Hüter der Erinnerung (Lowis Lowry)


Seminararbeit, 2003

23 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Die Autorin

II. Zum Inhalt

III. Zum Thema des Romans

IV. Der Begriff Utopie

V. Sciencefiction in der Schule

VI. „Der Hüter der Erinnerungen“ im Unterricht

VII. Anhang

VIII. Literaturverzeichnis

I. Die Autorin

Lois Lowry wurde 1937 als Tochter eines Zahnarztes der US - Armee in Hawaii geboren. Bedingt durch seinen Job war die Familie sehr viel auf Reisen. Lois Lowry lebte unter anderem in New York und Pennsylvania und besuchte die Junior High School in Tokio. Bereits mit 19 Jahren, heiratete sie und war im Alter von 26 Jahren Mutter von 4 Kindern. Erst mit über 30 begann sie Literatur und Fotographie zu studieren und als Autorin tätig zu werden. Heute lebt sie abwechselnd in Boston und einem kleinen Ort in New Hampshire.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Lois Lowry sagt über sich selbst, sie habe schon sehr früh lesen gelernt und ihre Freizeit lieber mit Büchern als auf dem Sportplatz mit anderen Kindern verbracht. Aus diesen Umständen heraus habe sich, ihrer eigenen Aussage zu Folge, ihr frühes und ausgeprägtes Gefühl für Sprache entwickelt.

Häufig wurde sie zum Thema oder der Aussage ihrer eigenen Bücher befragt, mit der Antwort, dass all ihre Romane zweifelsohne einen tieferen Hintergrund – eine Botschaft haben - doch sei es keineswegs der Fall, dass sie sich als Autorin vor dem Schreiben überlege, was das folgende Buch dem Leser mit auf den Weg geben solle. Die Bedeutung entstünde, so Lowry, aus der Geschichte selbst – und das eigentliche und wichtigste Ziel ihrer Arbeit sei, Geschichten zu erzählen[1].

In Amerika erschien Lois Lowrys Jugendbuch „The Giver“ bereits 1993. Hochgelobt wurde es mit dem wichtigsten Jugendbuchpreis, der Newbery Medal ausgezeichnet. In Deutschland kam es 1994 unter dem Titel „Der Hüter der Erinnerung“ auf den Markt.[2][3]

II. Zum Inhalt

Ein Traum, den vermutlich viele Menschen haben: Eine Welt ohne Krieg und Angst, ohne Verbrechen und Pflichtverletzungen, ohne Hass und Verachtung.

Für den 11jährigen Jonas ist eine solche Welt Alltag, er lebt in einer derartigen „perfekten“ Gesellschaft. Sein eigenes, und das Leben aller anderen Mitglieder seiner „Gemeinschaft“, ist ohne Lücken bis in das kleinste Detail geplant und wird von einem Komitee organisiert und bewacht. Individuelle Entscheidungen gibt es nicht, die Welt ist farblos, Haut und Haare der Menschen weisen keine Unterschiede auf, Schmerz, Hass, Wut, Zuneigung, Unwohlsein und sexuelle Empfindungen, nahezu alle Regungen, die eine Gemeinschaft gefährden könnten, werden durch Medikamente neutralisiert. Der Alltag wird durch Kameras bewacht und Gefühle und Träume im Familiengespräch bis in jede Einzelheit durchgesprochen, damit zerstörerische Empfindungen wie Wut, Hass oder Eifersucht schon bei den jüngsten Gesellschaftsmitgliedern neutralisiert werden.

Bei der Erziehung der Kinder wird auf eine besonders prägnante Sprachverwendung geachtet, kleinste Übertreibungen was die Äußerung von Bedürfnissen angeht, oder grammatikalische Ungenauigkeiten werden von Anfang an hart bestraft. Was zählt sind sachliche und klare Inhalte.

Ehepartner und Kinder werden zugeteilt und wenn die Kinder erwachsen sind leben die Eltern eine Zeitlang mit anderen kinderlosen Erwachsenen zusammen, bevor sie im Altenzentrum noch einige Zeit verbleiben und schließlich, wie allgemein bezeichnet, „freigegeben“ werden. Kein Platz für persönliche Entwicklung! Von einer Geburtsstation aus, in der Gebärerinnen 50 Kinder pro Jahr zur Welt bringen, entwickeln sich die Babys zunächst in einer Säuglingsstation, bis sie nach etwa einem Jahr den Familien zugewiesen werden. Für die Säuglinge beginnt mit dieser Zeremonie neben der Namensgebung auch die Aufnahme in das gemeinschaftliche Leben. Ab diesem Zeitpunkt folgen jährliche Zeremonien, bei denen die Kinder – feierlich und vor den Augen der gesamten Gemeinschaft - in die nächst höhere Altersstufe aufgenommen werden und dabei mit mehr oder weniger großen Privilegien ausgestattet werden: Für die „Achter“ gibt es eine neue Jacke, die „Neuner“ bekommen ein Fahrrad, die „Zehner“ einen neuen Haarschnitt und es gibt neue Kleidung für die „Elfer“. Die wichtigste und für die Kinder aufregendste Zeremonie ist die der „Zwölfer“, denn in ihrem 12. Lebensjahr wird den Kindern je nach Begabung und Interesse der Beruf vom Komitee zugeteilt, den sie als Erwachsene ausüben werden. Für Jonas, der mit seiner Schwester Lily, seinem Bruder Gabriel und seinen Freunden Asher und Fiona in dieser „zweidimensionalen“ Welt ohne Individualität lebt, verändert sich durch diese letzte Zeremonie sein ganzes, bisher so gut durchorganisiertes Leben. Nach gründlicher und eingehender Beobachtung haben die Mitglieder des Komitees, der Ältestenrat, in Jonas einen ganz besonderen Menschen mit einzigartigen Fähigkeiten erkannt: Intelligenz, Unbescholtenheit und Tapferkeit[4]. Drei Eigenschaften, die man haben muss um die Ausbildung zum „Hüter der Erinnerungen“ antreten zu können.

Jonas sind schon früher an sich selbst Besonderheiten aufgefallen, die er nicht beschreiben konnte. Der Hüter nennt diese Eigenschaft das „Überdiedingehinaussehen“. Diese Fähigkeiten wird Jonas während den nächsten Monaten bei dem Hüter weiter ausbauen und ihre weitreichende Bedeutung erkennen.

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Die Arbeit des Hüters ist, wie Jonas im Laufe seiner Ausbildung erfahren wird, für die Mitglieder der Gemeinschaft die wichtigste überhaupt. Er hat die Aufgabe alle Erinnerungen der Geschichte in sich zu bewahren. Nach und nach überträgt der jetzige Hüter Jonas Erinnerungen an längst vergangene Zeiten, an eine Welt in der die Alten zusammen mit ihren Familien lebten, in der es Farben gab, unterschiedliche Hautfarben und das glückliche Gefühl, als individuelle Person etwas einzigartiges und besonderes zu sein. Jonas lernt Schnee und Sonnenschein kennen, erfährt Wärme und Liebe, alles das, wovon die Gemeinschaft wie durch eine große Käseglocke abgeschirmt wurde. Doch neben all diesen beglückenden Empfindungen muss Jonas auch lernen mit Erinnerungen an Krieg, Hass, Diskriminierung, Schmerz und Tod fertig zu werden. Häufig kommt der Junge sehr verwirrt nach Hause und ist empört über die Armseeligkeit jenes gefühlsbeschnittenen Lebens, wie es die Mitglieder der Gemeinschaft führen. Lily erzählte beispielsweise beim Abendessen einmal von einem Tageserlebnis, an dem sie Wut auf ein anderes Kind spürte, „aber Lily hatte gar keine Wut verspürt, wie Jonas jetzt feststellte. Eine oberflächliche Ungeduld und Entrüstung, das ja. Davon war er überzeugt, denn er wusste inzwischen, was wahre Wut war. Durch die Erinnerungen hatte er Ungerechtigkeiten und Grausamkeiten kennen gelernt, auf die er mit echter Wut reagiert hatte, die so heftig und ungestüm war, dass alleine der Gedanke, dieses Gefühl in aller Seelenruhe beim Abendessen zu besprechen, völlig undenkbar war.“[5]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Neben diesen Erfahrungen stößt Jonas auf ein schreckliches Geheimnis und erfährt, was es mit dem angeblich so harmlosen Vorgang des „Freigebens“ auf sich hat. Sein kleiner Bruder Gabriel, der sich – obwohl er noch ein Baby ist - den Ansprüchen der Gemeinschaft entsprechend nicht altersgemäß verhält, soll freigegeben werden. Als zukünftiger Hüter hat Jonas Zugriff auf die geheimen Videos, die von jeder Freigebung angefertigt werden. Auf einem dieser Tapes wurde die Freigebung eines Säuglings aufgezeichnet: Jonas muss mit ansehen wie sein eigener Vater, der Säuglingspfleger ist, dem Baby eine tödliche Injektion verabreicht und den kleinen Körper, in einem Karton verpackt, entsorgt. In diesem Moment trifft Jonas die Entscheidung, ein Leben wie es in der Gemeinschaft geführt wird nicht länger zu akzeptieren. Um Gabriel zu retten macht er sich mit dem Baby auf den Weg nach „Anderswo“, eine gefährliche Reise, deren Folgen für die Mitglieder der Gemeinschaft nicht einfach zu verkraften sein werden. Durch seine Flucht werden die ihm übertragenen Erinnerungen zur Gemeinschaft zurückkehren und die Menschen dadurch mit Gefühlen konfrontiert, mit denen sie niemals gelernt haben umzugehen. Am Ende bleibt offen, ob Jonas verantwortungsvolles Handeln mit Erfolg gekrönt wird. Sowohl das Schicksal der beiden Jungs, als auch das der zurückgebliebenen Gemeinschaft bleiben offen, so dass jeder Leser die Möglichkeit hat der Geschichte ein eigenes Ende zu geben.[6]

III. Zum Thema des Romans

Seit den 80ger/ 90ger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts ist es keine Besonderheit mehr, dass Sciencefiction Romane auch die Kinderzimmer erobern. Zunächst richtete sich diese Art von phantastischer Literatur mehr an die erwachsene Leserschaft, für Kinder gab es Märchen oder realistische, erzieherisch wertvolle Geschichten. Den Höhepunkt der phantastischen Kinder- und Jugendliteratur machen wohl die erfolgreichen Bücher von Michael Ende deutlich. „Momo“ und der junge Bastian aus der „Unendlichen Geschichte“ eroberten die Kinderherzen im Sturm und trotzten den konkurrierenden Medien wie Fernsehen und Computerspielen[7]. Ein Grund dafür könnten neben den spannenden Geschichten auch die jugendlichen Hauptdarsteller sein, die mit Mut und Tapferkeit Abenteuer in – für die lesenden Kinder – unvorstellbar weit entfernten, phantastischen Welten, bestehen. Die jugendlichen Protagonisten sind jedoch so real, dass sich die Leser gerne und gut mit ihnen identifizieren können.

Sciencefiction Bücher für Kinder versprechen Unterhaltung und Spaß, regen die Vorstellungskraft der Kinder an und entführen die jungen Leser in andere Welten, weg von den alltäglichen Problemen. „Was wäre wenn...“ ist die zu Grunde liegende Frage und der Schlüssel zur Aussage der Geschichten, denn wie könnte der Verstand und die Einbildungskraft von Kindern besser geschärft werden, als durch diese Frage?

Es gibt verschiedene Themenbereiche für Phantasiegeschichten, abenteuerliche Weltraumgeschichten, phantastische Geschichten bei denen Menschen mit Wundergestalten zusammentreffen oder auch Geschichten nach der Art des „Hüter der Erinnerungen“, bei dem eine „zukünftige Gesellschaft skizziert wird“[8]. In dem Roman von Lois Lowry stellt sich dabei diese utopische Gesellschaft in ihrer sozialen Struktur als negativ dar, bei der die Menschen in einer erzwungen Gleichheit leben. In anderen Büchern kann genau das Gegenteil der Fall sein, indem die futuristischen Gesellschaftsstrukturen als Ideal beschrieben werden.

[...]


[1] Vgl.: http://www.randomhouse.com/teachers/authors/lowr.html

[2] Vgl.: http://www.zum.de/Faecher/D/BW/gym/KJL/

[3] Vgl.: Lowry, Lois: „Hüter der Erinnerungen“; aus dem Amerikanischen von Anne Braun; Loewe; Bindlach 1994; Klappentext

[4] Vgl.: Lowry, Lois: „Hüter der Erinnerungen“; aus dem Amerikanischen von Anne Braun; Loewe; Bindlach 1994; Klappentext

[5] Siehe: Lowry, Lois: „Hüter der Erinnerungen“; aus dem Amerikanischen von Anne Braun; Loewe; Bindlach 1994 S. 138

[6] Lois Lowry wurde laut eigener Aussage häufig zu diesem, für manche Leser vielleicht unbefriedigenden Ende befragt. Für sie persönlich endet das Buch jedoch hervorragend, denn als Autorin hat sie erreicht, dass jeder Leser sich in Gedanken noch weiter mit der Geschichte befassen und sich ein Ende überlegen wird, welches seinen individuellen Ansprüchen gerecht wird. Und keinen der Vorschläge, den die Autorin dazu bis jetzt hörte, hält sie für falsch!

( Vgl.: http://www.randomhouse.com/teachers/authors/give.html)

[7] Vgl.: Helmut Melzer:„Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur“ Bd. I. Grundlagen – Gattungen. Hrsg.: Günter Lange, Schneider Verlag Hohengehren GmbH, Baltmannsweiler 2000.

[8] Siehe: Helmut Melzer:„Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur“ Bd. I. Grundlagen – Gattungen. Hrsg.: Günter Lange, Schneider Verlag Hohengehren GmbH, Baltmannsweiler 2000

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Hüter der Erinnerung (Lowis Lowry)
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Erziehungswissenschaftliches Seminar)
Note
2,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
23
Katalognummer
V20342
ISBN (eBook)
9783638242417
Dateigröße
872 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hüter, Erinnerung, Lowry)
Arbeit zitieren
Julia Kurz (Autor:in), 2003, Hüter der Erinnerung (Lowis Lowry), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20342

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