Die griechische Migrationspolitik im europäischen Kontext

Geschichte und aktuelle Herausforderungen


Hausarbeit, 2011

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Migration in Griechenland
2.1 Definition des Migrationsbegriffs
2.2 Historische Entwicklung von Migration und Migrationspolitik
2.3 Die Probleme der Gegenwart

3 Die Griechenland-Problematik als „europäische Angelegenheit“?
3.1 Im Fokus: Illegale Einwanderung
3.2 Der Frontex-Einsatz
3.3 Ein Grenzzaun als Lösung?
3.4 Fazit und Kritik

4 Schlussbetrachtung

5 Bibliographie

1 Einleitung

Griechenland war in den vergangenen Monaten nicht nur aufgrund der chronisch maroden Staatsfinanzen immer wieder ein Thema in den Medien. Zum Haushaltsnotstand gesellte sich eine weitere, diesmal humanitäre Krise, die sich größtenteils an der Grenze zur Türkei abspielte. Die griechischen Behörden kapitulierten endgültig vor der immensen Zahl von Immigranten, die in immer größerem Umfang auf illegale Weise in das Land – und somit auch in die EU – einreisten, und sahen sich gezwungen die Europäische Union um Hilfe zu bitten. Entsprechende Fernsehberichte und Nachrichtenmeldungen gaben für mich den Anlass, Migrationsbewegungen in Griechenland sowie deren Folgeerscheinungen im europäischen Kontext zu betrachten. Neben einem Blick in die Vergangenheit liegt das Hauptaugenmerk dabei auf der Herstellung eines aktuellen Bezugs.

Zunächst ist es nötig, den Begriff „Migration“ wissenschaftlich zu erklären. Eine kurze Definition zu Beginn des zweiten Kapitels wird auch auf verschiedene Typologien zur Differenzierung und Konkretisierung eingehen. Im weiteren Verlauf soll die historische Entwicklung von Migration und Migrationspolitik in Griechenland thematisiert werden. Verschiedenartige Wanderungsbewegungen spielten in der Geschichte des Landes schon immer eine große Rolle. Ein chronologisch gegliederter Abriss wird dazu näher Stellung nehmen und einen Bogen zu den aktuellen Vorgängen und Problemen spannen. Im Mittelpunkt der Betrachtung stehen vor allem folgende Fragen: In welchen Bereichen gibt es momentan Schwierigkeiten und welche Auswirkungen haben diese auf die betroffenen Menschen? Wo liegen die Ursachen? Und welche Lösungsansätze werden diskutiert beziehungsweise verfolgt?

Sehr schnell wird deutlich, dass illegale Einwanderung, großteils über die griechisch-türkische Landgrenze, besonders im Fokus steht. Die Exekutivorgane waren schlichtweg überfordert, zum Teil auch schlecht organisiert, und mussten in höchster Not die Europäische Union einschalten. Im dritten Kapitel geht es deshalb um die Frage, inwieweit man diese Problematik als „europäische Angelegenheit“ betrachten kann – oder sogar muss – und welche Auswirkungen durch das aktive Eingreifen auf die Wanderungsbewegungen, aber auch die politischen Konstellationen in der Region zu erwarten sind. Neben dem erstmaligen polizeilichen und vorgeblich humanitären Einsatz von Beamten der Grenzschutzagentur Frontex werde ich eine zwischenzeitlich diskutierte Alternative, nämlich die Errichtung eines massiven Grenzzauns nach US-amerikanisch-mexikanischem Vorbild, kritisch reflektieren.

Die Schlussbetrachtung im letzten Kapitel fasst die Ergebnisse meiner Untersuchungen noch einmal in kompakter Form zusammen und endet mit einem Ausblick auf offene beziehungsweise weiterführende Fragestellungen, die im Rahmen künftiger Arbeiten aufgegriffen werden könnten. Zudem wage ich eine Prognose auf die zukünftige Relevanz des Themas.

2 Migration in Griechenland

2.1 Definition des Migrationsbegriffs

Die meisten Menschen haben eine gewisse Vorstellung von „Migration“ und assoziieren mit diesem Begriff Ein- oder Auswanderungen im weitesten Sinne. Im Bereich der Bevölkerungsgeographie werden diese Wanderungsbewegungen neben Zirkulationen als eine Form der räumlichen Mobilität verstanden.[1] Was macht Migration aber nun inhaltlich aus? Einer gängigen wissenschaftlichen Definition zufolge ist damit „der auf Dauer angelegte bzw. dauerhaft werdende Wechsel in eine andere Gesellschaft bzw. in eine andere Region von einzelnen oder mehreren Menschen“[2] gemeint. Da diese vereinfachte Umschreibung nicht die damit verbundene Komplexität widerspiegeln kann, werde ich im folgenden vier verschiedene Typologien zur Differenzierung und Konkretisierung vorstellen.[3]

Zunächst erscheint es sinnvoll hinsichtlich räumlicher Aspekte zu unterscheiden. Dabei spielen sowohl die Wanderungsrichtung als auch zurückgelegte Entfernungen eine entscheidende Rolle. So kann es Binnen-, aber auch internationale Wanderungen geben, letztere lassen sich sogar noch weiter in kontinentale und interkontinentale Wanderungen ausdifferenzieren.

Ein weiteres Kriterium zur Einordnung sind zeitliche Aspekte. Eine Wanderung kann nur temporär erfolgen (also für einen begrenzten Zeitraum, z.B. Saisonarbeiter), oder aber dauerhaft beziehungsweise permanent (räumliche Verlagerung des Lebensmittelpunktes).

Auch bezugnehmend auf die Ursachen von Wanderungen lässt sich eine idealtypische Unterscheidung vornehmen. Zu Recht kritisiert Annette Treibel jedoch, dass die Grenzen von freiwilliger und unfreiwilliger Wanderung fließend und mitunter nicht trennscharf sind. Vielfach findet auch eine Vermischung der Motive oder eine Politisierung durch Dritte statt. Die Diskussion dreht sich vor allem um die Begriffe Arbeitsmigration (freiwillige Wanderung) und Fluchtmigration bzw. Vertreibung (unfreiwillige Wanderung).

Als letzten Punkt führt Treibel den Aspekt des Wanderungsumfanges an. Ausschlaggebende Größe für eine Kategorisierung ist in diesem Fall die Anzahl der Wandernden. Die Bandbreite reicht von Einzel-, über Gruppen- bis hin zu Massenwanderungen. Auch hier ist eine klare Abgrenzung zum Teil schwierig.

Natürlich sind die vorgenannten Typologien nur einige Möglichkeiten von vielen, und so belässt es zum Beispiel auch Jürgen Bähr bei ähnlich gelagerten „Typisierungsversuchen“.[4] Als Hauptmotive für Migration gelten „die Suche nach Arbeit und der Schutz vor Verfolgung[5], präzisierend hinzuzufügen sind die Flucht vor wirtschaftlicher Not und sozialer Verelendung sowie Krieg und politischer Repression. Die Suche nach Arbeit ist mit der Hoffnung auf ein besseres Leben und der Sehnsucht nach einer selbstbestimmten Zukunft verbunden. In dieser Aufzählung wird gut erkennbar, dass Wanderungen fast immer mehr oder weniger zwangsverursacht sind, wenn auch nicht in jedem Fall direkt. Die Wanderungsentscheidung wird aufgrund von Abwägungen getroffen, die eine Verbesserung der Befriedigung menschlicher Elementarbedürfnisse zum Ziel haben. Wie der folgende Abschnitt deutlich macht sind auch die historisch vielfältigen Migrationsbewegungen in Griechenland häufig durch entsprechende Merkmale gekennzeichnet.

2.2 Historische Entwicklung von Migration und Migrationspolitik

Wie bereits in der Einleitung angedeutet sind Wanderungen in der jüngeren griechischen Geschichte in unterschiedlicher Art und Weise bzw. Intensität aufgetreten. Um den Rahmen dieses chronologischen Überblicks nicht zu sprengen werde ich den Startpunkt an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert setzen.[6]

Ganz Südosteuropa war damals von Fluchtbewegungen und Bevölkerungsverschiebungen betroffen, die als Folgeerscheinungen aus den mit der Auflösung des Osmanischen Reiches einhergehenden Konflikten resultierten. Einerseits war Griechenland militärisch involviert, andererseits diente es als Aufnahmeland für eine Vielzahl von Flüchtlingen. Nach der endgültigen Niederlage gegen die Türkei wurde 1923 im Vertrag von Lausanne eine Friedensordnung festgeschrieben, die unter anderem einen mit der jeweiligen Konfessionszugehörigkeit begründeten „Bevölkerungsaustausch“ (recht euphemistische Umschreibung für erzwungene Migration) zwischen den beiden Staaten nach sich zog.

Zu unterschiedlichen Zeiten gab es aber auch größere (freiwillige) Auswanderungsbewegungen, so beispielsweise – dem allgemeinen europäischen Trend folgend – zum Ende des 19. Jahrhunderts in die USA, und nach dem Zweiten Weltkrieg in einer weiteren Welle zusätzlich in Richtung Kanada oder Australien. Zudem strömten in den 1960er Jahren mehrere Tausend Griechen zumeist als angeworbene Gastarbeiter nach Westeuropa, und insbesondere in die Bundesrepublik Deutschland. Während für diese dritte Wanderungswelle anfangs ein eher temporärer Charakter angenommen werden konnte, stellte sich bald heraus, dass sie für eine beträchtliche Zahl von Betroffenen mit einem dauerhaften Wechsel in die Aufnahmegesellschaft verbunden war.

Die 1970er Jahre markierten eine Art Wendepunkt: Infolge der Demokratisierung Griechenlands setzte eine Phase der wirtschaftlichen Prosperität ein und die Zahl der Auswanderer ging merklich zurück. Gleichzeitig erfolgte eine verstärkte Zuwanderung von politischen Flüchtlingen sowie Arbeitsmigranten aus den post-kolonialen Staaten Nordafrikas.

[...]


[1] Vgl. Bähr, Jürgen: Bevölkerungsgeographie, 4., aktualisierte und überarbeitete Auflage, Stuttgart 2004, S. 248.

[2] Treibel, Annette: Migration in modernen Gesellschaften. Soziale Folgen von Einwanderung, Gastarbeit und Flucht, 3. Auflage, München und Weinheim 2003, S. 21.

[3] Vgl. ebd., S. 20.

[4] Vgl. Bähr (2004), S. 254-259.

[5] Treibel (2003), S. 21.

[6] Nachfolgende Ausführungen: Vgl. Triadafilopoulos, Phil: Länderprofil: Griechenland. In: Migration und Bevölkerung (MuB) Newsletter, Ausgabe 9, November 2003, unter: http://www.migration-info.de/mub_artikel.php?Id=030908 (abgerufen am 02.03.2011).

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die griechische Migrationspolitik im europäischen Kontext
Untertitel
Geschichte und aktuelle Herausforderungen
Hochschule
Technische Universität Chemnitz
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V203478
ISBN (eBook)
9783656295594
ISBN (Buch)
9783656297116
Dateigröße
583 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sozial- und Wirtschaftsgeographie, Griechenland, Frontex
Arbeit zitieren
Frank Bodenschatz (Autor), 2011, Die griechische Migrationspolitik im europäischen Kontext, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/203478

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