Entscheidungen in Unternehmen werden zunehmend von Gruppen getroffen. Seien es Arbeitsgruppen, Projektteams oder Vorstände, stets besteht der Anspruch eine möglichst gute, wenn nicht sogar optimale Entscheidung zu treffen. Die Problemstellung dieser Arbeit lautet zusammenfassend:
Wie muss eine Gruppe personell und methodisch ausgestattet sein und extern beeinflusst werden, um eine Entscheidung im Sinne des Unternehmens zu treffen?
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
1.1. Problemstellung
1.2. Vorgehen in der Arbeit
2. Entscheidungen in Gruppen
2.1. Definitionen
2.2. Ursachen des „Groupthink“-Phänomens
2.3. Hierarchieeffekte
2.4. Ökonomische Entscheidungen
3. Lösungsansätze
3.1. Generelle Gegenmaßnahmen
3.2. Die Rolle der Hierarchie
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie Gruppen in Unternehmen personell und methodisch gestaltet sowie extern beeinflusst werden müssen, um optimale Entscheidungen im Sinne des Unternehmenserfolgs zu treffen und dabei das "Groupthink"-Phänomen zu vermeiden.
- Analyse des "Groupthink"-Phänomens als Ursache für Fehlentscheidungen in Gruppen.
- Untersuchung von Hierarchieeffekten anhand klassischer sozialpsychologischer Experimente.
- Identifikation von Einflussfaktoren auf die Qualität von Gruppenentscheidungen.
- Erarbeitung von Gegenmaßnahmen wie heterogene Gruppenzusammensetzung und methodische Strukturen.
- Bedeutung der Rolle des Gruppenleiters und der Organisationsstruktur für den Entscheidungsprozess.
Auszug aus dem Buch
2.3. Hierarchieeffekte
Die meisten der zusammengefassten Ursachen für teilweise kontraproduktives Gruppendenken wurden in den letzten Jahren immer wieder Teil von empirischen Untersuchungen.
Der Effekt von dominant auftretenden Gruppenmitgliedern lässt sich mit der bereits 1963 erschienenen Verhaltensstudie über Gehorsam (Originaltitel: „Behavioral Study of Obedience) von Stanley Milgram in Verbindung bringen.
Der Versuchsaufbau war recht übersichtlich: Ein Schauspieler wurde auf einem scheinbar elektrischen Stuhl fixiert und über Elektroden an seinen Handgelenken an einen Schockgenerator im Nebenraum angeschlossen. Dieser wurde von dem Probanden bedient, der zudem unter Aufsicht eines Versuchsleiters stand. Der Proband stellte dem Schauspieler Lernaufgaben, bei denen jede falsche Antwort von der Versuchsperson mit einem Stromschlag steigender Stärke bestraft werden sollte. Hierzu standen Stromspannungen zwischen 15 und 450 Volt zur Verfügung, die dem Schauspieler in Stufen von 15 Volt über das Betätigen von Kippschaltern verabreicht werden konnten. Die Schalter waren in Vierergruppen mit Bezeichnungen von „Leichten Schock“ über „Sehr starker Schock“, bis hin zu „Gefahr: Bedrohlicher Schock“ versehen, die Stufen 435 und 450 Volt waren nur mit einem „XXX“ gekennzeichnet. Den Schauspieler auf dem Stuhl erreichten zwar keine Stromstöße, er spielte dem Probanden aber, im Versuchsverlauf steigende, starke körperliche Reaktionen und Schmerzen vor.
Zögerte der Proband mit der Bestrafung, wurde er von dem Versuchsleiter mit den im Vorfeld festgelegten Sätzen „Bitte fahren Sie fort“, „Das Experiment verlangt das Sie fortfahren“, Es ist absolut notwendig das Sie fortfahren“ und „Sie haben keine andere Wahl, Sie müssen fortfahren“ dazu angehalten, weiter zu machen. Weigerte der Proband sich weiterhin, wurde das Experiment beendet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Das Kapitel erläutert die Problemstellung der effizienten Entscheidungsfindung in Gruppen und beschreibt den methodischen Aufbau der Arbeit.
2. Entscheidungen in Gruppen: Hier werden zentrale Begriffe definiert und die psychologischen Ursachen sowie Rahmenbedingungen des "Groupthink"-Phänomens kritisch analysiert.
3. Lösungsansätze: Es werden konkrete Maßnahmen vorgestellt, um durch personelle und methodische Anpassungen negativen Gruppendynamiken entgegenzuwirken.
4. Schlussbetrachtung: Die Erkenntnisse werden zusammengefasst und hinsichtlich ihrer praktischen Anwendbarkeit sowie der Schwierigkeit ihrer Messbarkeit in Unternehmen kommentiert.
Schlüsselwörter
Gruppenentscheidung, Groupthink, Unternehmenserfolg, Hierarchieeffekte, Organisationsstruktur, Gruppenkohäsion, Milgram-Experiment, Entscheidungsqualität, Advocatus Diaboli, Personelle Homogenität, Gruppendynamik, Handlungsalternativen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von Entscheidungsprozessen in Unternehmensgruppen und der kritischen Untersuchung des "Groupthink"-Phänomens, das zu Fehlentscheidungen führen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind Gruppenkohäsion, der Einfluss von Hierarchien, die Auswirkungen von Gruppendenken und Strategien zur Vermeidung von suboptimalen Ergebnissen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: Wie muss eine Gruppe personell und methodisch ausgestattet sein und extern beeinflusst werden, um eine Entscheidung im Sinne des Unternehmens zu treffen?
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die theoretische Konzepte wie das GGP-Modell sowie klassische psychologische Studien wie die Milgram-Experimente nutzt, um Unternehmensphänomene zu erklären.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Gruppen und Entscheidungen, die Ursachenforschung von Groupthink sowie die Herleitung von Lösungsansätzen und Gegenmaßnahmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Groupthink, Gruppenentscheidungen, Hierarchieeffekte und die Rolle der Führungskraft.
Welche Bedeutung haben die Milgram-Experimente für die Argumentation?
Sie dienen als Beleg dafür, wie stark Hierarchiestrukturen das Verhalten von Individuen beeinflussen können und warum moralische Bedenken in autoritär geprägten Gruppen an Bedeutung verlieren.
Wie kann ein Unternehmen dem "Groupthink"-Phänomen in der Praxis entgegenwirken?
Der Autor schlägt Maßnahmen wie die Ernennung eines "Advocatus Diaboli", die heterogene Gruppenzusammensetzung und das "Second Chance Meeting" vor, um kritische Distanz zu wahren.
- Arbeit zitieren
- Bachelor of Sience Curd-Georg von Nostitz-Wallwitz (Autor:in), 2012, Verhalten bei Gruppenentscheidungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/203289