Pressesprachlicher Wortschatz


Hausarbeit, 2000

21 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Zur Problematik der Bezeichnung „Pressesprache“
2.1. Die Heterogenität des Begriffs „Presse“
2.2. Die Entstehung einheitlicher Tendenzen in der Pressesprache
2.3. Untersuchungsansätze zum pressesprachlichen Wortschatz

3. Tendenzen des pressesprachlichen Wortschatzes im Spanischen
3.1. Neologismen
3.1.1. Wortentlehnung
3.1.1.1. Definition
3.1.1.2. Extern-Entlehnungen – Wege und Arten der Hispanisierung
3.1.1.3. Wortschatzbereiche und ihre wichtigsten Spendersprachen
3.1.2. Lehnübersetzungen/lexikalisierte Konstruktionen
3.1.3. Komposita
3.1.4. Präfigierung und Suffigierung
3.1.5. Substantivierung
3.1.6. Neuwortbildung durch Verkürzung
3.1.6.1. Apokopenbildung
3.1.6.2. Sigelwörter
3.1.7. Aufnahme von (Gebrauchs-) Fehlern in die Sprachnorm
3.2. Wortschatzverbreitung
3.2.1. Verschiebung in der relativen Häufigkeit von Wörtern
3.2.1.1. Regionale Varianten – Intern-Entlehnungen
3.2.1.2. Eindringen fachsprachlicher Ausdrücke „tecnicismos“
3.3. Weitere Auffälligkeiten in der Ausdrucksweise
3.3.1. „Seudocultismo/semicultismo“
3.3.2. Drastische Ausdrucksweise und emotionale Färbung des Wortschatzes
3.3.3. Poetische Wörter, Wortspiele, Sprichwörter
3.3.4. Bildhafte Ausdrucksweise

4. Fazit

5. Anhang
5.1. Überblick über die Möglichkeiten der Zusammensetzung von Komposita
5.2. Die semantischen Funktionen von Präfixen

6. Literaturangaben

Einleitung

Seit der Entstehung der Printmedien wettern Philosophen und Sprachpfleger, Lehrer und Dichter gegen den Sprachgebrauch der Journalisten. Schopenhauer wendet sich beispielsweise in seinem Werk „Parerga und Paralipomena“ (1851) erbittert gegen die „Zeitungsschreiberei“ und deren „Sprachverhunzungen“, die er in der Verwendung des ein oder anderen „nicht bei guten Schriftstellern anzutreffenden Wortes“ entdeckt. Ein halbes Jahrhundert zuvor hatte Goethe 1801 bereits moniert, dass Wörter, „mit denen nur das Beste bezeichnet werden sollte als Phrasen“ angewendet werden, „um das Mittelmäßige oder wohl gar das Geringe zu maskieren.“

Derartige Äußerungen lassen auf die Existenz einer speziellen Pressesprache schließen, was im folgenden zu prüfen ist. Wie könnte sie entstehen und wo liegen gegebenenfalls ihre Besonderheiten? Aus diesen Überlegungen wird daraufhin eine geeignete Vorgehensweise erarbeitet, um sich den Besonderheiten eines pressesprachlichen Wortschatzes – hier insbesondere dem der spanischen Presse – anzunähern und dessen Auswirkungen auf die Umgangs- bzw. Normsprache zu untersuchen.

1. Zur Problematik der Bezeichnung „Pressesprache“

1.1. Die Heterogenität des Begriffs „Presse“

„Presse“ ist ein sehr weitgefächerter Begriff. Er umfasst sämtliche Printmedien, d.h. alle Medien die durch eine Druckerpresse gelaufen sind, also neben seriösen nationalen Tageszeitungen wie EL PAÍS oder EL MUNDO, den mehr oder weniger großen regionalen Blättern wie LA VANGUARDIA (v.a. in Katalonien gelesen) und LA VOZ DE ASTURIAS, sowie Nachrichtenmagazinen und Fachzeitschriften (HISTORIA16, MOTOR16, LA ECONOMIA...), auch Frauenzeitschriften (MARIE CLAIRE), sensationslüsterne Boulevardblätter wie etwa DIARIO16 und die Regenbogenpresse.

Die einzelnen Presseorgane sind wiederum in verschiedene Rubriken wie Politik, Kultur, Wirtschaft und Sport unterteilt, deren journalistische Textsorten unterschiedliche publizistische Funktionen erfüllen:

INFORMATION MEINUNGSBILDUNG UNTERHALTUNG

- Nachricht
- Feature
- Bericht
- Reportage
- Interview - Leitartikel
- Kommentar
- Kolumne
- Glosse
- Essay - Feuilleton

(Kritik, Kurzgeschichte, Fortsetzungs-roman)

Jedes Presseorgan, wenn nicht gar jeder einzelne Text muss seine konkrete Zielgruppe unter den Lesern befriedigen, die u.a. durch ihr gesellschaftliches Umfeld, ihre Interessenslage oder ihren Bildungsstand unterschiedlichste Rezeptionsvoraussetzungen mitbringen. Dies kann nur durch differenzierten Sprachgebrauch bewerkstelligt werden, was die Existenz einer homogenen Pressesprache ausschließt. Vielmehr kommen jeder Zeitung oder Zeitschrift und jeder Sparte eigene sprachliche Besonderheiten zu.

1.2. Die Entstehung einheitlicher Tendenzen in der Pressesprache

Dennoch finden sich einige Faktoren, die die Entstehung einheitlicher Tendenzen in der Pressesprache begünstigen. Zum einen weisen alle Presseorgane ähnliche Produktionsbedingungen auf: vor allem die Tagespresse, aber im Endeffekt jedes Medium, das einem Redaktionsschluss unterliegt, ist einem nicht zu unterschätzenden Zeitdruck ausgesetzt, der nicht zuletzt sprachliche Ungenauigkeiten begünstigt. Des weiteren lebt die Presse von der Weitergabe fremder, teilweise fremdsprachlicher Informationen sowie von der ständigen Zusammenfassung mehrerer (Einzel-) Informationen. So gerät Wortschatz aus fachfremden Bereichen in ungewohnten Kontext und über die Presse oft in die Umgangssprache, wie man an anderer Stelle noch genauer sehen wird.

Zum anderen stimmen die Mitteilungsabsichten der Printmedien weitgehend überein: sowohl seriöse Tageszeitung als auch das Boulevardblatt haben die Bewusstseinsbeeinflussung ihrer Leser zum Hauptziel, wobei dies sowohl durch subjektive Bewertung als auch durch neutrale Faktenvermittlung geschehen kann (dies hängt vor allem von der jeweiligen Textsorte ab). Zudem muss im harten Wettbewerb mit der Konkurrenz durch hohe Attraktivität ständig um die Gunst der Leser geworben werden, d.h. die Themen bedürfen einer adressatenbezogenen Darstellung. So finden sich häufig Anbiederungen an sprachliche Gewohnheiten der jeweiligen Zielgruppe.

1.3. Untersuchungsansätze zum pressesprachlichen Wortschatz

Eine Betrachtung spezifischer Kennzeichen des pressesprachlichen Wortschatzes scheint somit zwar unter erschwerten Bedingungen aber dennoch möglich zu sein. Schwierigkeiten bereitet v.a. die Suche nach einer geeigneten Vorgehensweise. Lüger unterscheidet in diesem Zusammenhang zwischen drei Betrachtungsweisen : Zum einen sieht er die „Pressesprache als Indiz für die Tendenzen der Gegenwartssprache“ und weist ihr somit eine wichtige Rolle bei der Ausprägung und Veränderung sprachlicher Normen zu. Die sprachlichen Auffälligkeiten werden hier diaphasisch betrachtet. Unter Annahme eines relativ eigenständigen Sprachstils liegt ein weiterer Blickpunkt im „spezifischen Sprachgebrauch im Medium Presse“, wobei mit anderen Medien wie Funk und Fernsehen verglichen wird. Lügers dritter Ansatzpunkt ist der „Sprachgebrauch eines bestimmten Publikationsorgans“, wobei ein spezielles Organ in einem begrenzten Zeitraum oder im Rahmen einer speziellen Berichterstattung herausgegriffen wird.

In die vorliegende Arbeit fließen alle drei Betrachtungsweisen ein, da undifferenzierte wortstatistische Erhebungen allein keine aussagekräftigen Ergebnisse liefern. Zunächst werden jeweils die auffälligen Phänomene des pressesprachlichen Wortschatzes erläutert und daraufhin untersucht, in welchen thematischen oder organspezifischen Zusammenhängen sie hauptsächlich auftreten und weshalb.

2. Tendenzen des pressesprachlichen Wortschatzes im Spanischen

2.1. Neologismen

2.1.1. Wortentlehnung

2.1.1.1. Definition

Wie bereits erwähnt, geht die Tendenz im lexikalischen Bereich zur Wortentlehnung sowohl aus Fremdsprachen als auch aus fachfremden Bereichen. Man versteht darunter die Übernahme sprachlichen Materials (wie Wörter, syntaktische Strukturen, Wortbildungselemente...) aus einer Spender- in eine Lehnsprache, was im Text bisweilen durch Kursivdruck oder Anführungszeichen gekennzeichnet sein kann.

2.1.1.2. Extern-Entlehnungen – Wege und Arten der Hispanisierung

Wortübernahmen aus Fremdsprachen werden nicht immer vollständig, also ohne Veränderung der Bedeutung und/oder des Wortes an sich vollzogen, wie beispielsweise bei snack (Imbissstube), wo sowohl Orthographie als auch Bedeutung beibehalten worden sind. Bisweilen finden sich Bedeutungserweiterungen wie bei best-seller (Bestseller und Bestsellerautor), „wenn ein zusätzliches Benennungsbedürfnis besteht“, oder -verengungen, „wenn sich die Entlehnung gegenüber vorhandenen lexikalischen Einheiten abgrenzen muss, z.B. bei mitin, politische Versammlung, Kundgebung“ .

[...]

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Details

Titel
Pressesprachlicher Wortschatz
Hochschule
Universität Passau  (Philosophische Fakultät)
Veranstaltung
Spanisch als Mediensprache
Note
1,0
Autor
Jahr
2000
Seiten
21
Katalognummer
V20349
ISBN (eBook)
9783638242479
ISBN (Buch)
9783640857555
Dateigröße
651 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pressesprachlicher, Wortschatz, Spanisch, Mediensprache
Arbeit zitieren
Nadine Hoffmann (Autor), 2000, Pressesprachlicher Wortschatz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20349

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