Das Ziel dieser Arbeit ist erstens, Gen 49,10 in seinem Zusammenhang näher zu betrachten und zu analysieren ob und wie dieser Text auf den Messias hinweist, und zweitens der Wiederaufnahme und Erweiterung von Gen 49,10 (bzw. 49,8-12) im biblischen Kanon (zuerst im hebräischen und dann im neutestamentlichen) nachzugehen. Die Stelle in Gen 49,10 lässt sich nicht von Gen 49,8-12 trennen. Bei der Fülle der Bilder wird in der Betrachtung dieser Arbeit besonders Gen 49,10 im Vordergrund stehen.
Es soll somit die Frage beantwortet werden: Was sagt der Text in Gen 49,10 (bzw. 49,8-12) und die Wiederaufnahme dieses Textes im biblischen Kanon über den Messias aus?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Betrachtungen zu Gen 49,10
2.1 Der Textzusammenhang von Gen 49
2.2 Die Verheißung an Juda in Gen 49,8-12
2.3 Die Bedeutung von Gen 49,10
2.3.1 Die Bedeutung von hl{yvi in Gen 49,10
2.3.2 Die Bedeutung von ~yMi[; th;Q.yI Alw> in Gen 49,10
3 Wiederaufnahme von Gen 49,10 im biblischen Kanon
3.1 Wiederaufnahme von Gen 49,10 im hebräischen Kanon
3.1.1 Wiederaufnahme in Num 23-24
3.1.2 Wiederaufnahme in 2. Sam 7, 12-16.
3.1.3 Wiederaufnahme in Hes 21, 32.
3.1.4 Wiederaufnahme in Daniel 7,13-14
3.1.5 Die Wiederaufnahme in der Geschichtserzählung
3.2 Wiederaufnahme von Gen 49,10 im Neuen Testament
3.2.1 Verschiedene Wiederaufnahmen von Gen 49,10 im Neuen Testament
3.2.2 Wiederaufnahme von Gen 49,10 in Offenbarung 5,5
4 Schluss
Zielsetzung & Themen
Das Ziel der Arbeit ist es, die alttestamentliche Textstelle Genesis 49,10 im Kontext der Verheißung an Juda zu analysieren und deren messianische Bedeutung sowie die kanonische Wiederaufnahme und Erweiterung im Alten und Neuen Testament nachzuweisen.
- Exegetische Untersuchung von Gen 49,10 und dem Segen Jakobs über Juda.
- Analyse der messianischen Erwartung und des Bildes des "kommenden Herrschers".
- Untersuchung der intertextuellen Wiederaufnahme des Motivs innerhalb des hebräischen Kanons.
- Beleuchtung der Erfüllung der Verheißung durch Jesus Christus im Neuen Testament.
- Diskussion der eschatologischen Dimension von Herrschaft und Gehorsam der Völker.
Auszug aus dem Buch
2.3.1 Die Bedeutung von hl{yvi in Gen 49,10
Groningen, Hamilton und auch Keil und Delitzsch zeigen in ihren Kommentaren die verschiedenen Übersetzungen von hl{yvi und diskutieren die Rechtfertigung verschiedener philologischer Ansätze. Es scheint mehr Einheit darüber zu geben, dass d[; yKi als temporale Konjunktion mit „bis dass“ übersetzt werden kann. Es wird also nach Gen 49,10 zu einem Zeitpunkt kommen, an dem sich an der Herrschaft von Juda etwas ändern wird. Ein paar der verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten von hl{yvi werden nun genannt und kurz analysiert.
(1) hl{yvi wird als späterer Ort der Stiftshütte verstanden (Jos 18,1, Ri 18,31; 1. Sam 1,3; 2,12ff). Im Zusammenhang mit der darauf folgenden Aussage und aus dem Text selbst lässt sich diese Möglichkeit schwer erkennen. Durch verschiedene philologische Betrachtungen ergibt sich die Interpretation von (2) hl{yvi als „seinem Sohn“ oder dann „sein Sohn geboren wird“. So legte es Johannes Calvin aus. Aus der philologischen Variation von hl{yvi ergibt sich für manche Exegeten die Möglichkeit (3) hl{yvi mit „fragen“, oder „der Gefragte“ zu übersetzen. E. A. Speiser wiederum kommt zu dem Schluss, dass man aus (4) hl{yvi „Ihm Ehre bringen“ im Hebräischen ableiten kann.
Martin Luther, sowie auch Hengstenberg und Dächsel sehen in (5) hl{yvi den, der Frieden bringt und somit den „Sohn des Weibes“ in Verbindung mit Gen 3,15. Aber auch unter den letzten vier genannten Interpretationen gibt es philologisch viel Diskussion.
Die LXX übersetzt diesen ganzen Satz mit (6) ... Von seiner Wortbedeutung weicht die LXX vom hebräischen Text ab und dieser Ausdruck kann mit „bis dass die Dinge für ihn bereitliegen“ übersetzt werden. Hamilton argumentiert, dass die Übersetzer der LXX mit diesen Dingen „das Zepter“ und somit die Königsherrschaft für den kommenden Messias gemeint haben. So wurde dieser Satzteil messianisch interpretiert. Kaiser zieht aus philologischen Gründen und im Textzusammenhang von Hes 21,27 die Schlussfolgerung für (7) hl{yvi als „welcher ihm gehört“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung stellt die Forschungsfrage nach der messianischen Intention alttestamentlicher Texte und führt in die Bedeutung von Genesis 49,10 ein.
2 Betrachtungen zu Gen 49,10: Dieses Kapitel analysiert den Kontext des Jakob-Segens, die Verheißung an Juda und die philologische sowie theologische Bedeutung von Schlüsselbegriffen wie Schiloh.
3 Wiederaufnahme von Gen 49,10 im biblischen Kanon: Es wird untersucht, wie das Motiv des messianischen Herrschers in verschiedenen alttestamentlichen Schriften und schließlich im Neuen Testament aufgegriffen und erweitert wird.
4 Schluss: Der Schlussteil fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass das Alte Testament den Messias nicht nur vorhersagt, sondern ihn in einem intertextuellen Prozess identifiziert.
Schlüsselwörter
Genesis 49,10, Juda, Messias, Schiloh, biblischer Kanon, Königsherrschaft, Zepter, Herrschaftsstab, Verheißung, Tanak, Altes Testament, Neues Testament, Eschatologie, Gehorsam der Völker, Offenbarung 5,5
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Bedeutung und die kanonische Wiederaufnahme von Genesis 49,10 im Kontext der messianischen Verheißung im Alten und Neuen Testament.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Exegese von Genesis 49,8-12, die Entwicklung des messianischen Herrscherbildes innerhalb des Kanons und die intertextuelle Beziehung zwischen den biblischen Schriften.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie der Text in Genesis 49,10 den Leser auf einen kommenden, ewigen Herrscher aufmerksam macht und wie dieses Bild durch den gesamten biblischen Kanon hindurch entfaltet wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein exegetischer und biblisch-theologischer Ansatz verfolgt, der philologische Analysen mit der Untersuchung kanonischer Wiederaufnahmen kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert zunächst den Textzusammenhang von Genesis 49,10 und untersucht anschließend beispielhaft die Wiederaufnahme dieses Motivs in Nummern, 2. Samuel, Hesekiel, Daniel sowie im Neuen Testament, insbesondere der Offenbarung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Messias, Juda, Zepter, Schiloh, biblischer Kanon, messianische Verheißung und Herrschaft.
Wie spielt das Bild des Löwen in der Argumentation eine Rolle?
Das Bild des Löwen wird in Genesis 49,9 eingeführt, in Bileams Sprüchen aufgenommen und findet in Offenbarung 5,5 eine christologische Erfüllung als der siegreiche Löwe aus Juda, der zugleich das geschlachtete Lamm ist.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich der Rolle des Alten Testaments?
Der Autor schließt sich der Sichtweise an, dass das Alte Testament nicht nur den Messias vorhersagt, sondern ihn durch ein komplexes Geflecht von Bildern und Verheißungen bereits beschreibt und identifiziert.
- Arbeit zitieren
- M.A. Theologie Rouven Hönes (Autor:in), 2007, Bedeutung und Wiederaufnahme von Gen 49,10 im biblischen Kanon, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202815