Splatterfilm und Torture Porn

Politische und soziokulturelle Pa­rallelen zu dem Amerika der 70er


Bachelorarbeit, 2011

89 Seiten, Note: 2,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Einleitung
1 Horror im Allgemeinen
1.1 Die Entwicklung in drei Epochen
1.2 Monster, Menschen und ihreÄngste
1.3 Horror als Spiegel

2 Amerika in den 70ern
2.1 Wirtschaftspolitik
2.2 Gewalt in den Medien
2.3 Soziokulturelle und -politische Strömungen
2.3.1 Rolle der Familie
2.3.2 Civil Rights und die neue Gewalt
2.3.3 Feminismus und Gay Liberation
2.3.4 Krisenmanagement

Exkurs: Slasher- oder Splatterfilm?
3 Amerika heute
3.1 Wirtschaftspolitik
3.2 Soziokulturelle und -politische Strömungen
3.2.1 Civil Rights und der PATRIOT-Act
3.2.2 Feminismus und Homosexualität
3.2.3 Krisenmanagement
3.2.4 Demokratie als Exportartikel
3.3 Gewalt in den Medien

4 Bildsprache
4.1 Auswirkungen auf die Realität?
4.2 Gründe
4.3 Das Kino der Sensationen

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildunssverzeichnis

Abbildung 1: Bilder aus dem Vietnamkrieg

Abbildung 2: Bilder aus dem Vietnamkrieg

Abbildung 3: Arbeitslosenquote in den 70ern und heute

Abbildung 4: Captain Spaulding mit Uncle-Sam-Geste

Abbildung 5: Captain Spaulding mit Hut und Waffe

Abbildung 6: George W. Bush als Vampir

Abbildung 7: Christopher Lee als Graf Dracula in diversen Verfil­mungen von „Hammer"

Abbildung 8: Tobin Bell als John „Jigsaw" Kramer

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Einleitung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit zwei Subgenres des Horrorfilms: zum einen dem Splatterfilm, der Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre seinen Höhepunkt hatte, und zum anderen dem heute in den Medien oft als „Torture Porn" verschrieenen, postmodernen Horrorfilm nach der Jahrtausendwende.

Dabei soll insbesondere auf die Frage eingegangen werden, wie und warum es dazu kommen konnte, dass ausgerechnet in­nerhalb dieser beiden Zeitperioden die Bildsprache der Horrorfil­me gewalthaltiger wurde als jemals zuvor. Hierzu wird insbeson­dere auf die Spiegeltheorie Bezug genommen: Inwiefern liefern nicht Filme die Vorlagen für reale Ereignisse, sondern reflektieren, ganz im Gegenteil zu dieser weit verbreiteten These, selbst ihre Entstehungszeit sowie deren soziale, kulturelle und politische Hin­tergründe

Dies scheint insbesondere insofern relevant, als dass es zur Spiegeltheorie ganz allgemein bereits an deutschsprachigen wis­senschaftlichen Aufarbeitungen mangelt. Hinzu kommt aber zu­dem, dass auch die Horrorfilme der 70er Jahre bei weitem noch lange nicht oft und umfassend genug hinsichtlich ihrer gesell­schaftlichen Hintergrundgeschichte betrachtet worden sind und es ganz besonders an Analysen und Interpretationen zum postmo­dernen Horrorfilm nach der Jahrtausendwende bzw. nach 9/11 so­wohl deutsch- als auch englischsprachig fehlt.

Aufgrund dessen werden deswegen zunächst wichtige Grund­kenntnisse über den Horrorfilm vermittelt, um auch demjenigen einen Einblick geben zu können, der sich bisher nur vom Hörensa­gen mit Horrorfilmen beschäftigt hat. Im Zuge dieser Ausführun­gen werden zudem einige allgemeine Begriffe erklärt, auf die sich diese Arbeit fortwährend beziehen wird wie beispielsweise der des „Monsters". Was kennzeichnet esWarum ist es so, wie es istUnd wieso eignet sich daher ausgerechnet der Horrorfilm zur Re­flexion seinerGesellschaft7

Anschließend wird zunächst auf das Amerika der 70er Jahre eingegangen, wobei nach dessen Wirtschaftspolitik und einem Überblick über die Medien dieser Zeit ein Querschnitt durch die Gesellschaft und deren politische Führung gemacht wird. Im An­schluss an die jeweiligen Kapitel werden hierbei zudem bereits erste Interpretationsversuche und -möglichkeiten aufgezeigt, die aufgrund der wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Lage seinerzeit sowohl bereits ergründet wurden, als sich auch er­weiternd anbieten. All dies ist elementar, um den Vergleich zur heutigen Zeit ziehen zu können.

Das dritte Kapitel beschäftigt sich deswegen zunächst erst ein­mal eingehend mit der Wirtschaftspolitik unter George W. Bush. Hier werden bereits erste Parallelen zu den 70er Jahren deutlich, was sowohl die wirtschaftliche Situation als auch deren Reflexion in den Horrorfilmen angeht. Im Anschluss daran werden soziokul- turelle und -politische Strömungen untersucht. Dies betrifft bei­spielsweise den Umgang mit Bürgerrechten oder den mit Krisen. Abschließend findet sich auch hier ein Unterpunkt zur Repräsenta­tion und Rolle der Medien in der heutigen Zeit und deren Reflexi­on im Film.

Im Anschluss daran klärt das vierte Kapitel das wohl auffälligs­te Merkmal der beiden Subgenres: die Bildsprache. Welche Aus­wirkungen hat der Konsum gewalthaltiger Filme auf das Verhalten von MenschenWer beeinflusst hier wenWelche Gründe lassen sich für die Entwicklung von Nosferatu über Night of the Living Dead hin zu Saw findenUnd ist diese Entwicklung nicht gerade eines der Grundprinzipien des Kinos: Zeige dem Zuschauer etwas, das er zuvor noch nie gesehen hat!7

Abschließend werden die Ergebnisse und Theorien zusammen­gefasst und ein Ausblick auf mögliche weiterführende Arbeiten ge­geben.

1 Horror im Allgemeinen

1.1 Die Entwicklung in drei Epochen

Die Zeitrechnung des Horrorfilms beginnt etwa 1931. Dieses Jahr steht nicht nur im Zeichen der großen Depression (und vor dem Zweiten Weltkrieg), sondern ganz besonders auch im Zeichen des ersten großen, erfolgreichen Horrorfilms Dracula, produziert von Universal unter der Regie von Tod Browning und mit dem ange­henden Star Béla Lugosi, obgleich das Horrorgenre bereits früher erste Gehversuche erlebt - etwa mit der Verfilmung von Franken­stein (R: James Searle Dawley, 1910). Ein anderer bekannter Ver­treter ist beispielsweise der unter der Regie von Friedrich Wilhelm Murnau 1922 in Deutschland entstandene Nosferatu- Eine Sympho­nie des Grauens.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die weltweit am Krieg be­teiligten Gesellschaften jedoch erst einmal gesättigt sind, was Ge­walt angeht. Der deutsche Expressionismus existiert dabei als sti­listische Ausnahme, dient er doch vor allem als die Geschichte verarbeitende Kunstrichtung, die sich bis in die ersten Gehversu­che des deutschen Films wie Nosferatu zieht. Bereits hier lassen sich aber viele Merkmale des sogenannten „klassischen Horror­films" dieser Zeit wiederfinden: Besonders auffällig ist die Verwen­dung gotischer und traditioneller Monster und Schrecken, auf die im folgenden Kapitel noch genauer eingegangen wird. Das Schlag­wort der Horrorfilme dieser Zeit ist Fantastík. Herkunftsland der Schreckgestalten ist, nicht nur in Deutschland, in den meisten Fäl­len das Ausland, etwa Transsilvanien oder Ägypten, und oftmals haben die Monsterauch nur ein Ziel: die Braut des Helden.

Nach den realen Schrecken des Zweiten Weltkrieges geriet der Horrorfilm dann bereits in seine erste Krise; die Realität hatte der (Alb-)Traumfabrik Hollywood den Rang abgelaufen. Doch mit dem Wahnsinn des Kalten Krieges zwischen kapitalistischem Westen und kommunistischem Osten fand auch das Horrorgenre neue Themen fernab von Gotik und Romantik. Die Zeit des als „mo­dern" in die Geschichte eingehenden Horrorfilms beginnt in den 60ern; spätestens mit dem Fall des Production Code (auch be­kannt als Hays Office) und dem Zusammenbruch des Studiosys­tems im Jahr 1968. Die Kinos in dieser Zeit zeigten vor allem ei­nes: Gewalt. Ob Bonnie und Clyde (R: Arthur Penn, 1967) oder The Wild Bunch - Sie kannten kein Gesetz (R: Sam Peckinpah, 1969). Die Regisseure und Filmemacher nutzten den Fall der Einschränkun­gen und Begrenzungen für all das, was ihnen bisher verwehrt war: Explizite Gewalt, Sympathie mit den Tätern, sogar indirekte Anstif­tungen zu vergleichbaren Taten waren keine Seltenheit.1

Der Schrecken entspringt in dieser Zeit dabei nicht mehr der Vergangenheit, sondern er erwächst vielmehr inmitten der Gesell­schaft. Damit sind nicht nur die zahlreichen Massen- und Serien­mörder Ende der 60er gemeint, sondern auch der Schrecken, der aus dem Idealbild der kleinbürgerlichen Familie erwächst. Die Fil­me projizieren ihren Schrecken aus und in den gewöhnlichen All­tag selbst. Die Monster (bezeichnenderweise vorzugsweise Mas­senmörder bzw. Slasher) sind dabei deswegen in den meisten Fäl­len selber Menschen; nicht wenige Filmmörder besitzen eine Art reales Vorbild. Ein anderes Subgenre des Horrorfilms der 70er be­vorzugt hingegen den Schrecken des Okkulten, etwa die Omen­Reihe (u.a. Das Omen, R: Richard Donner, 1976), Der Exorzist (R: William Friedkin, 1973) oder Rosemary's Baby (R: Roman Polanski, 1968).

Quasi aus der Synthese von Täterperspektive des Slasherfilms und derAbjektästhetik des Splatterfilms, [d]amit ist, in Anlehnung an Julia Kristevas „Pouvoirs de l'horreir: essai sur l'abjection" (1980), die Verhandlung von aus dem gesellschaftlichen Diskurs exkludierten Themen über die Medialisierung (und zugleich Nutzung) einer dezidiert der Häßlichkeit [sic] und dem Schock verpflichteten Ästhetik gemeint,2 entsteht in den 80er Jahren dann der postmoderne Horrorfilm. In diesem geht es vor allen Dingen um die Apokalypse und den Un­tergang der Menschheit, des Öfteren kombiniert mit einem gewis­sen Hang zum Nihilismus. Frederic Jameson bezeichnet diese Zeit ganz allgemein als die dritte (oder späte) Phase des Kapitalismus3 und stellt als „Schuldigen" damit auch klar die USA bzw. die west­liche Welt als Ganzes fest. Angesichts der apokalyptischen und ni­hilistischen Züge von Night of the Living Dead (Die Nacht der lebenden Toten, R: George Andrew Romero, 1968)4 oder The Texas Chain Saw Massacre (Blutgericht in Texas, R: Tobe Hooper, 1974)5 argumentiert Pinedo (in Anlehnung an Tudor) bereits in den Jahren ab I960 für die Bezeichnung des postmodernen Horrorfilms.6 Dem ist jedoch insbesondere entgegen zu halten, dass

[wjhereas modernists view nihilism as arising out of the individual's confrontation with a world naturally hostile to the innate strivings of authentic and self-reflective human beings, the postmodernist perspective sees nihilism as merely a transitional stage in the evolution of mass culture; one that might be overcome with the abandonment of older, more individualistic ways of thinking.[7]

Night of the Living Dead unterscheidet sich also insofern von A Night­mare On Elm Street (Nightmare - Mörderische Träume, R: Wes Craven, 1984), als dass sich der sehr wohl bei beiden vorhandene Nihilis­mus bei Letzterem dadurch auszeichnet, dass er, als Übergangs­phase, durch die Aufgabe älterer Denkweisen überwunden wer­den kann. In diesem konkreten Fall meint dies die überholten Denkweisen der Erwachsenen, die das Monster für ein Märchen halten und weswegen es die Heranwachsenden nicht nur allein überleben, sondern auch ohne jegliche Unterstützung bezwingen müssen.8 Bei Living Dead wird der Nihilismus dagegen von der ins­gesamt feindlichen Welt (voller Zombies) repräsentiert, gegen die die Individuen (ohne Zusammenhalt) einzeln versuchen anzu­kämpfen.

Im Zentrum des postmodernen Horrorfilms steht dabei aber vor allem auch „ein geschundener, gequälter, bis zur Selbstauflö­sung destruierter Körper".9 Mögliche Gründe hierfür werden insbe­sondere in Kapitel 4 näher erläutert.

[...]


1 Vgl. Martin 1970, 124 und Maltby 1995, 53

2 Ballhausen November 2003, 1

3 Vgl. Jameson 1995, 5

4 Für diesen Film entstanden bereits zwei Remakes: eines 1990 unter der Regie von Tom Savini und eines 2006 in 3D unter Jeff Broadstreet.

5 2003 entstand ein Remake unter der Regie von Marcus Nispel.

6 Vgl. Pinedo 1997, 15ff.

7 Marmysz 2009, 86

8 Vgl. Seeßlen/Jung 2006, 660f.

9 Felix 1998, 9

Ende der Leseprobe aus 89 Seiten

Details

Titel
Splatterfilm und Torture Porn
Untertitel
Politische und soziokulturelle Pa­rallelen zu dem Amerika der 70er
Hochschule
Hochschule Mittweida (FH)
Note
2,5
Autor
Jahr
2011
Seiten
89
Katalognummer
V202906
ISBN (eBook)
9783656320081
ISBN (Buch)
9783656320821
Dateigröße
1050 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Splatter, Torture Porn, Horrorfilm, Spiegeltheorie, Saw, Hostel, Night of the Living Dead, House of 1000 Corpses
Arbeit zitieren
Jörg Lehmann (Autor), 2011, Splatterfilm und Torture Porn, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202906

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Titel: Splatterfilm und Torture Porn



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