
8. Straßenkids erzählen...: Eine Sammlung authentischer Berichte und lyrischer Äußerungen von Betroffenen, die ihre Perspektive und ihren Leidensdruck verdeutlichen.
9. Schlussbemerkung: Ein Fazit zur Notwendigkeit, Vertrauen aufzubauen, anstatt Hilfe zu erzwingen, und die Hoffnung auf den möglichen Absprung aus der Szene.
10. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Fachliteratur, Zeitschriften und Internetquellen.
Schlüsselwörter
Straßenkinder, Jugendhilfe, Obdachlosigkeit, Sozialarbeit, Streetwork, Armut, Familienverhältnisse, Jugendliche, Überlebensstrategien, Prostitution, Sucht, Krisenintervention, Sozialpädagogik, Straßenkarriere, Hilfsangebote.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Straßenkinder in Deutschland, ihre Lebensrealität sowie die Hintergründe, die Jugendliche in diese prekäre Situation führen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Schwerpunkten zählen die Begriffsdefinition, Ursachenanalysen, die tägliche Lebenssituation, Wunschvorstellungen der Betroffenen und die verschiedenen Hilfesysteme.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, das Bewusstsein für die Lebensumstände obdachloser Jugendlicher zu schärfen und die Komplexität der Gründe für ein Leben auf der Straße aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine Literatur- und Sekundäranalyse, die durch Auswertungen von Fallbeispielen und authentischen Berichten von Jugendlichen ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Ursachen (z.B. instabile Familienstrukturen), die detaillierte Beschreibung des Alltags (z.B. Überlebensformen) und die Darstellung professioneller Hilfsangebote.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind unter anderem Straßenkinder, Jugendhilfe, Streetwork, soziale Ausgrenzung und die prekäre Lebenssituation junger Menschen auf der Straße.
Wie unterscheiden sich "Push-Faktoren" von "Pull-Faktoren" bei Straßenkindern?
Push-Faktoren bezeichnen Bedingungen, die Kinder aus ihrem Elternhaus vertreiben (z.B. Gewalt, Missbrauch), während Pull-Faktoren die Anziehungspunkte der Straße darstellen (z.B. ein Gefühl von Freiheit oder Zugehörigkeit zur Szene).
Welche Rolle spielt der Streetworker in der Unterstützung der Jugendlichen?
Streetworker suchen die Jugendlichen direkt in ihren Aufenthaltsräumen auf. Ihr Ansatz ist niederschwellig und basiert auf Vertrauen, Anonymität und Freiwilligkeit, um Hilfe zur Selbsthilfe zu ermöglichen.
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- Nicole Laqué (Author), 2003, Straßenkinder in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20278