Kanban - Beschreibung und umfassender Überblick


Hausarbeit, 2009
26 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Motivation
1.2 Gliederung der Arbeit

2... Verfahrensablauf
2.1 Funktionsweise der Kanban-Steuerung
2.1.1 Allgemeine Funktionsweise
2.1.2 Dezentrales Pull-Prinzip als Grundkonzept
2.1.3 2-Karten-System
2.1.4 1 -Karten-System

3.. Elemente der Kanban-Steuerung

4.. Eigenschaften und Verfahrensregeln der Kanban-Steuerung

5... Einsatzvoraussetzungen und Gestaltung des Kanban-Systems

6... Vor- und Nachteile von Kanban

7... Fazit

8. Anhang
8.1 Begriffsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Pull- und Push-Prinzip am Beispiel einer dreistufigen

Fertigung 5

Abbildung 2 Transport- und Produktionsregekreis im Kanbansystem 7

Abbildung 3 Der Regelkreis des Kanbansystems 8

Abbildung 4 Toyotaformel 16

1 Einleitung

1.1 Motivation

Das Kanban-System wurde zu Beginn der 1950er-Jahre von Toyota (Automobilhersteller) in Japan entwickelt. Kanban ist ein Produktions­system, dass zur Planung und Steuerung des Materialflusses in der Produktion dient.1Der Begriff Kanban stammt ursprünglich aus der japanischen Sprache und bedeutet „Karte“ oder „Schild“. Die Kanban- Karten dienen als zentrale Informationsträger in der Produktions­steuerung.2Die Kanban-Steuerung ist der wichtigste Bestandteil des Toyota-Produktionssystems. Diese Produktionssteuerung überträgt die Verantwortung für die Bestände an die Mitarbeiter in der Produktion.3Kanban-Produktionssysteme haben als Ziel die Lagerbestände und die damit verbundenen Kapitalkosten zu senken. Ermöglicht wird dies durch die Fertigung von Materialien und Produkten bei Bedarf und nicht durch die Vorproduktion von großen Mengen. Der Kundenauftrag bestimmt so die Produktion mit.4

Kanban unterliegt sehr strengen Verfahrensregeln. Typisch dafür sind die klare Definition exakter Plätze, das Einhalten eines genauen Ablaufs und Selbstverantwortung der Mitarbeiter. Man arbeitet nach dem Motto: „Der perfekte Prozess ist das Ziel.“5Dieser Erfolgsfaktor wird in westlichen Kulturkreisen weitläufig unterschätzt. Dadurch werden enorme Ver­besserungsmöglichkeiten von Produktionsabläufen verschenkt.6Wenn die Steuerungsmethode exakt und richtig durchgeführt wird, ermöglicht sie eine erhebliche Reduzierung der Materialbestände, eine Verringerung der Durchlaufzeiten und eine höhere Arbeitsproduktivität.7Ein Lagerbestand von Null, wie es der Idealfall von Just-in-time Konzepten ist, wird sich hier nicht ergeben. Jedoch ist die Kanban-Steuerung eines der wichtigsten Instrumente der Just-in-time Produktion.8

Empirische Studien zeigen, dass die Einführung von Kanban-Systemen in Japan eine Lagerbestandsreduktion von 16% bis 45% erzielen. Neben der Kosteneinsparung durch geringere Lagerbestände, werden ebenfalls durch die Einsparung von Lagerflächen die kurzfristigen fixen Lagerkosten, wie z. B. kalkulatorische Abschreibungen und Zinsen auf Gebäude und Flächen, gesenkt. Ein Grund für die Einführung dieses Produktionssystems war tatsächlich die Raumknappheit in Japan.9

1.2 Gliederung der Arbeit

Im Rahmen dieser Hausarbeit wird das Thema Kanban anhand der uns vorgegebenen Literatur ausführlich beschrieben und erläutert. Zusätzlich haben wir weitere Literatur hinzugezogen, um den Inhalt der Arbeit wissenschaftlicher und detaillierter zu beschreiben. Nach einer umfassenden Einleitung wird zunächst der Verfahrensablauf des Kanban- Systems dargestellt, wobei hier eine Unterteilung der Unterüberschriften die allgemeine und ausführliche Funktionsweise (2- und 1-Karten-System) aufzeigt. Es folgt ein Kapitel über die Elemente der Kanban-Steuerung, die wesentliche Bestandteile des Produktionssystems erläutern. Das dritte Kapitel der Hausarbeit befasst sich mit den Eigenschaften und Verfahrensregeln der Kanban-Steuerung. Hier werden wichtige Aspekte zur erfolgreichen Produktion mit Kanban genannt. Diese Aspekte fließen ebenfalls in das nächste Kapitel ein, das die Einsatzvoraussetzungen und Gestaltung des Kanban-Systems umfasst. Zudem werden in einem zusätzlichen Abschnitt Vor- und Nachteile von Kanban beschrieben. Die Hausarbeit schließt mit einem kurzen Fazit zum Thema Kanban ab.

Wir haben uns für Kanban als Hausarbeitsthema entschieden, da wir im Verlauf unseres Studiums mit dem Thema Produktionssysteme nur ansatzweise vertraut wurden. Diese Hausarbeit gibt uns die Möglichkeit Wissen über das japanische Produktionssystem anzueignen. Da ein Großteil von internationalen Unternehmen Kanban anwendet, sind wir davon überzeugt, dass diese Theorie für viele weiterführende Themen relevant ist.

2 Verfahrensablauf

2.1 Funktionsweise der Kanban-Steuerung

2.1.1 Allgemeine Funktionsweise

Grundlage der Kanban Steuerung ist ein System vernetzter Auftragsregelkreise, durch das die einzelnen Produktionseinheiten miteinander verbunden sind.10

Die Kommunikation zwischen den Stellen erfolgt meist mittels dezentral weitergeleiteten „Steuerungsobjekten“ in Form von Kanbans. Wie bereits oben erwähnt, heißt Kanban aus dem Japanischen übersetzt „Schild“ oder „Karte“ und bezieht sich auf den physischen Informationsträger. Dieser Informationsträger identifiziert die Materialien qualitativ und quantitativ in einem Behälter und spezifiziert gleichzeitig die Auftragserteilung.11Man unterscheidet häufig zwei Arten von Kanbans:

> Produktionskanbans: Sie lösen in der fertigenden Stelle Reproduktionsaufträge aus.

> Transportkanbans:Sie dienen zur Identifikation von Materialien im Pufferlager und in weiterverarbeitenden Stellen.12

Eine elektronische Datenübermittlung kann die physische Kanban-Karte ersetzen, indem man die Zeichenverwendung und Beschriftung wie bei den Kanban-Karten beibehält. Bei der zu übermittelnden Information geht es darum, die informationeilen Objekte (Aufträge) und materiellen Objekte (Materialbestände in den Behältern) zu koppeln. Die produzierenden Stellen sind auf die Aufträge ihrer nachfolgenden Stellen angewiesen, denn ohne diese Aufträge gilt ein Produktionsverbot. Nur die Endproduktionsstufe bekommt ihre Aufträge von der Zentralinstanz, die außerhalb des Kanban-Systems steht. Um einen Kollaps im Fertigungssystem zu vermeiden, muss in einem Kanban-System stets die schnelle Bereitstellung von Materialien gewährleistet werden.13Wichtige Bestandteile des Kanban-Steuerungssystems sind physische Behälter oder die Label, die sich darauf befinden. Wenn ein Behälter das erforderliche Material bereits verbraucht hat, wandert dieser zur Nachschubsquelle zurück. Dort wird der Behälter mit dem erforderlichen Material gefüllt. Nach dem Befüllen erhalten Verbraucher oder Kunden das Material.14Der Materialfluss wird somit rückwärts durch das System geleitet und über informationeile Regelkreise organisiert.15Der Nachschub wird demnach vom Kunden angestoßen, woraus sich der englische Begriff des Pull-Prinzips (Hol-Prinzip), einer bedarfsorientierte Steuerung, ableitet.16

2.1.2 Dezentrales Pull-Prinzip als Grundkonzept

Das „Pull-Prinzip“ (Hol-Prinzip) veranlasst, dass die Fertigungsstellen die zur Auftragsbearbeitung erforderlichen Vormaterialmengen selbstständig anfordern und abholen. Diesen dezentralen Stellen werden somit Entscheidungskompetenzen zur Ablaufsteuerung übertragen. Die Zentralinstanz muss lediglich für die Auftragsimpulse in der Endfertigungs­stufe sorgen.17

Der Steuerungsimpuls zur Auftragsbearbeitung wächst entgegengesetzt dem physischen Materialfluss durch die Produktionsstellen bis zum Rohstofflager.18Die Produktion wird durch den Verbrauch der nachfolgenden Stufe angeregt. Eine Vorinformation über die voraus­sichtlich eintreffenden Aufträge gibt es nicht, sodass für den reibungslosen Ablauf mindestens ein kleines Pufferlager eingesetzt werden sollte.19

Beim „Push-Prinzip“ (Bring-Prinzip), resultierend aus MRP-Konzepten (Material Requirements Planning), hat die zentrale Instanz die alleinige Auftragssteuerungskompetenz.20Sie steuert den Materialfluss und plant das Auftragsprogramm der Fertigungsstellen. Nach Auftragsbearbeitung werden die gefertigten Teile zur weiterverarbeitenden Stelle transportiert und die Fertigstellung wird rückgemeldet.21

Folgende Abbildung kontrastiert die beiden Konzepte:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Pull- und Push-Prinzip am Beispiel einer dreistufigen Fertigung22

2.1.3 2-Karten-System

Dieses System arbeitet mit den Produktions- und Transportkanbans. An dieser Stelle wird folgender Ablauf beschrieben.

Die Produktionsstelle i-1 beliefert die weiterverarbeitende Stelle i mit Vormaterialien. Wenn die verbrauchende Stelle i die Vormaterialien aus dem Behälter nimmt, wird der an dem Behälter befestigte Transportkanban abgelöst und in eine Kanban-Tafel zur übersichtlichen Aufbewahrung gesteckt.

Dort bleibt die Karte so lange, bis die dort befindlichen Transportkanbans zusammen mit den zugehörigen leeren Behältertypen zum Pufferlager transportiert werden. Der Transportkanban enthält Informationen darüber, welches Pufferlager anzusteuern ist und welches Material entnommen werden soll.

Im Pufferlager selbst wird der Transportkanban durch einen Produktionskanban ausgetauscht. Letztere befand sich vorher an einem vollen Behälter. Der leere Behälter wird im Leergutlager abgegeben, was eine Art Sammelstelle für leere Behälter darstellt. Der volle Behälter wird an die konsumierende Stelle i weitertransportiert. Zur gleichen Zeit wird der im Pufferlager abgelöste Produktionskanban mit den leeren Behältern zur Stelle n-1 befördert, wo er zunächst in eine Kanban-Tafel gesteckt wird. In dem Pufferlager stößt dieser Produktionskanban womöglich eine Reproduktion der Behälterfüllmenge an. Ist der Behälter wieder aufgefüllt, wird er, mit einem Produktionskanban versehen, wieder ins Pufferlager gebracht.23

Diese Beschreibung lässt zwei Regelkreise erkennen: > Der Transportregelkreis ist zwischen der weiterbverarbeitenden Stelle i und dem Pufferlager. > Der Produktionsregelkreis bildet sich zwischen produzierender Stelle i-1 und dem Pufferlager.24 Ein Kanban zirkuliert stets in einem Regelkreis, zwischen Materialquelle (Produktionsstelle i-1) und Materialsenke (Produktionsstelle i). Die

[...]


1Vgl. Lackes (2004), S. 2775.

2Vgl. Dickmann (2009), S. 227.

3Vgl. Lödding (2005) S. 176.

4Vgl. Lackes (2004), S. 2775.

5 Dickman (2009) S. 12.

6Vgl. Dickmann (2009), S. 12.

7Vgl. Dickmann (2009), S. 228 f..

8Vgl. Lackes (2004), S. 2775.

9Vgl. Lackes (2004), S. 2776.

10Vgl. Lackes (2004), S. 2777.

11Vgl. Lackes (2004), S. 2777, vgl. Jung (2006), S. 524.

12Vgl. Lackes (2004), S. 2778, vgl. Hering/Kummer (2003), S. 37.

13Vgl. Lackes (2004), S. 2778.

14 Dickmann (2009), S. 12

15Vgl. Hering/Kummer (2003), S. 13.

16 Dickmann (2009), S. 12

17Vgl. Lackes (2004), S. 2776.

18Vgl. Lackes (2004), S. 2776.

19Vgl. Lackes (2004), S. 2776 f..

20 Vgl. Lackes (2004), S. 2776 f., vgl. Jung (2006), S. 524.

21 Vgl. Lackes (2004), S. 2776.

22 Lackes (2004), S. 2776.

23 Vgl. Lackes (2004), S. 2778 f..

24 Vgl. Lackes (2004), S. 2779, vgl. Jung (2006), S. 524.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Kanban - Beschreibung und umfassender Überblick
Hochschule
Frankfurt University of Applied Sciences, ehem. Fachhochschule Frankfurt am Main
Note
1,3
Autoren
Jahr
2009
Seiten
26
Katalognummer
V203058
ISBN (eBook)
9783656293804
ISBN (Buch)
9783656294368
Dateigröße
1349 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kanban, Japanisches Produktionssystem, Dezentrales Pull-Prinzip, 2-Karten-System, 1-Karten-System
Arbeit zitieren
Nicole Tode (Autor)Sohaila Chami (Autor), 2009, Kanban - Beschreibung und umfassender Überblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/203058

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