Die deutsche Interpunktion: Kommaregeln


Hausarbeit, 2011
16 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

1 Einleitung

„Komm wir essen Opa!“

(Die falsche Zeichensetzung kann tödlich sein!)

Der Anteil der Komma-'Fehler' an der Gesamtzahl der 'Fehler' im Bereich der Zei­chensetzung liegt bei einschlägigen Untersuchungen bei circa 80 %. Die Fehler be­stehen zu über 75% darin, daß [sic!] Kommas nicht gesetzt werden, die von der heutigen Regelung gefordert werden.“ (Mentrup 1993, S. 131)

Was Mentrup 1993 feststellte, hat 18 Jahre später immer noch Gültigkeit. Nicht nur unter Schülern, sondern auch unter Studenten und Berufstätigen herrschen Unsi­cherheiten bezüglich der Zeichensetzung, insbesondere der Kommasetzung. Zwar ist die deutsche Interpunktion nur aus vierzehn Satz- und Hilfszeichen zusammenge­setzt, doch verbirgt sich dahinter ein umfangreiches und kompliziertes System aus Regeln, die selbst viele Muttersprachler nach langjährigem Deutschunterricht nur defizitär beherrschen. Aufgrund dieser Unsicherheiten werden oftmals Satzzeichen nicht - oder falsch - gesetzt, obwohl genau dies zu großen Missverständnissen führen kann, was der oben angeführte Beispielsatz „Komm wir essen Opa!“ verdeutlicht. Die vorliegende Hausarbeit thematisiert die Zeichensetzung der deutschen Orthographie. Die Vorgehensweise wird im folgenden Abschnitt kurz skizziert:

Zunächst definiert Kapitel 2 den Begriff der Interpunktion. Daraufhin wird in Kapitel 3 die historische Entwicklung der deutschen Interpunktion behandelt. Anschließend werden im vierten Kapitel die Zeichen der deutschen Orthographie dargestellt. Bevor die unterschiedlichen Kategorien vorgestellt werden, greift die Hausarbeit die allgemeinen Funktionen der Satz- und Hilfszeichen auf. Im Anschluss daran rückt das Komma in den Fokus der Betrachtung. In Kapitel 5 werden die aktuellen Kommaregeln des deutschen Schriftsystems aufgeführt, die nach den Amtlichen Regelungen von 2006 zitiert werden. Den Abschluss bildet das Fazit, das nochmals die Bedeutung und die Auswirkungen der Zeichensetzung hervorhebt.

2 Begriffsbestimmung der Interpunktion

Die Gliederung der geschriebenen Sprache in syntaktische Einheiten wird vorrangig mit Hilfe der Interpunktion (Zeichensetzung) vorgenommen. Darunter versteht man das Setzen von Satzzeichen innerhalb eines Textes. Diese sind Grenz- und Gliederungszeichen, die dem Leser zum raschen Überblick und somit zur Überschaubarkeit von Texten verhelfen (vgl. Amtliches Regelwerk 2006, S. 73). Die Interpunktion, die auch als „Lehre vom Gebrauch der Satzzeichen“ bezeichnet wird, beinhaltet einen mehr oder weniger verbindlichen Regelapparat. Dieser muss wie die Schreibung der Wörter ebenfalls im Muttersprachunterricht erlernt werden. Die Interpunktion ist eine Teildisziplin der Sprachwissenschaft. Sie befasst sich mit den Prinzipien der Zeichensetzung, dem System der Interpunktionsregeln und den Funktionen der Satzzeichen (vgl. Baudusch 2007, S. 236).

3 Die historische Entwicklung der deutschen Interpunktion

Zwar sind die Satzzeichen bei weitem nicht so alt wie die Schrift, dennoch können ihre Spuren bis in die Antike zurückverfolgt werden.

Der Ursprung des heutigen Punktes sowie seine Gliederungsfunktion bei Reden oder Tagesordnungen (Beispiel: „Im nächsten Punkt möchte ich darüber diskutieren...“) finden sich im Zeitalter der Römer. Diese haben nach griechischem Vorbild einen so genannten „punctum“ (lat. „das Gestochene“) am Ende jedes Satzes oder Satzabschnittes gesetzt. Den Einstich verrichteten sie mit Hilfe eines Griffels, den sie in ihre Wachstafel gestochen haben (vgl. Reuter 1998, S. 9).

Weitere Satzzeichen, wie „kómma“ (griech. „Einschnitt“) und „kólon“ (griech. „Glied“) waren den Römern durchaus bekannt, jedoch fungierten sie nicht wie heute als Satzzeichen, sondern dienten der Kennzeichnung von Sinnabschnitten eines Satzes oder Verses.

Das Fragezeichen (lat. „punctus interrogativus“) stammt aus der Gregorianik[1]. Die deutsche Bezeichnung dieses Satzzeichens kann hingegen erst im 16. Jahrhundert nachgewiesen werden; so auch das deutsche Wort Ausrufezeichen, das in Form von „Ruf­zeichen“ erst im 17. Jahrhundert auftauchte. Dieses existierte als solches in keiner der älteren Schriften der romanischen Sprache.

Schon seit dem 15. Jahrhundert waren sowohl Klammern als auch Parenthesen (griech. parénthesis „das Eingeschobene“, „das Dazwischengeschobene“) bekannt, wenn auch nicht unter der Bezeichnung „Klammer''.

Der Gedankenstrich und das Anführungszeichen (lat. „signum citationis“) entwickel­ten sich im 18. Jahrhundert. Zu dieser Zeit wurden beim Zitieren eines fremden Textes vor jeder Zeile Anführungszeichen gesetzt. Das Hervorheben der wörtlichen Rede übernahm das Zeichen erst später (vgl. ebd. S. 9ff).

Einen wesentlichen Wandel im Umgang mit Satzzeichen brachte der Buchdruck im 15. Jahrhundert (vgl. Baudusch 2007, S. 236), denn „Je mehr man las, und zwar nicht laut, sondern still für sich, desto größer wurde das Bedürfnis nach einer klaren, überschaubaren Gliederung des Textes, nach einer Kennzeichnung der Satzstruktur im Schriftbild.“ (ebd.). Infolgedessen entwickelte sich auch die Schrift weiter. Der Leser konnte das Geschriebene nun leichter erschließen.

Da sich anfangs weder eine Trennung der Wörter noch eine Groß- und Kleinschreibung, Interpunktion oder Absätze herangebildet hatten, waren Texte schwierig zu lesen. Erschwerend zeigten sich auch die verwendeten Majuskeln, die nicht durch Ober- und Unterlängen[2] gekennzeichnet waren. Durch den ersten Entwicklungsschritt, der größere Einheiten und Sätze durch Initiali­en und Schlusspunkte hervorbrachte, verringerten sich die jeweiligen zu lesenden Einheiten.

Der nächste und zugleich auch entscheidende Schritt, nämlich die Einführung des Wortzwischenraums, erleichterte bzw. ermöglichte leises Lesen und Schreiben.

Infolgedessen wurde der Text grammatisch gegliedert (vgl. Jeuk 2009, S. 23).

Vor 1200 Jahren schrieben vor allen Dingen Mönche Texte. Sie schmückten das Ge­schriebene mit kunstvollen Verzierungen aus, welche die Grundlage der heutigen Schreib- und Druckschriften bilden: die sogenannten karolingischen Minuskeln. Diese Schriftart zeichnet sich durch verschiedene Ober- und Unterlängen aus. Karolingi­sche Minuskeln ermöglichten, im Vergleich zu den zuvor verwendeten Majuskeln, eine schnellere Auffassung der Schrift (vgl. Dürscheid 2006, S. 167f).

Die syntaktische Organisation eines Satzes konnte erst durch die allmähliche Ent­wicklung der Interpunktion bereits im Schriftbild deutlich gemacht werden. Dies ge­schah zunächst durch Virgeln[3], später auch durch die Verwendung weiterer Satzzei­chen. Die Virgel entspricht dem heutigen Komma und wurde von diesem verdrängt (vgl. Jeuk 2009, S. 23). Man bezeichnet sie als ein Relikt aus dem Mittelalter, welche noch in der Barockliteratur als Trennungszeichen für Aufzählungen, kurze Nebensätze oder Ähnliches fungierten.

[...]


[1] Gregorianik bezeichnet alle Artikel, die sich mit der Thematik des Gregorianischen Chorals beschäftigen.

[2] Buchstaben mit Oberlängen sind beispielsweise <b>, <d>, <f>, Buchstaben mit Unterlängen <g>, <p>, <q>

[3] lat. virgula, „Rute“, „dünner Zweig“, im Deutschen „Schrägstrich“

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die deutsche Interpunktion: Kommaregeln
Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
16
Katalognummer
V202919
ISBN (eBook)
9783656288947
ISBN (Buch)
9783656289388
Dateigröße
512 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
interpunktion, kommaregeln
Arbeit zitieren
Nadine Dargel (Autor), 2011, Die deutsche Interpunktion: Kommaregeln, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202919

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