Die Norddeutsche Affinerie ist die größte Kupferhütte Europas und kann in diesem Jahr auf 139 Jahre ihrer Geschichte seit ihrer Eintragung in das Hamburgische Handelsregister zurückblicken. Es stellt sich die Frage, wie sich aus einem einstigen Familienbetrieb ein Konzern mit heute rund 3.200 Mitarbeitern entwickelt hat.
Dazu soll in der folgenden Arbeit aber nicht die ganze Geschichte des Unternehmens beleuchtet werden, die sich mit den Vorgängerunternehmen der Norddeutschen Affinerie bis 1770 zurückverfolgen lässt, was aufgrund des Umfangs dieser Arbeit auch nicht möglich ist, sondern es wird der Zeitraum von 1920 bis 1945 untersucht. Primär wird dabei die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens betrachtet, auf die Personalstruktur kann aufgrund weniger archivarischer Dokumente nur in geringem Maße eingegangen werden. Zunächst soll aber geklärt werden, was unter ‚wirtschaftliche Entwicklung’ in dieser Arbeit verstanden wird. Ob ein Unternehmen erfolgreich arbeitet kann aus den Jahresergebnissen abgelesen werden. In dieser Arbeit sollen aber nicht nur Bilanztabellen analysiert werden. Es wird zudem auf den Ausbau des Werkes eingegangen, es werden sowohl die Modernisierungen als auch die Erweiterungen und die Geschäftsbeziehungen zu anderen Unternehmen werden beleuchtet. Eine Betrachtung der Personalstärken in Bezug auf die Produktionsergebnisse gibt Aufschluss über die Produktivität. Somit ist es also eine Vielzahl von Einzelaspekten, auf die im Folgenden eingegangen wird.
Bei der Untersuchung der wirtschaftlichen Entwicklung eines Unternehmens darf nicht nur das Unternehmen selbst betrachtet werden, es müssen auch die Rahmenbedingungen einbezogen werden, so das politische Umfeld, die gesamtwirtschaftliche Lage und besondere Ereignisse, welche zu bestimmten Entscheidungsfindungen in der Unternehmensführung beitragen. Somit gibt es zwei Themenbereiche, die bei der zentralen Frage dieser Arbeit nach der wirtschaftlichen Entwicklung betrachtet werden müssen: die ‚innere’ Unternehmensentwicklung und die ‚äußeren’ Rahmenbedingungen. Es stellt sich hierbei die Frage der inhaltlichen Eingrenzung des Themas. Soll diese Arbeit den Anspruch einer vollständigen Gesamtdarstellung erheben auch unter der Gefahr, dass einige Aspekte vernachlässigt werden könnten beziehungsweise nicht allzu detailliert bearbeitet werden könnten, oder soll sie sich auf die beiden zentralen Themen beschränken? Im Rahmen dieser Arbeit wird letzteres versucht werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Thema der Arbeit und methodische Eingrenzung
1.2. Quellenlage und Forschungsstand
1.3. Zeittafel der wichtigsten Ereignisse bei der Norddeutschen Affinerie von der Gründung bis 1945
1.4. Begriffserklärungen
2. Die Bedeutung des Kupfers
3. Geschichte der Norddeutschen Affinerie von ihrer Gründung bis 1920
4. Die NA von 1920 bis 1939
4.1. Die politische und wirtschaftliche Situation in Deutschland 1920
4.2. Die Betriebsstruktur
4.3. Alimentation
4.4. Der Ausbau der NA bis zur Weltwirtschaftskrise 1930
4.5. Entwicklungen und Studienreisen
4.6. Exkurs: Das Kupferkartell
4.7. Die Weltwirtschaftskrise 1930 bis 1933
4.8. Die NA während der Weltwirtschaftskrise
4.9. Die Situation in Deutschland nach der Weltwirtschaftskrise und dem Politischen Machtwechsel
4.10. Die NA zwischen dem Ende der Wirtschaftskrise und Kriegsbeginn 1934 bis 1939
5. Patente und Neuerungen der NA
6. Die Zeit des zweiten Weltkriegs
6.1. Die neue wirtschaftliche und politische Situation
6.2. Exkurs: Ersatzstoffe
6.3. Exkurs: Altmetall
6.4. Die NA 1939 bis 1945
6.4.1. Alimentation
6.4.1.1. Exkurs: Deutsche Großraumwirtschaft
6.4.1.2. Metallspende des deutschen Volkes
6.4.2. Auswirkungen durch Fliegeralarme
7. Arbeitskräfte und Personalstruktur
8. Beteiligungen und Übernahmen der NA
9. Geschichte des Aktienkapitals
10. Zusammenfassung und Schlussanalyse
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die wirtschaftliche Entwicklung sowie die Personalstruktur der Norddeutschen Affinerie im Zeitraum von 1920 bis 1945. Ziel ist es, die Transformation des Unternehmens zu analysieren, wobei sowohl betriebsinterne Modernisierungsprozesse als auch externe ökonomische und politische Rahmenbedingungen wie die Weltwirtschaftskrise und die NS-Wirtschaftspolitik berücksichtigt werden.
- Wirtschaftliche Entwicklung der Norddeutschen Affinerie zwischen 1920 und 1945
- Anpassungsstrategien an sich ändernde Rohstoffmärkte und politische Vorgaben
- Rolle von Modernisierung und Rationalisierung für die Wettbewerbsfähigkeit
- Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise und der NS-Politik auf die Kupferproduktion
- Personalstruktur und Arbeitskräfteeinsatz im Kontext von Kriegswirtschaft und Zwangsarbeit
Auszug aus dem Buch
4.4. Der Ausbau der NA bis zur Weltwirtschaftskrise 1930
1920 umfasste das der NA zur Verfügung stehende Gelände 69.316qm auf dem Nordufer des Müggenburger Kanals. Nach langen Verhandlungen mit den Hamburger Behörden gelang es 1921 dieses bisher in Erbpacht genutzte Gelände zu erwerben und neues Gelände hinzuzukaufen, so die Flächen auf dem Südufer des Müggenburger Kanals. So umfasste der Grundbesitz 1924 bereits 259.177qm und wurde bis 1930 auf 282.367qm vergrößert, wodurch der Grundbesitz innerhalb von 10 Jahren auf das Vierfache vergrößert wurde.
Die Verarbeitung von Kupfererzen ist eine sehr umfangreiche Arbeit, für die zahlreiche verschiedene Anlagen benötigt werden. Der Verhüttungsweg hat im allgemeinen folgende Teilprozesse: 1. Rösten der Erze, 2. Schmelzen auf Rohstein, 3. Rösten des Rohsteins, 4. Schmelzen auf Konzentrationsstein, 5. Rösten des Konzentrationssteins, 6. Schmelzen auf Schwarzkupfer, 7. Raffination des Schwarzkupfers zu Feinkupfer. Zudem kommen noch verschiedene Verfahren, deren Verwendung von der Erzart abhängig ist. Dazu zählen unter anderen der Röst-Reduktionsprozess, der Röst-Reaktionsprozess und der Konverterprozess. Zudem werden für die verschiedenen Erzarten unterschiedlicher Gruben jeweils angepasste Anlagen benötigt. Da die NA nur komplexe Erze mit großem Beistoff-Anteil verarbeiten und diese Beistoffe alle nutzbar machen wollte, waren nochmals weitere Anlagen notwendig. Zudem gab es eine stete Weiterentwicklung im Produktionsprozess, weshalb ebenfalls die Modernisierung vorangetrieben werden musste, um konkurrenzfähig zu werden und bleiben. Dies soll die Notwendigkeit zeigen, aufgrund der die NA in den folgenden Jahren erhebliche Erweiterungen und Modernisierungen durchführte und eine Vielzahl von Maschinen anschaffte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel definiert das Thema der Arbeit, grenzt den Untersuchungszeitraum von 1920 bis 1945 ab und erläutert die methodische Vorgehensweise sowie die Quellenlage.
2. Die Bedeutung des Kupfers: Das Kapitel erläutert die wachsende wirtschaftliche Relevanz von Kupfer als wichtigstem Nichteisen-Metall im industriellen Zeitalter und stellt die Abhängigkeit von Importen dar.
3. Geschichte der Norddeutschen Affinerie von ihrer Gründung bis 1920: Ein historischer Abriss der Firmengeschichte von 1866 bis zur Ausgangslage für den nachfolgenden Untersuchungszeitraum.
4. Die NA von 1920 bis 1939: Der Hauptteil analysiert die betriebliche Entwicklung, die technologischen Modernisierungen, die Alimentierung und die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise auf das Unternehmen.
5. Patente und Neuerungen der NA: Hier werden technische Innovationen und Patente beschrieben, die zur Effizienzsteigerung und zur Gewinnung von Nebenprodukten beitrugen.
6. Die Zeit des zweiten Weltkriegs: Fokus auf die Umstellung des Betriebs auf Kriegswirtschaft, Ersatzstoffproblematik und die Auswirkungen von Luftangriffen.
7. Arbeitskräfte und Personalstruktur: Dieses Kapitel befasst sich mit der Entwicklung der Belegschaftszahlen, dem Fachkräftemangel und dem Einsatz ausländischer Arbeitskräfte und Zwangsarbeiter.
8. Beteiligungen und Übernahmen der NA: Eine Darstellung der Beteiligungsstrategien, insbesondere zur Sicherung der Rohstoffbasis.
9. Geschichte des Aktienkapitals: Analyse der Kapitalstruktur und der Aktionärsverhältnisse im Zeitverlauf.
10. Zusammenfassung und Schlussanalyse: Eine abschließende Betrachtung der Entwicklung der NA zur führenden europäischen Kupferhütte und Einordnung des Unternehmens in den historischen Kontext.
Schlüsselwörter
Norddeutsche Affinerie, Kupferhütte, Industriegeschichte, 1920-1945, Kupfermarkt, Weltwirtschaftskrise, Rüstungswirtschaft, Metallurgie, Alimentierung, Rohstoffversorgung, Betriebsanlagen, Elektrolyse, Zwangsarbeit, Autarkie, Unternehmensentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die wirtschaftliche Entwicklung und die betrieblichen Veränderungen der Norddeutschen Affinerie (NA) in Hamburg im Zeitraum zwischen 1920 und 1945.
Welche zentralen Themenfelder behandelt das Dokument?
Zentrale Felder sind die technologische Modernisierung der Anlagen, die Sicherung der Rohstoffbasis (Alimentierung), die Auswirkungen globaler Wirtschaftskrisen sowie die unternehmerische Anpassung an die Bedingungen der NS-Kriegswirtschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Analyse der Transformation der NA von einem Familienunternehmen zu einem modernen Konzern und die Beantwortung der Frage, wie sich das Unternehmen durch die verschiedenen politischen und wirtschaftlichen Phasen behaupten konnte.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit verwendet?
Der Autor stützt sich primär auf eine umfassende Analyse unternehmensinterner Archivmaterialien, wie Aufsichtsratsprotokolle, Geschäftsberichte und Korrespondenzen, ergänzt durch zeitgenössische statistische Publikationen zum Kupfermarkt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine chronologische Analyse der verschiedenen Epochen – von der Nachkriegszeit über die Weltwirtschaftskrise bis hin zur Zeit des Zweiten Weltkriegs – und beleuchtet dabei Aspekte wie Betriebsstruktur, Personalwesen und technologische Neuerungen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Kupferindustrie, Rohstoffalimentation, wirtschaftliche Autarkie, Rationalisierung und die spezifischen Herausforderungen der deutschen Kupferwirtschaft im 20. Jahrhundert.
Welche Rolle spielten die Beteiligungen der NA?
Beteiligungen, wie beispielsweise an der El Volcan Grube oder der Devrient AG, dienten primär dazu, die für den Betrieb lebensnotwendige, aber unsichere Rohstoffversorgung (Alimentierung) zu sichern.
Wie wirkte sich die Weltwirtschaftskrise auf das Unternehmen aus?
Die Krise führte zu einem starken Preisverfall bei Kupfer und schwierigen Alimentationsbedingungen. Das Unternehmen reagierte darauf mit Rationalisierungsmaßnahmen, der Erschließung neuer Marktsegmente wie dem Kupferpulver und der Verarbeitung von Nebenprodukten.
Was war der Einfluss der Kriegswirtschaft auf das Personal?
Der Krieg verursachte einen massiven Fachkräftemangel durch Einberufungen. Die NA war gezwungen, verstärkt ausländische Arbeitskräfte sowie Zwangsarbeiter einzusetzen, was zu erheblichen Herausforderungen in Bezug auf die Produktionsstabilität führte.
- Arbeit zitieren
- Sebastian Lucius (Autor:in), 2005, Die wirtschaftliche Entwicklung und die Personalstruktur der Norddeutschen Affinerie von 1920 bis 1945, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202949