Der Vietnamkrieg in Hollywoodfilmen


Seminararbeit, 2012
35 Seiten, Note: 5.5 (Schweizer Benotung)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Plots der Filme
2.1 Apocalypse Now Redux
2.2 Platoon
2.3 Full Metal Jacket

3. Der Vietnamkriegsfilm

4. Darstellung des Krieges in den einzelnen Filmen
4.1 Apocalypse Now Redux
4.2 Platoon
4.3 Full Metal Jacket

5. Vergleich der Darstellung des Krieges

6. Schlusswort

Bibliographie
Quellen
Literatur
Internetquellen

Anhang
Produktionsdaten der Filme

1. Einleitung

Der Vietnamkrieg war ein Ereignis, welches das gesamte Leben in den Vereinigten Staaten geprägt hat. Er hatte nicht nur Einfluss auf die Politik, sondern auch auf die Gesellschaft und Kultur des Landes. So wurde beispielsweise die „Flower-Power“-Bewegung der Sechzigerjahre durch den Vietnamkrieg beeinflusst, ebenso wie auch die Musik der damaligen Zeit und das Medium Film. Wikipedia führt eine eigene Liste zu Spiel- und Dokumentarfilmen, welche sich mit der Thematik des Vietnamkriegs auseinandersetzen. Betrachtet man diese, bekommt man bereits einen Einblick, wie lang diese ist und wie häufig diese Thematik in amerikanischen Filmen behandelt wurde. Dieser Krieg hat seine Spuren in der Amerikanischen Geschichte hinterlassen, speziell auch in den Köpfen der Bevölkerung. Davon sind auch Filmschaffende, wie beispielsweise Oliver Stone, welcher selber als Soldat in Vietnam stationiert war, nicht ausgeschlossen. Apocalypse Now Redux (Francis Ford Coppola, USA 1979), Platoon (Oliver Stone, USA 1986) und Full Metal Jacket (Stanley Kubrick, USA/UK 1987) sind sicherlich drei der bekanntesten Filme zum Thema Vietnamkrieg und abgesehen davon auch drei sehr wichtige Werke der Filmgeschichte. In dieser Arbeit wird die Darstellung des Vietnamkriegs in diesen drei Filmen untersucht und miteinander verglichen. Diese drei Spielfilme eignen sich auch deshalb gut, weil sie einen völlig verschiedenen Entstehungshintergrund haben. Oliver Stone war, wie bereits erwähnt, im Gegenzug zu Francis Ford Coppola und Stanley Kubrick selber Soldat in Vietnam. Kubricks Full Metal Jacket entstand basierend auf Romanen und Berichten über den Vietnamkrieg, während Coppolas Apocalypse Now Redux eine Adaption von Joseph Conrads Roman Heart of Darkness ist, welcher gar nicht in Vietnam spielt und erst von Coppola selbst in diesen Rahmen eingebettet wurde. Hauptteil der Untersuchung wird ein Vergleich sein, wie der Krieg in diesen, unter völlig verschiedenen Hintergründen entstandenen Filmen, dargestellt wird. Kritisiert man den Krieg oder glorifiziert man ihn vielleicht sogar? Wie werden die US-Amerikanischen Truppen präsentiert und wie die Vietnamesen? Basierend auf diesen zahlreichen Fragen konnte folgende Leitfrage für die Arbeit entwickelt werden: „Wie wird der Vietnamkrieg in den drei Filmen Apocalypse Now (Francis Ford Coppola, USA 1979), Platoon (Oliver Stone, USA 1986) sowie Full Metal Jacket (Stanley Kubrick, USA/UK 1987) dargestellt und gibt es grössere Zusammenhänge und Unterschiede? Die Arbeit ist so aufgebaut, dass in einem ersten, kürzeren Teil für jeden Film der Plot beschrieben wird, damit sichtbar wird wovon die Filme genau handeln und worum es explizit geht. In einem zweiten Teil wird dann herausgearbeitet wodurch sich der Vietnamkriegsfilm als eine Art eigenständiges Genre, beziehungsweise Subgenre des Kriegsfilms definiert und die Darstellung des Kriegs in den einzelnen Filmen analysiert und untereinander verglichen.

Der Vietnamkrieg als historisches Ereignis ist sehr gut erforscht. Es existiert ein grosser Korpus an Literatur, welcher auch empirische Untersuchungen, wie zum Beispiel Umfragen unter Generälen der Amerikanischen Streitkräfte in Vietnam beinhaltet. Das Gleiche gilt auch für die Filme zum Thema „Vietnamkrieg“. Nicht nur die drei in dieser Arbeit thematisierten Filme sind gut untersucht, sondern auch der Vietnamkriegsfilm als eine Art eigenes Genre. Dazu ist ebenfalls ein grösserer Literaturkorpus vorhanden, in welchem die drei in dieser Arbeit thematisierten Filme untereinander verglichen werden, ebenso wie mit anderen Filmen dieser Thematik, wie beispielsweise The Deer Hunter (Michael Cimino, USA 1978) oder die anderen Filme von Oliver Stone, welche den Vietnamkrieg behandeln, wie Born on the Fourth of July (USA 1989) und Heaven & Earth (USA 1993). In dieser Arbeit liegt der primäre Fokus aber nur auf den bereits erwähnten drei Filmen, da diese auch rein filmgeschichtlich eine grosse Rolle spielen. Im Falle von Apocalypse Now wurde für die Untersuchung nicht die Kinofassung, sondern die im Jahr 2000 veröffentlichte und fast eine Stunde längere „Redux“-Version gewählt, weshalb der Film auch im restlichen Verlauf der Arbeit immer als Apocalypse Now Redux betitelt wird.

2. Plots der Filme

2.1 Apocalypse Now Redux

Im Jahr 1969 wartet der US-Army Captain Benjamin L. Willard in Saigon auf einen neuen Auftrag. In dieser Zeit verfällt er dem Alkohol und scheint an psychischen Problemen zu leiden. Seine Wartezeit endet, als er die Anweisung erhält Colonel Walter E. Kurtz zu eliminieren. Kurtz genoss eine elitäre militärische Ausbildung, wobei er mit seinen Leistungen herausragte und Ambitionen auf höhere militärische Posten hatte. In Vietnam schien er aber verrückt zu werden und distanzierte sich immer stärker von der amerikanischen Militärführung. Willard soll mit einem Patrouillenboot durch Vietnam bis nach Kambodscha gebracht werden, wo sich Kurtz eine Art eigenes „Reich“ aufgebaut zu haben scheint. Die Crew des Bootes, welche während eines grossen Teils der Fahrt nichts Genaueres von Willards Auftrag erfährt, besteht aus Chief Phillips, dem Befehlshaber des Bootes, sowie Jay „Chef“ Hicks, Lance B. Johnson und Tyrone „Clean“ Miller – einem Koch, einem Profi-Surfer und einem Siebzehnjährigen. Unterwegs treffen sie die 1. US-Luftkavallerie, unter dem Kommando von Lieutenant Colonel Bill Kilgore, welche sie auf ihrer Fahrt eskortieren soll. Kilgore weiss nichts von dem Eskortauftrag. Als er, der selber passionierter Surfer ist, Lance B. Johnson unter Willards Crew entdeckt und erfährt, dass beim Dorfstrand, wo das Boot abgesetzt werden soll, zum Surfen gut geeignete Wellen zu finden sind, ordnet er einen Luftangriff auf das Dorf an, um Lance nach der Besetzung beim Surfen zusehen zu können. Während des Luftangriffs, wird über Lautsprecher, als psychologische Kriegsführung, Richard Wagners Walkürenritt abgespielt. Bei einer Station weiter Flussaufwärts werden Willard und seine Crew Zeugen einer Show, bei der drei Playmates für die dort stationierten Soldaten tanzen. Nach dem Auftritt stürmen Soldaten die Bühne und die drei Frauen müssen mit einem Helikopter ausgeflogen werden. Bei der Do-Long-Brücke kommt das Boot an den letzten US-Aussenposten. Der Posten steht unter Dauerbeschuss, was zu einem totalem Chaos und Verwirrung unter den Soldaten geführt hat. Willard erfährt dort, dass ein Captain Colby ebenfalls ausgesandt wurde, um Kurtz zu töten und seither vermisst wird. Nach dem Posten kommen Willard und seine Crew zu einer französischen Plantage, wo man zunächst Clean, der bei einem Angriff auf das Boot ums Leben kam bestattet und dann gemeinsam mit den Plantagenbesitzern zu Abend isst. Die französischen Gastgeber erklären Willard, dass die Amerikaner aus den französischen Fehlern im Indochinakrieg lernen müssen, wobei es zu einer hitzigen Diskussion unter den Franzosen kommt. Weiter flussaufwärts wird das Boot von eingeborenen Dschungelbewohnern mit Pfeilen und Speeren attackiert, wobei auch Phillips getötet wird. Das Boot, mit den verbliebenen Willard, Lance und „Chef“ nähert sich kurz darauf der Tempelanlage, wo Kurtz sein „Reich“ errichtet hat. Willard wird gefangengenommen und zu Kurtz gebracht, wo sich ein Dialog zwischen den beiden entwickelt. Während seiner Gefangenschaft wird Willard der abgetrennte Kopf von „Chef“ gebracht. In der Folgezeit und durch die langen Dialoge beeinflusst, beginnt Willard die Welt immer stärker durch die Augen von Kurtz zu sehen. Kurtz fordert Willard auf ihn zu töten. Willard schleicht sich nachts mit einer Machete an Kurtz heran und erfüllt dessen Wunsch, während die Anhänger von Kurtz ein Ritual abhalten. Die letzten Worte, die man von Kurtz hört sind: „Das Grauen! Das Grauen!“. Als Willard vor dem Tempel erscheint, knien Kurtz’ Anhänger vor ihm nieder. In dem Moment, als er die Machete wegwirft, entledigt sich auch der Rest ihrer Waffen. Willard holt darauf Lance aus der Menschenmenge und macht sich mit ihm auf den Rückweg.[1]

2.2 Platoon

Im Jahr 1967 meldet sich Chris Taylor freiwillig als Infanteriesoldat in Vietnam. Er wird nahe der kambodschanischen Grenze stationiert. Schon sehr bald muss er feststellen, dass man in Vietnam nach der Anzahl der verbleibenden Tage im Einsatz bewertet wird und er als Neuling nicht viel wert ist. Bei einem geplanten Hinterhalt für den Vietcong muss Taylor die erste Wache übernehmen und wird von Junior, einem anderen Soldaten, abgelöst. Dieser schläft ein, wodurch ein Überraschungsangriff der Vietcong ermöglicht wird. Zwei Soldaten sterben und die Schuld wird Taylor zugesprochen, welcher beim Angriff verwundet wird. Er kehrt zu seinem Platoon zurück und freundet sich mit einigen der Soldaten an. Einer davon lädt ihn am Abend in einen Bunker ein, wo mehrere Soldaten, darunter Sergeant Elias, verschiedene Drogen konsumieren. Taylor wird in diese Gruppe, genannt „Potheads“, aufgenommen, welche dafür bekannt ist, in der Freizeit Drogen zu nehmen. Parallel dazu existiert eine Gruppe um Sergeant Barnes, welche ihrerseits grosse Mengen an Alkohol konsumieren und durch ein besonders brutales Vorgehen im Krieg auffallen. Bei einem Einsatz in einem vietnamesischen Dorf kommt es zum Bruch zwischen den beiden Gruppen. Da im Dorf Personen, Waffen und Lebensmittel versteckt werden, verdächtigen die US-Soldaten die Dorfbewohner den Vietcong zu unterstützen. Beim Verhör der Bewohner gehen die Soldaten sehr brutal vor, besonders Sergeant Barnes, welcher die Frau des Dorfoberhaupts tötet und dessen Tochter bedroht. Bei der Ankunft von Sergeant Elias und seinen Leuten kommt es zu einer Prügelei zwischen Elias und Barnes, da Elias schockiert ist über Barnes’ Vorgehen und deshalb das Verhör beendet. Da Elias den Vorfall später meldet, sind die Lager definitiv gespalten, weil die eine Hälfte der Soldaten zu Elias und die andere zu Barnes hält. Bei einem Kampfeinsatz am folgenden Tag wird Elias vom restlichen Platoon getrennt. Als die US-Truppen zurückgedrängt werden und unter schwerem Beschuss stehen, ordnet Barnes einen Rückzug an und sagt, er wolle Elias selber suchen gehen. Als er Elias findet, schiesst Barnes auf ihn und erklärt Taylor später, dass Elias von Vietnamesen erschossen worden wäre. Als das Platoon mit einem Helikopter aus dem Kampfgebiet fliegt, erscheint Elias, welcher von zahlreichen Vietnamesen verfolgt wird. Während der Helikopter die Überlebenden wegbringt, wird Elias von den Vietnamesen getötet. Taylor weiss nun aber, dass er von Barnes angelogen wurde. In der Basis kommt es deswegen zu einer Auseinandersetzung zwischen Barnes und Taylor, wobei die restlichen Soldaten nur knapp verhindern können, dass Taylor von Barnes getötet wird. In den Folgetagen wird eine Grossoffensive der Vietnamesen erwartet. Als es zu dieser kommt, sind die amerikanischen Streitkräfte überfordert. Die Air Force bekommt den Befehl Napalm über die eigenen Stellungen abzuwerfen. Im Gefecht begegnen sich Taylor und Barnes, worauf Letzterer erneut versucht Taylor zu töten. Dieser Versuch wird durch Bombeneinschläge unterbunden. Am nächsten Morgen findet Taylor den verwundeten Barnes und erschiesst ihn. Später wird Taylor aus dem Kriegsgebiet ins Lazarett geflogen. Für ihn ist der Krieg vorbei.[2]

2.3 Full Metal Jacket

Die Handlung von Full Metal Jacket ist in zwei Teile aufgegliedert. Der erste Teil spielt in einem Ausbildungszentrum der US-Marines auf Parris Island, während der zweite Teil in Vietnam selber spielt. Auf Parris Island ist Gunnery Sergeant Hartman Ausbildner einer Gruppe von jungen Männern. Er beschimpft die Rekruten permanent und drückt sich im Allgemeinen vor allem in einer vulgären Fäkalsprache aus. Dazu gibt er den Männern Spitznamen und nennt sie Private „Cowboy“ oder Private „Joker“. Am meisten unter ihm zu leiden hat Leonard Lawrence, ein übergewichtiger junger Mann, welcher sowohl körperlich, wie auch geistig schwächer ist, als die restlichen Rekruten. Er wird von Gunnery Sergeant Hartman als Private „Pyle“ bezeichnet und wird noch stärker schikaniert, als alle anderen Rekruten. Als es offensichtlich scheint, dass „Pyle“ die Ausbildung nicht alleine übersteht, zwingt Hartman Private „Joker“ ihm zu helfen. Mit „Jokers“ Hilfe beginnt „Pyle“ Fortschritte zu machen. Allerdings bestraft Hartman mittlerweile nicht nur „Pyle“ wenn er einen Fehler macht, sondern stellvertretend für ihn auch alle anderen Rekruten. Als sich so eine Bestrafung wiederholt, wird „Pyle“ von den anderen Rekruten – darunter auch „Joker“, welcher zunächst Zweifel am Plan der anderen hat – mit in Handtüchern gewickelten Seifenstücken verprügelt. „Pyle“ macht auch weiterhin Fortschritte, beginnt aber sich seltsam zu verhalten. In der letzten Nacht, bevor die Rekruten nach Vietnam fliegen sollen, muss „Joker“ die Nachtwache halten. Er findet „Pyle“ auf der Gemeinschaftstoilette vor, wie er mit seinem Gewehr spricht. Als Hartman eintrifft und erneut beginnt „Pyle“ zu beleidigen, erschiesst dieser zunächst Hartman und dann sich selber, während „Joker“ hilflos zusehen muss. Damit endet der Teil auf Parris Island.

In Vietnam selber ist „Joker“ Kriegsberichterstatter für die Armeezeitung „Stars & Stripes“. Nach der „Tet-Offensive“ sollen „Joker“ und Raftermann, ein anderer Kriegsberichterstatter, aus der zerstörten Stadt Hue berichten. Dort angekommen trifft „Joker“ „Cowboy“ wieder und lernt dabei die Mitglieder aus „Cowboys“ Einheit kennen. In den folgenden Sequenzen werden die Mitglieder der Einheit, sowie „Joker“ und Raftermann von Fernsehteams zu ihrer Meinung bezüglich des Vietnamkriegs interviewt. Etwas später gerät die Einheit in einen Hinterhalt, wobei zunächst ein Mitglied der Einheit von einem Scharfschützen verwundet wird, darauf auch ein weiterer Soldat als er versucht den ersten zu retten. „Cowboy“ versucht vergebens Unterstützung zu bekommen und ordnet darauf einen Rückzug an, was bedeuten würde, die beiden Verwundeten ihrem Schicksal zu überlassen. „Animal Mother“, ein weiteres Mitglied der Einheit, widersetzt sich „Cowboy“ und schafft es die Soldaten in eine Position zu bringen, von wo aus sie den Scharfschützen in einen Hinterhalt locken können. Dabei wird „Cowboy“ allerdings auch getötet. „Animal Mother“, „Joker“ und der Rest der Einheit schaffen es von hinten in das Gebäude einzudringen, in dem sich der Scharfschütze befindet. Es handelt sich dabei um ein junges, vietnamesisches Mädchen. Raftermann verwundet sie. Während die Soldaten um das Mädchen herum stehen, betet sie und fordert „Joker“ auf sie zu töten, worauf dieser das auch tut. Zuletzt sieht man den Rest der Einheit, wie sie sich auf dem Rückweg befinden und den „Mickey-Mouse-March“ singen.[3]

3. Der Vietnamkriegsfilm

Bevor die Filme im Einzelnen analysiert werden, lohnt sich zunächst einmal den Vietnamkriegsfilm oder Vietnamfilm, als Subgenre des Kriegsfilms zu definieren und zu eruieren welchen Stellenwert und welche Bedeutung solche Filme haben.

Der Vietnamkrieg war ein Krieg der Bilder, wie es ihn zuvor so noch nie gab. Die Medien waren vor Ort so stark vertreten wie noch nie und in den USA konnte man jeden Abend im Fernsehen Bilder und Berichte von den einzelnen Kriegsschauplätzen sehen.[4] Wie stark die mediale Präsenz war und welchen Einfluss sie hatte, sieht man an der Theorie, dass der Vietnamkrieg primär an der Heimatfront, speziell durch Universitäten und eben Medien verloren wurde. Anhänger dieser Theorie warfen den Medien vor, dass sie ein verzerrtes Bild des Kriegs präsentierten und so die Bereitschaft in der Bevölkerung reduzierten die Truppen politisch, moralisch und wirtschaftlich zu unterstützen. Allerdings waren die meisten Medien vor der „Tet-Offensive“ 1968 tendenziell eher für den Krieg. Es gab zwar leichtere Kritik in einigen Zeitungen, welche aber nie so gross war, dass man daraus eine Aufforderung zum Rückzug aus Vietnam hätte ableiten können. Das Fernsehen zeigte zu Beginn auch keine Bilder von Kampfhandlungen, sondern präsentierte vermehrt Generäle, welche optimistische Prognosen abgaben. Erst als der Krieg länger andauerte und Kriegsgegner in der Bevölkerung stark zunahmen, bekamen sie auch in den Medien eine stärkere Präsenz.[5] Besonders die „Tet-Offensive“ war ein Wendepunkt in der medialen Berichterstattung, da diese, obwohl sie niedergeschlagen wurde, die Stärke des Feindes demonstrierte und so zeigte, dass die vorherige Berichterstattung manipulativ und von den amerikanischen Streifkräften gesteuert war. Der endgültige Sieg, welcher kurz bevorstehen sollte, war nur in den Medien vorhanden. Die kritischere Haltung in den Medien ging so weit, dass Walter Kronkite, einer der berühmtesten Fernsehmoderatoren der USA, den Präsidenten via Bildschirm aufforderte Waffenstillstandsverhandlungen aufzunehmen. Als das Massaker von „My Lai“ publik wurde, verstärkte sich die Kritik am Vorgehen der US-Streitkräfte. Dabei wurden zahlreiche der Gräueltaten der US-Soldaten in den Medien nach wie vor tabuisiert.[6] Dennoch war diese, so noch nie dagewesene Präsenz der Medien vielen Menschen, besonders auch den US-Streitkräften, ein Dorn im Auge. Umfragen unter den amerikanischen Generälen in Vietnam ergaben, dass 51% der Generäle vor Ort der Meinung waren, dass die Berichterstattung der Zeitungen in einzelnen Fällen gut war, aber dass der Grossteil der Zeitungen unverantwortlich handelte. 38% der Generäle gingen sogar so weit und behaupteten, dass die Gesamtheit der Zeitungen unverantwortlich war und störend für die amerikanischen Bemühungen in Vietnam. Was die Fernsehberichterstattung betrifft, waren 39% der Generäle der Meinung, dass diese Art von Berichterstattung keine gute Sache war, da vieles aus dem Kontext gerissen und so präsentiert wurde. 52% der Generäle waren sogar der Meinung, dass die Fernsehberichterstattung nur auf Sensationen aus war und dadurch kontraproduktiv für den Fortschritt des Krieges.[7] Die Tatsache, dass der Vietnamkrieg medial so vertreten war, wie kein anderer Krieg zuvor, liess sowohl in der Bevölkerung, wie auch im Militär einen bleibenden Eindruck zurück.

Dass die Bevölkerung sozusagen „live“ beim Krieg zusehen konnte, auch wenn die Art der Berichtserstattung sich im Lauf der Zeit wandelte, erschwerte die Darstellung der Ereignisse in Filmen. Man war als Drehbuchautor, Regisseur und Produzent eingeschränkt in der Präsentation des Krieges, da die Menschen wussten, wie es in etwa aussah in Vietnam. So wurden in Hollywood, anders als im 2. Weltkrieg und Koreakrieg, kaum Anstrengungen unternommen, die Filme in den Diskurs der Unterhaltung einzubetten.[8] Es existierten verschiedene Arten von Darstellungen. In Hollywood selber sind einerseits die Filme zu nennen, welche selber in Vietnam und im Krieg spielten, wie Apocalpyse Now Redux, Full Metal Jacket oder auch Platoon. Andererseits aber auch Filme über Veteranen des Vietnamkriegs wie Rambo – First Blood (Ted Kotcheff, USA 1982) oder Taxi Driver (Martin Scorsese, USA 1976), welche in den USA spielten und den Vietnamkrieg als Basis und Hintergrund der Handlung hatten, aber nicht ins Zentrum stellten. Erkennbar war allerdings, dass die psychische Verfassung der Hauptprotagonisten dieser Filme durch den Krieg stark beeinflusst wurde. Ferner sind im Kontext der Vietnamkriegsfilme solche zu erwähnen, welche während des Kriegs produziert wurden, um die Moral und die Kampfkraft der Truppen aufrecht zu erhalten. In Nordvietnam wurden über 200 solcher Filme produziert. Auf Seiten der Südvietnamesen und der USA hingegen gab es nur sehr wenige solcher Filme.[9] Einer der wenigen Filme dieser Art war The Green Berets (John Wayne, USA 1968), welcher ein antikommunistischer Propagandafilm war, der aber mehr dazu gedacht war den Truppen an der Heimatfront Rückendeckung zu verschaffen, als vor Ort die Moral und Motivation zu verstärken.[10] Filme, welche allgemein im Kontext zum Vietnamkrieg stehen, gibt es offensichtlich zahlreiche. Deshalb soll hier der Fokus speziell auf diejenigen gelegt werden, welche explizit in Vietnam zur Zeit des Krieges spielen und aus Hollywood stammen. Dazu gehören auch die drei in der Arbeit untersuchten Filme.

[...]


[1] Vgl. Coppola, Apocalypse Now Redux.

[2] Vgl. Stone, Platoon.

[3] Vgl. Kubrick, Full Metal Jacket.

[4] Vgl. Reinecke, Hollywood goes Vietnam, S. 7.

[5] Vgl. Frey, Geschichte des Vietnamkriegs, S. 150–159.

[6] Vgl. Wende, Filme die Geschichte(n) erzählen, S. 120–122.

[7] Vgl. Kinnard, The War Managers, S. 132–133.

[8] Vgl. Reinecke, Hollywood goes Vietnam, S. 7.

[9] Vgl. Steininger, Der Vietnamkrieg, S. 101–104.

[10] Vgl. Reinecke, Hollywood goes Vietnam, S. 7.

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Der Vietnamkrieg in Hollywoodfilmen
Hochschule
Universität Zürich  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Forschungsseminar: Medien des Krieges. Wahrnehmung, Kommunikation und Erinnerung, 1850-2000.
Note
5.5 (Schweizer Benotung)
Autor
Jahr
2012
Seiten
35
Katalognummer
V203363
ISBN (eBook)
9783656299257
ISBN (Buch)
9783656300359
Dateigröße
530 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
vietnamkrieg, hollywoodfilmen
Arbeit zitieren
Josip Lasic (Autor), 2012, Der Vietnamkrieg in Hollywoodfilmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/203363

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