Zwei Krisenreden, die die Welt veränderten

Die "Cuba Missle Crisis"-Speech und die "Our Mission - Our Moment"-Speech von George W. Bush im Vergleich samt Darstellung typischer Merkmale von Krisenreden


Bachelorarbeit, 2012

46 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung
1.1. Methodik
1.2. Literaturauswahl

2.Definitionen
2.1. Begrifflichkeit der Krise
2.2. Welche Merkmale zeichnen eine (politische) Krise aus?

3. Biografisches und rhetorisches Profil der Redner
3.1. John F. Kennedy als Präsident und Rhetor
3.2. George W. Bush als Präsident und Rhetor

4. Kontextuelle Einflüsse auf beide Reden
4.1. Kontext der „Cuban Missle Crisis“ und Rede
4.2. Kontext der „9/11 Crisis“ und Rede

5. Allgemeine Funktionen von Krisenreden
5.1. Motivationsfunktion
5.1.1. (Zivil-)religiöse Bezüge
5.1.2. Motivierende Elemente beider Reden
5.1.3. Moralische Rhetorik beider Reden
5.2. Informationsfunktion
5.2.1. Vergangenheits- und Gegenwartsbezug
5.3. Angriffsfunktion
5.3.1. Darstellung und Adressierung der Gegner
5.3.2. Weltanschauung
5.4. Führungsfunktion
5.4.1 Selbstdarstellung beider Präsidenten und des amerikanischen Volkes

6. Sprachlich-struktureller Vergleich beider Reden
6.1. Redestruktur und Aufbau
6.2. Rhetorische Mittel in beiden Reden

7. Fazit: Gemeinsame Merkmale von Krisenreden

8. Schlusswort

9. Quellen- und Literaturverzeichnis

1.Einleitung

In der Zeit des 20. bis 21. Jhd. nahmen, neben den gesteigerten öffentlichen Auftritten, auch die medialen Handlungsmöglichkeiten des amerikanischen Präsidenten, beispielsweise mit Fernsehen, Radio und Internet, zu. Bei den mittlerweile laut Don Baer[1] geschätzten 400 – 500 Reden[2] eines Präsidenten (über das Jahr verteilt), gibt es viele herausragende und wichtige Reden. Doch kaum eine Rede während der Präsidentschaft ist so brisant wie die Krisenrede. Insbesondere mit der Zunahme der neuen technischen Möglichkeiten können nun immer mehr Menschen erreicht werden und immer mehr Menschen wollen nachweisbar diese Medien nutzen. Mit sprichwörtlich „glänzender Rhetorik“, oder besser gesagt der passenden Wortwahl soll der Präsident in Zeiten der Krise ein Gefühl von Hoffnung, Sicherheit und Vertrauen wiederaufbauen oder überhaupt aufbauen. Allgemein kann gesagt werden, dass kein Land in seiner Geschichte von Krisen verschont blieb, beispielhaft soll in dieser Bachelorarbeit Krisenrhetorik in den Vereinigten Staaten von Amerika thematisiert werden. Genauer zwei bedeutende, maßgebende politische Krisenreden amerikanischer Präsidenten.

Gegenstand wird sowohl die Rede John F. Kennedys, die „Cuban Missle Crisis – Speech“ (im weiteren Verlauf auch CMC genannt) - gehalten am 22.10.1962 - als auch die Rede George W. Bushs „Adress to a Joint Session of Congress Following 9/11 Attacks“ – gehalten am 20.09.2001 - sein. Die Rede George W. Bushs sei im Verlauf der Arbeit auch, wie allgemein bekannt, als die „Our Mission - Our Moment Speech“ (im weiteren Verlauf auch OM genannt) bezeichnet.

Auf den ersten Blick unterscheiden sich die beiden zu untersuchenden Reden, dennoch eignen sie sich für einen Vergleich mithilfe qualitativer-quantitativer Belege. Warum dies so ist, wird nun in einigen Sätzen dargelegt werden. Zwar fand die OM von George W. Bush nach einem Angriff auf die Vereinigten Staaten statt, wohingegen die Rede Kennedys vor einem erwarteten Angriff gehalten wurde, dennoch lassen sich einige signifikante Gemeinsamkeiten der jeweiligen Ausgangslagen der beiden Reden finden. Beide Male wurden die USA durch externe Faktoren – in einem Fall durch die Sowjetunion, im anderen durch Terroristen aus dem Nahen Osten – bedroht und zum Handeln gezwungen und befanden sich infolge dessen, in einer politischen Krise. Sowohl die Stationierung von Raketen auf Kuba, als auch die Planung und Ausführung der Terrorangriffe von 9/11 fanden unter verdeckten und heimlichen Manövern, im Falle 9/11 auch völlig überraschend[3], statt. Ebenso waren beide Ereignisse unvorhergesehen und erforderten somit eine rasche Reaktion seitens der politischen Führung der Vereinigten Staaten. Kurz gesagt wurden die USA in beiden Fällen durch andere Gruppen oder Nationen brüskiert. Gleichzeitig sind beide Reden offiziell von der gleichen Redegattung: Die „Cuban Missle Crisis Speech“ ist nachweisbar eine Krisenrede, wie auch die Rede George W. Bushs. Sie wurden beide vor einem potentiellen – in einem Fall anschließend auch erfolgten – Angriff der Vereinigten Staaten auf eine andere Nation gehalten. Es sei erwähnt, dass es sich bei den gerade aufgezählten Kriterien jedoch nur um einen Bruchteil derer handelt, die beide Reden vergleichbar machen.

1.1. Methodik

Aufgrund der Komplexität von Krisenkommunikation und Krisenreden wird sich diese Bachelorarbeit ausschließlich mit den Eigenschaften der Krisenreden amerikanischer Präsidenten (genauer: den oben genannten) beschäftigen. Um dabei eine objektive, aussagekräftige und valide Darstellung des Vergleichs zu gewährleisten, orientiert sich diese Bachelorarbeit an eigens hierfür abgeleiteten, vom Autor erstellten, vier Funktionen von Krisenreden, die anhand der zwei genannten Reden verifiziert, beziehungsweise erklärt werden sollen. Zunächst war ein deskriptiver Vergleich zweier Krisenreden angedacht. Daraus entwickelten sich vier Kategorien, die sich auf die zwei analysierten Krisenreden übertragen lassen. Es ist davon auszugehen, dass sich Krisenkommunikation in vielerlei Hinsicht ähnelt. Jede dieser Funktionen ist in dieser Arbeit aufgegliedert in Teilkategorien, die auf unterschiedliche Ausprägungen der Ursprungsfunktion Einfluss nehmen. Innerhalb dieser Kategorien wird nach einem komparativ-analytischen Schema vorgegangen, genauer: Beide Reden werden auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede untersucht.

Um diese Vergleichskriterien valide zu belegen, wird ein nicht unerheblicher Teil dieser Bachelorarbeit auch eigens erhobene, empirische Belege für getroffene Thesen darlegen. Neben dem Ziel dieser Arbeit, einen Überblick über beide Reden, sowohl auf der qualitativen-, als auch auf der quantitativen Analyseebene zu geben, sollen folgende Fragen beantwortet werden:

1.) Inwieweit unterscheiden sie sich in Struktur und Aufbau?
2.) Wie hoch sind die Anteile von Kritik am „Gegner“ und der Motivation des eigenen Volkes?
3.) Welche typischen Merkmale zeichnen beide Krisenreden aus?

Im Folgenden soll unter Punkt zwei ein kurzer Überblick über die allgemeine Definition des Begriffes Krise, als auch über die Merkmale der politischen Krise gegeben werden. Die anschließenden Kapitel drei und vier werden sich mit beiden Präsidenten und dem jeweiligen Kontext der Reden auseinandersetzen. Punkte fünf und sechs stellen den eigentlichen Kern der Arbeit dar, nämlich die Darlegung der Funktionen von Krisenreden. Punkt sieben soll ergänzend sprachliche Auffälligkeiten und Unterschiede zwischen den beiden untersuchten Reden darlegen. Abschließend werden im Fazit die Gemeinsamkeiten und Merkmale von Krisenreden anhand der aufgezeigten Ergebnisse resümiert.

1.2. Literaturauswahl

Bezüglich der Auswahl der Literatur dieser Arbeit sei angemerkt, dass sich zwar zahlreiche Werke zu präsidentieller Rhetorik, Kommunikation im Präsidentenamt und dem politischen System der USA finden ließen, jedoch nicht zu der Thematik der Krisenreden im Allgemeinen. Krisenkommunikation bleibt ein Themengebiet, zu welchem es keinen einheitlichen Katalog von Ratschlägen gibt, auch nicht von Redenschreibern. Während der Recherche für diese Bachelorarbeit tauchten keine Handbücher oder Leitfäden zum Schreiben von Krisenreden auf, was die Folgerung erlaubt, dass es keinerlei – oder kaum - Faustregeln zum Erstellen von solchen Reden gibt.

Für das theoretische Grundgerüst und die Erklärung der einzelnen Analysekategorien verwendet diese Arbeit deshalb unter anderem die Werke verschiedenster Kommunikations- und Politikwissenschaftler, wie beispielsweise Prof. Arjen Boin und sein Werk „The Politics of Crisis Management“, welche sich mit Krisenrhetorik oder dem amerikanischen Präsidentenamt befassen, aber auch mit den Biographien beider Präsidenten. Als besonders hilfreich zum erklären bestimmter Funktionen erwies sich neben dem Werk von Edward J. Lordan „The Case for Combat“ auch „The modern Presidency and Crisis Rhetoric“ von Amos Kiew. Besonders letzteres Buch beschrieb die Aufgaben und Pflichten amerikanischer Präsidenten in Zeiten von Krisen herausragend gut. Für Hintergründe zur amerikanischen Zivilreligion war neben dem Aufsatz von Robert N. Bellah „Civil Religion in America“ auch der Länderbericht von Peter Lösche eine ergiebige und sinnvolle Quelle. Die dort präsentierten Informationen sind gut komprimiert dargestellt und erlauben dennoch einen tiefen Blick in das amerikanisch-politische System.

2.Definitionen

Nachstehend seien einige Definitionen rund um das Thema der Krise im Allgemeinen, wie auch im politischen Kontext gegeben.

2.1. Begrifflichkeit der Krise

Um dem Titel der Krisenkommunikation, beziehungsweise der Krisenrede gerecht zu werden, sollte eine solche Rede zunächst klar zu kategorisieren sein. Deshalb seien zunächst folgende Fragen geklärt: Ab wann spricht die Allgemeinheit, beziehungsweise die Wissenschaft von einer sogenannten Krise? Welche Maßstäbe müssen dafür erfüllt sein? Dies soll der Gegenstand der ersten beiden Punkte dieser Bachelorarbeit sein.

Nach Timothy Coombs – einem bekannten Krisenkommunikationswissenschaftler der University of Central Florida - spricht man von einer Krise als „[...] an event that is an unpredictable, major threat that can have a negative effect on the organization, industry, or stakeholders if handled improperly.“[4]

Oder:

„We speak of a crisis when policy makers experience „a serious threat to the basic structures or the fundamental values and norms of a system, which under time pressure and highly uncertain circumstances necessitates making vital decisions.“[5]

Eine Krise hat dabei die Möglichkeit, die Organisation oder Institution ernsthaft, wie auch dauerhaft, zu beeinträchtigen und unterscheidet sich somit vom „incident“[6], welcher, im Normalfall, keine dauerhafte Beeinträchtigung verursacht. Da von einer Krise nicht nur, wie in der Definition erwähnt, Unternehmen oder Organisationen, sondern auch Staaten in ihrer Organisation und Struktur betroffen sein können, gelten diese Definitionen auch für Nationen.

Krisen stellen generell ein Paradoxon dar, sie können sowohl als vorhersehbare, als auch völlig unvorhersehbare Ereignisse betrachtet werden. Wenn sie jedoch auftreten, so geschieht dies unerwartet und unvorhergesehen[7].Der Duden definiert in diesem Zusammenhang eine Krise auch als Zeit der Gefährdung und einen Höhe-, beziehungsweise Wendepunkt einer gefährlichen Entwicklung[8]. Auch diese Definition ist für diese Bachelorarbeit von Relevanz.

2.2. Welche Merkmale zeichnen eine (politische) Krise aus?

Verschiedenste Merkmale sind typisch für politische Krisen. Einige seien in diesem Abschnitt nun kurz erläutert.

Wie bereits bemerkt, erfordert die Reaktion auf eine Krise zeitliche Nähe und verlangt nach Führung durch das jeweilige politische Oberhaupt:

„Crisis are transitional phases, during which the normal ways of operating no longer work. Most people experience such transitions as an urgent threat, which policy makers must address.“[9]

Im Falle der USA sind es jedoch nicht direkt die gewählten Vertreter des Kongresses, welche vor die Bürger treten, sondern hauptsächlich der Präsident der Vereinigten Staaten. Er tritt mit einer „Adress to the Nation“ den Bürgern gegenüber und schildert die Situation, liefert Lösungsvorschläge und weist der Bevölkerung seines Landes den von ihm vorgegebenen Kurs der Nation[10].

Als weiteres Merkmal politischer Krisen nennt Professor Arjen Boin – Professor an der Leiden University und anerkannter Krisenforscher – „urgency “: „Time compression is a defining element of crisis: the threat is here, it is real, and it must be dealt with as soon as possible (at least that´s the way it is perceived).“[11]

Nicht nur die Vereinigten Staaten von Amerika, sondern auch jedes andere Land muss – je nach Situation – angemessen auf auftretende Krisen reagieren. Ein zu langes Hinauszögern der Antwort auf eine Krise kann – wie nachfolgend dargestellt - zu großer Unsicherheit in der Bevölkerung führen.

Unsicherheit („uncertainty “) ist dabei ein weiteres Merkmal von Krisen. Aufgrund der Krise stellen sich für die Bevölkerung viele Fragen über die Konsequenzen des Ereignisses, aber auch über das Ereignis selbst. Aufkommende Fragen, wie beispielsweise, „[...] what is happening and how did it happen? What´s next? How bad will it be? More importantly, uncertainty clouds the search for solutions: what can we do?“[12], müssen von den politischen Führungskräften beantwortet werden. Eben genau diese Fragen haben eine tragende Rolle in der Rede George W. Bushs anlässlich 9/11 und werden im Kapitel 7.1 noch einmal aufgegriffen.

Dass Krisen - wie beispielsweise die Weltwirtschaftskrise 1929 oder die BP Krise 2010 - als unvorhergesehene Ereignisse betrachtet werden müssen, erschwert für politische Führer die Reaktionsmöglichkeiten. Bei einer Vielzahl von Krisenfeldern, wie beispielsweise Wirtschaftskrisen, Umweltkatastrophen oder Skandalen, sind die Variationen fast grenzenlos. Zu Beginn des 21sten Jahrhunderts, ausgelöst durch die Anschläge vom 11. September 2001, wird nun auch internationaler Terrorismus als ein Auslöser für Krisen beschrieben[13], da er die westlichen Nationen direkt bedroht.

Allgemein betrachtet wird das Ereignis der Krise meist als negativ und fatal interpretiert. Nach Coombs können Krisen jedoch sowohl als „Wachstumschance“, sowie als möglicherweise einzige Rettung für eine Organisation gesehen werden.[14]

Gleichzeitig geht immer ein Gefühl der Unsicherheit mit Krisen einher, weshalb in den Vereinigten Staaten dem Amt des Präsidenten zu dieser Zeit noch größere Bedeutung beigemessen wird:

„In times of crisis, citizens look at their leaders: presidents and majors, [...]. We expect these policy makers to avert the threat or at least minimize the damage of the crisis at hand. They should lead us out of the crisis; they must explain what went wrong and convince us that it will not happen again.“[15]

Zusammenfassend werden die Merkmale einer (politischen) Krise wie folgt dargestellt[16]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Fortwährend schreibt Ulmer: „A troubling event cannot reach the level of crisis without coming as a surprise, posing a serious level of threat, and forcing a short response time.“[17]

Diese Bachelorarbeit orientiert sich an einigen dieser Merkmale und wird unter anderem in den verschiedenen Funktionen von Krisenreden erneut darauf zurückgreifen.

Vorab sei aber erwähnt, dass, um in einer Krise die Bevölkerung beruhigen zu können, nicht nur rhetorische Begabungen notwendig sind, sondern auch ein strukturierter und kontrollierter Kommunikationsfluss, beziehungsweise Redeaufbau (siehe Kapitel 7.1.).

3. Biografisches und rhetorisches Profil der Redner

Da die biographischen Daten beider Präsidenten für die Reden von geringerer Relevanz sind, seien diese in jeweils kurzen Abschnitten nur knapp umrissen. Stattdessen sollen die Kapitel 3.1. und 3.2., nach den biographischen Daten auf die einzelnen Kommunikationsstile und Merkmale der Präsidenten eingehen, da diese für beide Reden von Bedeutung sind.

3.1. John F. Kennedy als Präsident und Rhetor

John Fitzgerald Kennedy wurde am 29. Mai 1917 geboren. Sein Vater hatte eine leitende Position in einer Schiffswerft, wodurch Kennedy letztlich in Kontakt mit Franklin D. Roosevelt kam. Verschiedene Krankheiten und frühzeitige, gesundheitliche Probleme, wie Rückenleiden, Fieber und Diphterie verweigerten Kennedy eine unbeschwerte Kindheit. Da Kennedys Vater sich hauptsächlich seinen Verpflichtungen im Beruf hingab, oblag die Verantwortung der Erziehung, wie auch zur damaligen Zeit üblich, seiner Mutter – Rose Kennedy.[18]

Von vielen Bürgern und Politikern als „zu jung“ und „zu katholisch“ beschrieben, musste er sich während seines Wahlkampfes bereits gegen diese Vorurteile behaupten. Zwar brachte Kennedys römisch-katholischer Hintergrund in einigen Staaten mit hohem katholischen Bevölkerungsanteil Vorteile, jedoch verlor er in Staaten mit evangelischem Hintergrund. Teile der Bevölkerung zweifelten an ihm und glaubten, Kennedy würde Befehle des Papstes entgegennehmen[19]. Nach seiner knapp gewonnen Wahl im November 1959, sah er den kalten Krieg als das wichtigste Thema der amerikanischen Politik an[20].

Noch bis heute gilt Kennedy als „Playboy“, Kriegsheld, erster „Fernsehpräsident“ und insbesondere als nahezu einzigartiger Charismatiker[21]. Die Wahrnehmung Kennedys als brillanten und herausragenden Rhetoriker begann mit seiner „Inaugural Adress“ am 20. Janauar 1961. Der Ausspruch “ask not what your country can do for you – ask what you can do for your country[22] ist bis heute eng mit seinem Namen verbunden.

Kennedys Reden wurden zu einem Großteil in Zusammenarbeit mit seinem Hauptredenschreiber Theodore C. Sorensen verfasst. Sorensen galt als einer von Kennedys engsten Vertrauten und ihm wurde ein hoher Einfluss auf Kennedy und dessen Regierungsstab beigemessen[23].

Kennedys Rhetorik wird von verschiedenen Seiten unterschiedlich bewertet. Jedoch zogen seine Rhetorik und sein Stil viele Amerikaner in den Bann[24].

Um John F. Kennedys Amtszeit am besten zu beschreiben, eignet sich eine von ihm selbst getroffene Aussage aus einem Bericht an das amerikanische Volk am 25. Juli 1961:

„Als ich mich um das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten bewarb, wußte ich, daß unser Land ernsten Gefahren und Bedrohungen entgegenging, aber ich konnte nicht ermessen – und niemand, der nicht selbst die Bürde dieses Amtes trägt, könnte es ermessen – wie schwer und unveränderlich diese Lasten sein würden.“[25]

Tatsächlich hatte kaum ein Präsident bis zum damaligen Zeitpunkt mit derartig vielen Krisen zu kämpfen wie Kennedy. Theodore O. Windt, Professor für politische Rhetorik in Pittsburgh, schreibt dazu treffenderweise in seinem Werk „Presidents and Protesters“: „John F. Kennedy´s presidency was a crisis presidency“[26]. Die zahlreichen Krisen während seiner Präsidentschaft (alleine 15 in den ersten acht Monaten seiner Amtszeit), wie beispielsweise die Steel Crisis 1961, Bay of Pig´s Crisis oder die Berlin Crisis, sorgten jedoch auch dafür, dass Kennedy einige wertvolle Erfahrungen im Umgang mit externen Faktoren und dem medienwirksamen Auftreten sammeln konnte.[27]

3.2. George W. Bush als Präsident und Rhetor

George W. Bush wuchs als Sohn von George Herbert Walker Bush auf, welcher neben seiner Tätigkeit im Öl-Gewerbe auch der 41ste Präsident der Vereinigten Staaten war[28]. Nach einem Abschluss in Geschichte an der Yale Universität, war Bush zeitgleich im Wahlkampf für den Republikaner Winton Blount und für die U.S. Air Force tätig. Nach seinem MBA an der Harvard Business School unterstützte er im Jahre 1987 seinen Vater – George Herbert Walker Bush – bei der Kandidatur für das Amt des Präsidenten.

Nach einer erfolgreichen zweifachen Amtszeit als Gouverneur von Texas, gab George W. Bush im Juni 1999 seine Kandidatur für das Amt des Präsidenten bekannt[29].

Während seiner Kampagne für das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten konnte Bush die Zuhörer durch seine Rhetorik und Selbstdarstellung nicht beeindrucken und wurde wegen seiner falschen Betonung und syntaktischen Fehler kritisiert[30]. Er behalf sich damit, sich von seinem direkten Amtsvorgänger Bill Clinton zu distanzieren, indem er dessen Fehltritte mit anderen historischen Fehltritten verglich[31]. Trotz der verschiedenen öffentlichen Zweifel – unter anderem auch an seinem Intellekt – wurde er am 20. Januar 2001 zum 43sten Präsidenten der USA vereidigt[32]. Die Wahl selbst war nicht unumstritten[33]. Letztlich trug die Stimme eines einzelnen Richters des Supreme Court Florida dazu bei, dass George W. Bush die Wahl gewann und schließlich am 12. Dezember als Präsident vereidigt wurde[34].

Der Beginn seiner Amtszeit war dabei gezeichnet von dem längsten Urlaub in der Geschichte der Präsidentschaft und von wenigen, öffentlichen Reden[35]. Der Fokus der Öffentlichkeit und des Präsidenten lag hauptsächlich auf der nach Clinton schwächelnden Wirtschaft[36]. Zusätzlich wurde er als eine eher schwache Persönlichkeit beschrieben, die sogar auf die Hilfe seines Vaters angewiesen wäre[37]. Das teilweise negativ geprägte Bild Präsident Bushs, sowie das bemängelte Fehlen von rhetorischen Fähigkeiten, veränderte sich jedoch schlagartig mit den Ereignissen des 11. September 2001, an dem die Vereinigten Staaten von Amerika durch mehrere Terroranschläge erschüttert wurden. Von diesem Zeitpunkt an wurde Bush vor allem durch seine „Adress to the nation“ am 20. September 2001 als Krisen- und Kriegsrhetoriker bekannt[38]. Der verstärkte Patriotismus und der Stolz der Bürger auf die Vereinigten Staaten (auch in den präsidentiellen Reden) nahm in den Wochen und Monaten nach 9/11 immer mehr zu[39]. Eine seiner bekanntesten Aussagen dabei ist: „The „axis of evil phrase (penned by speechwriter David Frum as the „axis of hatred“) [...] referred to North Korea, Iran, Iraq, „and their terrorist allies.“[40]

[...]


[1] Don Bear war einer der leitenden Redenschreiber von Bill Clinton und an zahlreichen seiner Reden beteiligt.

[2] Vgl. Riley, Russel L. und Nelson, Michael: The President´s Words. Speeches and Speechwriting in the Modern White House. Lawrence. 2010.S. 207.

[3] Vgl. Hyde, Michael J.: The Ethos of Rhetoric. Columbia. 2004. S. 142.

[4] Coombs, Timothy: The Handbook of Crisis Communication. West Sussex. 2011. S. 18.

[5] Boin, Arjen u.a.: The politics of Crisis Management. Public Leadership under Pressure. Cambrige. 2011. S. 2.

[6] Vgl. Ebd. S. 19.

[7] Vgl. Zaremba, Alan Jay: Crisis Communication. Theory and Practice. New York. 2010. S. 20.

[8] Vgl. http://www.duden.de/rechtschreibung/Krise (Entnommen 01.06.2012)

[9] Boin, Arjen. 2011. S. 3.

[10] Vgl. Ebd. S. 2ff.

[11] Ebd. S. 3.

[12] Ebd. S. 3.

[13] Vgl. Ulmer, Robert R. u.a.: Effective Crisis Communication. Moving From Crisis to Opportunity. Thousand Oaks. 2011. S. 9ff.

[14] Vgl. Ebd. S 19.

[15] Boin, Arjen. 2011. S. 1.

[16] Vgl. Ulmer. 2011. S. 5.

[17] Ulmer. 2011. S. 5.

[18] Vgl. Barber, James David: The Presidential Character. Predicting Performance in the White House. 2009. S. 343f.

[19] Vgl. Norton, Mary Beth: A people & a nation. A history of the United States. Andover. 2010. S. 835.

[20] Vgl. Norton. 2010. S. 831.

[21] Vgl. Schwarz, Sonja: The Role of Religion in American Presidential Rhetoric. A Comparative Analysis of Speeches by John F. Kennedy and George W. Bush. Trier. 2010. S. 44.

[22] http://www.americanrhetoric.com/speeches/jfkinaugural.htm (Entnommen: 13.06.2012)

[23] Vgl. Ritter, Kurt und Medhurst, Martin J: Presidential Speechwiriting. From the New Deal to the Reagan Revolution and Beyond. College Station. 2003. S. 217.

[24] Vgl. Norton. 2010. S. 835.

[25] Dallek, Robert: John F. Kennedy. Ein unvollendetes Leben. Frankfurt am Main. 2005. S. 363.

[26] Windt, Theodore Otto: Presidents and Protesters. Political Rhetoric in the 1960s. Tuscaloosa. 1990. S. 17.

[27] Vgl. Windt. 1990. S 17ff.

[28] Vgl. http://www.hdg.de/lemo/html/biografien/BushGeorgeW/index.html (Entnommen: 22.04.2012)

[29] Vgl. Ebd.

[30] Vgl. Hyde. 2004. S. 138.

[31] Vgl. Duffy, Bernard K. und Leeman, Richard W.: American Voices. An Encyclopedia of Contemporary Orators. Westport. 2005. S. 32f.

[32] Vgl. Ebd. S. 32f.

[33] Vgl. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,102452,00.html (Entnommen 22.04.2012)

[34] Vgl. Duffy. 2005. S. 31.

[35] Vgl. Ebd. S. 33.

[36] Vgl. Wolfe, Wojtek Mackiewicz: Winning the War of Words. Selling the War on Terror from Afghanistan to Iraq. Westport. 2008. S. 42.

[37] Vgl. http://www.sueddeutsche.de/politik/bush-ein-praesident-von-gnaden-der-justiz-1.744769 (Entnommen: 22.04.2012)

[38] Siehe dazu Kapitel 3.4

[39] Vgl. Lösche, Peter (Hrsg.): Länderbericht USA. Bonn. 2008. S. 205ff.

[40] Duffy. 2005. S. 34.

Ende der Leseprobe aus 46 Seiten

Details

Titel
Zwei Krisenreden, die die Welt veränderten
Untertitel
Die "Cuba Missle Crisis"-Speech und die "Our Mission - Our Moment"-Speech von George W. Bush im Vergleich samt Darstellung typischer Merkmale von Krisenreden
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
46
Katalognummer
V202927
ISBN (eBook)
9783656332015
ISBN (Buch)
9783656332367
Dateigröße
797 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
vergleich, krisenreden, präsidenten, darstellung, merkmale, cuba, missle, crisis, speech, john, kennedy, mission, moment, george, bush
Arbeit zitieren
Philip Eichinger (Autor), 2012, Zwei Krisenreden, die die Welt veränderten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202927

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