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Sylvia Plath - Identitätsverlust und Todessehnsucht

Die Selbstmord- und Todesthematik in autobiografischen und fiktionalen Texten von Sylvia Plath

Title: Sylvia Plath - Identitätsverlust und Todessehnsucht

Master's Thesis , 2012 , 70 Pages

Autor:in: N. Mackowiak (Author)

Literature - General
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Einleitung

Durch den Selbstmord Sylvia Plaths entstand der sogenannte Plath-Kult, ihre Werke wurden deswegen größtenteils biografisch gelesen und interpretiert. Die Gleichsetzung der Autorin mit dem Ich in ihren Werken wurde von Kritikern und Biografen weiter forciert, indem sie in ihren Analysen und Darstellungen Biografisches mit Fiktion gleichsetzten und den Plath-Kult antrieben.

Das zu bearbeitende Thema Identitätsverlust und die Todes- und Selbstmordthematik ist demnach ein sehr brisantes Thema, da der Finger genau in die Wunde gelegt wird. Die Schwierigkeit, über ein Thema zu schreiben, das immer wieder mit dem realen Selbstmord in Verbindung gebracht wurde, erwies sich als äußerst prekär, aber umso spannender. Ausgewählte Schlüsseltexte sind der Roman die Glasglocke, die Ariel- Gedichte und die Tagebücher von Sylvia Plath. In drei verschiedenen Genres soll der Fragestellung nachgegangen werden, wie die Autorin den Themenkomplex des Todes und des Selbstmordes fiktionalisiert und dargestellt hat. Die Tagebücher werden dabei bewusst an das Ende der Arbeit gesetzt. Das mit der Autorin am engsten biografisch verwobene Werk soll die vorliegende Arbeit nicht von Beginn an unter die Prämisse der Biografie stellen und so den Blick der Rezipienten biografisch einfärben.

In den Einleitungen der Kapitel zwei bis vier werden zugunsten einer werkimmanenten Leseart Argumente aufgeführt, die gegen eine Gleichsetzung von Biografie und Werk sprechen. Es wird aufgezeigt, dass weder der autobiografische Roman, die Bekenntnislyrik noch die Tagebücher ein authentisches Abbild realer Gegebenheiten sind. Diese Vorgehensweise erschien zwingend notwendig, da auch die Sekundärliteratur stark von biografischen Bezügen geprägt ist, die den Autoren zur Interpretation der Werke von Sylvia Plath dienen.

Edward Butscher verfasste 1976 die erste Biografie über Sylvia Plath. Es ist ein beispielloses Werk, das Plath als pathologische Person darstellt und ihr Leben als gespaltene Persönlichkeit zum Ausgangspunkt für ihre gesamte Werkrezeption darstellt. Wagner Martin ist in ihrer Biografie 1987 schon etwas distanzierter bei der Betrachtung Sylvia Plaths; sie bezieht als Grundlage auch die Tagebücher und die Briefe nach Hause mit ein.....

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Sylvia Plath und gesellschaftspolitische Kontexte

1.1 Biografisches

1.2 Ideologie und Gesellschaft

1.3 Der Rollenkonflikt als Krisenherd

2 Der Tod im Roman – Die Glasglocke

2.1 Entstehung und Inhalt

2.2 Die Vorzeichen des Todes: Esthers Identitätssuche

2.2.1 Der Feigenbaum

2.2.2 Die Doubles

2.2.3 Doreen

2.2.4 Dodo und Mrs. Willard

2.3 Selbstmord als Möglichkeit

2.3.1 Die Krankheit zum Tode

2.3.2 Der Entschluss

2.3.3 Durchführung und Wiedergeburt

2.3.4 Joan

3 Der Tod als Chiffre – die späte Lyrik

3.1 Sylvia Plath als „Confessional Poet“

3.1.1 Merkmale und Begriffsbestimmung

3.1.2 Die Auflösung des Du

3.2 Ariel und die Gesichter des Todes

3.2.1 Die Wiederbelebung des Du

3.2.2 Identität und Initiation

3.2.3 Wiedergeburt

3.2.4 Reinheit

3.2.5 Der duale Tod

4 Der reale Tod als Ausgangspunkt – die Tagebücher

4.1 Ted Hughes als Herausgeber

4.2 Die Schwierigkeit der Authentizität

4.3 Die Selbstmordthematik als roter Faden

4.3.1 Das Double oder die Distanzierung vom Ich

4.3.2 Liebe

4.3.3 „The air of pressure“

4.4 Briefe nach Hause - ein Deutungsversuch

5 Resümee

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Darstellung von Identitätsverlust, Todessehnsucht und Selbstmordthematik in den fiktionalen, autobiografischen und lyrischen Werken von Sylvia Plath. Ziel ist es, diese Themen werkimmanent zu analysieren und dabei die tendenziöse biografische Lesart zu hinterfragen.

  • Rollenkonflikte und Existenzkrisen im Amerika der 1950er Jahre.
  • Die Funktion des "Doubles" und die Identitätssuche der Protagonistin.
  • Untersuchung der "Confessional Poetry" und der Rolle des lyrischen Ichs.
  • Die Rolle von gesellschaftlichen Normen und patriarchalen Strukturen.
  • Literarische Strategien zur Fiktionalisierung autobiografischer Erfahrungen.

Auszug aus dem Buch

2.2.1 Der Feigenbaum

Um sich ihre eigene Situation vor Augen zu führen, benutzt die Ich-Erzählerin die Metapher des Feigenbaumes, auf dem sie sitzt. Jede Feige stellt eine andere Wahlmöglichkeit dar. Die eine Frucht symbolisiert den Beruf der berühmten Dichterin, die andere, Professorin zu werden, wieder eine andere stellt einen Rudel Liebhaber dar:

„Ich sah mich in der Gabel dieses Feigenbaums sitzen und verhungern, bloß weil ich mich nicht entscheiden konnte, welche Feige ich nehmen sollte. Ich wollte sie alle, aber eine von ihnen nehmen bedeutete, alle anderen verlieren, und während ich dasaß, unfähig, mich zu entscheiden, begannen die Feigen zu schrumpfen und schwarz zu werden und plumpsten eine nach der anderen auf den Boden unter mir.“

Esther sieht sich stets in einer Entweder–Oder-Situation versetzt. Die Freiheit, verschiedene Möglichkeiten zu wählen und diese zu kombinieren, existiert für sie nicht. Wagner-Martin sieht durch den komischen Monolog der Protagonistin ein konstruiertes Dilemma, an dem Esther Gefallen findet. Der Druck ist trotzdem vorhanden, denn die reflektierte, satirische Darstellung entbindet Esther nicht von dem reell vorherrschenden Druck, sich entscheiden zu müssen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Sylvia Plath und gesellschaftspolitische Kontexte: Analyse der biografischen Hintergründe und der gesellschaftlichen Normen der 1950er Jahre, die als Krisenherde für die Existenzkrise der Autorin fungierten.

2 Der Tod im Roman – Die Glasglocke: Untersuchung des Identitätsverlustes und der Todessehnsucht anhand von "Doubles" und der Protagonistin Esther im Roman.

3 Der Tod als Chiffre – die späte Lyrik: Analyse der Ariel-Gedichte, wobei das lyrische Ich und die metaphorische Darstellung des Todes sowie die Rolle des "Du" im Zentrum stehen.

4 Der reale Tod als Ausgangspunkt – die Tagebücher: Auseinandersetzung mit der Authentizität der Tagebucheinträge und der Selbstmordthematik als rotem Faden durch das reale Leben der Autorin.

5 Resümee: Zusammenfassung der Ergebnisse bezüglich der künstlerischen Fiktionalisierung von Identität und Tod in den verschiedenen untersuchten literarischen Genres.

Schlüsselwörter

Sylvia Plath, Identitätsverlust, Todessehnsucht, Selbstmordthematik, Die Glasglocke, Confessional Poetry, Ariel, Tagebücher, Rollenkonflikt, Existenzkrise, Fiktion, Doppelstandard, Weibliche Rollenbilder, Literaturwissenschaft, Lyrik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Masterarbeit befasst sich mit der Thematik des Identitätsverlusts sowie der Todes- und Selbstmordthematik in den Texten von Sylvia Plath unter dem Aspekt ihrer Fiktionalisierung.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentral sind der Einfluss gesellschaftspolitischer Kontexte der 1950er Jahre, die Rolle der Frau, die psychologische Identitätskrise und die literarische Verarbeitung dieser Krisen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist eine werkimmanente Leseart, die der verbreiteten Tendenz entgegenwirkt, das Werk rein biografisch als authentisches Abbild des Lebens der Autorin zu lesen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt literaturwissenschaftliche Analysen, um die Texte (Roman, Lyrik, Tagebücher) als künstlerische Fiktionen zu deuten, wobei auch gesellschaftspolitische und psychologische Diskurse miteinbezogen werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in drei Analysebereiche: den Roman "Die Glasglocke", die späte Lyrik (Gedichtband "Ariel") und die Tagebücher der Autorin.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Identitätskrise, Rollenkonflikt, Confessional Poetry, Selbstmord, gesellschaftliche Konformität und die literarische Funktion des "Doubles" charakterisieren.

Wie geht die Arbeit mit dem "Plath-Kult" um?

Die Autorin der Arbeit setzt sich explizit mit der problematischen Gleichsetzung von Autorin und literarischem Ich auseinander, um den "Plath-Kult", der alles rein biografisch liest, kritisch zu hinterfragen.

Welche Bedeutung haben die "Doubles" im Roman Die Glasglocke?

Doubles fungieren als weibliche Rollenvorbilder, an denen Esther ihr eigenes Leben misst. Sie dienen dazu, die Unvereinbarkeit gesellschaftlicher Erwartungen mit ihren eigenen Wünschen aufzuzeigen.

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Details

Title
Sylvia Plath - Identitätsverlust und Todessehnsucht
Subtitle
Die Selbstmord- und Todesthematik in autobiografischen und fiktionalen Texten von Sylvia Plath
College
Humboldt-University of Berlin
Author
N. Mackowiak (Author)
Publication Year
2012
Pages
70
Catalog Number
V203073
ISBN (eBook)
9783656307679
ISBN (Book)
9783656308249
Language
German
Tags
Tod
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
N. Mackowiak (Author), 2012, Sylvia Plath - Identitätsverlust und Todessehnsucht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/203073
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