Sprachstandsdiagnostik bei Kindern mit Deutsch als Zweitsprache - unter Berücksichtigung der Mehrsprachigkeit


Seminararbeit, 2012

13 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Sprachstandsdiagnostik
1.1 Definition
1.2 Notwendigkeit der Sprachstandsdiagnostik/-feststellung
1.3 Die Entwicklung von Verfahren zur Sprachstandsdiagnostik

2. Sprachstandsdiagnostik und Mehrsprachigkeit
2.1 Beispiele für sprachstandsdiagnostische Verfahren unter der Berücksichtigung der Mehrsprachigkeit
2.1.1 „Havas 5“
2.1.2 „Cito”

Zusammenfassung

Literatur.

Einleitung

Viele Kinder kommen heutzutage mit sehr geringen oder sogar gar keinen Deutschkenntnissen in die Schule. Es sind oft Kinder aus Migrantenfamilien die Deutsch als Zweitsprache lernen.

Ohne entsprechende Deutschkenntnisse werden diese Kinder jedoch keine Chance haben, einen erfolgreichen Bildungsweg zu gehen oder ihre Zukunft chancengerecht zu gestalten.

Es ist daher nötig gerade diesen Schülern entsprechende Fördermaßnahmen anzubieten und sie im Aufbau von wichtigen Sprachkompetenzen und Fähigkeiten zu unterstützen. Sprachstandserhebungen bilden in diesem Zusammenhang eine wichtige Grundlage für die effektive und nachhaltige Entwicklung von Sprachfördermaßnahmen bei Kindern mit Deutsch als Zweitsprache. Diese Arbeit will daher die wichtige Sprachstandsdiagnostik bei Kindern mit Deutsch als Zweitsprache überblicksmäßig darstellen und beleuchten. Ein besonderer Bezug soll dabei zur Mehrsprachigkeit geschaffen werden. Da vor allem Kinder, die Deutsch nicht als Erstsprache lernen, Probleme mit Deutschkenntnissen haben, sollte eventuell doch auch ein Bezug zu ihrer Erstsprache innerhalb dieser Verfahren, bestehen. In diesem Zusammenhang soll geklärt werden ob und wie die Mehrsprachigkeit von Kindern mit Deutsch als Zweitsprache in den Sprachstandserhebungen berücksichtigt wird.

Im ersten Teil der Arbeit wird zunächst der Begriff „Sprachstandserhebung“ definiert. Des Weiteren werden die Notwendigkeit des Einsatzes und die Entwicklung dieser Verfahren in Deutschland dargestellt. Im zweiten Teil der Arbeit wird die aktuelle Sprachstandsdiagnostik konkret unter dem Aspekt der Mehrsprachigkeit untersucht. Es werden auch zwei Verfahren genauer vorgestellt, die der Erstsprache der Kinder mit Migrationshintergrund Wert bei messen und diese in ihre Diagnostik integrieren.

1. Sprachstandsdiagnostik

1.1 Definition

„Sprachstandserhebungen sind Prozesse, die mittels pädagogisch einsetzbarer Verfahren, die Aussagen über die Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen in ungesteuert erworbenen Sprachen zu einem bestimmten Zeitpunkt ihrer Bildungsbiographie liefern.“ (Reich, 2008, S.421)

1.2 Notwendigkeit der Sprachstandsdiagnostik/-feststellung

Der Erwerb und der Aufbau sprachlicher und schriftsprachlicher Fähigkeiten und Kompetenzen sind für Kinder in Deutschland wesentliche Faktoren, um schulischen Bildungserfolg zu haben. Sprachkompetenz ist demnach eine zentrale Schlüsselqualifikation, um eine erfolgreiche Bildungsbiographie zu erlangen, berufliche Chancen zu haben und gesellschaftlich erfolgreich integriert zu sein. (Vgl. Walter, 2003. S.31) „Nicht erst seit den Ergebnissen von PISA ist [deshalb] Sprachförderung in der deutschen Sprache für Kinder mit Migrationshintergrund, aber auch für eine beachtliche Anzahl von Kindern deutscher Herkunftssprache, als Herausforderung des Bildungssystems in Deutschland erkannt [worden]“. (Walter, 2003, S.31) Insbesondere für Kinder, die Deutsch „nur“ als Zweitsprache erlernen, Kinder mit einem Migrationshintergrund, ist die Entwicklung ausreichender, sprachlicher Kompetenzen und eine darauf gezielte sprachliche Förderung dringend notwendig, da sie besondere Unterstützung im Zweitspracherwerb brauchen. (Vgl. Dietz, Lisker, 2008, S.9)

„Sprachförderung, wenn sie sich nicht in allgemeinen Absichtserklärungen erschöpfen soll, braucht Grundlagen; braucht vor allem Wissen darüber, welche sprachlichen Kompetenzen, welchen Förderbedarf ein Kind mitbringt. Sprachstandserhebungen versuchen, solches Wissen über die Sprachkompetenz von Kindern als Grundlage für Maßnahmen zur Sprachförderung zu gewinnen.“ (Walter, 2003, S.31) Um also festzustellen ob und wo Förderbedarf besteht, um zu entscheiden welche sprachlichen Fördermaßnahmen sinnvoll und angebracht sind, ist es nötig, gezielte Sprachstandsdiagnostik zur Sprachstandsfeststellung anzuwenden. „Die eingesetzten Verfahren sollen [also] den Verantwortlichen Hilfestellungen für ihre Entscheidungen geben und Beobachtungen strukturieren.“ (Jeuk, 2008, S.1)

1.3 Die Entwicklung von Verfahren zur Sprachstandsdiagnostik

Das erste Interesse und der erste Bedarf an Instrumenten zur Sprachstandsfeststellung entwickelten sich in Deutschland ca. in den 1960er Jahren. Durch das, in dieser Zeit, vermehrte Auftreten von „Ausländer“ – oder „Gastarbeiterkindern“ (Reich, 2005a, S.146) in deutschen Schulen und dem damit verbundenen Problem, dass diese Kinder nur mangelhafte oder gar keine Deutschkenntnisse besaßen, entstand unter Sprach- und Erziehungswissenschaftlern der Drang nach nötigen Problemlösungen. Diese sah man zunächst nur in der gezielten Integration in deutschsprachige Klassen. (Vgl. Reich, 2005a, S.146 ff.) Erst ab den 1980er Jahren entwickelten sich langsam einsetzbare Verfahren zur Sprachstandsfeststellung, zur diagnostischen Analyse und zu einer gezielten Sprachförderung, sowie auch das Fach „Deutsch als Zweitsprache“. Zu den Verfahren zählten beispielsweise der „PI-Test“, ein „C-Test“, die „Profilanalyse“, „SESAM“ (Skalen zur Einschätzung der deutschen Sprachkompetenz von Schülern anderer Muttersprache) oder auch die „Beobachtungswochen“. (Vgl. Reich, 2003, S.146f.) Bis auf die „Beobachtungswochen“ waren alle Verfahren ausschließlich auf die deutsche Sprache ausgelegt, ohne die Berücksichtigung der Muttersprache. (Vgl. Reich, 2005a, S.147) „ Das entsprach dem herrschenden Denken. Zwar hatten in den KMK-Empfehlungen [(Kultusministerkonferenz zum Unterricht für Kinder von Ausländern 14./15. Mai 1964)] und den Länder-Erlassen auch die Herkunftssprache der Migranten Berücksichtigung gefunden, aber doch eher wie Bildungsinhalte von einem anderen Stern.“ (Reich, 2005b, S.147)

Keines dieser ersten, entwickelten Verfahren konnte sich jedoch dauerhaft als Diagnoseinstrument durchsetzen, bis auf den „PI-Test“. (Vgl. Reich, 2005b, S.88f) Nach diesen zunächst hoffnungsvollen Entwicklungen resignierte die Weiterentwicklung der Sprachstandsverfahren am Ende der 1980er Jahre und man konzentrierte sich stattdessen lieber auf die Fort- und Weiterbildung der betroffenen Lehrkräfte. (Vgl. Reich, 2005b, S.91f.)

Erst ab Ende der 1990er Jahre entfachte sich ein neues, wirklich starkes Interesse an der Weiterentwicklung der Sprachstandsdiagnostik. „Unmut aus der Praxis und Betriebsamkeit nach PISA [und IGLU] haben das Thema „Sprachstandsanalyse zu pädagogischen Zwecken“ Ende der 90er/ Anfang der 2000er Jahre erneut aktuell gemacht.“ (Reich, 2003, S.150) Seit dem wurden viele, verschiedene Diagnoseverfahren entwickelt. Viele dieser Verfahren stehen jedoch bis heute unter der Kritik, nur vereinzelt oder wesentlich unabhängig von sprachwissenschaftlichen und spracherwerbsbezogenen, heutigen Erkenntnissen entwickelt worden zu sein. Weiterhin wird u.a. kritisiert, dass teilweise Diagnoseverfahren durch Normwerte der 1970er Jahre bestimmt sind und Lehrkräfte zu wenig bzw. gar nicht dafür ausgebildet sind, sich mit diesen diagnostischen Verfahren zu befassen und diese anzuwenden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Sprachstandsdiagnostik bei Kindern mit Deutsch als Zweitsprache - unter Berücksichtigung der Mehrsprachigkeit
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
13
Katalognummer
V203004
ISBN (eBook)
9783656293828
ISBN (Buch)
9783656294993
Dateigröße
578 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Deutsch als Zweitsprache, Mehrsprachigkeit, Sprachstandsdiagnostik, Pädagogik, Cito, Havas5
Arbeit zitieren
Jenny Mummelthey (Autor), 2012, Sprachstandsdiagnostik bei Kindern mit Deutsch als Zweitsprache - unter Berücksichtigung der Mehrsprachigkeit , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/203004

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