Bedeutung und Wiederaufnahme von Gen 49,10 im biblischen Kanon


Seminararbeit, 2007

20 Seiten, Note: 1,25


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 BETRACHTUNGEN ZU GEN 49,10
2.1 Der Textzusammenhang von Gen 49
2.2 Die Verheißung an Juda in Gen 49,8-12
2.3 Die Bedeutung von Gen 49,10
2.3.1 Die Bedeutung von hlyviin Gen 49,10
2.3.2 Die Bedeutung von ~yM[;thQyIAlw>in Gen 49,10

3 WIEDERAUFNAHME VON GEN 49,10 IM BIBLISCHEN KANON
3.1 Wiederaufnahme von Gen 49,10 im hebräischen Kanon
3.1.1 Wiederaufnahme in Num 23-24
3.1.2 Wiederaufnahme in 2. Sam 7, 12-16
3.1.3 Wiederaufnahme in Hes 21, 32
3.1.4 Wiederaufnahme in Daniel 7,13-14
3.1.5 Die Wiederaufnahme in der Geschichtserzählung
3.2 Wiederaufnahme von Gen 49,10 im Neuen Testament
3.2.1 Verschiedene Wiederaufnahmen von Gen 49,10 im Neuen Testament
3.2.2 Wiederaufnahme von Gen 49,10 in Offenbarung 5,5

4 SCHLUSS

BIBLIOGRAPHIE

1 EINLEITUNG

Als aufmerksamer Leser des Neuen Testaments, vor allem der Evangelien, be- merkt man, dass viele Ereignisse im Zusammenhang mit Jesus auf Textstellen des Alten Testaments bezogen werden. Es stellt sich dabei die berechtigte Frage, ob die eigentli- che Intention des alttestamentlichen Textes dieser Interpretation der neutestamentlichen Autoren gerecht wird. Als Vorwegnahme dieser Arbeit gilt, dass die tatsächliche Ab- sicht verschiedener Texte des Alten Testaments ist, auf den Messias hinzuweisen und aufzuzeigen, wie dieser Messias sein wird. Jesus selbst zeigte seinen Jüngern, was über ihn im Tanak1 geschrieben steht (Luk 24,44). John Sailhamer verteidigt dazu ein- dringlich: „The OT does not only predict the coming of a Messiah. It also describes and identifies that Messiah”2. Und er argumentiert: „The OT, not the NT, is the messianic searchlight"3. Unter diesem Gesichtspunkt soll das AT und die Textstelle in Gen 49,10 im Folgenden wahrgenommen werden.

Das Ziel dieser Arbeit ist erstens, Gen 49,10 in seinem Zusammenhang näher zu betrachten und zu analysieren ob und wie dieser Text auf den Messias hinweist, und zweitens der Wiederaufnahme und Erweiterung von Gen 49,10 (bzw. 49,8-12) im bibli- schen Kanon (zuerst im hebräischen und dann im neutestamentlichen) nachzugehen. Die Stelle in Gen 49,10 lässt sich nicht von Gen 49,8-12 trennen. Bei der Fülle der Bilder wird in der Betrachtung dieser Arbeit besonders Gen 49,10 im Vordergrund stehen.

Es soll somit die Frage beantwortet werden: Was sagt der Text in Gen 49,10 (bzw. 49,8-12) und die Wiederaufnahme dieses Textes im biblischen Kanon über den Messias aus?

Es können nur Teilbetrachtungen des Textes im Umfang dieser Arbeit wahrge- nommen werden. Auch bei der Wiederaufnahme von Gen 49,10 können nur bestimmte Textstellen betrachtet werden. Im Folgenden wird mit den Betrachtungen zu Gen 49,10 begonnen.

2 BETRACHTUNGEN ZU GEN 49,10

Bei der Betrachtung zu Gen 49,10 wird vor allem der Suche nach einer messianischen Aussage Aufmerksamkeit geschenkt. Um den Vers selbst zu verstehen, soll der Textzusammenhang zum gesamten Kapitel kurz aufgezeigt werden.

2.1 Der Textzusammenhang von Gen 49

Nachdem Jakob den Segen über seine Enkel Ephraim und Manasse in Gen 48 ausspricht, versammelt er seine Söhne, um zu verkündigen, was ihnen am Ende der Ta- ge begegnen wird (49,1). Der Segen Jakobs spricht über das Kommende der zwölf Söh- ne und somit der zwölf Stämme Israels (49,28). Im Zusammenhang auf der Suche nach dem Messias im Alten Testament ist die Aussage ~ymYh;tyrxaB.näher zu betrachten. Dieser Begriff taucht mehrere Male im AT auf und scheint auf der einen Seite nichts anderes zu bedeuten als eine ferne, unbestimmte Zeit4 (siehe Dtn 4,30; 31,29). ~ymYh tyrxaB. hat aber ebenso in der Wiederaufnahme im biblischen Kanon eine eschatologi- sche Bedeutung in Hinblick auf die Tage des Messias (siehe Num 24,14, Jes 2,2, Mi 4,1, Dan 10,14).

Die LXX übersetzt ~ymYh; tyrxaB. mit ஼˰˴఑˱˶˪ ˱ಌ˪ ௉˩ˢˮಌ˪ Diese Worte werden im Neuen Testament wieder aufgenommen. Jesus benützt diesen Begriff für die Zeit seiner Wiederkunft und des endgültigen Gerichtes (Joh 6,39, 44-45; 7,37; 11,24; 12,14). Ebenso werden die Begriffe für die schwierige jetzige Zeit verwendet (2. Tim 3,1; 2. Pet 3,3). In ihrer erfüllenden Eschatologie zeigen sich die Begriffe in Heb 2,1 und Apg 2,17. In Apg 2,17 zitiert Petrus die Prophetie in Joel 3,1-5. Dort spricht der Text aber nicht von ~ymYh; tyrxaB, sondern von , welches übersetzt wird mit „danach“. Petrus verwendet hier ganz bewusst den alttestamentlichen Begriff, um auf- zuzeigen, dass eine neue Zeit angebrochen ist. Es lässt sich zeigen, dass ~ymYh;tyrxaB. im Kanon des AT an seiner Bedeutung gewinnt und im NT wieder aufgenommen wird. In Gen 49,10 kommt dieser Wortzusammenhang zum ersten Mal vor und weckt im Le- ser eine Erwartung des Zukünftigen. Die besondere Verheißung an Juda in Gen 49,8-12 verbindet sich mit dieser Erwartung in den letzten Tagen und deutet auf eine besondere Zeitepoche hin.

Diese Verheißung an Juda, der die Verse 8-12 umfasst, soll nun etwas näher beleuchtet werden, um dann die Bedeutung von Gen 49,10 im Textzusammenhang zu verstehen.

2.2 Die Verheißung an Juda in Gen 49,8-12

Es kann im Umfang dieser Arbeit zu keiner genaueren exegetischen Betrach- tung dieser Verse kommen. Es sollen aber wesentliche Grundaussagen genannt sein. Nachdem die ersten drei Brüder ihre Verheißung zugesprochen bekommen, kommt es ab Vers 12 zu der Verheißung des vierten Sohnes Juda Deutlich wird schon im Vers 8a, dass Juda über seine Brüder herrschen und eine herausgehobene Stellung unter den Zwölf einnehmen wird. Der Lobpreis der Brüder wird mit dem Namen Juda verbunden5 (siehe Gen 29,35). Zum Lobpreis kommt das sich Niederbeugen der Brüder als Aus- druck der Unterwerfung (v.8c). Juda wird den Sieg über seine Feinde haben (v.8b).

In V.9 wird das Bild eines Löwen gebraucht. Dieses Bild verdeutlicht verschie- dene Aussagen. Im Hebräischen werden drei verschiedene Begriffe für den Löwen ver- wendet (rWG, hyra;und aybl)6. Man kann in diesem Bild erstens die Kraft eines jun- gen Löwen erkennen, der zu einem kraftvollen Löwen heranwächst und seine Beute holt. Zweitens zeigt sich ein ausgewachsener Löwe, der bereit ist zu jagen. Hier zeigt sich die Kraft und Fähigkeit des Königs der Tiere. Drittens zeigt sich eine Löwin, die nach der Jagd neben ihren Jungen kauert und über sie wacht. Wer würde diese Löwin aufreizen? Groningen schlussfolgert: “The lioness is a poetic, picturesque, and powerful expression of Judah´s development and final issue of his royal rule and victory”7.

In den Versen 11-12 wird die Fülle beschrieben, die mit der Herrschaft Judas einhergehen wird. In Bildern verdeutlicht der Text, dass der Überfluss ein solches Aus- maß annehmen wird, dass an die Edelrebe das Junge einer Eselin angebunden werden kann, welches diese Edelrebe fressen wird (v.11b). Kaiser interpretiert: „… because there would be such an abundance of vines that the possible damage to one vine will not be missed”8. Selbst die Kleider werden auf Grund der überquellenden Traubenpresse voller Wein sein (v.11c). Der Überfluss zeigt sich ebenso in dem Bild der Abfärbung des Weines und der Milch auf Augen und Zähne der Menschen (v.12). Die Herrschaft, die aus Juda kommen wird in Verbindung mit dem Schiloh (v.10) wird keine Herrschaft sein, die Trockenheit und Dürre mit sich bringt, sondern Fülle und Überfluss.

Nun soll im Folgenden zum genaueren Verständnis dieser Herrschaft und in Verbindung mit dem Messiasgedanken Gen 49,10 untersucht werden.

2.3 Die Bedeutung von Gen 49,10

`~yM[;thQyIAlw>hlyviaby-yKid[;wyl_gr;!yBmiqqxmW hdêWhymijbverWsy-al{ Nicht weicht das Zepter von Juda, noch der Herrschaftsstab zwischen seinen Füßen, bis dass der Schiloh kommt, dem gehört der Gehorsam der Völker.

Auf die Textkritik der Biblia Hebraica Stuttgartensia9 soll nicht eingegangen werden.

Nachdem das kämpferische und siegreiche Bild des Löwen beschrieben wird, werden in v.10 zwei Substantive für die Herrschaft, die aus Juda hervorgehen wird, verwendet. Der erste ist der jbve Substantiv kann mit „Zepter“ übersetzt werden und ist ein Symbol für Macht und Autorität10. Dieses Zepter war in seiner ursprüngli- chen Form ein langer Stab, den die Könige in öffentlichen Reden in ihren Händen hiel- ten11 und zwischen ihre Füße stellten, wenn sie auf dem Thron saßen12. Das zweite Sub- stantiv qqxm. kann mit „Herrschaftsstab“ übersetzt werden. Es hat die ursprüngliche Bedeutung von Meister und Gesetzlehrer13 und Groningen beschreibt, dass dieser Be- griff ein im Polel aktives Partizip des Verbes beschreibt und für jemanden verwendet wird, „who (1) proclaims the law, (2) inscribes the law dictated to him, or (3) rules and

[...]


1 Thora, Nebiim und Ketubim ergeben die Abkürzung Tanak.

2 John H. Sailhamer, „The Messias and the Hebrew Bible“, JETS 44/1 (2001): 5-23, 13. 3 Sailhammer, op. cit., 11

4 Josef Schabert. Genesis 12-50. Die neue Echter Bibel. Kommentar zum Alten Testament mit der Einheitsübersetzung (Würzburg: Echter), 291.

5 Im hebräischen wird an einem Wortspiel der Name hdWhy>mit dem preisen ^WdAy verbunden. Siehe Derek Kidner. Gênesis, Introdução e Comentário (São Paulo: Vida Nova), 201.

6 Siehe dazu die Betrachtung von Groningen, in Gerard van Groningen. Messianic Revelation in the Old Testament, Volume one (Eugene, Oregon: Wipf and Stock), 171-172.

7 Groningen, op. cit, 172.

8 Walter Kaiser. The Messiah of the Old Testament (Grand Rapids: Zondervan), 52.

9 K. Elliger, W.Rudoplh (Hrsg.). Biblia Hebraica Stuttgartensia. Fünfte, verbesserte Auflage (Stuttgart: Deutsche Bibelgesellschaft), 82.

10 Groningen, 172.

11 C.F. Keil, F. Delitzsch. Commentary on the Old Testament. Volume 1. The Pentateuch (Grand Rapids: William B. Eerdmans), 392.

12 Keil, Delitzsch, ebd., ebenso August Dächsel. Das Alte Testament mit in den Text eingeschal- teter Auslegung. Erste Hälfte: Geschichtsbücher. Die Fünf Bücher Mose (Leipzig: Justus Neumann), 150.

13 Dächsel, ebd.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Bedeutung und Wiederaufnahme von Gen 49,10 im biblischen Kanon
Hochschule
Columbia International University  (Akademie für Weltmission)
Veranstaltung
Messias im Alten Testament
Note
1,25
Autor
Jahr
2007
Seiten
20
Katalognummer
V202815
ISBN (eBook)
9783656291282
ISBN (Buch)
9783656293217
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Messias, Altes Testament, Gen 49, Zepter, Juda, Schiloh
Arbeit zitieren
M.A. Theologie Rouven Hönes (Autor), 2007, Bedeutung und Wiederaufnahme von Gen 49,10 im biblischen Kanon, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202815

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