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ICD und ICF: Kombination der Ergebnisse aus Symptom- und Ressourcendiagnostik zur Entwicklung adäquater sonderpädagogischer Förderansätze für Kinder und Jugendliche

Titel: ICD und ICF: Kombination der Ergebnisse aus Symptom- und Ressourcendiagnostik zur Entwicklung adäquater sonderpädagogischer Förderansätze für Kinder und Jugendliche

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2012 , 23 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: B.A. Johannes Ilse (Autor:in)

Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik
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In der vorliegenden Hausarbeit möchte ich die folgende Forschungsfrage diskutieren: Kann eine zusätzliche Erfassung der Ressourcen eines Kindes oder Jugendlichen, als Grundlage für die Entwicklung individueller sonderpädagogischer Förderangebote, gegenüber einer rein symptomorientierten Störungsdiagnostik eine wirksamere Förderung erzielen?

Den Hintergrund dieser Frage bildet die Kritik an der, von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegebenen, „Internationalen statistischen Klassifikation von Krankheiten und verwandten Gesundheitsproblemen“ (ICD) aus breiten Kreisen der (Sonder-)Pädagogik, Psychiatrie und Psychotherapie. Die Kritik bezieht sich auf das fünfte Kapitel, welches „Psychische und Verhaltensstörungen“ kodiert und die zur jeweiligen Diagnose gehörigen Symptome, eventuelle Komorbiditäten und Ausschlussdiagnosen auflistet. Auch in ihrer zehnten Revision wird der ICD Stigmatisierung und Ungenauigkeit in der Abbildung von Krankheitsbildern vorgeworfen (Meiser-Storck 2012). Die von der ICD-10 ausgehende Diagnostik ist störungsspezifisch, d.h. sie identifiziert die Symptome, die für eine bestimmte Diagnose entscheidend sind (Klemenz 2009).
Zur Beantwortung der Forschungsfrage bespreche ich im Folgenden, inwieweit die Ressourcendiagnostik eine besser an den Bedürfnissen des Kindes ausgerichtete Förderung er-möglichen kann. Für eine solche Diagnostik steht dem Psychiater die ebenfalls international anerkannte „Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit“ (ICF) zur Verfügung, auf die ich im Folgenden noch näher eingehen werde.
Erhält man durch eine zusätzliche Ressourcendiagnostik per ICF neue Informationen über den Patienten, die die ICD-10 allein nicht vermitteln kann? Ich werde auf Vor- und Nachteile des zusätzlichen Einsatzes der ICF eingehen. Außerdem stelle ich den Ansatz der Lebensweltorientierung als zentrales sonderpädagogisches Konzept vor und bringe den Working-On-What-Works-Ansatz in die Diskussion ein. Beide Ansätze lassen dem Kind gegenüber eine andere Haltung zu, die durch die bloße psychiatrische Diagnose vermutlich nicht einnehmbar wäre.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Klassifikatorische Diagnosesysteme zwischen Pathogenese und Salutogenese

2.1 ICD-10: symptomorientierte Diagnostik auf Basis des biomedizinischen Krankheitsmodells

2.2 ICF: ressourcenorientierte Diagnostik auf Basis des bio-psycho-sozialen Modells

2.3 Zwischenfazit

3. Das Konzept der Lebensweltorientierung

4. WOWW – Working-On-What-Works

5. Fazit

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Diese Arbeit untersucht, ob die Ergänzung einer klassischen symptomorientierten Störungsdiagnostik (ICD-10) durch eine ressourcenorientierte Diagnostik (ICF) die Entwicklung individueller sonderpädagogischer Förderangebote verbessern kann, um dem Kind eine ganzheitliche Unterstützung zu ermöglichen.

  • Kritische Analyse der ICD-10 im Kontext der sonderpädagogischen Diagnostik
  • Potenziale der ICF als Instrument zur Ressourcendiagnostik
  • Das Konzept der Lebensweltorientierung als handlungsleitender Rahmen
  • Der WOWW-Ansatz (Working-On-What-Works) als lösungsorientierte Methode
  • Verschiebung des Fokus von der Defizitorientierung zur Stärkenorientierung

Auszug aus dem Buch

4. WOWW – Working-On-What-Works

Ein weiterer hilfreicher Ansatz, der eine ressourcen- und lösungsorientierte Haltung gegenüber der Klienten befördert, ist die von der Systemikerin Insoo Kim Berg und Mitarbeitern entwickelte Methode „Working-On-What-Works“ („WOWW“). Der Name der Methode ist zugleich die zentrale Botschaft: Arbeite mit dem und an dem, was schon funktioniert bzw. gut läuft und nicht mit dem was fehlt (vgl. Berg, Shilts 2005: 3).

Insoo Kim Berg ist eine bemerkenswerte Person. 1934 in Südkorea geboren, verblieb sie dort bis zu ihrer Jugend und erlebte die Schrecken des Koreakrieges, bevor sie Ende der 1950er Jahre in die USA emigrierte. Als Ehefrau und Kollegin von Steve de Shazer (†) entwickelte sie mit ihm das Konzept der Lösungsorientierten Kurzzeittherapie. In Milwaukee, Wisconsin gründeten sie das „Brief Family Therapy Center“ (BFTC). Sie beeinflusste tausende Therapeuten und Berater weltweit. Sie starb 2007 unerwartet in der Pause eines Fitnesstrainings.

Der WOWW-Ansatz fokussiert auf die personalen Ressourcen eines Kindes, d.h. seine Talente, Interessen, Stärken, Kompetenzen, das Selbstkonzept und Resilienzkonzept (Schutzfaktoren). Seine Anwendung ist ursprünglich als „lösungserschaffende Strategie für das Klassenzimmer“ (ebd.) erschaffen worden. Nichtsdestotrotz lassen sich die Grundprinzipien auf alle pädagogischen Kontexte übertragen. Die Methode ist sehr simpel zu denken, jedoch nicht leicht in der Umsetzung (vgl. ebd.: 8).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit hinterfragt die Wirksamkeit rein symptomorientierter Diagnostik und diskutiert den Mehrwert einer ergänzenden Ressourcendiagnostik für die sonderpädagogische Förderung.

2. Klassifikatorische Diagnosesysteme zwischen Pathogenese und Salutogenese: Dieses Kapitel vergleicht die defizitorientierte ICD-10 mit dem ressourcenorientierten bio-psycho-sozialen Modell der ICF und erörtert deren Vor- und Nachteile.

3. Das Konzept der Lebensweltorientierung: Es wird dargelegt, wie die Lebensweltorientierung als zentrales Handlungskonzept den Blick weg von rein medizinischen Kategorien hin zum individuellen sozialen Bezugsfeld des Kindes lenkt.

4. WOWW – Working-On-What-Works: Das Kapitel führt den lösungsorientierten WOWW-Ansatz ein, der darauf fokussiert, bestehende Kompetenzen und funktionierende Verhaltensweisen als Basis für therapeutische Fortschritte zu nutzen.

5. Fazit: Die Arbeit schließt mit dem Plädoyer für eine Abkehr von rein defizitorientierten Ansätzen zugunsten einer komplementären, ressourcenorientierten Sichtweise in der Diagnostik und Therapie.

Schlüsselwörter

Sonderpädagogik, Diagnostik, ICD-10, ICF, Ressourcendiagnostik, Lebensweltorientierung, WOWW, Working-On-What-Works, Verhaltensauffälligkeit, Förderung, Salutogenese, Pathogenese, Interventionsplanung, Inklusion, Systemtheorie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Problematik rein defizitorientierter Diagnosesysteme in der Sonderpädagogik und plädiert für einen ressourcenorientierten Blick auf Kinder und Jugendliche.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die Diagnostik mittels ICD-10 und ICF, das Konzept der Lebensweltorientierung sowie der lösungsorientierte Ansatz WOWW.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist aufzuzeigen, wie eine Ergänzung der Symptomdiagnostik durch Ressourcenanalyse zu einer effizienteren und individuell passenderen sonderpädagogischen Förderung führen kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine theoretische Auseinandersetzung und Literaturanalyse zur Bewertung bestehender Diagnoseinstrumente und pädagogischer Handlungsansätze.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Schwächen der ICD-10, die Chancen der ICF sowie die Anwendung der Lebensweltorientierung und des WOWW-Ansatzes in der pädagogischen Praxis.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Besonders prägend sind die Begriffe Ressourcendiagnostik, Lebensweltorientierung, Symptomorientierung und Lösungsorientierung.

Inwiefern unterscheidet sich der WOWW-Ansatz von klassischen Modellen?

Im Gegensatz zu Modellen, die Probleme klassifizieren und Defizite bekämpfen, fokussiert WOWW konsequent auf bereits vorhandene Stärken und Ausnahmen, in denen keine Probleme auftreten.

Was bedeutet "Lebensweltorientierung" in diesem Kontext konkret?

Es bedeutet, das Kind nicht isoliert als Diagnoseträger zu sehen, sondern es in seinem sozialen Kontext mit seinen individuellen Werten, Regeln und Lebensumständen zu verstehen und zu respektieren.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten  - nach oben

Details

Titel
ICD und ICF: Kombination der Ergebnisse aus Symptom- und Ressourcendiagnostik zur Entwicklung adäquater sonderpädagogischer Förderansätze für Kinder und Jugendliche
Hochschule
Universität Erfurt  (Sonder- und Integrationspädagogik)
Veranstaltung
Diagnostik bei Kindern und Jugendlichen und die Entwicklung von Förderansätzen
Note
1,7
Autor
B.A. Johannes Ilse (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
23
Katalognummer
V203336
ISBN (eBook)
9783656299141
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kombination ergebnisse symptom- ressourcendiagnostik entwicklung förderansätze kinder jugendliche
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
B.A. Johannes Ilse (Autor:in), 2012, ICD und ICF: Kombination der Ergebnisse aus Symptom- und Ressourcendiagnostik zur Entwicklung adäquater sonderpädagogischer Förderansätze für Kinder und Jugendliche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/203336
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Leseprobe aus  23  Seiten
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