Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Russian / Slavic Languages

Viktor Coj: Die Stilisierung zum Helden

Title: Viktor Coj: Die Stilisierung zum Helden

Term Paper (Advanced seminar) , 2010 , 29 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Oleg Solovey (Author)

Russian / Slavic Languages
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

In der Geschichte jedes Landes gibt es „einige in politisch-sozialer Hinsicht herausragende Gestalten, die besondere Leistungen […] vollbracht haben“. Die Sowjetunion war eine Epoche dieser Gestalten, der Helden. Dabei wurden viele von ihnen künstlich zu solchen stilisiert oder gar erfunden; die Heldenverehrung war Ergebnis eines manipulativen Systems. Die 1980er Jahre brachten diese jahrzehntelang bestehende Werteordnung ins Schwanken. Die sozialistischen Helden erwiesen sich als ungeeignet für die gesellschaftliche Umbruchstimmung, der Bedarf an neuen war somit groß. Insbesondere der jüngeren Generation mit ihrem Verlangen nach dem Neuen, dem Alternativen mangelte es an Repräsentation. In den letzten Jahren entstand aus diesem nonkonformistischem Drang eine Subkultur nach westlichem Vorbild – die Rock-Szene, „ein Massenphänomen, das es nicht geben durfte“. Bereits ihre ersten Protagonisten, die den Mut zur Abweichung vom sozialistischen Kurs hatten, wurden mit Begeisterung zu Alternativ-Helden von gewisser politischer Bedeutung erhoben. Das vielleicht spektakulärste Beispiel eines solchen demokratisch stilisierten Helden war der Frontmann der Band „Kino“ Viktor Coj - „наиболее мифологизированная фигура русрока“.
Die vorliegende Arbeit ist ein Versuch, sich dem Phänomen des Heldenkults Cojs zu nähern. Im Kapitel 1 werden die Rahmenbedingungen für die Entstehung der Rock-Szene und der Band Cojs innerhalb dieser Subkultur dargestellt. Kapitel 2 geht auf die wichtigsten Faktoren der Popularität und der (Selbst-)Stilisierung des Sängers. Im dritten Kapitel werden schließlich Beispiele die Mythisierung seiner Biographie nach dem Tod skizziert.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Sowjetischer Rock: Rahmenbedingungen

2.1 Subkultur vs. Mainstream

2.2 Rock bis zur Perestrojka

2.3 „Kino“ in Leningrad

3 Die (Selbst-)Gestaltung des Helden

3.1 Cojs Lyrik

3.2 Ästhetik und Persönlichkeit

3.3 Der Filmstar

4 „Coj živ!“

4.1 Das Leben nach dem Tod

4.2 Schöne Erinnerung

4.3 Der Heldengeist

5 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des Heldenkults um den russischen Rocksänger Viktor Coj. Dabei wird analysiert, wie die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die spezifische Lyrik und Ästhetik des Künstlers sowie seine mediale Inszenierung und sein tragischer Tod zur Mythisierung seiner Person beitrugen.

  • Entwicklung und Rahmenbedingungen der sowjetischen Rock-Szene
  • Analyse der lyrischen Motive und der künstlerischen Selbstinszenierung
  • Die Rolle der Filmkarriere bei der Ausprägung des Heldenbildes
  • Rezeptionsgeschichte und religiöse Züge des Coj-Kultes nach seinem Tod
  • Interaktion zwischen Fan-Identifikation und den gesellschaftspolitischen Umbrüchen

Auszug aus dem Buch

3.1 Cojs Lyrik

Selbstgemachte Kopien der Aufnahmen von „Kino“ erreichten viele Fans lange bevor sie die Band samt ihrem charismatischen Sänger live erleben durften. Die Songtexte, die allesamt von ihm geschrieben wurden, und die darin vorkommenden Charaktere können insofern als Ursprung des Mythos Coj angesehen werden, als er wegen mangelnder biographischer Information unschwer mit ihnen assoziiert werden konnte.

Die stilistisch oft einfache Lyrik, in der Coj individuelle und zwischenmenschliche Problemlagen abarbeitet, kam bei dem jungen Publikum sehr gut an. Dabei sind die Texte meist von Melancholie und Trübsinn geprägt. Gefühle wie Einsamkeit und Perspektivlosigkeit, gekoppelt mit Beschreibungen des Alltäglichen, entsprachen der Stimmung der Generation (vgl. Radke, 2008, S. 36 f.). Coj selbst betonte die Bedeutung der Inhalte seiner Lieder; er schrieb über Probleme, die ihn persönlich berührten (vgl. Coj/Žitinskij, S. 197 f.). Bei der lyrischen Umsetzung bediente er sich simpler, zugänglicher Wörter und Stilmittel (vgl. Dodolev, 1988, S. 216). Dies kann durch die Thematik begründet sein, die auf grundlegende, existenzielle Fragen zurückgreift. Dabei ist Cojs Wortwahl von Archetypen geprägt; die sich oft wiederholenden sprachlichen Bilder lassen sich in gegenwärtige bzw. alltägliche und mythische unterteilen (vgl. Jarkova, 1999). Trotz der scheinbaren Einfachheit der Texte wird darin - nicht zuletzt dank ihrer Doppeldeutigkeit - von vielen eine besondere inhaltliche Tiefe gesehen: „в абсолютно бытовых ситуациях Цой находит такое количество нюансов, столько иронии, вторых и третьих смысловых пластов“ (Skrimami, 1985, S. 175). Dennoch schrieb Coj auch Lieder, deren Absurdität er selbst bestätigt: „„Камчатка“ и „Алюминевые огурцы“ - это чистая фонетика и, может быть, какие-то ключевые моменты, не связанные между собой и имеющие задачу вызывать ассоциативные связи“ ( Zit. n. Coj/Žitinskij, S. 176).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Arbeit führt in das Phänomen des Heldenkults um Viktor Coj ein und skizziert die methodische Untersuchung der Rahmenbedingungen, Faktoren der Popularität und der Mythenbildung.

2 Sowjetischer Rock: Rahmenbedingungen: Dieses Kapitel beschreibt die Entstehung der sowjetischen Rock-Szene als subkulturelle Gegenbewegung zum staatlich kontrollierten Mainstream unter Berücksichtigung von „Magnitizdat“ und kultureller Isolation.

3 Die (Selbst-)Gestaltung des Helden: Hier werden die lyrischen Inhalte, die ästhetische Inszenierung und die Bedeutung der Filmauftritte Cojs als zentrale Elemente für die Formung seines Helden-Images analysiert.

4 „Coj živ!“: Das Kapitel widmet sich der postmortalen Mythisierung Cojs, seiner Idealisierung durch Fans und Freunde sowie der religiösen Transformation seines Kults.

5 Fazit: Die Schlussbetrachtung fasst zusammen, wie Coj durch seine Kunst und die gesellschaftlichen Umstände zum Symbol einer Generation wurde und warum sein Mythos bis heute besteht.

Schlüsselwörter

Viktor Coj, Kino, Sowjetischer Rock, Heldenmythos, Subkultur, Perestrojka, Magnitizdat, Neformaly, Liedlyrik, Musiksoziologie, Glasnost, Kult-Bands, Heldenverehrung, postsowjetische Popkultur, Identitätsbildung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die soziokulturelle Entstehung des Heldenkults um den russischen Rockmusiker Viktor Coj und die Mechanismen, die zu seiner Stilisierung in der späten Sowjetunion führten.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zentrale Themen sind die sowjetische Subkultur, die Rolle von Musik als Protestmedium, die lyrische Analyse von Cojs Texten sowie die mediale Inszenierung und postmortale Sakralisierung des Künstlers.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Gründe für die enorme Popularität Cojs zu analysieren und zu verstehen, warum er in einer Zeit politischer Umbrüche zum zentralen Identifikationsfigur und „Helden“ einer ganzen Generation wurde.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt eine kulturwissenschaftliche und musiksoziologische Herangehensweise, wobei sie auf Analysen von Liedtexten, zeitgenössischen Medienberichten, Interviews und biographischen Daten basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Rahmenbedingungen der Rock-Szene, die detaillierte Analyse der (Selbst-)Stilisierung durch Musik, Text und Film sowie die Betrachtung der Mythenbildung nach Cojs Tod.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Typische Schlüsselbegriffe sind Viktor Coj, Kino, Heldenmythos, sowjetische Rock-Szene, Subkultur, Perestrojka und postsowjetische Popkultur.

Welche Bedeutung hatte der "Magnitizdat" für die Popularität von Viktor Coj?

Der „Magnitizdat“ fungierte als unkontrollierte Parallelindustrie, die den Austausch inoffizieller Aufnahmen ermöglichte und Cojs Musik weit verbreitete, noch bevor er offiziell ein Massenpublikum erreichte.

Wie trugen die Filme, in denen Coj mitwirkte, zu seinem Mythos bei?

Seine Filmrollen, insbesondere in „Igla“ und die Schlüsselszene in „ASSA“, erweiterten sein Image um eine visuelle Komponente, die den heroischen Einzelgänger unterstrich und seine Kunst massenwirksam popularisierte.

Warum wird Coj in der Arbeit als eine Art "Religionsfigur" beschrieben?

Nach seinem frühen Tod wurden seine Lieder als Prophezeiungen gedeutet und ihm eine göttliche Mission zugeschrieben; die Orte seines Wirkens und Grabstellen entwickelten sich zu Pilgerstätten, was den Kult stark religiös auflud.

Excerpt out of 29 pages  - scroll top

Details

Title
Viktor Coj: Die Stilisierung zum Helden
College
Ruhr-University of Bochum  (Lotman-Institut)
Course
Sozialistische Helden und Ungeheuer
Grade
1,0
Author
Oleg Solovey (Author)
Publication Year
2010
Pages
29
Catalog Number
V202897
ISBN (eBook)
9783656292340
ISBN (Book)
9783656293385
Language
German
Tags
viktor coj tsoy tsoi wiktor russischer rock sowjetischer rock rockmusik heldenkult personenkult perestroika subversion selbsstilisierung mythos popkultur massenkultur szene samizdat magnitizdat glasnost protest rock-bewegung tapes neformaly opposition gegenkultur antiheld rock-club hedonismus 80er leningrad kino grebenshikov underground lyrik stil ästhetik persönlichkeit kult image primitivismus musik new wave trend performance assa drogen igla vorbild popularität tod mythisierung biographie romantisierung glorifizierung fans anhänger kommunismus religion jim morrison kurt cobain jimi hendrix mystizismus subkultur gedenkriten
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Oleg Solovey (Author), 2010, Viktor Coj: Die Stilisierung zum Helden, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202897
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  29  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint