Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema der Finanzkrise 2007-2009, genauer mit der Frage danach, welche Akteure oder Systeme vor und während der Krise versagt haben und somit die Entwicklung verursacht oder begünstigt haben. Immer unter dem Gesichtspunkt der handelnden Akteure stellen sich folgende Fra-gen: Wie konnte es zu solch sagenhaften Ausmaßen kommen? Wer hat wann, wie und warum gehandelt? War dieses Handeln krisenverschärfend oder hat es mil-dernd gewirkt?
Im ersten Abschnitt, Kapitel zwei, wird grob der Ablauf der Finanzkrise skizziert, zum einen, um die Ursachen herauszuarbeiten, zum anderen, um Begrifflichkeiten des Finanzsektors einzuführen, ohne die ein Verständnis der Geschehnisse nicht mög-lich wäre.
Um oben genannte und ähnliche Fragen beantworten zu können, müssen wir uns zudem einen Überblick über die ideologischen Grundlagen der Beteiligten ver-schaffen. So werden in Kapitel drei einige Ideengeber vorgestellt, die das vorherr-schende Meinungsbild zu freien Märkten deutlich geprägt haben. Hierzu gehören A. Smith, J. M. Keynes, sowie M. Friedman. Die Betrachtung der (neo-) liberalen Theorie als grundlegender Glaubensrichtung unseres heutigen Kapitalismus soll eine Nachvollziehbarkeit für die Handlungen der beteiligten Akteure beim Leser herbeiführen.
Anschließend, in Kapitel vier, werden eben solche Handlungen spezifischer Akteu-re der Finanzkrise beleuchtet, mit dem Ziel, herauszufinden, welchem jeweiligen Handelnden eine mehr oder minder entscheidende Rolle in der Entwicklung der Krise zukommt. Hierbei stellt sich immer die Frage, ob die Krise der Finanzmärkte vermeidbar gewesen wäre oder zumindest in ihrem Umfang kleiner hätte ausfallen können. Die Hauptakteure in diesem wirtschaftlichen Drama sind in der weltweiten Hochfinanz zu finden. Hierbei handelt es sich insbesondere um große, internatio-nale Banken und Investmentbanken, Ratingagenturen, sowie Notenbanken, die Bankenaufsichten und nicht zuletzt die Regierungen.
Ausgehend von der Analyse bestimmter Handlungen der verschiedenen Akteure wird in Kapitel fünf gezeigt, warum der Finanzmarkt reguliert werden muss um ähn-liche Krisen in der Zukunft zu vermeiden, oder zumindest unwahrscheinlicher zu machen. Außerdem werden einige Regulierungsvorschläge aufgezeigt und auf ihre Zweckmäßigkeit überprüft.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 ABLAUF DER FINANZKRISE
2.1 URSACHEN UND ENTSTEHUNG
2.2 DIE BLASE PLATZT
3 DER FREIE MARKT: THEORETISCHE GRUNDLAGEN HEUTIGER ENTSCHEIDUNGEN
3.1 ADAM SMITH (1723 – 1790)
3.2 JOHN M. KEYNES (1883 – 1946)
3.3 MILTON FRIEDMAN (1912 – 2006)
4 DIE SUCHE NACH DEM FEHLER
4.1 DIE NOTENBANKEN
4.2 DIE RATINGAGENTUREN
4.3 REGIERUNGEN UND AUFSICHTSBEHÖRDEN
5 NOTWENDIGE REGULIERUNGEN DER INTERNATIONALEN FINANZMÄRKTE
5.1 NEUE REGELN FÜR DEN HANDEL UND EINE NEUE AUFSICHTSSTRUKTUR IN DER EUROPÄISCHEN UNION
5.1.1 Zur Neuregelung der Mikroaufsicht
5.1.2 Zur Einführung einer Makroaufsicht
5.2 ALTERNATIVE REFORMVORSCHLÄGE
5.2.1 Eine mögliche Reform der Ratingagenturen
5.2.2 EZB statt ESRB
5.2.3 Das Gespenst der Finanztransaktionssteuer
6 FAZIT UND AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Ursachen und den Ablauf der Finanzkrise von 2007 bis 2009 mit dem Ziel, das Versagen spezifischer Akteure und Systeme zu analysieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern staatliche Regulierungsmaßnahmen notwendig sind, um zukünftige Krisen dieser Art zu verhindern oder deren Wirkung abzumildern.
- Analyse der ideologischen Grundlagen des Kapitalismus (Smith, Keynes, Friedman)
- Untersuchung der Rolle von Notenbanken, Ratingagenturen und Regierungen in der Krise
- Bewertung bestehender Aufsichtsstrukturen (Mikro- und Makroaufsicht)
- Diskussion alternativer Reformvorschläge zur Finanzmarktregulierung
Auszug aus dem Buch
2.2 Die Blase platzt
Vom Jahresbeginn 2006 an fielen die Immobilienpreise in den USA bis Anfang 2009 um ca. 30%. Somit verloren vor allem die ärmeren der neuen Hausbesitzer an Bonität und konnten ihre Immobilien nicht weiter beleihen. Hinzu kam, dass die Fed vom 30.06.2004 an den Leitzins schrittweise erhöhte, und zwar von 1,25% auf 5,25% am 29.06.2006. In den USA ist es üblich, Kredite mit variablen Zinssätzen zu versehen. Die Geldmarktpolitik der „Fed“ schlug somit direkt auf den Kreditmarkt durch. Hypothekenkredite wurden innerhalb von zwei Jahren deutlich teurer.
Beides, das Absacken der Immobilienpreise und die schrittweise Erhöhung des Leitzinssatzes hatte zur Folge, dass die ohnehin risikoreichen Kredite noch unsicherer wurden und teilweise überhaupt nicht mehr bedient werden konnten. Dies führte letztlich dazu, dass der Wert der zu Paketen gebündelten Kredite, CDO, drastisch nach unten korrigiert werden musste.
Im Laufe der Jahre 2007-2008 kam es dann zu einer Umstrukturierung im globalen Bankensektor. Viele Banken hatten deutlich zu wenig Eigenkapitalrücklagen gebildet, um die massive Abwertung der CDO aus eigener Kraft auffangen zu können. Hierbei mangelte es nicht an Regelungen, wie viel Eigenkapital eine Bank relativ zu ihren Verbindlichkeiten aufweisen musste, sondern vielmehr daran, dass die mit CDO handelnden Banken diese meistens an sogenannte Zweckgesellschaften („Special Purpose Entity“ (SPE)) weitergaben, welche sie selbst zu eben diesem Zweck gründeten. Eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung über die bilanzielle Behandlung von Zweckgesellschaften beschreibt treffend, wie es Banken möglich war, bestehende Bilanzierungsvorschriften zu umgehen und wie es folglich zu einem solch hohen Volumen der gehandelten Kreditpakete kommen konnte:
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in das Thema der Finanzkrise 2007–2009 und die Fragestellung nach dem Versagen der beteiligten Akteure und Systeme.
2 ABLAUF DER FINANZKRISE: Skizzierung der Ursachen, der Entstehung der Immobilienblase und des platzenden Marktes sowie deren Auswirkungen auf den Bankensektor.
3 DER FREIE MARKT: THEORETISCHE GRUNDLAGEN HEUTIGER ENTSCHEIDUNGEN: Darstellung der ideologischen Hintergründe durch die Theorien von Adam Smith, John M. Keynes und Milton Friedman.
4 DIE SUCHE NACH DEM FEHLER: Analyse des Verhaltens von Notenbanken, Ratingagenturen, Regierungen und Aufsichtsbehörden während der Krise.
5 NOTWENDIGE REGULIERUNGEN DER INTERNATIONALEN FINANZMÄRKTE: Evaluierung von Reformvorschlägen für die Finanzmarktarchitektur, unterteilt in europäische Aufsichtssysteme und alternative Lösungsansätze.
6 FAZIT UND AUSBLICK: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und kritische Reflektion über notwendige Regulierungsmaßnahmen zur Sicherung der Gesellschaftsordnung.
Schlüsselwörter
Finanzkrise, Immobilienmarkt, Regulierung, Staatsversagen, Marktversagen, Notenbanken, Ratingagenturen, CDO, Eigenkapital, Finanzmarktarchitektur, Mikroaufsicht, Makroaufsicht, Finanztransaktionssteuer, Geldpolitik, Weltwirtschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Finanzkrise 2007–2009, wobei sie das Versagen staatlicher und privater Akteure sowie die Notwendigkeit einer neuen Finanzmarktregulierung untersucht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen des Kapitalismus, die Rolle von Ratingagenturen und Zentralbanken, die Schwächen der Bankenaufsicht sowie Reformkonzepte für internationale Finanzmärkte.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist die Beantwortung der Frage, welche Akteure oder Systeme die Finanzkrise verursacht oder begünstigt haben und wie durch eine effektive Regulierung zukünftige Krisen verhindert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit nutzt eine politikwissenschaftliche Perspektive, indem sie ideologische Theorien (Smith, Keynes, Friedman) den Handlungen der Akteure gegenüberstellt und bestehende Regulierungskonzepte auf ihre Wirksamkeit bewertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt den Ablauf der Krise, die theoretische Einordnung der Marktwirtschaft, die Fehlersuche bei Akteuren sowie die Diskussion über notwendige neue Regulierungsstrukturen auf europäischer und globaler Ebene.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Finanzkrise, Marktversagen, Regulierung, Finanzmarktarchitektur, Notenbanken und Ratingagenturen charakterisiert.
Warum ist die Rolle der Ratingagenturen besonders kritisch zu betrachten?
Die Arbeit verdeutlicht, dass durch das Geschäftsmodell der Emittenten-Finanzierung und die Komplexität der Produkte Interessenkonflikte entstehen, die zu einer fehlerhaften Risikobewertung führten.
Welche Kritik äußert die Arbeit an der geplanten Makroaufsicht (ESRB)?
Die Arbeit führt an, dass die Konstruktion der neuen europäischen Behörde wenig durchdacht erscheint, da die Einbindung von Zentralbankpräsidenten die Unabhängigkeit der Zentralbanker untergraben könnte.
Was ist die Kernidee hinter der Finanztransaktionssteuer?
Die Besteuerung soll kurzfristige Spekulationen eindämmen, die Stabilität der Märkte erhöhen und Einnahmen für soziale sowie ökologische Projekte weltweit generieren.
- Arbeit zitieren
- Sascha Lankers (Autor:in), 2011, Untersuchung ausgewählter Regulierungsmaßnahmen zur Bewältigung der Finanzkrise von 2007 – 2009 nach dem Zusammenbruch des US-Immobilienmarktes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202823