Mobbing. Kostenfaktor für das Unternehmen?


Hausarbeit, 2001

44 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2. Der Begriff Mobbing
2.1 Entstehung
2.3 Definitionen
2.3 Erklärung

3. Verlauf, Ursachen und Folgen von Mobbing
3.1 Das vier Phasen Modell nach Leymann
3.2 Mobbing-Ursachen
3.2 Mobbing-Folgen

4. Durch Mobbing verursachte Kosten
4.1 Betriebswirtschaftliche Kosten
4.1.1 Kosten aus personalwirtschaftlicher Sicht
4.1.2 Zwei Fallbeispiele
4.2 Gesellschaftliche Kosten
4.3 Kosten für Täter, Opfer und andere Beteiligte

5. Vorschläge zur Vermeidung und/oder Prävention von Mobbing
5.1 Das Betriebsklima
5.2 Die Betriebsvereinbarung
5.3 Weitere Tipps zur Verminderung und Prävention

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

8. Eidesstattliche Erklärung

9. Anhang

1 Einleitung

Die Zeit, die der Mensch gerne und produktiv an seinem Arbeitsplatz verbringt, ist nicht nur für ihn, sondern auch für den Betrieb und die Gesellschaft von Bedeutung. Für den Menschen bedeutet der Arbeitsplatz sowohl, dass er seinen Lebensunterhalt verdient, als auch soziale Kontakte pflegt und sein Selbstwertgefühl steigert. Treten Konflikte am Arbeitsplatz auf oder wird das Selbstwertgefühl geschwächt und der Mensch von sozialen Kontakten fern gehalten, kann sich der Arbeitsplatz zum Psychoterror entwickeln. Mobbing ist Psychoterror am Arbeitsplatz und kann erhebliche Kosten verursachen, die nicht nur der Betroffene, beispielsweise durch Fehlzeiten, verursacht. Auch der/die Mobber verursachen Kosten, wenn sie sich weniger der Erfüllung ihrer eigentlichen Aufgabe als dem Ausüben von Mobbing widmen. Die genauen Kosten für den Betroffenen, den Betrieb und die Gesellschaft zu ermitteln gestaltet sich als eine sehr schwierige Aufgabe, da Mobbing sich (noch) in einer Grauzone befindet.

Mobbing ist in den letzten Jahren zu einem Modewort geworden und es herrscht oftmals Unklarheit über Inhalt und Bewertung dieses Begriffs. Um dieses Missverständnis auszuräumen, werden im zweiten Teil dieser Studienarbeit der Begriff „Mobbing“ erklärt und definiert, wobei auf verschiedene herrschende Definitionen eingegangen wird. Im dritten Teil sollen Verlauf, Ursachen und Folgen von Mobbing näher untersucht werden. Der vierte Teil dieser Studienarbeit wird sich mit den Kosten befassen, die bei einem Mobbingprozeß entstehen können. Hier werden die betrieblichen, persönlichen und gesellschaftlichen Kosten aufgezeigt, die durch Mobbing am Arbeitsplatz verursacht werden. Der fünfte Teil befasst sich mit der Vermeidung und Prävention von Mobbing und versucht somit die Frage nach Möglichkeiten der Kostensenkung bzw. Ersparnis zu beantworten.

2. Der Begriff Mobbing

2.1 Entstehung

Im Jahre 1913 hatte es dem damals zehnjährigen Verhaltensforscher Konrad Lorenz ein Buch der schwedischen Nobelpreisträgerin Selma Lagerlöf besonders angetan. Es handelte sich um die Geschichte von Nils Holgerson. In einem Kapitel des Buches flüchtete sich der Däumling Nils auf einen Baum, da ein Fuchs mit triefender Schnauze darunter saß und ihn fressen wollte. Nils bekam Hilfe von den Gänsen, die im Tiefflug Scheinangriffe auf den Fuchs starteten. Dies machten die Gänse so lange, bis der Fuchs vollkommen erschöpft auf dem Rücken lag und Nils entkommen konnte. Damals entschloss sich Konrad Lorenz, das Verhalten von Gänsen zu studieren. Später erforschte er Angriffe von Gruppen von Tieren auf Eindringlinge und fand dafür den Ausdruck "Mobbing".[1]

Der Arzt Peter-Paul Heinemann wiederum führte in den 60er und 70er Jahren eine Studie über das Verhalten von Kindern auf dem Schulhof durch. Er übernahm den Ausdruck „Mobbing“ für das Gruppenverhalten von Kindern, das sehr rohe Züge trug und betroffene Kinder in eine soziale Situation stürzte, die sogar mit Selbstmord endete.[2]

Ende der 70er Jahre dann beschäftigte sich der Arbeitspsychologe Heinz Leymann mit direkten und indirekten Angriffen in der Arbeitswelt. Zu dieser Zeit hatte das schwedische Parlament gerade neue Arbeitsgesetze verabschiedet, in denen eindeutig festgelegt wurde, dass das psychische Wohlbefinden der Angestellten genauso zu beachten sei wie das physische. Leymanns Forschungen konzentrierten sich auf Konflikte am Arbeitsplatz, die Ausmaße bis hin zu dauerhaften Psychoterror annahmen. 1984 publizierte er einen ersten kurzen Bericht über Mobbing.[3]

Leymann ist der am häufigsten zitierte Arbeitspsychologe zum Thema Mobbing. Er hat den Begriff „Mobbing“, wie wir ihn heute kennen und verwenden, geprägt und populär gemacht.

2.3 Definitionen

In den letzten Jahren rückte das Thema Mobbing verstärkt ins Blickfeld der Wissenschaft. Dabei hat bisher fast jeder Autor und jede Arbeit eine andere Definition des Begriffs Mobbing zugrunde gelegt.

Heinz Leymann hat als einer der ersten 1993 den Begriff Mobbing allgemein definiert: „Der Begriff Mobbing beschreibt negative kommunikative Handlungen, die gegen eine Person gerichtet sind (von einer oder mehreren anderen) und die sehr oft und über einen längeren Zeitraum hinaus vorkommen und damit die Beziehung zwischen Täter und Opfer kennzeichnen.“[4]

1995 erweitert Leymann seine Definition. Er unterscheidet nun zwischen der frühen und späten Mobbingphase. In der frühe Mobbingphase wird das Opfer von einer oder mehreren der 45 Handlungen, wie z.B. Angriffe auf die Möglichkeit sich mitzuteilen, Angriffe auf die sozialen Beziehungen, ... (siehe Anhang), wenigstens einmal in der Woche und länger als sechs Monate in feindlicher Absicht betroffen. Die späte Mobbingphase ist dadurch gekennzeichnet, dass die Situation nach spätestens einem bis zwei Jahren zu einer Stigmatisierung und beruflichen Marginalisierung des/der Betroffenen führt. Dies wiederum kann bewirken, dass sich der Arbeitgeber von dieser Person durch gesetzliche oder ungesetzliche Maßnahmen befreien will.[5]

Eine auch oft zitierte Definition des Begriffs Mobbing ist von der Gesellschaft gegen psychosozialen Stress und Mobbing (GpsM) e.V.: "Mobbing ist

- eine konfliktbelastete Kommunikation am Arbeitsplatz unter Kollegen oder zwischen Vorgesetzten und Untergebenen,
- bei der die angegriffene Person unterlegen ist und
- von einer oder mehreren anderen Personen systematisch und während längerer Zeit direkt oder indirekt angegriffen wird
- mit dem Ziel und/oder dem Effekt des Ausstoßes und
- die angegriffene Person dies als Diskriminierung erlebt."[6]

Darüber hinaus finden sich im Internet diverse Definitionen auf unterschiedlichen Mobbing-Berater-Seiten. Diese sind oft schärfer und aggressiver als die Definitionen in der Literatur. So definiert das Mobbing-Berater-Netzwerk beispielsweise: „Mobbing, das bedeutet Psychoterror – Schüren von Attacken – Intrigen – Feindseligkeiten – Zermürbungskrieg – eigentlich mehr als nur „anpöbeln“!“[7]

Die Volkswagen AG hat Mobbing in einer Informationsbroschüre für Betroffene und Beteiligte als Psychoterror am Arbeitsplatz definiert: „Mobbing am Arbeitsplatz steht für eine Situation, in der es zwischen Kolleginnen/Kollegen oder zwischen Vorgesetzten und Untergebenen zu starken Konflikten kommt; dabei wird das Opfer von den Täterinnen bzw. Tätern systematisch direkt oder indirekt mit üblen Worten, Gesten oder auch Gewalt angegriffen, um es aus der Gemeinschaft auszustoßen. Unter Mobbing ist nicht eine einmalige Handlung zu verstehen, sondern eine wiederholte oder andauernde Verletzung der Betroffenen. Drastisch ausgedrückt: Mobbing ist Psychoterror am Arbeitsplatz.“[8]

Alle Definitionen zeigen, dass es sich beim Mobbing um mehr als nur um einen bloßen Konflikt handelt. Als grobe Faustregel kann man sagen, dass man erst dann von Mobbing spricht, wenn ein Konflikt mindestens ein halbes Jahr und mindesten einmal pro Woche stattfindet. Dabei ist es gleichgültig, ob dieser Konflikt zwischen gleichen oder unterschiedlichen Hierarchiestufen stattfindet.

2.3 Erklärung

Der Begriff „Mobbing“ kommt aus dem Englischen „to mob“, was soviel bedeutet wie jemanden anpöbeln, fertigmachen, über jemanden herfallen, angreifen oder attackieren. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Mob (der Pöbel) als unterste Stufe der gesellschaftlichen Hierarchie betrachtet und regelrecht gejagt.[9]

3. Verlauf, Ursachen und Folgen von Mobbing

3.1 Das vier Phasen Modell nach Leymann

Leymann hat bei seinen Forschungen einen immer wiederkehrenden Verlauf bei Mobbingfällen entdeckt. Er weißt in seinem Buch „ Mobbing – Psychoterror am Arbeitsplatz und wie man sich dagegen wehren kann“ darauf hin, dass nicht nur er diesen systematischen Verlauf beobachten konnte. Auch Betriebsärzte, Vertrauenspersonen der Gewerkschaft oder Personalchefs konnten beim Studieren verschiedener Fälle eine überraschende Gleichartigkeit im Verlauf feststellen. Das nachstehende Modell zeigt den Mobbingverlauf bei dem nicht zwischendurch von Kollegen, dem Betriebsrat, der Personalabteilung oder dem Vorgesetzten eingegriffen wurde, um dem Opfer zu helfen und dem Mobbing eine Ende zu setzen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Verlaufsmodell nach Leymann[10]

Phase 1: Die täglichen Konflikte

Konflikte sind normale menschliche Lebensäußerungen, die jeden Tag am Arbeitsplatz, in der Familie oder im Verein entstehen können. Und zwar überall dort wo Menschen aufeinander treffen und miteinander auskommen müssen, lassen sich Konflikte oft nicht vermeiden. Nichtsdestotrotz kann man versuchen diese auf unterschiedliche Art und Weise zu lösen. Ist es möglich einen Kompromiss zu finden oder artet der Streit bis zur psychischen Gewaltanwendung aus? Gerade am Arbeitsplatz gibt es immer wieder Meinungsverschiedenheiten, Streitigkeiten um Einfluss und Macht oder es wird ein "Sündenbock" gesucht. Es gibt selten einen Weg dem Konflikt am Arbeitsplatz aus dem Weg zu gehen, da tagtäglich mit denselben Personen zusammengearbeitet werden muss. Deshalb ist es notwendig, hier eine Schlichtung oder einen Kompromiss zu finden. Ist dies möglich und handelt es sich um einen konstruktiven Konflikt, kommt es häufig zu positiven Veränderungen. Viele dieser Konflikte am Arbeitsplatz werden auf diese oder ähnliche Weise beendet. Nur ein geringer Teil weitet sich zum Mobbing oder Psychoterror aus. Wenn jeder Erwerbstätige nur fünfmal im Jahr einen kleinen Konflikt am Arbeitsplatz hätte, wären das jährlich über 200 Millionen Konflikte. Nur ein Bruchteil davon entwickelt sich zu Mobbing. Andererseits ist die Zahl der Mobbingbetroffenen sehr groß, sie wird in Deutschland auf 1,3 Millionen geschätzt.[11]

Phase 2: Mobbing etabliert sich

In dieser Phase tritt der Konflikt in den Hintergrund und wandelt sich zum Psychoterror. Eine am Konflikt beteiligte Person wird zur Zielscheibe. Sie wird wenigstens einmal die Woche und mindestens ein halbes Jahr lang von einer oder mehreren feindseligen Handlungen betroffen sein. Es wäre hier nun an der Zeit, dass Kollegen, der Vorgesetzte, der Betriebsrat oder die Personalabteilung eingreifen. Doch oft wird das Problem nicht erkannt, toleriert oder ignoriert. Dies bedeutet, dass der Konflikt erst dadurch zu Mobbing und Psychoterror werden kann, weil er sich dazu entwickeln darf.

Mobbing entsteht, weil sich niemand verantwortlich fühlt. Leymann suchte bei seinen Forschungen eine Grund in den Charaktereigenschaften der Opfer. Er stellte die These auf, dass es sich um Personen handelt, die ungewöhnliche und unmögliche Persönlichkeitsmerkmale aufweisen. Angeblich werden sie dann früher oder später in ihrem Leben gemobbt. Bei den Tätern wiederum hat Leymann nach Problemen in deren Persönlichkeit gesucht. Doch weder bei den Opfern noch bei den Tätern wurden Persönlichkeitsmerkmale gefunden, die darauf schließen könnten, dass es sich hier um potentielle Mobbingopfer und –täter handelt. Es gibt keine typischen Charaktereigenschaften, die darauf schließen, dass ein Mensch in seinem Leben jemals gemobbt wird. Das bedeutet Mobbing kann jeden treffen, unabhängig von Beruf und beruflicher Position.

In dieser zweiten Mobbingphase wird die psychische Verfassung des Opfers immer schlechter. Das Selbstvertrauen wird gestört, Stresssymptome stellen sich ein, Existenzangst kommt auf. Das Opfer tritt automatisch in eine Verteidigungshaltung und fällt somit auch immer öfter auf. Wird das Opfer beispielsweise von einer ganzen Gruppe Kollegen gemobbt, muss es sich bei jedem Angriff verteidigen. Die Kollegen allerdings sind nur für einen Bruchteil der Zeit in Aktion. Das Opfer dagegen ständig.

Es gibt auch Menschen, die die zweite Phase des Mobbings nicht durchlaufen. Dies zeigt der rechte Pfeil in Abbildung 1. Diese Menschen werden direkt nach einen Konflikt vom Vorgesetzen versetzt oder unrechtmäßig gekündigt.[12]

[...]


[1] vgl. Leymann, H. (1995), S. 13

[2] vgl. Leymann, H. (1995), S. 14

[3] Vgl. Leymann, H. (1995), S. 14f.

[4] Leymann, H. (1993), S.21

[5] vgl. Leymann, H. (1995), S.17

[6] vgl. http://www.dgb.de/themen/mobbing_01.htm

[7] http://www.mobbing-berater-netzwerk.de/mbn/Was%20ist%20mobbing.htm

[8] Partnerschaftliches Verhalten am Arbeitsplatz (1997), S.23

[9] vgl. Partnerschaftliches Verhalten am Arbeitsplatz (1997), S. 22

[10] vgl. Leymann, H. (1993), S.58

[11] vgl. Leymann, H. (1993), S.60

[12] vgl. Leymann, H. (1993), S.60ff.

Ende der Leseprobe aus 44 Seiten

Details

Titel
Mobbing. Kostenfaktor für das Unternehmen?
Hochschule
Fachhochschule Braunschweig / Wolfenbüttel; Standort Wolfenbüttel  (FB Wirtschaft)
Note
1,3
Autor
Jahr
2001
Seiten
44
Katalognummer
V2033
ISBN (eBook)
9783638112529
ISBN (Buch)
9783638686594
Dateigröße
827 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mobbing, Kostenfaktor, Unternehmen
Arbeit zitieren
Friederike Vieth (Autor), 2001, Mobbing. Kostenfaktor für das Unternehmen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2033

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