Die Untersuchung hat das Ziel, aktuelle demographische Veränderungen mit dem eher statischen Arbeitsalltag von Wohnungsunternehmen zu verknüpfen. Es wird dabei unterstellt, dass soziale und gesellschaftliche Probleme der Demographie zwar gesamtgesellschaftliche Ursachen und Folgen haben; dass diese Folgen jedoch zugleich individualisierbar sind und sich räumlich und zeitlich verorten lassen. Die Verortung findet dort statt, wo die Auswirkungen den Einzelnen besonders tangieren: im unmittelbaren Wohn- und Lebensbereich.
Die Arbeit will daneben auf die wachsende Anzahl von Ideen, Konzepten und Instrumenten eingehen, die unter dem Begriff „Ambient Assisted Living“ (AAL) in den letzten Jahren entstanden sind. In diesem Zusammenhang soll empirisch gezeigt werden, welche Schwierigkeiten entstehen können, wenn man versucht (dynamische) AAL-Konzepte mit der (eher statischen) wohnungswirtschaftlichen Praxis im Interesse der Lösung der Probleme der demographischen Entwicklung zu verknüpfen. Es wird dabei unterstellt, dass eine solche Vernetzung sowohl im Interesse der Gesellschaft aber auch des jeweils einzelnen Betroffenen sinnvoll wäre. Das erkenntnisleitende Motiv ist also eine Untersuchung der Chancen, Möglichkeiten und Bedingungen, wie diese drei – ältere Menschen, Wohnungswirtschaft und AAL-Anwendungen – unter einer gemeinsamen Zielsetzung verknüpft werden können.
1. Einleitung
2. Die demographische Entwicklung und ihre Herausforderungen für die Wohnungswirtschaft in Deutschland
3. Aktivitäten der Wohnungswirtschaft in Deutschland zur Bewältigung der demographischen Entwicklung
4. AAL – Ein Begriff, viele Möglichkeiten, viele Beteiligte
5. Geschäftsmodelle zur Realisierung von AAL-Anwendungen unter besonderer Berücksichtigung der Wohnungswirtschaft
6. Leitfaden für ein Engagement von Wohnungsunternehmen zur Bewältigung des demographischen Wandels unter besonderer Berücksichtigung von AAL-Konzepten
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die demographische Entwicklung und ihre Herausforderungen für die Wohnungswirtschaft in Deutschland
2.1. Der demographische Wandel in Deutschland
2.2 Verändertes Wohnen durch den demographischen Wandel
3. Aktivitäten der Wohnungswirtschaft in Deutschland zur Bewältigung der demographischen Entwicklung
3.1. Gründe für ein Engagement
3.2. Bereits realisierte Maßnahmen durch die Wohnungsunternehmen
3.2.1. Schaffung von barrierearmem bzw. barrierefreiem Wohnraum und Gestaltung des Wohnumfeldes
3.2.2. Vernetztes Wohnen
3.2.3. Forschungsaktivitäten
4. AAL – Ein Begriff, viele Möglichkeiten, viele Beteiligte
4.1. Definition und Begriffsklärung AAL
4.2. Beteiligte
4.3. Ungenutztes Potential des "Ambient Assisted Living": Angebotsoptimierung zur besseren Marktdurchdringung
5. Geschäftsmodelle zur Realisierung von AAL-Anwendungen unter besonderer Berücksichtigung der Wohnungswirtschaft
6. Leitfaden für ein Engagement von Wohnungsunternehmen zur Bewältigung des demographischen Wandels unter besonderer Berücksichtigung von AAL-Konzepten
6.1. Strategische Ausrichtung des Unternehmens
6.2. Geplante Maßnahmen und Ausrichtung
6.3. Einbindung und Qualifizierung der Mitarbeiter
6.4. Wahl des Geschäftsmodells
6.5. Finanzierung
6.6. Risiken und Hindernisse
7. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie Wohnungsunternehmen den Auswirkungen des demographischen Wandels begegnen können, indem sie Konzepte wie Ambient Assisted Living (AAL) und vernetztes Wohnen in ihre Unternehmensstrategie integrieren. Dabei steht die Frage im Vordergrund, wie technologische Lösungen mit wohnungswirtschaftlicher Praxis und sozialen Dienstleistungen verknüpft werden können, um langfristig zukunftsfähig zu bleiben.
- Demographischer Wandel und seine Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt
- Barrierefreie Wohnraumanpassung und Gestaltung des Wohnumfeldes
- Einordnung und Potentiale von Ambient Assisted Living (AAL)
- Geschäftsmodelle für Wohnungsunternehmen im Kontext von AAL
- Strategien zur Mitarbeiterqualifizierung und Implementierung in den Bestand
Auszug aus dem Buch
3.1. Gründe für ein Engagement
Leerstandsvermeidung
Als das zentrale Motiv für ein Engagement der Wohnungsunternehmen mit Blick auf die Auswirkungen des demographischen Wandels wird die Vermeidung von Leerstand gesehen. Diese Vermutung wurde auch durch eine Untersuchung bestätigt, die der GdW in allen Regionalverbänden Deutschlands durchführen ließ und im Jahr 2007 veröffentlichte. Bei der Auswertung von 431 Fragebögen aus ganz Deutschland sollte die zentrale Hypothese überprüft werden, ob ein hoher Anteil an alten Mietern und eine hohe Leerstandsquote dazu führen, dass sich Wohnungsunternehmen auf diesem Gebiet engagieren. Die Befragung zeigte, dass ein hoher Altenanteil in der Mieterschaft allein noch kein ausschlaggebender Grund für stärkeres Engagement darstellte, sondern erst ein (bereits eingetretener oder prognostizierter) Leerstand die Unternehmen zum Handeln motivierte. Dem Leerstand kann hier auf zweierlei Wegen entgegengetreten werden: Zum einen, indem die älteren Mieter länger in den Wohnungen gehalten werden (z.B. durch Umbauten oder zusätzliche Angebote) und zum anderen, indem der Bestand verstärkt auf Senioren ausgerichtet wird und neue Mieter durch das Angebot attraktiver Wohnkonzepte gewonnen werden. Dies führt zu einem Erhalt bzw. Neugewinn einer bestimmten Mieterklientel, die für die Wohnungswirtschaft aus mehreren Gründen attraktiv ist: Senioren gelten als zuverlässige Mietenzahler und sind meist unauffällige und ruhige Mieter, von denen in der Regel kaum Vandalismusschäden zu befürchten sind und die, etwa durch die Übernahme gemeinschaftlicher Aufgaben wie die Pflege von Mietergärten, sozial stabilisierend wirken. Außerdem führt der längere Verbleib der Mieter in der Wohnung auch dazu, finanziell aufwändige Mieterwechsel zu vermeiden und Zinseffekte, z.B. aus später fällig werdenden Sanierungen, zu generieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Notwendigkeit, auf den demographischen Wandel zu reagieren, und führt AAL als vielversprechendes, aber in der breiten Anwendung noch unterentwickeltes Konzept ein.
2. Die demographische Entwicklung und ihre Herausforderungen für die Wohnungswirtschaft in Deutschland: Dieses Kapitel analysiert die demographischen Trends und ihre regional unterschiedlichen Auswirkungen auf den deutschen Wohnungsmarkt.
3. Aktivitäten der Wohnungswirtschaft in Deutschland zur Bewältigung der demographischen Entwicklung: Es werden die Beweggründe für Wohnungsunternehmen zur Anpassung ihres Bestandes sowie bereits etablierte Maßnahmen wie Barrierefreiheit und erste Vernetzungsansätze dargestellt.
4. AAL – Ein Begriff, viele Möglichkeiten, viele Beteiligte: Das Kapitel klärt die verschiedenen Definitionen von AAL, benennt die beteiligten Akteure und diskutiert ungenutzte Potentiale zur Marktdurchdringung.
5. Geschäftsmodelle zur Realisierung von AAL-Anwendungen unter besonderer Berücksichtigung der Wohnungswirtschaft: Es werden notwendige strategische Allianzen und hybride Geschäftsmodelle untersucht, die für einen wirtschaftlichen Erfolg von AAL-Konzepten essenziell sind.
6. Leitfaden für ein Engagement von Wohnungsunternehmen zur Bewältigung des demographischen Wandels unter besonderer Berücksichtigung von AAL-Konzepten: Dieses Kapitel bietet eine praktische Orientierung für Unternehmen zur strategischen Ausrichtung, Mitarbeiterqualifizierung und Finanzierung neuer Wohnkonzepte.
7. Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die Notwendigkeit eines aktiven Engagements der Wohnungswirtschaft zusammen und betont das Potenzial von AAL als soziotechnisches System für die Zukunft.
Schlüsselwörter
Wohnungswirtschaft, Demographischer Wandel, Ambient Assisted Living, AAL, Barrierefreies Wohnen, Smart Home, Wohnen im Alter, Geschäftsmodelle, Quartiersentwicklung, Senioren, Mieterbindung, Vernetztes Wohnen, Technikunterstützung, Sozialrendite, Wohnungsbestand
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert, wie die Wohnungswirtschaft durch technische Assistenzsysteme und innovative Dienstleistungen auf die Herausforderungen des demographischen Wandels reagieren kann.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Im Zentrum stehen die Anpassung von Wohnraum, die Implementierung von AAL-Technologien sowie die Entwicklung nachhaltiger Geschäftsmodelle für Wohnungsunternehmen.
Was ist das Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Chancen und Bedingungen aufzuzeigen, unter denen eine Verknüpfung von älteren Menschen, Wohnungswirtschaft und AAL-Anwendungen gelingen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen analytisch-empirischen Ansatz, gestützt auf Fachliteratur, Studien und Expertenwissen, um praxisorientierte Strategien abzuleiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die demographische Ausgangslage, bisherige Aktivitäten der Branche, eine begriffliche Einordnung von AAL, die Erarbeitung von Geschäftsmodellen sowie einen konkreten Leitfaden für die Praxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie demographischer Wandel, AAL, Wohnungsunternehmen, Geschäftsmodelle und Mieterbindung charakterisiert.
Warum ist das Thema "Wohnung als dritter Gesundheitsstandort" für Unternehmen wichtig?
Es ermöglicht Wohnungsunternehmen, ihr Kerngeschäft durch pflegerische und technische Dienstleistungen zu erweitern und so Mieter länger im gewohnten Umfeld zu binden.
Welche Rolle spielt die Politik bei der Markteinführung von AAL?
Die Politik ist gefordert, Rahmenbedingungen zu schaffen, Förderprojekte besser zu koordinieren und die Integration von AAL in die Leistungskataloge der Sozialversicherungen zu forcieren.
Was sind laut der Autorin die größten Hindernisse für AAL in der Wohnungswirtschaft?
Zu den größten Hindernissen zählen die mangelnde Nutzerakzeptanz, unklare Geschäftsmodelle sowie die hohen Kosten und fehlenden Standards bei der technischen Implementierung.
- Quote paper
- Melanie Rosliwek-Hollering (Author), 2012, Technische Assistenzsysteme und innovative Dienstleistungen als Konzepte des Ambient Assisted Living (AAL) im demografischen Wandel. Ein Zukunftskonzept für die Wohnungswirtschaft?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202854