Der Weg zu Chlodwigs Taufe und die politische Tragweite für Europa


Hausarbeit, 2003

13 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Das Frankenreich von Chlodwigs Amtsantritt bis zum Taufversprechen bei der Alamannenschlacht
2.1. Die fränkische Expansion bis zur Loire
2.2. Theoderichs Bündnissystem und der katholisch- arianische Dualismus
2.3. Gotteszeichen: Die Taufen von Chlodwigs Söhnen und die Alamannenschlacht

3. Chlodwigs Taufe und ihre möglichen Motive
3.1. Religiöse Überzeugung
3.2. Politisches Kalkül

4. Folgen der Taufe

5. Schluss

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mit der Völkerwanderung und dem Untergang des römischen Reiches ergaben sich in Europa neue Mächtekonstellationen. Von den umherziehenden Germanenstämmen waren die West- und Ostgoten, Vandalen, Burgunder, Alamannen und vor allen die Franken für die weitere Entwicklung Europas historisch am bedeutsamsten. Zusammen mit dem Untergang Roms wurde auch die Bedeutung der katholischen Kirche zunächst zurückgedrängt, dafür trat das von den meisten Germanenvölkern vertretene arianische Christentum in den Vordergrund. Mit der Entstehung und Ausbreitung des Frankenreiches unter dem Merowingerkönig Chlodwig, seiner katholischen Taufe und der anschließenden Christianisierung zunächst der Franken, anschließend aller Germanen wurde das Abendland entscheidend geprägt. Das Ziel dieser Hausarbeit ist es, einen Überblick über die Ereignisse zu geben, die zur Taufe von Chlodwig geführt haben und welche Folgen diese Entscheidung für die weitere Entwicklung Europas mit sich brachte. In einem ersten darstellenden Teil sollen die Ereignisse vor der Taufe geschildert werden. Der zweite Abschnitt beschäftigt sich mit der Frage, warum sich Chlodwig für die katholische Taufe entschieden hat. War es seine persönliche religiöse Entscheidung, war er vom Glauben überzeugt? Oder war es nur eine machtpolitische Entscheidung, die er für die Erreichung seiner Zielsetzung als förderlich hielt? Der dritte Teil behandelt die Folgen der Taufe, die sich für Europa ergaben.

Eine Übersicht über die Thematik geben die Werke von Arnold Angenendt1, Karlheinz Deschner2, Eugen Ewig3, Albert Hauck4 und Knut Schäferdiek5. Derselbe beschreibt in einem Aufsatz die religiösen Beweggründe, die zur Taufe geführt haben, aus der Perspektive des taufenden Bischofs Remigius von Reims6. Die Taufe und ihre Folgen beschreiben Arnold Angenendt7, Alain Dierkens8 und Michel Rouche9. Es gibt nur wenige zeitgenössische oder zeitlich nahstehende Quellen, die eindeutige Informationen aus der Regierungszeit von Chlodwig 481/482 - 511 n.Chr. liefern. Allen voran ist Gregor von Tours10 zu benennen, der ca. 80 Jahre später zu Ehren von Chlodwig ein Äparteiisches Zeugnis“11 verfasst hat, das Historiarum Libri X12, das allerdings die einzige Quelle ist, die einen durchgehenden Bericht über Chlodwigs gesamte Regierungszeit gibt. Briefe des Bischof Nicetius von Trier13 scheinen die Chronologie Gregors zu bestätigen, allerdings war ihm nicht an einer exakten Reihenfolge der Ereignisse gelegen14. Die Berichte von zwei Zeitgenossen Chlodwigs, Avitus von Vienne15 und Cassiodor16 lassen allerdings von Gregors Chronologie abweichende Datierungen vermuten. Aufgrund der geringen Quellenlage gibt es in der Forschung bis heute Diskussionen über die genaue Datierung der wichtigsten Ereignisse, die der Taufe vorausliefen: Chlodwigs Hochzeit mit der katholischen burgundischen Prinzessin Chrodechilde, sein Taufversprechen bei der Alamannenschlacht und die Begegnung mit dem Martinskult, schließlich ist auch das Taufdatum selbst noch nicht sicher geklärt. Es haben sich zwei Lager gebildet: Die Vertreter des einen vertrauen auf die Datierungen des Gregor von Tours und setzen das Taufdatum zwischen 496 und 500 an, die Vertreter des anderen datieren die Taufe auf 506 oder 508. Die Argumentationen beider Lager erscheinen plausibel, endgültig bewiesen werden können nach heutiger Quellenlage aber beide nicht17.

2. Das Frankenreich von Chlodwigs Amtsantritt bis zum Taufversprechen bei der Alamannenschlacht

2.1. Die fränkische Expansion bis zur Loire

Der Merowinger Chlodwig folgte im Alter von 15 Jahren nach dem Tod seines Vaters Childerich 481 / 482 auf den Königsthron der salischen Franken18. In den folgenden Jahren führte er zahlreiche Kriege, die aus dem anfänglich kleinen salischen Teilreich um Tournai ein großes Frankenreich machen sollten. Einen wichtigen Sieg erlangte er in der Schlacht von Soissons 486 / 487 gegen den Romanenkönig Syagrius, der den letzten Rest römischer Herrschaft in Gallien repräsentierte19. Damit hatte Chlodwig die Grenzen im Süden bis an die Loire vorgeschoben, im Osten wurde das Reich durch die Maas abgegrenzt. In diesen eroberten Gebieten stand nun eine Mehrheit von Romanen, die dem seit der Herrschaft Theodosius20 auch in Gallien offiziell zur Staatsreligion erklärten Christentum angehörten, einer heidnischen Minderheit gegenüber. Chlodwig wollte diese Gebiete dauerhaft in das fränkische Reich eingliedern, deshalb musste er Konflikte mit der Bevölkerung vermeiden. Daher wurde sie nicht verdrängt oder unterdrückt; eine Beeinträchtigung des Privatbesitzes an Grund und Boden unterblieb, das römische Privatrecht behielt seine Geltung21. Diese gemäßigte Politik den Besiegten gegenüber hatte zur Folge, dass auch für die Kirche der Bestand, das Recht und der Besitz gesichert waren. Ein direktes Zeugnis dieser Zeit ist ein Brief von Remigius, dem Bischof von Reims, an Chlodwig. Er schreibt: ÄSeine Bischöfe möge er in Ehren halten und sich ihres Rates bedienen. Stehe er mit ihnen in gutem Einvernehmen, werde es auch in seinem Amtsbereich zum Besten stehen“22. Mit diesem Schreiben bot Remigius die Zusammenarbeit des Episkopats23 an in der Hoffnung, den Bestand und Einflussbereich der katholischen Kirche weiter zu sichern24. Fraglich war nun, ob in einem Land dauerhaft zwei Völker mit unterschiedlichen Religionen, die einen christlich, die anderen Heiden, nebeneinander friedlich leben konnten. Während der Eroberung kam es in bezwungenen Städten zu Plünderungen, bei denen auch die Kirchen nicht ausgelassen wurden. Chlodwigs schon frühe Sympathie der Kirche gegenüber zeigte sich darin dass er bemüht war Kirchenschätze zurückzuhalten und den Bischöfen zurückzugeben25.

2.2. Theoderichs Bündnissystem und der katholisch- arianische Dualismus

Mit der Reichserweiterung bis zur Loire kamen die Franken, die bisher nur Kontakte mit der nordgallischen Bevölkerung hatten, in ÄBerührung mit der gotisch- arianischen Welt der Mittelmeer- und Donaugermanen“26. Theoderich27, König der Ostgoten, der versuchte, ein pangermanisches Bündnissystem einzurichten dem bisher die Westgoten in Spanien und Südfrankreich, die Sweben in Spanien und die Burgunder in Ostfrankreich beigetreten waren, wollte auch die Franken für dieses Bündnissystem gewinnen. Durch Heiraten zwischen den Familien der Reichsoberen wollte er ein System gegenseitiger dynastischer Beziehungen aufbauen28. In der Chronologie des Gregor von Tours heiratete Chlodwig Anfang der 90er Jahre des fünften Jahrhunderts die burgundische katholische Prinzessin Chrodechilde, Theoderich selbst vermählte sich 494 mit Audofleda, der Schwester Chlodwigs. Dessen ältester Sohn aus einer Verbindung vor Chrodechilde ist eventuell wegen dieser Beziehungen nach Theoderich benannt29. Eine weiterer Maßnahme in Theoderichs Stabilitätspolitik war der Versuch, Chlodwig für das arianische Christentum30, dem bereits die Ost-/ Wesgoten, die Vandalen in Nordafrika und Burgunder angehörten, zu werben31. Eine Bekehrung zum Arianismus hätte für Chlodwig allerdings negative innenpolitische Folgen gehabt; es hätte zur Verstimmung des gallischen Episkopats und Differenzen mit der überwiegend katholischen Bevölkerung geführt. Der formale Beitritt zu Theoderichs Bündnissystem hätte die Aufnahme in den Kreis der germanischen Großkönige bedeutet. Dadurch wäre zwar der geopolitische Status Quo anerkannt gewesen, allerdings hätten die Franken hinter der führenden Stellung der Goten gestanden32, so blieb Chlodwig vorerst Heide. Seine eindeutige Entscheidung gegen ein solches dauerhaftes Bündnis und gegen den Arianismus, damit wiederum eine Vorentscheidung für den Katholizismus, zeigte sich in zwei Kriegen, die er Ende der 90er gegen Aquitanien33, wenn auch erfolglos, führte34.

[...]


1 Angenendt, Arnold: Das Frühmittelalter. Die abendländische Christenheit von 400 bis 900, Stuttgart 1990.

2 Deschner, Karlheinz: Kriminalgeschichte des Christentums. Vierter Band, Frühmittelalter. Von König Chlodwig I. (um 500) bis zum Tode Karls Ädes Großen“ (814). Reinbeck bei Hamburg, 1994.

3 Ewig, Eugen: Die Missionsarbeit der lateinischen Kirche, in: Jedin, Hubert (Hrsg.): Handbuch der Kirchengeschichte, Band 2. Die Reichskirche nach Konstantin dem Großen. Zweiter Halbband: Die Kirche in Ost und West von Chalkedon bis zum Frühmittelalter (451 - 700). Zweite (unveränderte) Auflage, Freiburg im Breisgau 1975, S. 95 - 179.

4 Hauck, Albert: Kirchengeschichte Deutschlands. Erster Teil, neunte, unveränderte Auflage, Berlin 1958.

5 Ewig, Eugen / Schäferdiek, Knut: Christliche Expansion im Merowingerreich, in: Frohnes, Heinzgünter / Gensichen, Hans- Werner / Kretschmar, Georg (Hrsg.): Kirchengeschichte als Missionsgeschichte. Die Kirche des frühen Mittelalters. Erster Halbband, München 1978, S. 116 - 145.

6 Schäferdiek, Knut: Remigius von Reims. Kirchenmann einer Umbruchszeit, in: Fink, Karl August / Meuthen, Erich / Obermann, Heiko A. u. A. (Hrsg.): Zeitschrift für Kirchengeschichte, 94. Band 1983, Vierte Folge XXXII, S. 256 - 278, Stuttgart u. a. 1983.

7 Angenendt, Arnold: Kaiserherrschaft und Königstaufe. Kaiser, Könige und Päpste als geistliche Patrone in der abendländischen Missionsgeschichte, Berlin / New York 1984.

8 Dierkens, Alain: Die Taufe Chlodwigs, in: Menghin, Wilfried / Périn, Patrick u.A. (Hrsg.): Die Franken - Wegbereiter Europas. Vor 1500 Jahren: König Chlodwig und seine Erben, S. 183 - 191, Mainz 1996.

9 Rouche, Michel: Die Bedeutung der Taufe Chlodwigs, in: Menghin, Wilfried / Périn, Patrick u.A. (Hrsg.): Die Franken - Wegbereiter Europas. Vor 1500 Jahren: König Chlodwig und seine Erben, S. 192 - 199, Mainz 1996.

10 538 - 594, seit 573 Bischof von Tours, Geschichtsschreiber (Historia Francorum)

11 Pietri, Luce: Die Durchsetzung des nicänischen Bekenntnisses in Gallien, in: Mayeur, Jean- Marie / Pietri, Charles und Luce u. A. (Hrsg.): Die Geschichte des Christentums. Der lateinische Westen und der byzantinische Osten (431 - 642); Freiburg im Breisgau, 2001., S. 354.

12 Buchner, Rudolf (Hrsg.): Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters. Gregor von Tours. Zehn Bücher Geschichten. Erster Band: Buch 1-5, 4., durchgesehene und berichtigte Auflage, Darmstadt 1970.

13 490 - 566 n.Chr., Bischof von Trier seit 525/6

14 Pietri, S. 357.

15 494 - 518 n.Chr. Metropolit in Vienne.

16 Ca. 490 - 583 n.Chr., publizierte offiziell im Auftrag seines Königs Theoderich Erlasse und Briefe

17 Pietri, S. 360.

18 Hauck, S. 103.

19 Ewig / Schäferdiek, S. 119.

20 Augustus von 379 - 395 n. Chr.

21 Hauck, S. 104.

22 Schäferdiek, S. 262.

23 Gesamtheit der Bischöfe

24 Ewig / Schäferdiek, S. 121.

25 Dierkens, S. 185.

26 Ewig, S. 104.

27 455 - 526 n. Chr.

28 Ewig / Schäferdiek, S. 119.

29 Ewig / Schäferdiek, S. 120.

30 Der Arianismus erkennt nicht die Trinität (Dreifaltigkeit Vater - Sohn - Heiliger Geist) an; Jesus sei von Gott geschaffen; zwar eine besondere Person, aber nicht wesensgleich mit Gott.

31 Pietri, S. 364.

32 Ewig, S. 104.

33 Südwestfrankreich; der französische Teil des Westgotenreiches.

34 Ewig / Schäferdiek, S. 120.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Der Weg zu Chlodwigs Taufe und die politische Tragweite für Europa
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
13
Katalognummer
V203368
ISBN (eBook)
9783668325425
ISBN (Buch)
9783668325432
Dateigröße
595 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Chlodwig, Taufe, Christianisierung, Christentum, Franken
Arbeit zitieren
Magister Artium Sebastian Lucius (Autor:in), 2003, Der Weg zu Chlodwigs Taufe und die politische Tragweite für Europa, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/203368

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